Es gibt Fisch!

Trüb ist es heute, hier an der normannischen Küste. Der Himmel ist grau, das Meer auch und es fällt leichter Nieselregen. Der Strand ist fast menschenleer, und viele Restaurants und Cafés haben ihre Saison bereits beendet. Ich schaue aufs Meer hinaus und genieße das Rauschen des Meeres und die Ruhe der Nachsaison. Mein Blick bleibt an einem roten Boot hängen, und ich beobachte, wie zwei Männer damit beschäftigt sind, dieses an Land zu holen.

Das ist hier, an der Alabasterküste der Normandie, nichts Ungewöhnliches. Aber da es ja sonst nicht viel zu gucken gibt, beobachte ich die beiden weiter. Während der eine das Boot sichert, läuft der andere mit einer gelben Kiste zurück ans Wasser und fängt an, Fische auszunehmen.

Das muß ich mir doch unbedingt genauer anschauen!

Leider bin ich der französischen Sprache nicht mächtig, und wie gerne würde ich ihn fragen, ob ich in fotografieren darf. Ich versuche es mit einem Lächeln, mache zögerlich ein erstes Foto und warte auf seine Reaktion – es kommt ein freundlicher Blick zurück und schon liegt seine Konzentration wieder voll auf der Arbeit.

Das mit der Ruhe ist nun auch vorbei, denn die Möwen haben „den Braten gerochen“ und stürzen sich mit Geschrei auf die ins Meer zurück geworfenen Innereien.

Aber nicht nur die Möwen werden vom fangfrischen Fisch angelockt, und so wechselt, schon gleich nach dem Säubern, der erste Fisch seinen Besitzer.

Für mich wird es nun Zeit, die Kamera einzupacken und die Leute in Ruhe zu lassen, denn ich möchte die Geduld und Freundlichkeit der Einheimischen nicht überstrapazieren. Zumal es nun Mittagszeit ist und mir der Magen knurrt. Gibt es Fisch? Bestimmt!

23. September 2022, Saint-Pierre-en-Port, Normandie, Frankreich

7 Kommentare zu „Es gibt Fisch!

  1. Toller Artikel, Steffi, rundum klasse! Vielen Dank, dass Du uns an dieser Szene teilhaben lässt, die irgendwie alltäglich und besonders zugleich ist. Gerade so, als wäre man selber dabei! Wenn ich nicht noch satt wäre vom abendlichen Käsebrot (übrigens mit Comté aus Frankreich), würde ich glatt Appetit auf Fisch kriegen… 😉 (ein großes Lob an dieser Stelle auch von Sabine)

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    1. Danke Sebastian, für die netten Worte. Ich mag ja so kleine, in sich geschlossene Geschichten, aber dadurch dass man das am Anfang oft nicht weiß, ob und dass sich daraus was entwickeln könnte, verpasse ich es gerne mal das Einstiegsfoto und auch ein Schlussbild zu machen. Ohne diese, wäre es für mich jedoch keine Geschichte, sondern eher ein Porträt eines Mannes, der Fische ausnimmt.
      Ich hätte mich ja zu gerne noch mit ihm unterhalten…
      Liebe Grüße, auch an Sabine 🙂

      Gefällt 1 Person

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