Schneeglöckchenzauber

Wer kennt sie nicht, diese wunderbaren Zeichnungen von Ida Bohatta. Wenigstens die ältere Generation unter uns. Gerne erinnere ich mich an diese herzerwärmenden Zeichnungen, kleine Menschenkinder im Reich der Blümchen. Die Blüten oft als Hütchen, Sonnenschutz oder auch als Röckchen getragen. So wie auf diesem Bild die Blüte des Schneeglöckchens als Hütchen und das Mädchen, das den Frühling einläutet.

Schneeglöckchen sind zarte Geschöpfe, filigrane erste Boten des Frühlings. Sie halten ihre weißen Köpfchen elegant gen Boden geneigt, und sie ‘läuten’ mit ihrem Erblühen den Frühling und die wiederkehrende Sonnenwärme ein.

Die Schneeglöckchen werden gerne als Frühlingsboten gesehen, weil sie schon sehr früh, sobald die Sonne wieder mehr Kraft hat, ihre Köpfchen durch das kalte Nass kämpfen. Aber woher wissen sie, dass es Zeit wird aus dem Winterschlaf zu erwachen? Wie oft kommt wieder eine Kaltfront und legt erneut eine weisse oder frostige Decke über die Wiesen. Warum erfrieren sie dann nicht wieder?

Die Natur hat, wie immer, auch hier vorgesorgt. Sobald es wärmer wird, wird der Stoffwechsel mit Nährstoffen in der Blumenzwiebel in Gang gesetzt. Es kann seinen eigenen Ofen einheizen und schafft es sogar, den Schnee rundum die Pflanze zum Schmelzen zu bringen. Das Schmelzwasser verhindert zugleich das Austrocknen der zarten Geschöpfe. Manchmal kann man die kreisförmigen schneefreien Flecken rund um die Frühblüher erkennen.

Wenn es nachts wieder kalt wird, schliesst das Schneeglöckchen sein Blütenröckchen und legt sich sanft auf den Boden, um sich dann am nächsten Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen wieder erneut zu strecken, das Köpfchen hängen zu lassen und im Wind leicht zu nicken. In der Regel bilden sich an einem Stengel nur eine Knospe, welche von einem Hochblatt eingehüllt wird und aufrecht steht. Beim Erblühen löst sie sich und hängt glockenförmig nach unten. Die Blüte des Schneeglöckchen besteht aus drei inneren und äusseren Blütenblättern und bildet im Spätfrühling eine hellgrüne Kapselfrucht.

Der lateinische Namen für die Schneeglöckchen ist Galanthus, was übersetzt Milchblume heisst. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Blütenfarbe, die bei allen vorkommenden Arten milchweiss ist. Im Volksmunde gibt es verschiedene Namen wie: Lichtmessglocken, weisse Jungfrau , Februar-Mädchen und viele mehr.

Die ersten Blattspitzen der Schneeglöggli (Schweiz), erscheinen je nach Temperatur meist schon Anfang Februar. Ein alter Brauch besagt, dass man am Tag von Mariä Lichtmess (2. Februar) ein paar Schneeklöckla (Schlesien) auf den Altar streuen soll.

Sommernarr nennen die Dänen die ersten Frühlingsboten. Der dänische Dichter Hans Christian Anderson hat sogar ein Märchen geschrieben. Das Märchen „Schneeglöckchen“ erzählt von der kleinen Blume, die von den Sonnenstrahlen hinaus in die Kälte gelockt wird und nach einem langen Weg als gepresstes Blümchen in einem Gedichtbuch endet.

Alle Pflanzenteile des Schneekaterl (Salzburgisch) sind giftig. So schützt sich das zarte Pflänzchen vor Parasitenbefall und weidenden Pflanzenfressern. Wie bei allen Dingen macht auch beim Schneetröpfer (Österreich) die Dosis das Gift. Im Kaukasus wird die Zwiebel des dortigen Schneeglöckchens (Galanthus woronowii) schon lange von alten Menschen gegen Alterserscheinungen und Gedächtnisschwäche eingenommen. Diese Wirkung macht sich die moderne Medizin in Demenz-Medikamenten zunutze. Nichtsdestotrotz sollte man die Sneiklöckelken (Hannover) nicht verzehren.

Das Schneeglöckchen hat auch eine grosse Fangemeinschaft. Galanthophilen, wie man die Schneeglöckchenfans nennt, veranstalten Galas zu Ehren der weissen Pracht. Vor allem in England gibt es eine sehr grosse Gemeinschaft. Jedes Jahr findet in Shelton Wallet (Somerset) ein grosses „Snowdrop-Festival“ statt.

Ich freue mich, wenn Anfang Februar die ersten Schneeglöggli ihren Weg nach oben suchen. Dank einem festen Hochblatt, welches das Köpfchen schützt, können sie den Boden und den Schnee unbeschadet durchstossen. Bald schon legt sich ein weisser Blütenteppich über die Wiese. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die den noch feuchten Boden küssen, liege ich bereits mit meiner Kamera auf der Lauer und versuche, neben den vielen kleinen Glöckchen auch den glitzernden Tau auf den Sensor zu brennen.

6 Kommentare zu „Schneeglöckchenzauber

  1. Hallo Susanne,

    ich finde deinen Schneeglöggli – Bericht ganz außerordentlich. Die Fotos sind faszinierend mit der Superschärfe der Glöggli und der toll gesteuerten Unschärfe im Vorder- und Hintergrund. Der Bericht ist hoch interessant und für mich in den Details auch noch lehrreich. Ich bin zwar schon von Kind an ein Schneeglöggli- und Schlüsselblüemli- Fan aber das eigentlich nur aus optischer Sicht und so waren viele deiner Informationen neu für mich. Ich bin immer noch jedes Jahr gespannt darauf, die ersten zu entdecken. Die geschmolzenen Kreise im Schnee sind mir auch schon aufgefallen aber ich wusste bis jetzt nicht genau durch was sie entstehen.

    Herzlichen Dank für den toll bebilderten und ausführlichen Bericht.

    Viele Grüße aus dem Zentrum des Wiesentals
    und b. g.

    Uli

    b. g. /\
    = blib gsund

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  2. Liebe Susi, ich hatte dass Gefühl „alle“ Deine Bilder zu kennen, aber Du zauberst immer wieder neue aus dem Ärmel! Traumhaft – danke für den Beitrag 👌🏻😍 PS: das mit dem Kreis habe ich auch nicht gewusst…

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