Sylvain und die anderen

Der Spätsommertag am Mittelmeer geht zur Neige. Das Wetter ist noch immer wunderbar in Le Grau-du-Roi an der französischen Südküste – warm, sonnig, trocken, klar, windig. Ein paar wenige Leute baden noch in den Fluten oder gehen am Strand spazieren. Kaum zu glauben, dass wir schon Mitte September haben. Klingt wie Nachsaison?

Nicht für alle.

Wie aus dem Nichts ist ein ganzer Schwung Kitesurfer aufgetaucht. Auf dem durch den warmen Abendwind aufgewühlten Meer sind sie offenbar ganz in ihrem Element. Wild und scheinbar planlos, ja geradezu chaotisch fahren sie umeinander und verheddern sich doch nie, weder in ihren eigenen Schnüren, noch miteinander.

Ich muss gestehen, dass ich bisher nie viel übrig hatte für diese Art von Wassersport. Und damit meine ich nicht, dass ich je in Betracht gezogen hätte, es selber einmal zu versuchen. Einfach den Anblick fand ich eigenlich nie besonders attraktiv. Das hat sich radikal geändert an jenem Abend!

Ob es Zufall war oder Vorsehung, dass ich just in diesem Moment mein Teleobjektiv mit an den Strand genommen hatte? Ich werde es nie erfahren. Jedenfalls habe ich vor Staunen kaum den Mund zu bekommen und konnte zugleich mein Glück kaum fassen angesichts dieser Motivpalette bei besten Fotobedingungen. Eine ganz besondere Verbindung aus Ästhetik, Athletik und nicht zuletzt auch Dramatik.

Faszinierendes Ballett in Wasser und Wind im immer goldener und röter werdenden Licht der südlichen Abendsonne. Ob zu zweit, zu dritt, oder auch ganz allein.

Und dann trat Sylvain in mein Leben. Oder besser: er fuhr.

Sylvain surfte von allen am dichtesten am Strand entlang. Und so war ihm nicht entgangen, dass ich wohl das eine oder andere Foto von ihm und den anderen schoss. Das weckte sein Interesse, und nachdem er ein paar Mal hin und her gekreuzt war, kam er an Land und rief mich. Ob wir Telefonnummern austauschen könnten. Und ob er die Bilder haben könne, die wohl gerade entstanden seien.

Na, und ob er das kann!

In unserer kurzen Unterhaltung wurde schnell deutlich, dass dieser Abend auch für ihn, den alten Kitesurf-Bären, etwas Besonderes war. Und so hatte er es auch, nachdem die Porträts im Kasten waren (ich immer wieder bang zu dem gigantischen Schirm im Himmel schräg über mir hochschauend), durchaus eilig, wieder ins Wasser zu kommen und die letzten Sonnenstrahlen auszukosten.

So wie die anderen.

Vier-Gipfel-Tour in Hochfügen

Nach unserer ersten Urlaubswoche in Südtirol ging es für uns für eine weitere Woche weiter nach Österreich. Unser Domizil, ein kleines Chalet namens „Almnest“, war für unsere Wanderungen rund um das Hoteldorf Hochfügen ein perfekter Ausgangspunkt. Unseren Ankunftstag nutzen wir jedoch zunächst für einen kleinen Spaziergang und erkundeten die kleine Ortschaft. Hochfügen (1.474 m) liegt im Zillertal und ist als Skigebiet besonders beliebt.

Unsere Wanderungen planen wir meist anhand von Wanderkarten, die in den Unterkünften ausgelegt werden oder über die Wanderapp „komoot“. So hatten wir uns für den nächsten Tag eine Wanderung zum „Kleinen Gamsstein (1.924 m)“ herausgesucht. Diese Wanderung war von unserer Ortschaft aus mit 2 Stunden und 500 Höhenmeter ausgeschrieben.

Das Wetter hatte es in dieser Woche gut mit uns gemeint, und die Sonnencreme kam endlich zum Einsatz. Nach ca. 1 1/2 Stunden breiten Landwirtschaftswegen kam ein Kamm namens „Loassattel“. Der Alpengasthof vor Ort hatte an diesem Tag leider seinen Ruhetag, und ein erfrischendes Radler oder eine kleine Mahlzeit war somit leider nicht drin. Vom Loassattel aus führte der Weg nun in kleinen Trampelpfaden weiter Richtung „Kleiner Gamsstein“. Wer uns bzw. unsere Erzählungen von Wanderungen kennt, der weiß wie sehr wir die kleinen Trampelpfade und schmalen Wanderwege lieben. Am Wegesrand gab es für uns immer wieder Grund anzuhalten. Das gesamte Gebiet stellte sich als ein kleines Paradies voller wilder Heidelbeeren heraus. Wer schon mal in den Genuss von wilden Beeren kam, der kann verstehen wie gut uns diese doch schmeckten und wir alle paar Meter davon naschen mussten.

Am Kleinen Gamsstein angekommen, weckte uns erst recht die Wanderlust und wir packten vor Ort die Wanderkarte aus. Auf dieser waren der Große Gamsstein (2.142 m), der Gilfert (2.506 m) und das Sonntagsköpfl (2.244 m) dargestellt. Den Blick von der Karte gehoben, konnten wir alle drei Berggipfel in der Ferne erkennen. Unsere Tour war somit weiter gesetzt. Vom Kleinen zum Großen Gamsstein führte uns ein schmaler Grat mit ständigem Blick auf Hochfügen und die umliegenden Almen bzw. Bauernhöfe.

Vom Großen Gamsstein aus war auch schon unser nächstes Ziel, das Gipfelkreuz vom Gilfert, zu sehen. Wir verweilten nicht sonderlich lange und machten uns weiter auf den Weg. Der Aufstieg zum Gilfert ist noch schmäler, und durch das teilweise ausgesetzte Gelände forderte der Weg vollen Körpereinsatz. Unterhalb vom Gipfel war auch noch das ein oder andere Schneefeld zu sehen. Das Gipfelkreuz war beim Aufstieg stets bedeckt von Wolkenfeldern. Nach einer guten halben Stunde vollem Körpereinsatz hatten wir dann den Gipfel des Gilferts erreicht. Eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Bergketten, den Hintertuxer Gletscher und weiter unten im Tal die Stadt Innsbruck mit dem Inn, einem Nebenfluss der Donau, waren für uns Belohnung genug für den bisherigen Fußmarsch. Auf diesem Gipfel verweilten wir etwas länger und plünderten unseren Rucksackproviant.

Nach dem Eintrag in das Gipfelbuch und der kleinen Stärkung ging es für uns wieder abwärts zum vierten Gipfel: dem Sonntagsköpfl. Dieser Weg führte uns über kleinere Felsformationen, schmale Pfade, teilweise ausgesetzte Stellen und schlussendlich über einen kleinen Grat zum Gipfelkreuz. Von dort aus gab es eine wunderbare Rundumsicht auf die drei zurückliegenden Gipfelkreuze und die Gemeinde Hochfügen.

Unser Rückweg führte uns dann an einem schmalen Flussbett über die Lamarkalm Mitteleger nach Hochfügen zurück. Nach insgesamt 17,5 Kilometern, 1.200 Höhenmetern und 6 Stunden ließen wir den Abend in einem Restaurant gemütlich ausklingen und blickten hierbei voller Stolz auf unsere Vier-Gipfel-Tour zurück. Als geübter Wanderer und mit guter Kondition (Trittsicherheit beim Gilfert) kann man diese Wanderung als eine Tagestour mit herrlichem Bergpanorama erleben.

sogesehen – Monatsfoto September

Der Monat September läutet langsam den Herbst ein. War der Sommer in diesem Jahr eigentlich da? Oder kehrt er sogar noch einmal zurück? Der September ist jedenfalls ein Übergangsmonat.

Dafür steht für mich sinnbildlich auch die Distel. Sie wird häufig als Unkraut abgetan oder erst gar nicht wahrgenommen. Ja, sie ist stachelig und wächst am Straßenrand, auf Wiesen und Feldern.

In der Tierwelt erfreut sie sich hingegen großer Beliebtheit. Beim Wandern fallen zahlreiche Insekten auf, die sich auf ihren Blüten tummeln.

Die Distel blüht im Sommer über einen langen Zeitraum in oft violetter Pracht und bildet bei ihrer Reifung schließlich weiße Samen aus. Mich erinnert das Monatsfoto an ein Feuerwerk, das den Herbst begrüßt, ein Distelfeuerwerk.

Schrecklicher Schotter

Ich bin gerade für ein paar Tage in Bayern. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diesen Teil Deutschlands nur sehr wenig kenne, darunter auch die bayerischen Alpen. Grund genug, um mal herzukommen, und sei es nur für eine Stippvisite.

Nachdem mich ein Ausflug ins hochtouristische Karwendel bei Mittenwald nur mäßig begeistert hatte, wollte ich mir gerne noch eine etwas ursprünglichere Landschaft anschauen und habe daher eine Exkursion in die Ammergauer Alpen unternommen.

Nur weil man im Gebirge ist, muss man ja nicht immer auf die Berge rauf. Habe ich mir gedacht und bin ins Tal der Linder gefahren. Das liegt nicht weit von Oberammergau und ist eines der ganz wenigen Täler, in denen der Fluss nicht reguliert ist, sei es zur Energiegewinnung oder zum Schutz vor Hochwasser. Hier gibt es noch eine naturnahe Auenlandschaft mit sehr viel Dynamik und einer Landschaft von ganz eigener, herber Schönheit. Man fühlt sich hier einfach „steinreich“!

Fragt sich bloß: wo ist eigentlich der Fluss? Der ist um diese Jahreszeit ein klitzekleines Bächlein (nicht fotografiert). Auf Fachchinesisch wird diese Art von Landschaftsform als „Wildbach-Umlagerungsstrecke“ und lokal als „Gries“ bezeichnet (mehr Infos dazu auf den Seiten des Naturparks Ammergauer Alpen). Dementsprechend war ich also im Lindergries unterwegs, und da gibt es wirklich allerlei zu sehen. Denn der Fluss (wenn er denn mal Wasser führt, insbesondere zur Schneeschmelze im Frühjahr) transportiert natürlich allerlei Krempel talabwärts, von kleinen Dingen bis hin zu weniger kleinen.

Ich kam mir vor wie in einem Freilicht-Skulpturenpark.

Die Weite dieser Tallandschaft ist beeindruckend und schaurig-schön. Erst recht mit rasch heranziehenden Regenwolken am Horizont. Aber auch im Kleinen gab/gibt es viel zu entdecken.

Wenn nur der Regen nicht so schnell gekommen wäre…

Aber getreu dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ hat mir das Schicksal gegen Ende noch ein echtes Schmankerl serviert – den wahren Grund für meinen Ausflug ins Lindergries!

Na, wer findet das Objekt meiner Begierde?

Hiermit sollte es jetzt geklappt haben.

Ich weiß ja nicht, wer meine Begeisterung über diesen Fund teilen kann. Ich jedenfalls habe mich wie Bolle über diese Heuschrecke gefreut.

Es ist nämlich nicht irgendein Nullachtfünfzehn-Hüpfer, sondern die extrem seltene Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodemella tuberculata, mehr Info hier), die im Alpenraum und überhaupt in Europa nur noch an ganz wenigen Stellen vorkommt. Ihr Lebensraum sind genau diese unverbauten, wilden Flusstäler mit ihren ausgedehnten Schotterfluren. Tja, und die hat der Mensch nun mal zum allergrößten Teil zerstört. Somit sind auch die allermeisten Vorkommen dieser hochspezialisierten Insektenart unwiederbringlich verloren.

Kein Wunder also, dass dieses Exemplar hier etwas verdrießlich dreinschaut…

Ich jedenfalls war so geflashed durch diesen tollen Fund (ein einziges Tier nur!), dass mir der nun starke Regen gar nichts mehr ausgemacht hat und ich nass und glücklich zurück zum Auto getalpt bin. Hoffentlich kann ich diesen besonderen, „schrecklich-schönen“ Ort noch einmal besuchen. Vielleicht scheint ja dann auch die Sonne, und ich finde noch den Kiesbank-Grashüpfer…

Dem Himmel so nah – Bergtour zum Seekofel in Südtirol

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“

Johann Wolfgang von Goethe

Für uns ging es bereits zum vierten Mal in Folge in unserem Sommerurlaub nach Südtirol.  Jedes Jahr aufs Neue fasziniert uns die Bergwelt mit ihrer wunderschönen Landschaft und ihren eindrucksvollen Felsformationen. In den Bergen merkt man erst, wie klein der Mensch ist und wie gewaltig die Natur wirkt.

Als wir das erste Mal im August 2018 Südtirol für uns entdeckten, ging es an einem Morgen an den Pragser Wildsee (Lago di Braies). Wir waren sofort von dem glasklaren türkisfunkelnden See begeistert, welcher von einer wunderschönen Berglandschaft umgeben wird. An dieser Stelle möchte ich jedoch kurz erwähnen, dass der See zum „Hotspot“ für Touristen geworden und daher leider sehr überlaufen ist. Die Gemeinde sperrt auch die Straße zum See in den Sommermonaten von 09.30 – 16.00 Uhr ab, da sonst vermutlich völliges Chaos herrschen würde. Da wir bei Wanderungen jedoch Frühaufsteher sind und es einfach lieben, wenn wir (soweit es geht) die Landschaft für uns alleine haben, waren wir damals gegen 7.30 Uhr vor Ort und konnten den Rundgang um den See zunächst mit wenigen Personen alleine genießen. Damals begeisterte uns bereits der herausragende Berg Seekofel mit seinen 2.810 m, der zu den Pragser Dolomiten gehört, und uns war dort schon klar: eines Tages werden wir diesen Berg besteigen und vom Gipfelkreuz oben auf den See hinunterschauen.

In diesem Sommer war es nun endlich soweit. In Gedanken an den Seekofel und die wunderschöne Berglandschaft sind wir also in der ersten Augustwoche losgefahren und nach acht Stunden in unserem Domizil im Gsiesertal, einem Seitental des Pustertals, angekommen. Überglücklich und voller Vorfreude auf unsere Bergtour zum Seekofel ging es für uns zunächst die Tage davor auf andere schöne Berge wie die Riepenspitze (2.774 m) oder den Gerichtshals (2.239 m). Auch wenn einem die Höhe vielleicht nicht zu sehr bewusst ist, so sollte man sich jedoch zunächst akklimatisieren und sich bzw. seinen Körper an die Höhenlage gewöhnen. An unserem letzten Tag hatten wir uns also die Wanderung zum Seekofel vorgenommen.

Wie schon vor vier Jahren ging es nun also auch an dem besagten Tag frühmorgens für uns los. Der Einstieg begann am Fuße des Pragser Wildsees (1.400 m), den man ca. eine halbe Stunde entlang laufen musste und führte anschließend in Serpentinen aus kleinen Kalksteinen und schmalen Bergpfaden hinauf zur Ofenscharte oberhalb der Seekofelhütte (2.327 m). Auf diesem Wanderabschnitt war teilweise voller Körpereinsatz gefordert, da man sich an der einen oder anderen Stelle auch an den großen Felsvorsprüngen hochziehen musste. Das Wetter war an diesem Tag perfekt, und die Sonne war uns stets eine treue Begleiterin. Ein Wanderschild bei der Ofenscharte machte uns deutlich, dass uns noch eine gute Stunde schmale Pfade und Felsvorsprünge bevorstanden, ehe wir den Gipfel erreichen würden. Auch hier gab es zur Sicherheit Drahtseile, welche beim Erklimmen des Berges Unterstützung boten.

Wir sind geübte Wanderer und unsere Kondition ist auch sehr gut, aber diese gute Stunde hatte sich gefühlt so sehr in die Länge gezogen, unsere Beine spürten in diesem Augenblick auch noch die Wanderungen an den Tagen zuvor, und der Anstieg wurde mit jedem Schritt anstrengender. Nach jeder Bergkuppe waren wir uns sicher, dass das Gipfelkreuz gleich zu sehen sein musste. Dann endlich war es für uns soweit. Nach über 1.300 Höhenmetern und knapp vier Stunden bergauf war das Gipfelkreuz des Seekofels (2.810 m) in greifbarer Nähe.

An dieser Stelle muss ich nicht näher darauf eingehen, wie erleichtert und glücklich wir waren, oder? Auf dem Gipfel selber spürten wir die Anstrengungen der ganzen Woche und freuten uns nur noch aufs Absitzen und unser eingepacktes Vesper.

Nach der Stärkung führte uns der Abstieg vom Gipfel an der Seekofelhütte vorbei. Dort gab es noch ein stärkendes Radler, und schon folgte der Rückweg über die Seitenbachscharte zurück zum See. Dieser Abstieg hatte es auch nochmals in sich. Von oben war der Weg durch das herabfallende Geröll vom Berg nicht zu erkennen und so ging es mit einigen rutschigen Abschnitten talabwärts. In diesem Abschnitt war wirklich Trittsicherheit gefragt.

Unsere Wanderung ging somit nach insgesamt 23,5 Kilometern, 1.500 Höhenmetern und 8 Stunden dem Ende entgegen. Am Abend konnten wir unsere Tour in einer kleinen Wirtschaft im Ort bei Pizza und Aperol Revue passieren lassen. Das hatten wir uns aber auch nach dieser anstrengenden Tour verdient, oder was meint ihr? 🙂

Nach unserer Südtirolwoche ging es für uns noch eine Woche weiter nach Österreich in die Gemeinde Hochfügen. Auch hier haben wir die Landschaft um uns herum zu Fuß erkundet. Ein Blogeintrag dazu folgt 🙂

1 m² (der Erste)

Was meint Ihr? Ist die Welt groß oder klein?

Es gab mal eine Zeit, da konnte uns die Welt nicht groß genug sein. In rasantem Tempo durchreisten wir in kürzester Zeit mehrere Länder, und auch entlegenste Orte waren, mit modernen Transportmitteln und genügend Kleingeld, schnell und leicht zu erreichen.

Plötzlich war die Welt klein geworden! Zu klein für manche Milliardäre, die ihr unternehmerisches Wohl nun auch außerhalb der Erde such(t)en. Seit etwa zwei Jahren ist die Welt wieder groß geworden, ja schon fast riesig!

Ähnlich wie in meiner Kindheit sind manche Reiseziele wieder unerreichbar oder nur mit viel Planung und einem gewissen Risiko zu bereisen. Besonders Fotografen lieben das Reisen, und nach dem x-ten Fotoausflug auf den heimischen Lieblingsberg sehnt man sich doch nach Abwechslung, spektakulären Landschaften und neuen Eindrücken.

„Nicht in die Ferne, in die Tiefe sollst du reisen“ *

Philosophisch ist hier sicher nicht die räumliche Tiefe gemeint, aber ich nehme den Satz mal wörtlich. Manchmal findet man sein fotografisches Glück direkt vor (oder hinter) der eigenen Haustür, manchmal sogar unmittelbar unter den eigenen Füßen. Und genau davon handelt meine kleine Serie 1 m² .

Den Anfang mache ich mit einem Stück Ödland, in einem Geotop in Grenzach-Wyhlen, etwa 25km von meinem Heimatort entfernt. Hier traf ich mich an einem sonnigen Samstagvormittag mit ein paar Fotokollegen zum monatlichen Fotowalk der VHS Rheinfelden. Von einem Spaziergang konnte bei mir jedoch nicht wirklich die Rede sein, denn ich habe mich geschlagene zwei Stunden auf einem einzigen kleinen Flecken Erde aufgehalten.

Völlig unspektakulär, oder? Trockene Erde, keine blühenden Pflanzen, keine Schmetterlinge – nur etwas Moos und Unkraut.

Unglaublich, was für eine Fülle an Motiven so ein Stückchen „Nichts“ hervorbringen kann. Man verliert den Bezug zur realen Umgebung und befindet sich plötzlich in einer anderen Welt: Hobbit- Auenland am südlichsten Punkt Baden- Württembergs 😉

Nochmal zurück zur Eingangsfrage. Ist die Welt nun groß oder klein? Ich würde behaupten: Sowohl als auch!

Eigentlich groß genug für ein friedliches Miteinander und Nahrung für alle – anscheinend zu groß für gemeinsame Lösungen, Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit – klein genug, dass ein Virus den Takt angibt – aber zu klein für unseren Lebensstil.

Und wie geht die Serie 1 m² nun weiter? Was fotografisch im Großen möglich ist, müsste doch auch im Kleinen funktionieren. Die Landschaftsfotografie machte den Anfang, und ich bin selbst gespannt, wohin mich diese Reise führt.


*Ralph Waldo Emerson (US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller)

Wie süüüüüüß!

Ich erinnere mich noch gut an eine Begebenheit, die sich vor ein paar Jahren zugetragen hat. In Freiburg fand der Tag der Artenvielfalt statt, mit öffentlichen Exkursionen und Vorführungen zu verschiedenen biologischen Themen. Gutbesuchtes Highlight zum Abschluss des langen Tages waren die Fledermäuse am Waldsee. Man sah sie nicht nur über dem Wasser jagen oder am Abendhimmel hin- und herschießen, sondern dank eines eigens aufgebauten Fangnetzes konnte man diese kleinen Säugetiere auch aus nächster Nähe bewundern.

Einer der Exkursionsleiter hatte die Fledermaus behutsam aus dem Netz befreit und präsentierte sie dann, nachdem das Geschlecht bestimmt und das Gewicht ermittelt war, den gebannt lauschenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ja, und kaum wurde das pelzige Tier im Licht der hellen Taschenlampe allgemein sichtbar, entfuhr es auch schon jemanden neben mir: „Oh, wie süüüüüß!“

Hmpf.

Schon lange habe ich vor, zu diesem Phänomen mal ein paar Sätze zu schreiben. Das ist für mich nämlich mehr als nur eine Anekdote. Ich halte diese Wahrnehmung von Tieren durch uns Menschen für ein Symptom eines Problems unserer Zeit.

Eine Fledermaus ist ein solches Tier, also ein Teil der belebten Natur. Wie wir Menschen, so ist auch sie ein Säugetier. Im Unterschied zu uns kann sie jedoch fliegen und besitzt einen großteils mit Fell bedeckten Körper. Ihre Ernährung besteht ausnahmslos aus anderen Tieren – mithin ist sie ein Fleischfresser und somit, wenn man diesen Begriff denn überhaupt benutzen will, ein „Räuber“ oder gar „Raubtier“.

So, liebe Leute: Was also ist jetzt bitte „süß“ an diesem Lebewesen?

Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde: Weder stoße ich mich per se an dem Wort „süß“ (oder anderen Wörtern wie „niedlich“, „goldig“, „herzig“, „putzig“, oder was es noch so alles gibt in dieser Sparte), noch bin ich der Meinung, man solle zur Natur keine emotionale Beziehung haben. Ganz und gar nicht! Im Gegenteil, es ist aus meiner Sicht sogar elementar, dass wir Menschen uns wieder stärker als ein Teil der Natur begreifen und zugleich wieder eine engere Beziehung zu ihr aufbauen. Wir brauchen dringend ein Verhältnis, das aus Nähe, Respekt und Bewunderung besteht, und auch für Begeisterung ist hier natürlich reichlich Platz. Wir sollten uns auf Augenhöhe begegnen und endlich aufhören, den Menschen für die Krone der Schöpfung zu halten. Andernfalls fahren wir den Karren endgültig gegen die Wand.

Nichts davon schwingt aber mit in dem Ausruf „Oh, wie süüüüß!“. Aus meiner Sicht ist das einfach deplatziert, herablassend und letztlich anmaßend. Es wird der gefangenen Zwergfledermaus, dieser faszinierenden kleinen Kreatur, die uns Menschen in so vielen Belangen überlegen ist, kein bisschen gerecht.

Es gibt natürlich noch mehr solche Fälle. Man hört es so oft! Ich habe mal ein paar Bildbeispiele von Tieren zusammengestellt, die im Allgemeinen positiv besetzt sind (was für die Fledermäuse ja im Grunde gar nicht mal allgemein zutrifft):

Ganz klar: Es hilft ungemein, wenn Fell im Spiel ist! Und auch große Augen (und Ohren) sind nicht von Nachteil…

Auch im (oder am) Wasser darf man sich aufhalten:

Muss man aber nicht – eine staubige Straße ist auch akzeptabel.

Aber besser ist natürlich eine frische Blumenwiese, ganz klar.

Das sind schon alles mehr oder weniger deutliche Sympathieträger, oder? Bloß, auf welcher Wahrnehmung der tatsächlichen Realität beruht ein solches positives Image? Nehmen wir zum Beispiel das Eichhörnchen, einen Allesfresser, der mit Vorliebe Nester von Vögeln ausraubt und dann die Eier und Jungvögel frisst. Wieso ist diese Tierart jetzt „süß“, eine Eidechse jedoch nicht? Das ist doch komplett irrational und hilft überdies niemandem weiter – außer vielleicht uns Menschen, da wir uns in jedem Fall überlegen fühlen können.

Ein bisschen sollte ich meine Polemik jedoch schon noch differenzieren, scheint mir. Es gibt nämlich einen Aspekt, der in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnt werden muss, und zwar das Konzept des „Kindchenschemas“.

Bei höher entwickelten Tierarten (also insbesondere Säugetieren), bei denen die Elterntiere ihren Nachwuchs aktiv aufziehen, spielt das Kindchenschema für den Aufbau einer engen und fürsorglichen Bindung eine wichtige Rolle. Große Augen in einem (über-)großen Kopf, hervortretende Gesichtspartien (z.B. die Stirn), allgemein weiche Konturen im Gesicht – dies alles dient dazu, die Fürsorge der Eltern zu fördern. In diesem Zusammenhang mag es verständlich sein, dass unsereins nicht nur beim Anblick von Menschenbabies positiv angerührt ist, sondern eben auch von Säugetierbabies. Jööööh!

Auch hierzu noch ein Beispiel:

Natürlich ist dieser Fuchswelpe sehr knuffig, gar keine Frage! Aber auch hier sollte man es mit der Verkitschung nicht zu weit treiben. Ich gebe jetzt einfach mal wieder, was ich kürzlich gehört habe: Dass nämlich zahlreiche Brutvogelarten der deutschen Nordseeküste gar nicht mehr auf dem Festland vorkommen, sondern nur noch auf den vorgelagerten Inseln und Halligen. Der Grund dafür: dort gibt es (noch) keine großen Fuchspopulationen, die ansonsten zur Ausrottung dieser Vogelarten maßgeblich beitragen.

Nicht übersehen sollten wir bei alldem jedoch zwei Dinge: Es gibt natürlich auch noch das andere Ende der Sympathie-Skala, und die Meinungen und Wahrnehmungen sind in der Bevölkerung durchaus verschieden.

Nehmen wir den Wolf als Beispiel. Ja, genau, den aus den Märchen, also Isegrim. Viele Menschen mögen ihn nicht oder verteufeln ihn gar. Dabei hat er ebenfalls Fell und große Augen. Aber bei ihm funktioniert das irgendwie nicht. Man hört in letzter Zeit gelegentlich die Aussage: Die Menschen hatten in der Vergangenheit gute Gründe, den Wolf auszurotten, und diese Gründe existieren nach wie vor… Dieses Denken ist sowas von vorgestern, da wird mir Angst und bange.

Gleichzeitig gibt es Menschen, die zu dieser Abneigung offenbar ein Gegengewicht schaffen wollen und den Wolf daher über die Maßen verklären und lieben. Angeblich so ein harmloses, friedliebendes Tier, das niemandem etwas zu Leide tun will… Am besten legt man ein bisschen Futter aus zum Trost für das arme, süße (!) Tierchen. Und wer weiß, vielleicht kann man ihn auch mal ein bisschen streicheln, wenn er dann nah genug kommt.

Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Menschen eines Tages aufhören werden, die gesamte Tierwelt gemäß ihren eigenen, menschlich-vermenschlichenden Kategorien zu betrachten und zu bewerten. Wie wäre es denn, wenn wir einfach mal die Existenz von wilden Tieren akzeptieren und diese dann mit Respekt und Anstand und natürlich der gebotenen Distanz behandeln würden?

sogesehen – Monatsfoto August

Es ist dieser eine Fotospaziergang, den wir so lieben…

Zu unterschiedlichen Jahreszeiten gehen wir so gern durch die Salzwiesen auf den Westerheversand und genießen die Stille und Weite. Unterwegs beeindruckt die einmalige Flora und Fauna. Dazu bekommen wir den allseits bekannten Leuchtturm Westerhever Sand von allen Seiten, bei allen möglichen Lichtstimmungen und verschiedenen Witterungen zu sehen.

Es ist jedes mal ein anderes einmaliges Erlebnis, sich dort gegen Ende des Tages in der Weite der Natur aufzuhalten. Ein kurzer Ausflug mit maximalem Erholungswert. Eine „Express-Auszeit“ mit immer wieder tollen Fotoergebnissen.

(Solch einen Fotospaziergang kann man auf Deich-Foto.de buchen.)

Schön….

sogesehen-Monatsfoto Juli

Was schaut mich denn da an? 

Mit seinen grossen Augen guckt es in die Kamera und fragt sich im Gegenzug, was denn da für ein grosses dunkles Rohr auf ihn gerichtet ist!

Diese kleinen Kerle sind Kugelspringer und gehören zu der Familie der Springschwänze. Sie sind sehr häufig und in den unterschiedlichsten Lebensräumen zu finden, wobei sie Bereiche mit hoher Luftfeuchtigkeit bevorzugen.

Springschwänze gibt es in vielen Formen, am häufigsten sind die länglichen Arten. Aber auch von den kugeligen den „Sminthurus“ gibt es sehr viele. Sie haben alle eines gemeinsam, sie sind sehr klein <1mm bis wenige Millimeter und fühlen sie sich gestört, reagieren sie wie ein Floh und springen weg. Daher kommt ihr Name; Springschwänze. Sie tragen am hinteren Teil ihres Körpers einen federnden Gabelmechanismus. Im Ruhezustand ist diese Gabel unter den Körper geklappt, bei Gefahr schnellt sie durch plötzliche Muskelkontraktion nach hinten und katapultiert den Kugelspringer aus der Gefahrenzone. Er kann sich bis zu 25cm weggespicken.

Man erkennt die an den Körper gelegte Gabel, sie reicht vom Hinterleib bis zum Kopf.

Von bloßem Auge kaum wahrnehmbar, tummeln sie sich bei idealen Bedingungen zu tausenden auf dem Boden, Laub und Gräsern. Sie ernähren sich von pflanzlichem und tierischem Abfall und tragen so wesentlich zur Humusbildung bei.

Ich denke vielen von Euch geht es gleich wie mir, als ich das erste Mal ein Bild dieses entzückenden Wesens sah. Ich war fasziniert von dem niedlichen Aussehen dieser Winzlinge. Sie sehen aus, als wären sie einem Comic entsprungen. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich wollte sie unbedingt finden, um sie fotografieren zu können.

Anfänglich wusste ich gar nicht wo oder nach was ich suchen sollte und bin erfolglos nach Hause zurückgekehrt. Einmal mehr habe ich im Internet nach Antworten gesucht und nach einem erneutem Anlauf hatte ich Glück. Auf feuchtem Laub, der ideale Nährboden für die Kugelspringer, tummelten sich einige dieser Winzlinge und ich konnte sie endlich fotografieren. Inzwischen finde ich sie fast überall und bin selbst überrascht wie häufig sie vorkommen und vor allem, dass sie mir früher nicht aufgefallen sind.

Eine kleine Anregung für die kommenden Sommertage: legt Euch auf die Wiese und beobachtet das Geschehen im Gras. Ich bin sicher ihr werdet mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Kugelspringer antreffen! Eine Lupe erleichtert das Finden 😉

Bella Macchina

Italien! Als mein Mann den Comer See als erstes Urlaubsziel nach Aufhebung der Reisebeschränkungen vorschlug, war ich sofort dabei.
In Gedanken war ich schon bei Wasser, Strand und La Dolce Vita. Dass mein Mann da eher von Motorrädern, kurvenreiche Straßen und alten Fabrikgebäuden träumte, ahnte ich erst, als unser Urlaubsort feststand: Mandello del Lario

Mandello del Lario, eine Kleinstadt am Ostufer des Comer Sees, ist Heimat eines der traditionsreichsten Motorradherstellers der Welt: MOTO GUZZI

Wie über die sportlichen Erfolge der Marke, ist auch die Zeit über die Gebäude hinweggegangen. Keine modernen Produktionsstätten, keine repräsentativen Bauten prägen das Stadtbild, sondern scheinbar verfallene Fabrikhallen mit morbidem Charme.
Ein kleiner Teil der Gebäude wird auch heute noch zur Fertigung der neuen Motorräder genutzt, während ein Großteil der Hallen in der Vergangenheit verharrt.

Aber die Marke lebt!
Im ganzen Ort ist sie allgegenwärtig. Alte Schätze werden gehegt und gepflegt. Die Fahrt zum morgendlichen Espresso ohne die Guzzi- undenkbar! Überall im alltäglichen Leben begegnet man den Zweirädern und der Marke.

Sogar der Bürgermeister fährt eine Guzzi

Die Verbundenheit zur Region lässt sich schon an den Modellnamen ablesen: Bellagio, Ballabio, Lario- viele Modelle haben einen Bezug zum Comer See. Gut möglich, dass die Orte auch nach den Modellen benannt wurden 😉
Auch die heimischen Vogelarten wurden in der Modellpallette berücksichtigt:
Begriffe wie Falcone, Stornello, Galletto, Cardellino, Airone lassen das Herz, nicht nur eines Ornithologen, höher schlagen.

Cardellino (Stieglitz): Name des Motorradmodells und des kleinen Vogels unten links.

Zum 100- jährigen Firmenjubiläum im September werden sich wieder tausende treue Pilger lautstark auf den Weg zu den heiligen Stätten von Mandello del Lario aufmachen, um sich vor dem Werkstor zu treffen.

Vor diesem Hintergrund kann Carlo Guzzi, einer der drei Firmengründer, stolz vom Marktplatz aus in die Zukunft schauen.

Lust auf mehr Moto Guzzi? Dann viel Spaß mit „Ziemlich beste Freunde“