sogesehen – Monatsfoto August

Im letzten Jahr hatte ich das Glück, einen wundervollen Urlaub in Namibia verbringen zu dürfen. Es war meine erste Reise nach Afrika und ich war überwältigt von der Vielfältigkeit dieses Landes. Neben abwechslungsreichen und beeindruckenden Landschaften sowie der faszinierenden Tierwelt sind mir besonders die warmen Farben in Erinnerung geblieben, in denen sich das Land zeigt.

Eine der Touristenattraktionen in Namibia ist das Sossusvlei bei Sesriem mit den berühmten roten Dünen. Jeden Morgen beginnt mit der Toröffnung das Wettrennen der Autokarawane zu den Hotspots. Da wir dies bereits am Vortag erleben durften, steuerten wir an unserem letzten Morgen im Park zum Sonnenaufgang eine eher unscheinbare Düne in der Nähe des Eingangs an, die Elim Düne. Diese wird zwar in den Reiseführern erwähnt, ist aber bei weitem nicht so überlaufen.

Es war noch eisig kalt als wir uns aus dem Dachzelt schälten und auf den Weg zur Düne machten. Dort angekommen war die Freude riesengroß. Der Plan ging auf, wir hatten die Elim Düne für uns ganz alleine. Die aufgehende Sonne legte den Himmel über dem Naukluft-Gebirge nach und nach in ein warmes Farbenspiel aus Gelb- und Rottönen. Eine friedliche Stille lag über dem Land und wir genossen den Moment.

Nach dem Sonnenaufgang zog in der Ferne langsam eine Oryxantilope vorbei. Wir nutzten die Gelegenheit der Einsamkeit und frühstückten an unserem Camper, gewärmt durch die ersten Sonnenstrahlen des anbrechenden Tages. Danach machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel. Was für ein herrlicher Start in den Tag!

Streifzug durch das Wollmatinger Ried

Der Schwarzwald ist zwar mein bevorzugtes Fotorevier, dennoch macht es mir unheimlich viel Freude, auch in andere Teile von Deutschland, in diesem Fall eine noch südlichere Ecke, vorbeizuschauen.

Mein Fotokumpel und ich machten uns also auf den Weg, um dem Wollmatinger Ried, nahe Konstanz, einen Besuch abzustatten. Wir wollten schon länger mal die Bodenseeregion erkunden, warum also nicht mit diesem schönen Naturschutzgebiet anfangen.

Der Bodensee allgemein bietet eine Fülle von Möglichkeiten, um mit der Kamera loszuziehen und tolle Motive zu entdecken. Demnach war unsere Vorfreude groß auf das, was wir so vor die Linse bekommen würden.

Kurz vor Sonnenaufgang waren wir, nach nicht allzu langer Fahrt, am Ziel und zogen los. Die Vögel empfingen uns mit ihrem Konzert, und der Schwarzmilan begrüßte uns mit seinen Rufen. Die Luft war noch feucht und duftete herrlich frisch. Über den Wiesen zogen Nebelschwaden, was zur Folge hatte, dass der erwachende Morgen die Landschaft in ein hinreißend zauberhaftes Licht hüllte. Ich habe eine besondere Vorliebe für solch magische Lichtstimmungen, es ist als ob man eine Grenze überschreitet und eine andere Welt betritt. Eine Welt jenseits unseres Alltags, eine Welt voller Wunder, die nur darauf warten entdeckt zu werden. Ja und wenn man die Augen offen hält und aufmerksam beobachtet, kann man ihn auch sehen, diesen besonderen Zauber.

Dieser Morgen hatte uns schon so viele tolle Momente geschenkt, die wir fotografisch festhalten konnten, das wir total happy unsere Wanderung fortsetzten.

So ein Streifzug durch die nebelumwaberte Landschaft hat schon was ganz Besonderes. Diese Stimmung in sich aufzunehmen bedeutet, zumindest für mich, Kraft zu tanken und der Seele was gutes tun. Ich erinnere mich immer gerne an solche Stunden zurück.

Aber wir waren ja nicht alleine unterwegs, auch die Tiere erwachten so langsam, und so konnten wir oft einen Blick auf die Bewohner dieses schönen Landstrichs erhaschen.

Mit fortschreitendem Morgen beschlossen wir dann dem Wollmatinger Ried den Rücken zu kehren, aber nicht ohne den Beschluss zu fassen wiederzukommen.

Unser nächstes Ziel für diesen Tag war die Insel Reichenau. Dort suchten wir uns einen Platz nahe dem Seeufe, wo wir eine Pause einlegten und uns mit ner guten Tasse Kaffee stärkten. Während wir so dasaßen und uns unterhielten, stieg etwas aus dem Wasser, was uns fast an unseren Augen zweifeln ließ.

Keine drei Meter von uns entfernt kam ein Biber ans Ufer und begann in aller Seelenruhe sein Frühstück einzunehmen. Auch als wir hektisch nach unseren Kameras griffen, ließ er sich nicht bei seinem morgendlichen Mahl nicht stören. Was für ein Erlebnis.

Das war dann auch der Abschluss eines tollen Tages. Wir konnten viele Eindrücke und Fotos mitnehmen, und wir beschlossen, dem See bald mal wieder einen Besuch abzustatten.

Wenn ihr mal das Glück habt und dort seid, haltet inne und vor allem die Augen offen. Der Bodensee hat immer was zu bieten.

In diesem Sinne, bleibt neugierig. Bis demnächst.

Das Bild vom Bild

Neulich stolperte ich über einen fast vergessenen Begriff, ein Wort wie aus der Zeit gefallen – Flaneur
Der Flaneur ist ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift. (Wikipedia) Keine Ahnung, wie der weibliche Begriff dafür lautet. Flaneuse? Flaneurin? Egal! Auch wenn diese Art des „Müßig“- Gehens nicht mehr in unsere heutige Zeit zu passen scheint, finde ich es wunderbar, ziellos durch eine Stadt zu schlendern.
Dabei trifft man quasi im Vorbeigehen auf tolle Kunst, die wortwörtlich auf der Straße liegt.

Da wird dann schnell die Kamera gezückt, denn für mich gehört das Fotografieren dieser bunten Kunstwerke zu jeder Reise dazu.
Aber sind diese Fotos denn auch „gute“ Fotos? (Schon darüber könnte man stundenlang philosophieren) Ich gehe noch einen Schritt weiter – Schmücke ich mich bei dieser Art der Fotografie nicht mit fremden Federn? Tolle Fotos mit minimalem fotografischem Aufwand?


Diese Frage beschäftigt mich schon eine Weile und die Antwort dafür ist sicher kein klares „Ja“ oder „Nein“. Aber so einfach mache ich es mir (und euch) dann doch nicht und frage weiter – Reicht die bloße Wahl des Bildausschnitts und der Perspektive schon aus, dass daraus ein individuelles Foto mit fotografischem Anspruch entsteht?
Auch diese Frage wird jeder Fotograf für sich unterschiedlich beantworten, meine Antwort ist da schon eindeutiger – Nein! Mir reicht das nicht.
Deshalb versuche ich diesen „Gemälden“ einen Rahmen, eine Komposition zu geben, z.B. die umliegenden Gebäude oder die Straßenszene mit einzubinden.

Durch das Einbeziehen der Umgebung entsteht plötzlich ein ganz anderes Bild, und die Aussage des Fotos verändert sich. Aus der reinen Dokumentation eines Graffitis wird ein Bild, in der das bunte Gemälde nur noch den attraktiven Rahmen gibt.

Für mich ist das „mein“ Weg das Motiv Graffiti fotografisch umzusetzen. Euer Weg ist sicher ein anderer, aber welcher? An alle Flaneusen und Flaneure*innen: Schlendert los und findet es heraus!

Sonnenuntergänge, das abgedroschene Faszinosum

Auf einer Rangliste der langweiligsten, unoriginellsten Fotomotive der Menschheitsgeschichte hätte das Sujet „untergehende Sonne“ gute Aussichten auf den ersten Platz, die Goldmedaille. Als fotografierender Mensch wird man ja auch nicht selten damit aufgezogen, dass man bestimmt etwas so Abgedroschenes und Uninspiriertes wie den Sonnenuntergang in allen erdenklichen Variationen ablichtet und darin vielleicht sogar die Erfüllung seines Lebens findet. Ja, mag sein. Und doch, und doch…

Ich möchte hiermit eine Lanze brechen für den Sonnenuntergang als solches, und als Fotomotiv im besonderen. Ich selber betrachte dieses Schauspiel immer wieder gerne – nicht selten auch ohne Kamera – und versuche auch gerne, es adäquat abzulichten und in Szene zu setzen.

Aber mal ganz allgemein gefragt: Was ist eigentlich der Grund, warum die untergehende Sonne so viele Menschen immer und immer wieder fasziniert? Ein nun wirklich alltägliches (oder besser: allabendliches) Ereignis zieht uns jedes Mal aufs Neue in den Bann, und dabei geht die Anzahl von Fotos – ob analog oder digital – mit einem Sonnenuntergang irgendwo im Bildausschnitt sicherlich in die Milliarden. Also hat man doch eigentlich alles schon mal gesehen, oder nicht?

Preisfrage: Stört der diagonale Halm nun oder bereichert er die Aufnahme? Oder beides?

Aus fotografischer Sicht kann man jetzt natürlich über das besondere, weiche Licht schwadronieren, das uns die tiefstehende Sonne beschert, über die warmen, leuchtenden Farben, die Tiefenwirkung aufgrund der langen Schatten und was nicht alles. Aber das kann doch nicht alles sein.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Kann man diese Feststellung vielleicht auch auf das Ende von etwas erweitern, also hier das Ende eines Tages? Freut man sich schon auf den bevorstehenden neuen Tag (also doch auf den Anfang)? Oder hat es damit zu tun, dass man mit dem Verschwinden der Sonne hinter dem Horizont unwillkürlich zur Ruhe kommt und die Hektik, durch die der Tag vielleicht geprägt war, in den Hintergrund tritt? Ich denke hier auch an die Zeilen der @heimatfotograefin von gestern, auch wenn diese natürlich auf die c-bedingte Zwangspause bezogen sind. Aber auch hier, allabendlich, kommt doch eine Verlangsamung, ja Entschleunigung an die Oberfläche, die Raum schafft für Reflexion und Besinnung. Im Idealfall für die Besinnung auf das Wesentliche.

Also Leute, Ihr habt den Appell vernommen: Schaut Euch die Sonnenuntergänge an, genießt sie, fragt Euch „Was macht der Sonnenuntergang mit mir?“, fotografiert sie, seid dankbar und freut Euch – wenn möglich – auf den nächsten Tag.

Kleine Auszeiten – Balsam für die Seele

In den letzten Wochen/Monaten haben wir unter anderem auch eines gelernt: achtsam mit uns selbst umzugehen. Im vergangenen Jahr(en) hatte man das Gefühl, dass alles immer noch schneller funktionieren müsse, den Drang immer online (sowie offline) „up to date“ sein zu müssen, und die Befürchtung etwas verpassen zu können, war für einige von uns wohl der alltägliche Wahnsinn. Mit sich selbst dabei achtsam umzugehen, bewusst kleine Pausen im Alltag einzubauen oder auch mal zu sagen „ich brauch eine Auszeit“ war bis Anfang diesen Jahres in dieser schnelllebigen Zeit nicht zwingend vorstellbar.

Dann, Mitte März, der „Lockdown“.  Wir, natürlich hatte nicht jeder von uns diese Möglichkeit, haben durch die Pandemie angefangen uns wieder mehr mit unserer Natur und Heimat/Umgebung zu beschäftigen. Auch ich muss rückblickend sagen bin dankbar, dass wir die Natur noch genießen durften und es nicht zur völligen Ausgangssperre, im Vergleich zu anderen Ländern, kam. 

In diesen besagten Wochen habe ich aber auch eins gemerkt: es sind nicht immer die großen Ausflüge, die den Stress und ggf. Ärger um einen herum vergessen lassen und uns dann im Nachgang an die schönen Momente erinnern. Auch die kleinen Auszeiten spielen eine große Rolle. So habe ich angefangen auch kleine Spaziergänge zu unternehmen, habe Feld und Wald in unmittelbarer Nähe unseres Wohnhauses erkundet.

Zurück blickend betrachtet bleiben mir nun die schönen Begegnungen mit beispielsweise Rehen, dem Faulbaumbläuling (danke @naturerkunder für die Bestimmungshilfe :-)), der Gebänderten Prachtlibelle, der Flussseeschwalbe oder auch tolle Sonnenuntergänge und viele weitere Momente in Erinnerung. Wie ihr bemerkt, könnte ich hier noch weiter unzählige Beispiele aufzählen.

An dieser Stelle möchte ich nun aber abbrechen, Euch selbst dazu inspirieren los zu ziehen und ebenfalls auf einem kleinen Spaziergang die scheinbar kleinen, nicht immer sofort sichtbaren Augenblicke direkt vor der Haustüre zu genießen und sie wie Balsam für die Seele auf Euch wirken lassen. 

– Einzelhaft – Eine fotografische Recherche in Bautzen II

Waren Sie schon mal im Gefängnis? Hoffentlich nicht. Es sei denn, Sie haben den Schlüssel.

Im Rahmen eines künstlerischen Erinnerungsprojektes durfte ich das ehemalige Stasi-Gefängnis in Bautzen sehr genau kennen lernen. Eines Tages bekam ich den Schlüssel des Gefängnisses und durfte gemeinsam mit einem Kollegen einen ganzen Abend und Teile der Nacht allein im Gefängnis verbringen. Wir waren auf der Suche nach den Klängen des Hauses. Nebenher fotografierte ich in den seit Jahren verschlossenen Zellen und Funktionsräumen vom Dachboden bis zum Keller.

Ausgeräumte Zelle

Bautzen II war ein Isolationsgefängnis. Zahlreiche Häftlinge wurden dort in Einzelhaft gehalten. Selbst die Hofgänge wurden allein absolviert. Ein ausgeklügeltes Ampelsystem sollte verhindern, dass sich Häftlinge auf den Gängen des Gefängnisses begegneten.

Minihöfe für den Freigang der Häftlinge. Auch hier blieben sie isoliert.

Die Häftlinge waren allein in der Zelle. Dennoch wurden sie abgehört. So lauschten die Häftlinge auf die Geräusche der Bewacher und der Welt außerhalb des Gefängnisses und die Bewacher auf die Lebensäußerungen ihrer Gefangenen.

Wechseslsprechanlage

In Bautzen II saßen vor allem Systemgegner, Spione, prominente Gefangene und andere politische Häftlinge der DDR. Von hier ging es oft nach einigen Jahren direkt in den Westen, wenn man nicht für den Rest des Lebens hier eingesperrt blieb.

Stillleben

Das Gefängnis lag mitten in einem Wohngebiet und kaum jemand wusste, worum es sich bei dem Gebäude eigentlich handelt.

Der Ort bot sich regelrecht dafür an, auch Bilder mit einer Retro-Kamera aufzunehmen.

In den 80er Jahren wurden aber einigen Gefangenen auch Haftvergünstigungen ermöglicht.

Die Räume des Wachpersonals waren noch weitgehend unverändert. Es hingen sogar noch die Uniformen in den Spinden, Papiere lagen auf den Tischen und vertrocknete Topfpflanzen kündeten davon, dass hier seit Jahrzehnten niemand mehr die Räume betreten hatte.

Verblichene Grüße eines untergegangenen Unrechtsstaates an der Wand des Gefängnisses
Bautzen II – Ein guter Ort, um über Freiheit nachzudenken.

Aus der Hüfte

Ein schiefer Horizont, ein unscharfes Motiv oder fehlende Körperteile sind einige Probleme, mit denen sich Fotoanfänger üblicherweise herumschlagen müssen. Kreativität und Technik unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Nach den ersten paar tausend Bildern sitzt dann der Horizont auch ohne Bildbearbeitung, der goldene Schnitt ist in Fleisch und Blut übergegangen, und die Schärfe ist da, wo man sie haben will. Super, Ziel erreicht!?

Mir ist diese Routine oft zu langweilig und Regeln sind ja bekanntlich da, um gebrochen zu werden. Eine schöne Möglichkeit, einige „Gesetze“ über Bord zu werfen, kommt aus der Streetfotografie – der Hüftschuss.

Hierbei geht es nicht um ein Duell zwischen zwei Cowboys, sondern um das Fotografieren aus der Hüfte. Die Kamera baumelt seitlich am Körper und man betätigt den Auslöser, ohne durch den Sucher oder das Display zu schauen. Die ersten Bilder landen oft im digitalen Mülleimer, da man ja „blind“ fotografiert. Diese Technik eignet sich besonders, um authentische Szenen aus nächster Nähe aufzunehmen.

Die tiefe Aufnahmeposition, die Nähe zum Motiv, oft gepaart mit Unschärfe, geben den Bildern einen besonderen Reiz. Sie haben fast etwas Intimes und (Un)Heimliches. Wobei ich finde, dass es ein großer Unterschied ist, ob sich jemand mit einem Teleobjektiv hinter einem Mülleimer versteckt, heimlich Menschen beobachtet und abdrückt, oder ob ich mich mitten „ins Leben“ begebe und zu einem gewissen Grad den Zufall entscheiden lasse, wie das Motiv oder die Person auf der Speicherkarte verewigt wird.

Ich kann nur jedem, der gerne fotografiert empfehlen, ab und zu gewohnte Routinen abzulegen und Regeln über Bord zu werfen.
Ein wahrer Meister darin ist mein Sogesehen-Kollege Tom Ritschel. Sein Beitrag Minimal zeigt dies in beeindruckender Weise.

Meine Hüftschuss- Fotos sind alle während einer Fotoexkursion in Marrakesch entstanden. Lust auf noch mehr Marrakesch? Dies geht auch ohne Flug und Quarantäne: Marrakesch-FOTOGRAFIE

Überraschung nach dem Gewitter

Wir Nordlichter haben uns sehr auf den Besuch des Blog-Mitgründers Sebastian gefreut. Am ersten Abend war ein Ausflug zum Abendlicht nach Nordstrand geplant.

Der ganze Tag war nur von Schauern und Gewittern geprägt, sodass wir diesen Programmpunkt schon fast abhaken wollten; da „wir ja aber nicht aus Zucker sind“, haben wir uns trotzdem aufgemacht.

Und vor Ort angekommen, kämpften sich bereits die ersten Strahlen durch die Wolken. Sie lieferten uns ein wunderbares weiches Licht. Glattes ebbendes Wasser wirkte wie ein Spiegel und bescherte uns stimmungsvolle Aufnahmen vor der Hallig Nordstrandischmoor.

Ein wunderbarer Abend, den wir so nicht erwartet hätten…

Makrotour 1 „Kaiserstuhl“

Es war mal wieder einer der Tage, an denen mich der Wecker um drei Uhr morgens aus dem Bett klingelte. Nun, selbstgewähltes Übel würde mancher sagen, aber nicht Heute. Denn heute freute ich mich riesig auf diesen Tag, ich war nämlich mit einem Bekannten, den ich sehr schätze, auf Makrotour am Kaiserstuhl verabredet.

Nach den morgendlichen Vorbereitungen um wach zu werden, was bei mir durchaus dauern kann, stieg ich ins Auto und fuhr in freudiger Erwartung los.

Mark und ich hatten uns den Wanderparkplatz an der Schelinger Höhe als Treffpunkt ausgesucht. Leicht zu finden und um diese Uhrzeit wenig frequentiert. Ich war einige Minuten früher da und nahm die morgendliche Stimmung in mir auf, während ich auf Mark wartete. Wenn ihr euch nun fragt, wer Mark ist, nur Geduld, ich werde es euch bald verraten.

Als mein Begleiter für diesen Tag eintraf, machten wir uns nach kurzem Smalltalk auf den Weg in Richtung Haselschacher Buck bzw. Badberg, beides Naturschutzgebiete im Kaiserstuhl. Die Sonne versteckte sich noch ein wenig hinter den Wolken, während wir durch die Wiesen streiften auf der Suche nach Insekten, die uns Model stehen würden. Ein Vogelkonzert begleitete uns, und der Tag versprach schon mal Gutes.

Als wir auf einer Anhöhe ankamen und unseren Blick in Richtung Vogesen schweifen ließen, erwartete uns ein toller Anblick. Die Vogesen im ersten morgendlichen Licht. Ihr könnt es auf dem Beitragsbild des Artikels sehen. Ein wirklich schöner Anblick.

Nun machten wir uns ans Werk und begannen an den Hängen und an den Wiesenrändern nach Insekten Ausschau zu halten. Quasi immer die Nase auf dem Boden .

Berg-Raubfliege

Das Erste, was uns über den Weg lief, war eine Berg-Raubfliege. Ich muss erwähnen, dass wir versuchten, dem Sonnenaufgang vorauszulaufen, sodass wir die Wiesen an den Hängen noch im Schatten vorfanden. Das hat den Vorteil, dass die Insekten noch schlafen und, wie hier bei der Raubfliege, genug Zeit bleibt, um sie ungestört abzulichten.

Da wir nicht nur fotografierten, sondern auch ziemlich viel quatschten, ging uns sicher das ein oder andere Motiv durch die Lappen, dennoch fanden wir einiges und vor allem auch Überraschendes. Die Zeit verging wie im Flug.

Schwalbenschwanz im Morgenlicht
Magerrasen-Perlmuttfalter

Die nächsten Motive waren schnell gefunden, so wie dieser Schwalbenschwanz. Fast wären wir dran vorbeigelaufen, aber aus den Augenwinkeln habe ich ihn gerade noch entdeckt. Ich weiß gar nicht, wie lange ich den schon vor die Linse bekommen wollte und endlich, an diesem Tag hat es geklappt. Meiner Meinung nach einer der schönsten Schmetterlinge. Ich war voll Happy.

Das nächste Highlight war dann der Magerrasen-Perlmuttfalter. Warum Highlight? Zum einen, weil der Schmetterling, der von Mark gefunden wurde, eine wunderschöne Zeichnung hat, wie ich finde, und zum Zweiten findet man diesen Schmetterling nicht mehr oft, er steht auf der Roten Liste und ist daher besonders schützenswert. Was für ein Glück und was für eine Freude, ihn ablichten zu können.

Schlafende Wespe
Wieder ein schlafender Schmetterling
Schachbrettfalter weiblich
Schachbrettfalter männlich

Unsere Wanderung ging nun weiter vom Haselschacher Buck zum Badberg. Wir fanden noch einige Insekten und Schmetterlinge, die den Weg auf unsere Speicherkarten fanden, und dazwischen haben wir es uns noch eine Weile gemütlich gemacht und anregende Unterhaltungen geführt. Das muss auch sein. Zwischen dem Fotografieren und Quatschen haben wir wohl auch einige Höhenmeter gemacht, denn am Abend merkte ich, das sich ein dezenter Muskelkater anschlich. Aber Makrofotografen sind hart im nehmen.

Die Zeit, in der wir das Stativ nutzen konnten, war nun vorbei. Die Sonne stand zu hoch. Also montierten wir auf unsere Kameras Blitz und Diffusor und hofften noch einige Stackingaufnahmen machen zu können. Mark erzahlte mir von der Schmuck-Rabaukenfliege, eine Raubfliegenart, und davon, dass wir die doch fotografieren könnten, da er wüsste, wo man sie findet. Wir gingen also auf Pirsch.

Habichtsfliege Stack

Unsere Suche führte uns rings um den Badberg herum. Hügel rauf und Hügel runter. Workout für diesen Tag erledigt, könnte man sagen.

Leider wurde es mit den Rabaukenfliegen nichts. Wir haben sie zwar zu Gesicht bekommen, aber die Viecher waren einfach zu schnell für uns an diesem Tag. Dafür liefen uns einige Habichtsfliegen, die auch zu den Raubfliegen zählen, über den Weg, und die hatten gegen ein Fotoshooting nichts einzuwenden. Fotografenherz, was willst du mehr.

Das Foto der Habichtsfliege ist nun so ein Stack. Also ein Bild, aus mehreren Fotos zusammengesetzt, um eine gleichmäßige Schärfentiefe zu erreichen. Ich werde dazu mal was schreiben. Auch über unser Equipment, das wir für solche Aufnahmen nutzen.

Diese Foto gibt mir jetzt die Gelegenheit, Euch Mark kurz vorzustellen. Da es sein Foto ist.

Mark und ich kennen uns von Instagram. Ja. Das soll es geben. Man kann soziale Netzwerke tatsächlich nutzen, um nette Leute auch in Natura kennenzulernen.

Also zu Mark. Er ist passionierter Makrofotograf, und zwar einer von den richtig Guten. Ich konnte mir von ihm schon einige wirklich sehr gute Tipps und Anregungen holen. Sei es in Bezug auf Equipment oder fototechnische Anregungen. Mark gibt gerne Auskunft und ist obendrein noch ein ganz netter Kerl. Er hat verschiedene Projekte am laufen, für die ich hier gerne etwas Werbung mache, da sie mir sehr gefallen. Seine Makrofotos zeigt er auf Instagram unter http://www.instagram.com/art_of_swami

Er betreibt einen Youtube-Kanal mit Tutorials und Berichten rund um die Makrofotografie https://www.youtube.com/channel/UCJfP-0fSk1qwO7P_mNoU1wg und sein neustes Baby ist ist ein Podcast, den er mit einem ihm befreundeten Fotografen betreibt https://makrotalk.libsyn.com/

Ihr dürft gerne mal bei ihm vorbeischauen, er wird sich sicher freuen, und ich denke, ihr werdet genauso begeistert sein wie ich.

So endet nun der Bericht über unseren Tag am Kaiserstuhl, und ich weiß jetzt schon, ich werde wiederkommen. Der Kaiserstuhl ist für mich einer der schönsten Makrospots, die es bei uns gibt. Ihr solltet ihn definitiv auch mal besuchen.

In diesem Sinne, bleibt neugierg und habt einen schönen Tag.

Der falsche Herbst

Meine fotografische Heimat ist der Südwesten Deutschlands. Auf der einen Seite das äußerst reizvolle Dreiländereck zur Schweiz und Frankreich, auf der anderen Seite der Schwarzwald mit seinem Höchsten, dem Feldberg. Besucher der Feldbergregion sind immer wieder beeindruckt von der tollen Landschaft, dem Weitblick und dem alpinen Charakter der Natur. Auch ich als Einheimische bin immer wieder überwältigt von der Schönheit und besonders von den unzähligen Varianten von Grün. Dunkelgrüne Tannen, saftige Wiesen, leuchtendes Moos und das zarte Grün der Buchen.

Aufgrund der Trockenheit und der Hitze der vergangenen Jahre und verstärkt durch den Borkenkäferbefall hat sich das Bild des Waldes in den letzen Jahren jedoch stark verändert. Ganze Flächen abgestorbener Fichtenwälder bestimmen nun das Landschaftsbild.

Der Klimawandel ist für die Bewohner der Region täglich mit eigenen Augen sichtbar, und dennoch hat man sich an diesen Anblick bereits gewöhnt.

Was mich aber kürzlich geschockt und tief getroffen hat, war ein ganz anderes Naturschauspiel. Am Wochenende, zur Sommersonnenwende hatte ich mich mit einigen Gleichgesinnten zu einem Fotoworkshop auf dem Feldberg getroffen. Wir wollten unser Wissen in Landschafts- und Makrofotografie vertiefen und freuten uns auf die Vielfalt der Natur und auf das tolle Licht. Schon beim Aufstieg zum Gipfel hatte ich das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmte. Hier ein Baum mit Herbstlaub, hier noch einer und nochmal einer. Herbstlaub im Juni??

Eigentlich sah es ganz reizvoll aus, der Kontrast der rotbraunen Blätter zum saftigen Grün. Mit der Zeit fiel mir auf, dass die betroffenen Bäume fast alles Buchen waren. Die blühende Lebendigkeit der Wiesen stand in völligem Gegensatz zu den herbstgefärbten Blätter der Bäume.

Was war passiert? Wahrscheinlich ließ der warme April die Buchen früher als üblich austreiben, und das zarte frische Buchengrün wurde vom letzten harten Frost Anfang Mai kalt erwischt. Die jungen Blätter wurden quasi gefriergetrocknet.

Der Anblick der Bäume trieb mir fast Tränen in die Augen. Ich bin ja keine Botanikerin, aber auch ich weiß, dass ein Laubbaum ohne Blätter um sein Überleben kämpfen muß. Die Buchen in der Feldbergregion sind etwas ganz besonderes. Durch das strenge Klima wachsen sie sehr langsam, sind vom Wuchs her knorrig und oft windschief. Meine ganze Hoffnung liegt nun auf dem Johannistrieb (so nennt man einen zweiten Blattaustrieb). Unter klimatisch guten Bedingungen können Laubbäume, wie die Buche, im selben Jahr ein zweites Mal austreiben. Ich hoffe, sie bekommen diese zweite Chance.

Aktuelles:
Aufgrund der vielen Rückmeldungen und Kommentare scheint das Schicksal der Buchen viele Mitmenschen zu interessieren, deshalb werde ich euch über ihre Entwicklung in kleinen Blog- Ergänzungen auf dem Laufenden halten.

30.06.20:
Genau 10 Tage nach der Entstehung der Bilder für den Blog, nutzte ich einen lauen Frühsommerabend auf dem Feldberg um nach „meinen“ Buchen zu schauen. Die Erwartung auf eine Veränderung war nicht allzu groß, da 1,5 Wochen keine wirklich lange Zeitspanne ist. So sehr kann man sich irren, aber seht selbst…

Wie ihr euch vorstellen könnt, war meine Freude riesengroß. Zum Teil waren nur einzelne Blattknospen zu sehen, aber manche Bäume hatten schon eine stattliche Anzahl zarter grüner Blätter.

Da sommerliche Abendspaziergänge auf dem Feldberg immer eine schöne Gelegenheit sind, der Hitze im Tal zu entkommen, werde ich auch weiterhin ein Auge auf die Buchen haben.