Streifzüge durch Frankfurt

Frankfurt – die Hessenmetropole oder „Mainhattan“, wie mir im Erdkundeunterricht einmal beigebracht wurde – kennen viele nur von kurzen Zwischenstopps. Sie haben mal die Messe oder eines der Museen besucht und kurz einen Blick auf die Skyline geworfen.

Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder kurze Abstecher nach Frankfurt gemacht und mir jedes Mal ein anderes Viertel vorgenommen. In diesem Beitrag schaue ich an Orten vorbei, die man vielleicht leicht übersieht… und lande am Ende doch an der Flößerbrücke mit Blick auf die Skyline!

Die Stadt geht ja hoch hinaus, aber wir starten unterirdisch: in der U-Bahnstation Westend. Die erleuchteten Säulen weisen bereits den Weg Richtung Palmengarten. Und wenn die U-Bahn abgefahren ist, herrscht für ein paar Augenblicke ungewohnte Ruhe, bevor die nächsten Fahrgäste eintrudeln.

Mit der nächsten U-Bahn fahre ich in die Innenstadt. Frankfurt hat ja viele äußerst sehenswerte Museen. Eines hat es mir besonders angetan: das Museum für Moderne Kunst (MMK).  Egal, was für eine Ausstellung gerade läuft, ein Besuch lohnt sich schon wegen der postmodernen Architektur. Von außen hat es die Form eines Tortenstücks, von innen bieten sich immer wieder neue Perspektiven, und wer gerne grafische Motive fotografiert, kann sich hier austoben!

Wenn wir schon bei schicken Perspektiven sind, schauen wir noch im sogenannten Juniorhaus vorbei, einem der ersten Hochhäuser Frankfurts (Baujahr 1951), heute ein Bürogebäude von vielen. Wobei der Begriff „Hochhaus“ heute irreführend ist: es ist nur 35 Meter hoch, kann aber dafür mit einem ovalen Treppenhaus beeindrucken.

Weiter geht es nun durch die Straßen des Financial Districts. An manchen fotogenen Ecken läuft man fast vorbei. Die gebogenen gelben Lampen am Skyper Hochhaus hätte ich fast verpasst. Sie sind auch noch relativ neu, der Künstler Jeppe Hein hat sie erst 2024 installiert. Aus der Froschperspektive bieten sich schöne Kontraste zu den umliegenden Gebäuden.

Der Blick nach oben lohnt sich auch wieder zwischen Japan Center und Commerzbank-Tower nur einen Block weiter.

Mein Weg führt mich weiter Richtung Main. Dort befindet sich nicht nur das relativ neue Wohnquartier „Westhafen“, sondern auch das „größte Apfelweinglas der Welt“, der Westhafen Tower.
Nun mache ich mich auf zu einem längeren Spaziergang Richtung Europäischer Zentralbank (EZB) immer am Mainufer entlang. Nach nur wenigen Schritten unterquere ich die Friedensbrücke. Passend zum Namen wird hier durch ein Wandbild an die schrecklichen Vorgänge in Hanau im Jahr 2020 erinnert.

Es dämmert bereits, als ich an der EZB ankomme. Dort wurde meines Wissens nie mit Bananen gehandelt, auch wenn der Waggon anderes vermuten lässt :-).

Mittlerweile ist die Sonne untergangen. Die blaue Stunde ist natürlich die perfekte Zeit, um den Rundgang abzuschließen und den Blick auf die Skyline zu genießen. Die Bilder sind von der Flößerbrücke und der Ignatz-Bubis-Brücke aus entstanden. Ein Experiment mit Zoom-Effekt ist auch dabei.

Mit dem letzten Tageslicht mache ich mich auf den Weg zurück zum Bahnhof.
Wer noch mehr Bilder aus Frankfurt sehen möchte, dem sei dieser Beitrag von Stefanie ans Herz gelegt, mit weiteren Nacht-Ansichten von Frankfurt.

sogesehen – Monatsfoto April 2026

Das erste Viertel des Jahres ist schon wieder Geschichte – und hoffentlich ebenso auch der Winter. Wunderbarerweise beginnt der April gleich mit ein paar freien Tagen, die viele von uns- vielleicht kombiniert mit den Osterferien- für eine erste Reise nutzen werden.
Mein erster Kurztrip dieses Jahres liegt etwa drei Wochen zurück, und es ging an einen mir bis dahin unbekannten Ort: den Federsee in Oberschwaben. Obwohl er von mir aus mit dem Auto in nur zweieinhalb Stunden zu erreichen ist, war mir die Gegend rund um Bad Buchau und der See an sich nicht bekannt. Aber wie fast immer, wenn Blogkollege Sebastian ein Reiseziel aussucht, kann man davon ausgehen, dass es dort etwas zu sehen und zu erleben gibt.
Mit ihm unterwegs zu sein, bedeutet allerdings auch, früh raus aus den Federn zu müssen, um schon vor Sonnenaufgang an den schönen Stellen zu sein. Das ist eine Herausforderung für alle in der Gruppe, aber es lohnt sich jedes Mal. (Auch wenn es nicht immer alle schaffen, dass warme Bett zu verlassen 😉 )

Nach rund drei Stunden in der Kälte sehnt man sich dann doch nach einem heißen Kaffee und einem leckeren Frühstück im Hotel. Danach gönnen wir uns immer noch eine kurze Pause im Zimmer, bevor wir wieder losziehen um den Rest des Tages – bis auf eine Kuchen-und-Kaffee-Pause – draußen in der Natur zu verbringen. 
Eine solche Kurzreise mit Sebastian dauert in der Regel von Donnerstagnachmittag bis Sonntagmittag. Danach bin ich zwar körperlich ziemlich müde, aber das Abschalten vom Alltag funktioniert wunderbar. Sozusagen Wellness. Für den Geist. Und die Seele.

Ich habe mich bereits für das nächste „Wellnesswochenende” bei ihm angemeldet. Anfang Mai geht es nach Hessen an den Reinheimer Teich. Das ist wieder eine Gegend, die ich überhaupt nicht kenne, und ich bin gespannt, was uns dort erwarten wird. Allerdings bin ich mir jetzt schon sicher, dass auch dort der Wecker wieder sehr früh klingeln wird 😉

Auf dem Belchen wohnt ein Teufelchen

…und was sich reimt, ist gut! Das wusste schon der Pumuckl. Der hätte vermutlich auch seine Freude gehabt gestern auf dem Gipfel des Belchen hier im Südschwarzwald. Dank dem Einsatz modernster Informationstechnologie (Chat-Messenger und ornitho-App) wusste ich, dass sich schon seit mehreren Tagen ein für unsere Breitengrade ziemlich besonderer Vogel aufhält. („Besonders“ übrigens nicht im Sinne von „schräger Vogel“, sondern ungewöhnlich). Und den wollte ich mir unbedingt ansehen.

Die Rede ist von der Ohrenlerche (Eremophila alpestris). Lerchen sind ja (als Offenlandbewohner und Bodenbrüter) in der Regel sehr unscheinbar gefärbte Tiere, die optisch um keinen Preis auffallen wollen. Nicht so die Ohrenlerche. Besonders die Männchen im Prachtkleid sind regelrecht bunt mit der kontrastreichen Schwarz-Gelb-Zeichnung auf Kopf und Kehle. Ich finde sie einen wunderschönen Anblick.

Und dann erst die (namengebenden) Ohren! Ich sehe sie eher als kleine Hörnchen an (passend übrigens zum englischen Artnamen „Horned Lark“) und stelle mir manchmal vor, dass es kleine Teufelshörner sind. Aber soweit muss man natürlich nicht gehen.

Wo lebt die Ohrenlerche denn sonst so? Und was treibt dieses Individuum gerade auf dem Belchengipfel? Also generell haben Ohrenlerchen ein sehr großes Verbreitungsgebiet und kommen an ziemlich unterschiedlichen Orten vor. Innerhalb Europas gibt es sie in Skandinavien und der russischen Tundra, aber auch in den Gebirgen des Balkans in Südosteuropa. Auch die Vorkommen im marokkanischen Atlas-Gebirge sind nicht allzu weit weg. (Eine Übersichtskarte findet sich im Wikipedia-Artikel).

Das Belchenteufelchen (ich nenne es jetzt einfach mal so) ist ziemlich sicher ein skandinavischer Vogel. Seine Artgenossen bevölkern zurzeit die Küsten von Nord- und Ostsee, wo sie die Wintermonate verbringen (oftmals vergesellschaftet mit Schneeammern, Berghänflingen oder auch Grauammern). Dieser Vogel hier ist also irgendwie übers Ziel hinausgeschossen. Ob er sich verflogen hat, von einem Sturm verdriftet wurde oder ganz einfach unternehmungslustig war? Wir werden es wohl nie erfahren. Auf jeden Fall fühlt er sich scheinbar recht wohl auf dem kargen Belchen-Gipfel, der ihn vermutlich an seinen Sommer-Lebensraum erinnert. Nahrung hat er jedenfalls ohne Probleme gefunden, davon konnte ich mich gestern überzeugen.

Wir wollen aber hoffen, dass er demnächst den Absprung schafft und rechtzeitig zum Beginn der Brutsaison wieder in der hochnordischen Tundra oder auf dem Fjäll ist, um eine kleine Ohrenlerchen-Familie zu gründen.

Wir wünschen guten Flug!

20. März 2026
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)


PS: Falls jetzt jemand einen Ausflug auf den Belchen plant – auch eine Alpenbraunelle hält sich dort momentan auf!

Die Silberreiher in Taubergießen – oder: einfach mal Glück haben!

Ich versuche mich ja nur hin und wieder mal in der Vogelfotografie, aber Gelegenheit macht eben doch … Vogelfotografen!

Was war passiert? Inspiriert durch einen Zeitungsartikel und einen Fotovortrag machten meine Frau und ich uns auf den Weg ins Taubergießen bei Rust, ein schönes, renaturiertes Naturschutzgebiet an einem Altrheinarm. Die Kamera hatte ich im Gepäck, aber keine Erwartungen auf großartige Motive.

Nach einigen Minuten Fußmarsch waren zu unserer Überraschung gleich eine ganze Handvoll Silberreiher zu sehen. Diese Reiherart ist ja hierzulande meist nur auf der Durchreise und gelegentlicher Wintergast – wobei ich mich hier gerne von Vogelexperten belehren lasse. Einen Reiher konnten wir besonders gut bei der ausgiebigen Gefiederpflege beobachten. Hinter der Uferböschung waren wir wohl ausreichend versteckt, so dass er sich gar nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Nach einigen Minuten schien sich der Reiher bereit für den Weiterflug zu machen – und tatsächlich, ein kurzes Anruckeln und ab ging’s! Mein großes Glück: die Kamera war im Anschlag, die Belichtungszeit kurz, der Reiher flog exakt im rechten Winkel zur Kameraposition ab. So gelangen ein paar schöne Aufnahmen, die in Schwarz-Weiß besonders gut aussehen!

Wenige Tage später habe ich das Glück nochmal herausgefordert und bin in die Petite Camargue geradelt. Was gab es dort zu sehen? Leider keine Silberreiher, sondern „nur“ Kormorane und verschiedene Entenarten. Trotz viel Geduld hatte ich am Ende nur ein halbwegs gelungenes Actionfoto vorzuweisen. Der Anflug des Kormorans war nicht im perfekten Winkel – das Glück ist einem nicht immer hold.

sogesehen – Monatsfoto März 2026

Was für eine Wohltat!
Nach dem ganzen grautrüben, kühlen und regnerischen Wetter der letzten Wochen nutze ich momentan jede freie Minute, um rauszugehen und das tolle Wetter zu genießen.

Es ist, als wären wir mit den ersten Sonnenstrahlen aus der Winterstarre erwacht. Alle sind draußen unterwegs und auf den Wegen ist wieder richtig was los – und das nicht nur durch uns Zweibeiner.
Auch die Insektenwelt ist durch die warmen Temperaturen zum Leben erwacht. Überall summt, flattert und krabbelt es. 

Womit ich nun auch endlich den Bogen zum Monatsbild März geschlagen habe 😉

Das Motiv ist auf den ersten Blick vielleicht etwas zu dunkel für ein Frühlingsbild – und auf den zweiten Blick wahrscheinlich auch – aber auch auf diesem „Wege“-Netz ist einiges los, wobei sich hier sicherlich nicht alle freiwillig aufhalten…

sogesehen – Monatsfoto Februar 2026

Ein Baum mit Durchblick, dazu herrlich verschneite Landschaft – dieses Motiv habe ich auf der Oberen Stuhlsebene in der Nähe des Belchens gefunden. Der Weidbuchenpfad führt dort entlang – er ist zu jeder Jahreszeit ein lohnenswertes Ziel! Blöd nur, dass ich ohne Schneeschuhe unterwegs war; auf dem Weg hinauf bin ich immer wieder eingesunken und hätte beinahe ich auf dem Absatz kehrtgemacht. Zum Glück habe ich dann eine Spur von anderen Schneeschuhwanderern gefunden, der ich folgen konnte.

Knapp fünf Jahre zuvor hatte ich schon einmal dort fotografiert – da musste ich den Baum im Hintergrund noch „unter der Achsel“ platzieren. Der Zahn der Zeit hat also kräftig an der Weidbuche genagt. Wie sie wohl in weiteren fünf Jahren aussehen wird?

Bei Weidbuchen handelt es sich übrigens um Rotbuchen, die durch Vieh-Verbiss in jungem Alter gezwungen werden, mehrfach auszutreiben. Dadurch ergibt sich eine breite Basis mit mehreren Stämmen, die dann später wieder verwachsen – so entsteht die typische knorrige Form.

Ich rätsele noch, warum einige Zweige im Winter noch Blätter tragen, während der Rest kahl ist. Vielleicht hat da jemand eine Idee?

Nah dran!

Nah dran – das war unser Jahresthema des Fotokreises Lörrach im Jahr 2025. Nah dran, da dürfen sich natürlich Makro-Fans angesprochen fühlen. Aber nicht nur die! Alle Aufnahmen, die nah ans Motiv heranrücken und dabei vielleicht neue Perspektiven eröffnen, gehören dazu.

Meine Auswahl ist hauptsächlich im Tierreich angesiedelt. Von gaaanz nah dran bis nicht mehr ganz so nah sind dies meine Fotos für die Ausstellung, die, neben gut 50 weiteren Bildern, ab dem 02. Februar (bis zum 26.) in der Sparkasse Lörrach zu sehen sind.

Der Schwarzfleckige Zangenbock in der Nähe des Gislifluh im Jurapark war eine schöne Zufallsbegegnung. Er blieb freundlicherweise in seiner hochbeinigen Position so lange auf dem Baumstumpf sitzen, dass ich sogar eine kleine Stack-Serie aufnehmen konnte.

Schnaken kennen wir eher als die nervigen Viecher, die in der warmen Jahreszeit an unseren Fensterscheiben auf- und abschwirren. Im Frühjahr sind aber auch zahllose Schnaken in unseren Wiesen unterwegs. Während sie am Tag extrem zappelig sind, geben sie am Abend mit den letzten Sonnenstrahlen endlich Ruhe und lassen sich ganz gut ablichten.

Der Kegelige Helmling ist nur wenige Zentimeter groß und leicht zu übersehen. Zum Glück haben Pilze keine Fluchtdistanz, so dass ich mit der Taschenlampe die Lamellen besser ausleuchten konnte.

Am Gemmipass im Januar 2025 war das fotografische Ziel ja eigentlich der Bartgeier. Der zeigte sich an den zwei Tagen allerdings nur sehr entfernt und hätte bestenfalls zum Thema „Ganz weit weg“ gepasst ☹. Zum Zeitvertreib konnten wir uns aber bestens mit den Alpendohlen beschäftigen. Diese sind nicht ganz so attraktiv, aber die roten Füße im Schnee machen doch was her!

Schaut gerne in der Sparkasse Lörrach vorbei, auch die Bilder der Kollegen lohnen sich!

Schilfkobolde

Vielleicht ist es schon wieder zu vermenschlichend, einen Vogel als Kobold zu bezeichnen? Anthropomorphisierung ist ja sehr verpönt – und zwar zu Recht, wie ich finde. Aber ich würde einem möglichen Kritiker (oder einer Kritikerin) entgegnen, dass Kobolde meines Wissens ja auch gar keine Menschen sind. Also wäre das höchstens eine Koboldisierung, und die ist vielleicht sogar in Ordnung?

Ach, egal. Ich schweife ab, noch bevor ich überhaupt begonnen habe!

Es geht um die Bartmeise (Panurus biarmicus), einen kleinen Singvögel, der auch in Mitteleuropa vorkommt. Wer das oben gezeigte Foto betrachtet, mag sich vielleicht über den Namen dieses Vögelchen wundern. Wo ist denn da bitte ein Bart?

Hier die Auflösung:

Ganz einfach: Das ist mal wieder einer dieser Fälle, in denen die Wissenschaft (= i.d.R. weiße Männer mit Kitteln an Schreibtischen) einer Tierart einen Namen geben und dabei vom Aussehen der jeweiligen Männchen (Foto 3) ausgehen. Die Weibchen (Foto 1 und 2) sind vermutlich „mitgemeint“. Ist irgendjemanden ein Fall bekannt, wo es mal umgekehrt ist? Mir nicht.

Aber dieses „Politikum“ tut meiner Freude keinen Abbruch, die ich jedesmal empfinde, wenn ich Bartmeisen sehe. Und ich weiß zufällig, dass es nicht nur mir so geht. Bartmeisen sind nämlich allgemein sehr beliebte und gern gesehene Vögel, wenn auch ziemlich seltene. Sie leben ausschließlich in ausgedehnten Schilfröhrichten, wo sie sich je nach Jahreszeit entweder von kleinen Insekten oder von Sämereien ernähren. An ihren Lebensraum sind sie perfekt angepasst und turnen behende zwischen den vielen (oft sehr wackeligen) Halmen hin und her oder fliegen auch mal ein kurzes Stück. Eigentlich immer in Bewegung und von daher alles andere als leicht zu beobachten, geschweige denn zu fotografieren. Zum Glück sind sie ziemlich ruffreudig – ihre charakteristischen „ping-ping“-Rufe erleichtern die Ortung doch erheblich. Dass sie mal so frei sitzen wie der folgende Vogel (im wunderschönen Gebiet an der Arlauer Schleuse in Nordfriesland), das passiert doch reichlich selten.

Ich will die Sache ja nicht unnötig kompliziert machen, aber es muss der Korrektheit halber doch klargestellt werden: Bartmeisen sind gar keine Meisen. Damit ist gemeint, dass sie mit Kohlmeise, Blaumeise, Tannenmeise etc. nicht näher verwandt sind. Sie sehen halt nur so ähnlich aus.

Aus diesem Grund hat sich übrigens im englischen Sprachgebrauch in letzter Zeit der Name „bearded reedling“ anstelle von „bearded tit“ durchgesetzt. Falls mal eine deutsche Entsprechung hierfür gesucht werden sollte – ich fände „Bärtiger Schilfling“ ja einen ganz tollen Namen. Meine Stimme hätte der Vorschlag schon mal!

Aber wie komme ich denn nun eigentlich auf „Kobold“ als Kosebezeichnung für die Bartmeisen? Tja, wie soll ich das nur erklären. Sie sind halt klein und putzig und immer in Bewegung. Und sie treten nie alleine auf, sondern immer zu mehreren, und sie streifen unentwegt im Schwarm durch das Schilf. Es macht einfach so viel Spaß, ihnen zuzuschauen! Man kann sich einfach nicht sattsehen.

Meine letzte Begegnung mit Bartmeisen liegt gerade mal acht Tage zurück – an einem windigen (schlecht), sonnigen (gut) Nachmittag in einem Schutzgebiet im Südosten Englands. Bei Wind schaukeln die Schilfhalme so stark, dass die Vögel sich tendenziell etwas tiefer im Röhricht aufhalten. Aber die Nahrung ist überwiegend oben zu finden, weshalb sie ab und dann doch mal am Halm hochklettern und sich einen Snack holen. Dann heißt es: fix sein und (falls man fotografieren möchte) auf den Autofokus der Kamera vertrauen… Hier hat es mal geklappt.

Es waren nur zwei Vögel (je ein Weibchen und ein Männchen), und die Begegnung war nur kurz. Aber sie hat sehr viel Freude gemacht und wird lange in Erinnerung bleiben. Und manches drollige Detail habe ich erst am heimischen Computerbildschirm entdeckt…

Wenn alles nach Plan geht, werde ich in acht Wochen, also Mitte März, meine nächste Begegnung mit den Schilfkobolden genießen können. Dann bin ich nämlich am Federsee in Oberschwaben unterwegs, wo die Bartmeisen sozusagen zum Inventar gehören und im Normalfall mit großer Zuverlässigkeit beobachtet werden können. Ich freue mich schon drauf!

18. Januar 2026
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

sogesehen – Monatsfoto Januar 2026

Auf ein Neues! 
Das Jahr 2025 ist Geschichte, und nun geht gewissermaßen alles wieder von vorne los. 

Leider lösen sich die kleinen und großen Probleme durch den Jahreswechsel nicht einfach so in Luft auf, aber allein der Gedanke daran, dass der ganze private und globale Mist auf dem Weg ins neue Jahr einfach falsch abgebogen und plötzlich verschwunden sein könnte, ist schon verlockend, aber leider auch reine Wunschvorstellung.

Neulich hatte ich eine echt schöne Begegnung mit einem Waldkauz. Er (oder sie?) saß da auf einem abgestorbenen Baumstamm und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Für einen Moment war ich fast etwas neidisch auf die Eule. Die ganzen Themen, die mich im Alltag fordern und auch überfordern, sind dem Waldkauz höchstwahrscheinlich ziemlich fremd. Da verspürte ich fast den Wunsch, mal mit der Eule tauschen zu dürfen.

Dann müsste ich mir allerdings jeden Tag aufs Neue mein Essen erkämpfen, mich vor Feinden verstecken und immer damit rechnen, dass ich von bauwütigen Menschen aus meinem Zuhause vertrieben werde – auch keine erstrebenswerte Alternative.

Aus dieser Perspektive betrachtet, geht es uns hier doch noch ziemlich gut, und ich möchte weder mit dem Waldkauz, noch mit jemand anderem aus einer anderen Ecke der Welt tauschen.

Aber das Jahr 2025 hat uns aufgezeigt, wie schnell sich Dinge verändern können. Den täglichen Kampf um Nahrung, für Freiheit und gegen Vertreibung führt nicht nur der Waldkauz, sondern diese Themen rücken immer näher auch an uns heran.

Trotz – oder vielleicht auch wegen – dieser düsteren Aussichten wünsche ich euch ein gutes, friedliches und hoffnungsvolles Jahr 2026!

Bunte Weihnacht

Ich möchte noch einmal auf die Sache mit dem Winter und dem (seltenen) Schnee zurückkommen. (Kleiner Tipp für diejenigen mit schlechtem Gedächtnis: ich meine diesen Post). Gerade Weihnachten ist in unserer Vorstellung ja auf schier unauflösbare Weise mit dem weißen Zeug verknüpft (nein, nicht Kokain). Woher kommt das eigentlich, dieses Bild von der weißen Weihnacht? Vom historischen Vorbild sicher nicht, soviel ist sicher. Etwa auch aus der Marketingabteilung irgendeines Großkonzerns, so wie der Weihnachtsmann mit seiner roten Kutte? Bin gerade zu faul zum Recherchieren…

Ich möchte jedenfalls für eine neue Haltung plädieren. Nicht die, dass man Feste feiern soll, wie sie fallen – das hatten wir bereits, das ist ein alter Hut. Nein, sondern dass man Weihnachten (wenn es denn überhaupt von Bedeutung für einen selbst ist) so nimmt, wie es kommt. Dass man eine Gelassenheit entwickelt und die Dinge auf sich zukommen lässt. Und dass man die Stimmung, die man sich vielleicht wünscht, selber erzeugt und nicht von den meteorologischen Gegebenheiten abhängig macht.

Hintergrund meiner tiefgründigen Überlegungen ist ein Besuch in der Wagbachniederung am Oberrhein vor wenigen Tagen. Das ist ein großes Feuchtgebiet mit viel Schilf, das immer und zu jeder Jahreszeit einen Besuch lohnt.

Ja, und da steht man so und bestaunt die wild raschelnden Schilfhalme im kalten Wind, in denen sich die letzten Strahlen der früh untergehenden Sonne brechen. Und man denkt, warum bitte soll das jetzt nicht weihnachtlich sein? Etwa nur weil kein (Kunst-)Schnee rieselt und kein Glöcklein bimmelt? Weil weit und breit kein Rentierschlitten am Himmel seine Kreise zieht?

Also ich habe meine Antwort hierauf schon gefunden.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

24. Dezember 2025
Sebastian Schröder-Esch