Sogesehen-Monatsfoto Februar

Dieser Winter hat sich ja bisher nicht von seiner besten Seite gezeigt. Meist war es zu warm für diese Jahreszeit oder wir hatten durchgängig Novemberschmuddelgedöns. Na ja, auch dieses Wetter muss man nehmen wie es kommt. Zum Fotografieren trotzdem eher nix. Bis auf einige ausgedehnte Spaziergänge mit unseren Hunden war also eher Extremcouching angesagt. Sprich, langanhaltendes Nichtstun oder auch gepflegte Langeweile. Hat ja auch mal was, wenn man sich auf diese Art vom Arbeitsalltag erholt.

Doch ein paar Tage hatte es ja dann doch, an denen das Fotografenherz höher schlug. Es war kalt, es hatte Schnee, das Licht war grenzgenial und ich hatte frei. Also rauf auf meinen Hausberg, dem Höchsten im Nordschwarzwald und die Speicherkarte füllen. Wichtig an solchen Tagen natürlich, das frühe Aufstehen. Strebt man dieses nicht an, wird man sich ausserordentlich schwer tun, eine geeignete Parkmöglichkeit zu finden. Ausserdem leuchtet der Schnee frühmorgens am Schönsten.

Belohnt wird man dann mit solchen Ansichten. Sonne. Nebel. Schnee. Also Postkartenpanorama satt, für die auf Schneeentzug stehende Fotografenseele. Dieses Foto, eines von vielen, entstand auf der Hornisgrinde an einem schönen, kalten Februarmorgen. Balsam für die Augen.

Da ich davon ausgehe, das euch solche Fotos genauso sehr gefallen wie mir, werde ich in nächster Zeit einige davon in einen Artikel packen. Also seid gespannt.

Bis dahin, bleibt neugierig.

Verlassener Ort

Verlassener, vergessener, aufgegebener oder sogar verlorener Ort? Die Bandbreite der Deutung für den Begriff „Lost Place“ ist groß. Oft meint man damit einsame, verfallene Gebäude, in die man sich heimlich hineinschleicht und damit rechnen muss, durch eine morsche Decke zu krachen oder dem ein oder anderen Getier zu begegnen.

Ganz so unheimlich und von der Öffentlichkeit unentdeckt sind die meisten Lost Places gar nicht. Bei den bekannteren Ruinen muss man sich offiziell anmelden und eine oft stattliche Eintrittsgebühr bezahlen und bei unbewachten Gebäuden wird vieles durch Vandalismus zerstört und sie verlieren dadurch ihren morbiden Charme.

Einen verlassenen Ort etwas anderer Art konnte ich mit einer Fotogruppe der VHS Rheinfelden besuchen – eine stillgelegte Textilfabrik.
Von den vielen namhaften Firmen der südbadischen Textilindustrie konnten nur wenige dem internationalen Konkurrenz- und Preisdruck standhalten und als eines der ältesten Textilunternehmen Deutschlands musste auch die Lauffenmühle in Lauchingen am Hochrhein, nach mehreren Insolvenzen ihre Tore im Jahre 2019 für immer schließen.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf, betrachtet man so einen Ort nochmal mit ganz anderen Augen.

Viele Menschen verbrachten in diesen Räumen über Jahre oder sogar Jahrzehnte einen großen Teil ihres Tages und ganze Familien verdienten sich hier ihren Lebensunterhalt.
Aber natürlich bietet so ein Ort auch eine unglaubliche Auswahl an Fotmotiven und wenn man sich vorsichtig, aber auch respektvoll durch die Räume bewegt, dann finden sich Ecken, die den Charme eines klassischen Lost Place versprühen.

Der Hausgeist 😉

Aber auch wenn ein Gebäude verlassen wurde, muss dies noch lange nicht bedeuten, dass auch der Ort mit aufgegeben wird.
Das Lauffenmühle- Areal wurde von der Gemeinde Lauchingen aufgekauft und es soll nun ein zeitgemäßes, ökologisches Wohnquartier mit Handels- und Gewerbeflächen entstehen.

Das Leben ist zu kurz für irgendwann

Die letzten Wochen war es hier auf unserem Blog etwas ruhig um mich. Mein letzter Eintrag ist vom 11. September 2022 und doch kommt es mir so vor, als hätte ich ihn erst gestern geschrieben und als wäre der Ausflug Ende Juni in den Nordschwarzwald zu meinem lieben Kollegen @horstmaier vor wenigen Stunden gewesen, dabei habe ich zwischenzeitlich auch schon wieder so viel erlebt! Ist es nicht verrückt, wie schnell die Zeit vergeht?

Manchmal wünsche ich mir, wir könnten die Zeit für einen Augenblick anhalten oder Erinnerungen in ein Marmeladenglas stecken, um an weniger schönen Tagen die erlebten Momente noch einmal herausholen zu können und im Moment genießen zu dürfen. Im Sprachgebrauch auch gut bekannt als „Marmeladenglasmomente“ . Für mich gehört hier ganz klar meine Zeit in der Natur dazu. Nach meinem Besuch im Nordschwarzwald durfte ich solche Momente für mein Marmeladenglas unter anderem bei vielen schönen Wanderungen erleben. 

Den Sommerurlaub verbrachten mein Freund und ich im Aostatal in Italien. Im Aostatal befindet sich der Nationalpark Gran Paradiso. Dieser ist ein Eldorado für Wanderer und Landschaftsbegeisterte. Von insgesamt 14 Tagen schnürten wir 7 Tage lang unsere Wanderschuhe und erkundeten dort Mutter Natur. Highlights waren hier definitiv unsere Sonnenaufgangswanderung auf den Mont Roissetta auf 3.334 m und die Begegnung mit den Steinböcken bei unserer letzten Wanderung.

Nach der Rückkehr aus unserem Italienurlaub hatte ich von Wandererlebnissen jedoch noch nicht genug (wie kann man auch nur? :-)) und plante bereits die nächste Tour in meiner Heimat. Mein Weg führte mich dann vom Hausberg Hochblauen über Schloss Bürgeln, die St. Johannisbreite, das Eggenertal zum Ziel nach Schliengen. Eine herrliche Wanderung bei sehr warmen Temperaturen.

Ein ganz besonderes Wanderhighlight war für mich Ende September die drei Westwegetappen von Pforzheim bis hoch hinauf zum Hornisgrindeturm: Drei Tage, 80 Kilometer, 2.570 Höhenmeter aufwärts und 1.660 Höhenmeter abwärts. Dieses Jahr habe ich mir die Etappe von Basel über Kandern, Hochblauen, Belchen und den Abschluss beim Wiedener Eck vorgenommen. Ein Bericht hierüber wird dann definitiv folgen 🙂

An dieser Stelle muss ich mich als „Bergdoktorfan“ zu erkennen geben. Angefangen zu schauen habe ich die Serie nur wegen der wunderschönen Landschaft. Wie das aber so ist, steckt man plötzlich dann im Serienfieber drin und möchte immer wissen, wie die Geschichte weitergeht. Anfang Oktober wurde ich von meinem Freund mit einem Urlaub in Söll, Österreich, überrascht. Die ganze Autofahrt über war mir das Ziel nicht bekannt. Als auf einem Straßenschild dann „Ellmau“ stand, wusste ich, wo die Reise hingeht. Die Freude war riesig und die Überraschung mehr als gelungen. Die Ortschaft Söll, wenige Kilometer entfernt von Ellmau, liegt am Fuße des „Wilden Kaisers“ und ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie wunderschön es dort ist? An einem Morgen gingen wir beispielsweise früh los zum „Bergsteigergrab“ zum Sonnenaufgang mit spektakulärem Blick ins Tal, spazierten einen Tag zuvor eine Runde um den Hintersteiner See und erkundeten den Wald in der Nähe vom Astberg.

Wieder zu Hause angekommen zog es mich so oft wie möglich raus in den Wald. Jede freie Minute wurde dabei ausgenutzt, beispielsweise im Müllheimer Eichwald, in Schweighof, im Auggener Wald, auf der Schlienger Eckt, im Hochschwarzwald, bei Schloss Bürgeln oder der Schwärze in Badenweiler. Jeder Ort hat für mich eine ganz besondere Energie.

Im Herbst gibt es für mich nicht Schöneres als die Inversionswetterlage auf dem Hochblauen zu genießen. So verbrachte ich im Oktober und November viel Zeit auf dem Hochblauen. Den Nebel unten im Tal zu beobachten und die Sonne oben auf dem Berg zu genießen, ist einfach unglaublich schön. Besonders zu erwähnen sind hier die spektakulären Sonnenuntergänge.

Anfang Dezember gab es ein persönliches Highlight für mich: Mit einem Stand bei der „Weihnachtsduftigen Warteck“, ein Kunst- und Handwerksmarkt in Niederweiler, durfte ich meine Fotografien, meinen Jahreskalender 2023 und Postkarten präsentieren und mit den lieben Besuchern vor Ort ins Gespräch kommen. Ein sehr aufregender und emotional überwältigender Tag für mich. Wenige Tage zuvor wurde ich von der Badischen Zeitung interviewt. Der Artikel wurde ein Tag vor dem Markt in der Badischen Zeitung veröffentlicht. Den Link dazu stelle ich hier gerne nochmals online.

So schnell wie dann die Adventszeit kam, so plötzlich war dann auch wieder Weihnachten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ging es mit meiner Familie nach Freiburg zum Mittagessen und dort durften wir auch etwas eher seltenes erleben: die ganze Freiburger Innenstadt war fast menschenleer.

Lange fiebert man auf die Weihnachtszeit, die ruhigen Tage hin und dann ist diese Zeit doch wieder so schnell vorbei. Silvester war nur noch ein Katzensprung entfernt und Neujahr stand vor der Tür.

Das Jahr 2023 steht nun am Anfang. Viele Menschen setzen sich ihre ganz persönlichen Ziele und Vorsätze wie mehr Fitness, gesundes Essen, aufhören zu rauchen etc. Mein persönliches Ziel für 2023 ist, so weiter zu machen wie das Jahr 2022 für mich aufgehört hat: Jede freie Minute in der Natur verbringen, auf mein Herz zu hören und mich noch mehr mit den Pflanzen, Tieren und Zusammenhängen der Natur zu befassen.

Wie meine Artikelüberschrift schon sagt „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“, möchte ich Euch mit meinem Beitrag motivieren Abenteuer zu erleben, diese im gegenwärtigen Zeitpunkt zu genießen und als Erinnerungen fest im Herzen zu verankern oder in Euer persönliches Marmeladenglas zu stecken.

Auf ein wunderschönes und unvergessliches Jahr 2023!

sogesehen – Monatsfoto Januar

Raclette oder Grillwurst? Pulli oder T-Shirt? Winter oder Frühling? Diese Fragen kamen mir in den letzten zwei Wochen durchaus in den Sinn, denn die Temperaturen spielen (mal wieder) verrückt. Es ist kaum zu glauben, aber als ich vor exakt zwei Wochen auf „meinem“ Hausberg, dem Zeller Blauen spazieren ging, war hier noch tiefster Winter.

Der Zeller Blauen liegt im Wiesental und steht mit seinen 1077 Metern etwas im Schatten seiner großen Nachbarn, dem Feldberg und dem Belchen. Zu Unrecht, wie ich finde, denn auf seinen verschiedenen Panoramawegen kann man wunderbar wandern, joggen oder einfach nur die Seele baumeln lassen. An klaren Tagen blickt man Richtung Süden auf ein beeindruckendes Alpenpanorama, Richtung Südwesten bis nach Basel, und im Nordosten eröffnet sich ein schöner Blick auf den Feldberg.

Blick über Zell im Wiesental hinweg in Richtung Rheinfelden auf die Schweizer Alpen.

Ich habe hier schon einige Beiträge über besondere Orte und schöne Reisen veröffentlicht, aber seltsamerweise noch keinen über meine Heimat – und das hole ich hiermit nach!

Das Tal entlang des Flusses Wiese (daher der Name Wiesental) erstreckt sich vom Feldberg bis nach Basel und hat nicht nur eine atemberaubende Landschaft zu bieten, sondern ist zugleich Lebensraum für viele besondere Tiere und Pflanzen.

Mit meiner Begeisterung für diese schöne Gegend bin ich nicht alleine, auch Blogkollege Sebastian ist fasziniert von der Vielfalt dieser Natur. So sind über die Jahre eine stattliche Anzahl schöner Natur- und Landschaftsfotogafien entstanden, von denen wir nun eine kleine Auswahl in einem gemeinsam gestalteten Kalender veröffentlich haben.


Einen Bericht darüber aus Sebastians Feder findet ihr hier und eine Link zu den einzelnen Kalenderblätter hier .

Dieser Kalender war eines meiner besonderen Projekte des Jahres 2022. Summa summarum war es trotz vieler Herausforderungen ein Jahr mit schönen Erlebnissen und besonderen Begegnungen. Ich hoffe, auch Ihr könnt zufrieden und glücklich auf das vergangene Jahr zurückblicken und habt vielleicht auch schon Pläne für das neue?

Für das neue Jahr wünschen wir Euch Erfolg und Glück in allen Bereichen und Lebenslagen.
Alles Gute!
Euer sogesehen- Team!

1 m² (Notschrei)

1 m², das ist ein Fleckchen Erde, an dem ich normalerweise in Bruchteilen einer Sekunde vorbeigelaufen bin. Im besten Fall mit einem wohlwollenden Blick und einem erfreuten Gefühl von „nett hier…“

An diesem Morgen Ende Dezember lud Sebastian zum Fototreff an den Notschrei im Hochschwarzwald. Dieser hüllte sich allerdings in Wolken und weigerte sich, für spektakuläre Landschaftsaufnahmen herzuhalten. Zu meinem Glück war Stefanie auch dabei, und so erinnerte ich mich an ihre Anregung „1 m²“ und setzte mich einfach mal vor einen bereits von neuem Leben besiedelten Baumstumpf auf den Boden.

Mit Stativ und Makro eröffnete sich mir eine ganz eigene, kleine Welt, märchenhaft und voller Wunder. Schmerzende Knie und eingeschlafene Beine waren egal, ich saß einfach nur da und staunte über die kleine Welt in der großen Welt.

Und noch viel mehr staunte ich darüber, was meine Mitgeschöpfe bereit sind, mir von sich zu zeigen, wenn ich mich darauf einlasse, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Frostgrafik

Wenn ich ein und denselben Ort innerhalb von weniger als 24 Stunden gleich drei Mal besuche, muss er eine besondere Anziehungskraft haben. Die Rede ist hier nicht etwa von den eigenen vier Wänden, dem Kühlschrank in der Küche, dem gemütlichen Sofa etc., sondern von einem Naturschutzgebiet im Süden von Hessen, am Rande des Rhein-Main-Gebiets. Ich habe dazu eine besondere Beziehung, denn hier bin ich aufgewachsen und in meiner Begeisterung für die Natur geprägt worden. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Gerade weil ich dieses Gebiet eigentlich wie meine Westentasche kenne und schon zu so vielen verschiedenen Stimmungen erlebt habe, sollte man meinen, dass ich nicht mehr so leicht in Verzückung geraten kann.

Weit gefehlt!

Fangen wir mit dem Auftakt gestern Nachmittag an. Die Atmosphäre: kalt, sonnig, kristallklar, tiefstehende Wintersonne. Das Wasser gefroren, Reste von Schnee und Raureif.

Vielleicht lassen die Bilder erahnen, warum ich so besonders gerne an diesen Ort komme. Wie ging es weiter? Ignorieren wir die Chronologie und springen zum heutigen Nachmittag. Schauen wir uns an, wie anders die Stimmung mit etwas Dunst und noch kälteren Temperaturen wirkte.

Ja, ich gestehe, dass ich diese alte Scheune großartig finde. Leugnen zwecklos…

Tolle Stimmung, die winterlich-frostige Stimmung ist mit (klammen) Händen zu greifen, eine unglaubliche Vielzahl an verschiedenen Motiven innerhalb kürzester Zeit. Eigentlich könnte damit alles gesagt sein. Warum aber habe ich den mittleren Besuch, den von heute am frühen Morgen, für den Schluss aufgehoben?



Weil er mich am nachhaltigsten beeindruckt hat. Alle Eindrücke sehr gedämpft, zurückhaltend, unaufdringlich, sich erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erschließend. Und natürlich die fast völlige Abwesenheit jeglicher Farbigkeit. Nichts lenkt ab vom Wesentlichen. Großartig!

Hier einige Impressionen:

Und?

Aber wisst Ihr was: Ob ich hier mit meiner Begeisterung auf Zustimmung stoße oder auf Unverständnis, weiß ich nicht. Ist mir auch egal, ätsch!

17. Dezember 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

PS: Im Waldhaus Freiburg wird es am 2. Dezember 2023 ein ganztägiges Seminar geben, dass sich gezielt mit künstlerischer, „unspektakulärer“ Landschaftsfotografie beschäftigen wird (inkl. Praxis-Workshop). Weitere Infos ab Januar auf www.waldhaus-freiburg.de.

Zu Gast im Zauberwald

Eigentlich scheint es wie ein ganz normaler Freitag Anfang Dezember: Morgens um sieben eine kurze Besprechung mit den Mitarbeitern und dann nichts wie an den Schreibtisch. Dort erwartet mich wie immer ein Haufen Arbeit. Doch irgendwie zeichnet sich ab, daß dieser Freitag keiner ist wie alle anderen. Denn im Kalender steht auch: „14:30 Uhr Foto-Treff mit Sebastian: Landschaftsfotografie im Kaiserstuhl“. Diesem Termin sehe ich allerdings mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn die Aufgabenliste ist frustrierend lang und draußen ist vor lauter Nebel von Landschaft nichts zu sehen.

Doch dann tauchen auf wundersame Weise in meinem Kopf leise Gedanken auf wie „fang einfach an, du wirst schon irgendwie fertig werden“ oder „wenn du erst mal draußen bist, wird es schon gut werden“. Also gut, dann mache ich mich halt an die Arbeit. Und, oh Wunder: Zügiger als gedacht kann ich eine Aufgabe nach der anderen abhaken. 

Pünktlich um kurz vor zwei kommt eine weitere Kursteilnehmerin und wir starten zusammen Richtung Schelinger Höhe. Dort empfangen uns 2°C, Nebel und leichter Regen.

Landschaft? Na ja, in der Phantasie vielleicht, wenn man weiß, wie es hier aussehen könnte.

Auf den zweiten Blick erscheint die Stimmung irgendwie besonders. Mit Kamera, Stativ und einer Mischung aus Skepsis und Neugier mache ich mich auf den Weg in den Wald. Wenige Schritte weiter bin ich zwischen den Bäumen und schlagartig in einer völlig anderen Welt. Fast so, wie auf Gleis neundreiviertel.

Mystische Stimmungen. Farben gleichzeitig gedämpft und leuchtend. Klare Sicht auf Nebelschwaden. Raum zum Hinschauen, Hinhören, Einfühlen. Große Bäume und kleine Pilze zeigen mir auf ihre eigene, sanfte Weise, daß sie eigenständige, lebendige Wesen sind und ich als Mensch in ihrem Lebensraum zu Gast sein darf.  Die trockene (in diesem Fall allerdings ziemlich naßkalte) Realität und die Welt der Wunder liegen oft nur einen kleinen Gedanken-Schritt auseinander…

Vielen Dank, Sebsatian, daß Du mich mit Deinem Foto-Treff hinterm Ofen vorgelockt und mir so zu einem einzigartigen Erlebnis verholfen hast. Ich freue mich schon aufs nächste Mal!

sogesehen – Monatsfoto Dezember

Wenn ich dieses Foto betrachte, das ich als Monatsfoto ausgewählt habe, kommen mir sofort einige Dinge in den Sinn, die ich damit verbinde.

Vorweihnachtszeit, Advent, Familie, Ruhe, Behaglichkeit, der Duft von Weihnachtsgebäck, Lichter…. Ich könnte noch vieles aufzählen.

In meiner Kindheit begann die Vorweihnachtszeit mit dem Ersten Advent. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sich in unserem Haus der Duft nach Zimt, gerösteten Mandeln und Honig ausbreitete. In den Läden, dort wo ich lebte nur einer, gab es jetzt Schokoweihnachtsmänner und andere Süßigkeiten, die uns Kindern die Vorfreude auf Weihnachten versüßten.

Es stellte sich dann dieses ganz besondere Gefühl ein, ein Gefühl der Spannung und des ungeduldigen Erwartens. Wir haben es einfach geliebt.

Auch jetzt noch, nach so vielen Jahren, stellt sich bei mir dieses Gefühl ein. Obwohl Weihnachten gefühlt schon im September losgeht, da in den Einkaufsläden längst die Nikoläuse und Zimtsterne, die Marzipankartoffeln und der Spekulatius in den Regalen stehen, und obwohl in unserer schnelllebigen Zeit jeder von einem Termin zum anderen hetzt, die Weihnachtsgeschenke besorgt werden wollen und die letzten „wichtigen“ Arbeiten und Aufträge noch vor den Feiertagen erledigt werden müssen.

Vielleicht stellt sich dieses Gefühl bei mir deshalb ein, weil ich mir die Zeit nehme, um zu genießen. Vielleicht aber auch weil sich meine Schwerpunkte verändert haben. Es ist nicht mehr die kindlich naive Erwartung an Weihnachten, sondern der Besuch bei Freunden und Familie. Das bewusste Entschleunigen und die Aufmerksamkeit, die jetzt oft auf den kleinen Dingen liegt.

So wie auf dem hölzernen Weihnachtsschmuck auf dem Foto. Das besondere an ihm ist, er ist von Hand gemacht. Von einem besonderen Menschen, der jetzt leider nicht mehr unter uns weilt. Keine Massenware, wie sie oft, mit dem Laser ausgeschnitten, auf den Weihnachtsmärkten verkauft wird, sondern von Hand mit der Laubsäge gefertigt und daher besonders wertvoll. Zumindest für meine Frau und mich.

In diesem Sinne wünsche ich euch nun ebenfalls dieses tolle Gefühl, das besondere Treffen mit Freunden oder der Familie, das sich Zeit nehmen und das sich erfreuen können an den kleinen Dingen, denn das ist es, auf was es schlussendlich ankommt.

Ich wünsche euch eine ruhige und entspannte und einfach schöne Adventszeit.

Bleibt neugierig.

1 m² (zum Advent)

Sei es eine Fußballweltmeisterschaft im Winter, Lebkuchen im September oder grüne Blätter an Bäumen im November, es gibt Kombinationen, die passen einfach nicht zusammen und wirken, nicht nur auf den ersten Blick betrachtet, befremdlich.
Dann wiederum gibt es Orte, die scheinen völlig losgelöst von Jahreszeiten und menschlichen Einflüssen zu sein und da muß man auch gar nicht außerhalb unseres Sonnensystems suchen, es reicht schon ein Ausflug in eine nahegelegene Tropfsteinhöhle.

In Höhlen zu fotografieren ist schon sehr speziell und steigt man in die Tiefe ab, fühlt man sich dann doch wie in einem anderen Kosmos. Überall tropft es von der Decke, die Temperatur ist das ganze Jahr über konstant kühl, das Licht ist spärlich und an den meisten Stellen kann man kaum aufrecht stehen.
Höhlen sind oft riesig und man kann in den vielen unterirdischen Gängen leicht den Überblick verlieren. Aber manchmal reicht auch ein kleines Stück nasse Felsendecke um in eine ganz eigene Welt einzutauchen, in meinem Fall in eine weihnachtliche, obwohl die Adventszeit zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen noch in weiter Ferne lag. 

Überall hingen kleine, naturgemachte Weihnachtskugeln von der Decke und das Licht war wunderbar warm und weich. Ich summte „Kling, Glöckchen, klingelingeling…“ und verbrachte geschlagene 2h in unbequemer Haltung, mit nassen Haaren und schlammverdreckter Hose und dachte in der düsteren kalten Höhle an Lichterketten, Kerzenlicht und Christbaumkugeln. 

Geht es euch auch so? Oder an was empfindet Ihr beim Betrachten der Bilder? Ich bin gespannt auf eure Kommentare 🙂

Das Sogesehen.blog -Team wünscht allen Lesern eine wunderschöne Adventszeit!

Mit der Reihe 1 m² nehme ich Euch mit auf eine Reise in eine kleine, räumlich begrenzte Welt, welche ich aber mindestens genauso spannend finde, wie die große. (Teil 1 und Teil 2)

P.S. Die Bilder dieses Beitrages sind alle während eines Fotowalks der VHS- Rheinfelden entstanden. Da trifft man sich einmal im Monat an fotografisch interessanten Orten, um gemeinsam zu fotografieren. Nach dem Fotografieren kann man seine Fotos auf eine nicht öffentliche Homepage hochladen. Diese werden dann von der Fotodozentin Petra Böttcher kommentiert und mit Tipps zur Bildgestaltung und zur Aufnahmetechnik versehen. Nähere Informationen findet ihr hier.

sogesehen – Monatsfoto November

Zugegeben, ein Foto, das hier über vier Wochen den Monat November repräsentieren soll, sieht normalerweise anders aus. Man rechnet als Leser dieses Blogs wahrscheinlich eher mit einem schönen Landschaftsbild in spätherbstlicher oder frühwinterlicher Stimmung, als mit einer frühmorgendlichen Aufnahme eines Industriegebiets.

Von der Jahreszeit her passt dieses Foto sogar, denn es wurde letztes Jahr Ende Oktober aufgenommen, und ein Landschaftsbild ist es definitiv auch. Aber das soll hier eigentlich gar nicht das Thema sein.

Auf dem Foto abgebildet ist das Großkraftwerk Mannheim (GKM), ein Steinkohlekraftwerk und einer der größten Energiestandorte Baden- Württembergs. Gerade in diesem speziellen November 2022, der den Start in einen unsicheren Winter einläutet, steht dieses Foto für mich symbolisch für viele Themen, die uns gerade beschäftigen und in uns Ängste, Unsicherheit, Wut und Hilflosigkeit auslösen.

Erderwärmung, Ukrainekrieg, Lieferengpässe, Rezession, Inflation und leider immer noch Corona! Jedes Thema für sich reicht schon, um eine Volkswirtschaft ins Wanken zu bringen, und die Lösungsansätze für das eine Problem fahren dem anderen oftmals frontal an den Karren (siehe die Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken).

Nicht nur ich frage mich da, wie man als einzelnes Individuum mit solchen Dauerkrisen umgehen soll. Ich selbst kann am Anfang jeder neuen Krise gar nicht genügend Informationen aufsaugen, komme aber irgendwann ermüdet an einen Punkt, an dem ich kurz der Versuchung erliege, dem Drei-Affenprinzip (nichts hören – nichts sehen – nichts reden) zu folgen.

Keine Nachrichten mehr zu lesen oder zu hören und die Themen totzuschweigen, in der Hoffnung, mit einem dicken Wollpulli und ein paar zusätzlichen Teelichtern durch diesen ungewissen Winter zu kommen, so einfach ist es leider nicht.

Machen wir uns nichts vor: Die wenigsten von uns werden aus diesem Schlamassel unbeschadet herauskommen, weder finanziell noch psychisch, und auch die Politik wird nicht jedes der aufkommenden Probleme lösen können.

Aber frei nach Lothar Matthäus „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken“, bin ich zuversichtlich, dass mit je einer Prise Humor, Optimismus, Anpassungsfähigkeit, Verzicht, Zusammenhalt, Empathie und (Selbst)Mitgefühl jeder von uns sein Rezept für die kommenden Monate und vielleicht auch Jahre finden wird.