Sogesehen – Monatsfoto Januar 2024

When nothing goes right, go left…
… dachte ich mir, als ich das erste Mal an diesem Wegweiser vorbeikam. Nachdem ich sowieso etwas lust- und ziellos im Wald spazieren ging, bin ich der Einladung des Wegweisers gerne gefolgt. Denn, wann hat man schon die Gelegenheit, mit einem Umweg von gerade mal 400 Metern direkt nach TROTZDEM zu kommen?
Der Ort selbst ist ruhig gelegen und wenig spektakulär. Dort, wo der Wegweiser steht, laufen die meisten geradeaus weiter.  Viele nehmen nicht mal den Wegweiser wahr, vielleicht, weil sie ja genau wissen, wo sie hinwollen: Zu den „echten“ Zielen, zum Kybfelsen oder weiter zum Schauinsland.  
Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb mag ich den Ort und den Weg dorthin: Der Weg links ab, dann gleich nochmal rechts und durch das Gatter links runter auf den schmalen Pfad fühlt sich ein bißchen an wie der Eingang in die Winkelgasse: Alle können ihn sehen, aber die wenigsten nehmen ihn wahr.

When nothing goes right, go left…
… ist vielleicht auch ein möglicher Einstieg in das nun vor uns liegende Neue Jahr 2024.
Vielleicht sind all die furchtbaren Ereignisse, die uns täglich neu in den Nachrichten erschrecken, nicht die einzige Wahrheit. Mit meiner persönlichen Kraft werde ich weder den Weltfrieden herbeiführen noch den Klimawandel aufhalten. Nicht einmal werde ich meine Mitmenschen davon überzeugen können, daß es intelligentere Formen des Miteinanders gibt, als den öffentlichen Raum mit Pizzakartons, Zigarettenkippen oder anderem Müll zu befüllen. Das ist meiner ganz persönlichen Meinung nach auch nicht meine Aufgabe.
Aber: Kann ich TROTZDEM etwas verändern in dieser Welt?

When nothing goes right, go left…
… ist das bloß ein hübscher Spruch oder hat das eine echte Bedeutung im Alltag?
Oder: Was passiert eigentlich, wenn ich mit einer positiv-trotzigen Grundhaltung den Hauptweg ins Jammertal verlasse und meinen eigenen Weg suche?
Wenn ich mit meinen begrenzten Kräften in meinem direkten Umfeld, in Familie und Verwandtschaft, der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz, in der freien Natur und in der Stadt immer wieder neu versuche, mich als Geschöpf inmitten von anderen Geschöpfen zu verstehen und diesen mit Wertschätzung zu begegnen?
Wenn ich dazu noch den Blick hebe und mich ernsthaft bemühe meinen kleinen Teil an der globalen Verantwortung ernst zu nehmen?
Möglicherweise werde ich dann ein kleiner Teil einer Veränderung zum Positiven.
HOFFNUNGSTROTZIG.

Vielleicht bin ich ja total naiv und ich sehe mit meiner naturgegeben beschränkten Sicht auf die Dinge nicht das, worauf es wirklich ankommt.

Was meint Ihr?

Auf jeden Fall wünsche Euch von Herzen ein trotz- und hoffnungs-volles, lebens- und liebenswertes Neues Jahr 2024.


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4 Kommentare zu „Sogesehen – Monatsfoto Januar 2024

  1. Hoffnungstrotzig- ein mir bisher unbekanntes Wort. Ist das eine von dir kreierte Wortschöpfung oder hat es vielleicht einen kirchlichen Ursprung?
    Mir gefällt das Wort. Es ist einerseits durch die Hoffnung positiv belegt, aber beinhaltet auch Eigensinn und Dickköpfigkeit.
    Für mich passt das Wort wunderbar in unsere Zeit, in der wir es scheinbar nicht schaffen, mit den gängigen Regeln und gewohnten Routinen wichtige Veränderungen anzugehen.
    Danke für deinen Artikel, Oliver! Der Beitrag hätte Potential für diskussionsfreudige Rotweinrunden 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Steffi, das Wort „hoffnungstrotzig“ kam mir mir beim Korrigieren und Verdichten meiner Gedanken für den Beitrag.
      Sicher ist meine vielfach erlebte Erfahrung, daß es in meinem Leben eine Dimension gibt, die deutlich über das physisch meßbare hinausgeht, ein Grund dafür, daß ich solche Begriffe überhaupt denken kann.
      Im christlichen Kontext hat man sich daran gewöhnt, diese Dimension „Gott“ zu nennen, was meines Erachtens mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Teil, mit Sicherheit aber nicht die ganze Wahrheit ist.
      Und mit dem, was „die Kirche“ aus und mit „Gott“ gemacht hat, kann ich mich nicht im traditionellen Sinn „fromm und frei“ zu meiner Zugehörigkeit zum sogenannten „kirchlichen Umfeld“ bekennen.
      Klingt jetzt ziemlich kompliziert, wird aber schnell klarer, wenn mensch sich wie bei einer guten Haiku-Fotografie darauf einlässt, in der Unschärfe dem Wesentlichen Raum zu geben.

      Rotweinrunde ist eine hervorragende Idee!
      Liebe Grüße vom Oliver

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  2. Danke Oliver für das Monatsfoto und deinen Beitrag dazu 😊 Ich kann mich Steffi nur anschließen und fände den besagten Rotweinabend durchaus sehr interessant… Grundsätzlich wäre es sicher nicht verkehrt, wenn mehr Leute „hoffnungstrotzig“ wären. Auch dir ein frohes neues Jahr und alles Liebe 🍀

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