Auf Vogelexkursion

Vielleicht hatten einige von euch die Möglichkeit, den 04.06.2021 als Brückentag zu nutzen und konnten dort ausgiebig ausschlafen. Auch ich durfte den besagten Tag als freien Tag genießen. An ausschlafen war jedoch nicht zu denken, da mein Wecker bereits um 05.00 Uhr klingelte. Auf dem Tagesprogramm stand für mich mein persönliches Wochenhighlight.  Eine halbe Stunde nach dem Wecker klingeln ging es auch schon mit meinem vollgepackten Fotorucksack los zum Bahnhofparkplatz Himmelreich. Dort angekommen dauerte es nur wenige Minuten bevor mein lieber Fotokollege und an dem Tag persönlicher „Guide“ Sebastian @naturerkunder eintraf. Vom Parkplatz aus ging es anschließend in seinem Auto weiter bergaufwärts zur Höfener Hütte.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle nun kurz den Hintergrund unseres Treffens erklären: Sebastian hatte an diesem Tag den Auftrag im Rahmen eines „Monitoring für seltene Brutvögel (MsB)“ in dem Gebiet rund um die Höfener Hütte und dem Hinterwaldkopf den Bestand des Baumpiepers zu erfassen.  Der Baumpieper ist etwa so groß wie ein Haussperling und sein Singflug ist unverkennbar. Dieser wird meist von einer Baumspitze aus vorgenommen. Am höchsten Punkt seines Singfluges lässt er sich wieder Richtung Baumspitze oder einer anderen Singwarte wie ein Gleitschirmflieger nach unten gleiten. Durch die Fotografie habe auch ich ein starkes Interesse und meine Neugier an Vögeln entdeckt. Als Sebastian mir im Vorfeld von seinem Auftrag berichtete, war ich natürlich sofort begeistert davon und freute mich umso mehr, dass ich ihn an diesem Tag begleiten durfte. An dieser Stelle darf ich dir nochmals herzlich danken, lieber Sebastian!  

Noch auf dem Parkplatz der Höfener Hütte entdeckten wir den ersten Neuntöter. Als wir unser Equipment gerichtet, die Wanderschuhe fest geschnürt, Fernglas und Kamera um uns gehängt hatten, ging es zunächst los Richtung Hinterwaldkopf. Hattet ihr zuvor schon einmal von dem Neuntöter oder dem Baumpieper gehört? Für mich waren es bis dato jedenfalls unbekannte Vögel, und ich fand es deswegen umso spannender, diese Vogelarten zu entdecken. Wenige Meter nach der Hütte war es dann auch soweit, und der erste Baumpieper zeigte seine imponierenden Flugkünste.  

Fasziniert von dem kleinen Pieper, der Begegnung mit dem Neuntöter und dem begleitenden Expertenwissen von Sebastian hatte ich sofort das frühe Aufstehen vergessen und war einfach nur unglaublich dankbar für den Moment.  Auf unserem Weg zum Hinterwaldkopf durften wir noch drei weitere Baumpieper, zwei Wiesenpieper, eine Goldammer und zwei Misteldrosseln beobachten. Kennt ihr übrigens den „Merkspruch“ für den Gesang der Goldammer? Diesen könnt ihr euch mit folgendem Satz merken „Wie, wie, wie hab ich dich lieb!“.

Oben am Gipfel angekommen, krächzten Tannenhäher und Schwarzspecht aus dem Wald, die Ringdrossel (enge Verwandte der Amsel) machte in den Baumwipfeln ebenfalls auf sich aufmerksam, und die Feldlerche drehte ihre Runden über uns. Für mich war es der erste Ausflug in diese wunderbar gelegene Hochebene oberhalb vom Himmelreich, aber sicher nicht der letzte. Beim Abstieg und Rückweg konnten wir einige Zeit zwei weitere Baumpieper beobachten.

An der Höfener Hütte wieder vorbei ging es von dort aus für eine kleinere Etappe weiter Richtung Oberried. In diesem Gebiet durften wir auch insgesamt drei Baumpieper, drei Neuntöter, einen Rotmilan und Mäusebussard beobachten.

Nach unserer erfolgreichen Tour machten wir uns auf den Weg zum wohlverdienten „Feierabend“ auf einen Kaffee in der Höfener Hütte. Am Wegesrand mussten wir jedoch nochmals kurz zum Fotografieren innehalten, da uns dort drei Stieglitze an einem kleinen Löwenzahnbusch aufgefallen waren. Während wir es uns später auf der Terrasse der Hütte mit einem Kaffee gemütlich machten und den morgen Revue passieren ließen, kreiste der Rotmilan seine Runden über uns, eine Bachstelze stolzierte auf dem Holzgeländer in unmittelbarer Nähe, und ein Gimpel machte im Baum hinter uns auf sich aufmerksam. Was für ein schöner Abschluss an einem erfolgreichen und für mich lehrreichen Tag. Sebastian konnte für das MsB insgesamt sieben singende Baumpieper, vier Neuntöter (-Reviere) und zwei singende Wiesenpieper erfassen.

sogesehen – Monatsfoto Juni

Ungewohnt kühl und nass sind sie gewesen, die zurückliegenden Frühlingswochen des Jahres 2021. So etwas kannte man gar nicht mehr, jedenfalls nicht im südwestlichen Teil Mitteleuropas, wo das Wetter in den letzten Jahren oft schon im März regelrecht sommerlich war.

Der Mensch neigt ja oftmals dazu, die Dinge zu bewerten, die er (oder sie) um sich herum erlebt und wahrnimmt. Und natürlich bleibt es nicht aus, dass die Meinungen auseinander gehen. Für die einen war das nasse Frühjahr eine Wohltat (insbesondere diejenigen unter uns, die einen Garten oder gar eine Landwirtschaft ihr eigen nennen). Für die anderen hingegen eine große Ungerechtigkeit, wo man sich doch nach so viel Lockdown und (vermeintlich) schlimmen Einschränkungen im Alltagsleben so sehr auf die Natur und den Aufenthalt im Freien gefreut hatte.

Wie auch immer man das Wetter im April und Mai nun bewertet, eines sollte klar sein: Es begründet keinen neuen Trend, sondern ist allenfalls ein kleiner „Ausrutscher“ in Richtung dessen, was in der Vergangenheit der langjährige Durchschnitt in punkto Temperatur und Niederschlag war. Machen wir uns nichts vor: Es wird weiter immer wärmer und trockener werden.

Und was hat es nun mit dem einsamen Windrad auf sich? Tja, dazu darf sich jetzt jede und jeder eigene Gedanken machen. Ich für meinen Teil freue mich schon auf Kommentare und den (kontroversen?) Austausch von Sichtweisen und Meinungen!

sogesehen – Monatsfoto Mai

Maiglöckchen, Maibowle, Maivogel, Maigrün – es gibt unzählige Wörter, die mit dem Wonnemonat Mai beginnen, und der Maikäfer darf in dieser Aufzählung sicher nicht fehlen.

Aber kennt ihr auch den Maikäferbaum? Nein?

Botanisch gesehen ist „mein“ Maikäferbaum ein gewöhnlicher Feldahorn. Schaut man jedoch genauer hin, dann entpuppt er sich als ein Liebesnest hunderter, wenn nicht sogar tausender Maikäfer.

Entdeckt haben wir dieses tierische Spektakel auf dem Badberg am Kaiserstuhl. Dort traf ich mich letzten Samstag mit sogesehen-Kollege Horst zum gemeinsamen Fotografieren. Im Gegensatz zu „Makro-Horst“ bin ich nicht ganz so entspannt, wenn es um Insekten geht, und schaue mir das Ganze lieber erst (mit einem Tele) aus sicherer Entfernung an.

O-Ton Horst: „Du siehst aus, als möchtest Du die Käfer erschießen!“

Obwohl es mich einiges an Überwindung kostete, wagte ich mich immer näher ran. Mal streifte ein Käfer meinen Kopf, mal summte einer der braunen Brummer an meinem Ohr vorbei, mal krabbelte es auf meinem Arm. Ein wenig „Gänsehautfeeling“ war das schon, und während ich jetzt schreibe, fängt es mich schon wieder an zu jucken und zu kribbeln.

Am Anfang dachten wir noch, die Maikäfer hätten es auf die saftig grünen Blätter abgesehen, aber schnell wurde uns klar, dass der Fokus der Käfer an diesem Nachmittag ein ganz anderer war. Manchmal sah das Ganze auch eher nach Akrobatik und harter Arbeit als nach Vergnügen aus 😉

Auch wenn dieses Massenaufkommen für den Baum und auch für die Landwirte nicht ohne Folgen bleiben wird, bin ich mir sicher, dass sich die Wildschweine am Badberg über die proteinhaltigen Engerlinge freuen werden.

Für mich war es wieder einmal eine Gelegenheit, über den eigenen Schatten zu springen und die Komfortzone zu verlassen. Dies verändert den Blick, und es öffnet sich eine neue Welt.

Im Pott – Teil 1 – LaPaDu Nord

Das Ruhrgebiet, kurz der Pott, grenzt an meine Wahlheimat Westfalen. Obwohl ich vom Niederrhein stamme, reichen meine Wurzeln in diese Region und ich fühle mich mit ihr verbunden.

Der Pott ist geprägt durch seine industrielle Geschichte, war Motor des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit und zeichnet sich in den letzten Jahrzehnten durch einen anhaltenden Strukturwandel aus.

Aktive Hochöfen Thyssenkrupp

Ein gutes Beispiel für den Wandel ist der Landschaftspark Duisburg-Nord. Im Jahre 1901 begann August Thyssen hier ein Stahlwerk zu errichten, bereits 1912 waren alle fünf Hochöfen in Betrieb. Bis zur Stilllegung im Jahr 1985 wurden 37 Millionen Tonnen Roheisen erzeugt. Wegen der vielfältigen Produktpalette wurde das Hüttenwerk in Fachkreisen auch „Apotheke des Ruhrgebiets“ genannt.

Blick auf Hochofen 2

Heute erleben durchschnittlich eine Millionen Besucher pro Jahr das stillgelegte Hüttenwerk als lebendiges Industriedenkmal. Ich besuchte den Landschaftspark unter der Woche. Dadurch, und bedingt durch die Corona-Pandemie, war es angenehm leer.

Mit seinen Hochöfen, den Bunkeranlagen, Schrägaufzügen und Gießhallen vermittelt der Landschaftspark auf einer Fläche von 180 Hektar das traditionelle Bild einer Hochofenanlage der Jahrhundertwende.

Nicht nur für Interessierte der Industrie- und Kulturgeschichte ist der Landschaftspark einen Besuch wert. Fotografen können sich hier so richtig „austoben“. Ich schlenderte „corona-konform“ durch die Industrieanlagen und entdeckte immer wieder neue Perspektiven, Formen und Farben.

Fast ein Jahrhundert lang wurde hier „malocht“, wie man im Ruhrgebiet sagt. Sehr wahrscheinlich konnte sich seinerzeit niemand vorstellen, dass heute Touristen und Fotografen durch die Anlage spazieren und Details wie Leitungen, Rohre und Armaturen ablichten.

Ein beliebtes Fotomotiv ist die Kühlhalle mit ihren vier Ventilatoren. Wenn der Wind stark genug weht, drehen sich diese und man kann die Bewegung mit einer längeren Belichtungszeit festhalten.

Das Abendlicht ließ die Anlage in warmen Farben erstrahlen. So auch den Ausleger über den Klärbecken, der als „Krokodil“ bezeichnet wird. Ob das zu Zeiten der Produktion bereits so war oder der Phantasie der Fotografen geschuldet ist, kann ich nicht sagen. 😉

Das Highlight erleben Besucher abends nach Einbruch der Dunkelheit. Dann taucht die Lichtinstallation des britischen Künstlers Jonathan Park das Hüttenwerk in ein faszinierendes Meer aus Licht und Farbe.

Krokodil bei Nacht

Der Abend verging wie im Fluge. Leider war wegen der Corona-Pandemie die Aussichtsplattform auf dem Hochofen 5 gesperrt. Zudem waren wegen Instandhaltungsmaßnahmen die Flügel des Windrades demontiert und der linke Schornstein in ein Baugerüst gehüllt. Das sind alles Gründe, dem Landschaftspark schon bald einen weiteren Besuch abzustatten. Übrigens, der Eintritt in den Park ist kostenfrei.

Weitere Informationen unter: http://www.landschaftspark.de

Weiße Blütenpracht im Eggenertal

Sobald sich der Frühling bemerkbar macht, warten bestimmt viele gespannt auf Nachrichten aus dem Eggenertal im Markgräflerland. Für uns Markgräfler ist es längst kein Geheimnis mehr, dass sich dann das gesamte Eggenertal in eine weiße Blütenpracht verwandelt. Jahr für Jahr erfreut man sich so über die blühende Jahreszeit und den herrlichen Anblick der blühenden Obstbäume und hier insbesondere der Kirschblüten. Das traditionelle Blütenfest vom Männerchor Eggenertal auf dem Wanderparkplatz „Stelli“ war so etwas wie ein Pflichttermin im Kalender der Markgräfler. Leider findet dieser gemütliche Hock aus bekannten Gründen nicht statt.

Ein erster hastiger Blick ins Tal kann jedoch auch kurz für Überraschung sorgen: die weiße Blütenpracht lässt sich auch mit etwas Fantasie als verschneite Bäume ansehen. Schnee im März/April ist schließlich auch nicht ungewöhnlich, wie uns die aktuelle Wetterlage momentan zeigt. In dieser Zeit kommt es auch noch vereinzelnd vor, dass auf unserem Hausberg „Hochblauen“ auf 1.165 m Höhe Schnee liegt und der Frühling lässt unten im Tal alles blühen.

Bevor der April jedoch weiterhin mit uns macht was er will, konnten wir vergangenes Wochenende die schönen Tage rund um Ostern genießen und uns an den blühenden Obstbäumen erfreuen.

Rund um das Eggenertal gibt es herrliche Rundwanderwege, Obstlehrpfade und Trockenmauergebiete. Auf der Internetseite www.eggenertal.de finden sich jede Menge Informationen, Wandertipps und in der Rubrik „Blütentelefon 2021“ kann man sich immer über den aktuellen Blütenstand informieren.

sogesehen – Monatsfoto April

Geht es Euch auch so, dass ihr festmachen könnt, wann für Euch der Frühling beginnt? Ja?

Für mich persönlich beginnt der Frühling, wenn eine ganz bestimmte Blume erscheint.

Ich meine die Schlüsselblume. Kein anderer Frühblüher hat für mich diese Bedeutung. Mag es noch so warm sein und die Sonne scheinen, mögen die Vögel noch so ein überwältigendes Konzert geben – wenn sich dieses Blümchen noch nicht gezeigt hat, ist für mich noch kein Frühling. Das mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass ich mit diesem wunderschönen Pflänzchen eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen verbinde.

Als Kinder sind wir mit unserer Großmutter immer losgezogen, um den ersten Strauß dieser kleinen gelben Schönheit zu pflücken. Als wir dann genügend für die Vase der alten Dame zusammen hatten, pflegte sie zu sagen,“So! Jetzt ist Frühling“. Dann ging sie mit uns des Weges, und jedesmal erschien dabei ein glückliches Lächeln auf ihrem Gesicht.

Auch beim Fotografieren ist das so ähnlich. Sobald ich Schlüsselblümchen sehe, ist es für mich ein Zeichen, dass die Makrosaison wieder losgeht. Die Vorfreude darauf steigt ins unermessliche, und ich ziehe los, um einige dieser Wiesen und Waldgewächse abzulichten. Es entstehen je nach Lichtsituation die tollsten Bilder, und je nach Hintergrung (hier zwei kleine Buchen mit ihren noch roten Blättern) könnte man meinen, eine Zeichnung vor sich zu haben.

Jedes Jahr fast das gleiche Ritual und jedes Mal muss ich mich an die Worte erinnern.

„So! Jetzt ist Frühling“

Heutzutage darf man die Schlüsselblumen nicht mehr pflücken, da sie streng geschützt sind. Zum Glück, denn ich finde, sie sind zu schade, um sie in die Vase zu stellen. Denn nur in der Natur zeigen sie ihre wahre Schönheit.

In diesem Sinne, Einen schönen Lenz mit viel Sonne, Vogelgezwitscher, Bienengesummse und wunderschönen Blümchen. Bleibt neugierig.

Aufgeräumtheit

Es ist Frühling! Für diese Feststellung braucht es weder einen Kalender, noch botanische Kenntnisse. Hierzu reicht schon ein Blick in die unmittelbare Nachbarschaft. Da werden Fenster geputzt, Autos gewaschen und im Garten herumgewerkelt – alle sind damit beschäftigt die Spuren des Winters zu beseitigen. Man sehnt sich nach Licht, fröhlichen Farben und nach Veränderungen.
Diese Geschäftigkeit macht sich auch bei mir bemerkbar und ich sehne mich nach äußerer und innerer Aufgeräumtheit.
Den ganzen Winter über war ich im Wald und in der Natur unterwegs, hier konnte ich abschalten und mich in der Zeit verlieren. Je unaufgeräumter und ursprünglicher die Umgebung war, desto besser!

Dies hat sich seit ein paar Tagen schlagartig geändert. Was für mich im Februar noch kreatives Chaos war, scheint mich plötzlich zu überfordern.
Eine aufgeräumte, klare Bildaufteilung mit geraden Linien und graphischer Bildsprache, dass ist das, was ich jetzt brauche!

Also schnappte ich mir an einem der ersten schönen Märztage meine Kamera und fuhr nicht wie üblich Richtung Osten, in die Natur, sondern in den urbanen Westen. Direkt im Dreiländereck D/F/CH liegt Weil am Rhein, bekannt als Stadt der Stühle und der Architektur (was maßgeblich mit einer dort ansässigen Firma zu tun hat).
Rund um das Firmengelände gibt es einen frei zugänglichen Campus auf dem man flanieren und fotografieren kann. Ein Highlight für Architekturinteressierte und perfekt für meinen kreativen Frühlingsputz!

Besteht beim Fotografieren im Wald die Herausforderung darin, eine „Ordnung“ im Chaos zu finden, so wurde mir hier eine Ordnung vorgegeben und ich musste versuchen, diese kreativ in Szene zu setzen.

Als sich mein kleiner Fotospaziergang zu Ende neigte, konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen, gerade Linien und Minimalismus links liegen zu lassen, mich auf den Rücken zu legen und eine Rutsche „aufzuräumen“. Nicht ganz nach Fibonacci (Fotografen wissen was ich meine 😉 ) aber trotzdem ein Hingucker.

Vitra- Rutschturm

Jetzt ist Architekturfotografie nicht gerade mein Steckenpferd, aber ab und zu verlasse ich gerne mal meine fotografische Komfortzone und bin immer wieder überrascht, wieviel Spaß mir das macht. Ob das immer Architekturfotografie ist, oder „nur“ Fotografie in urbaner Umgebung – keine Ahnung.

Ein Blick durch ein Fenster erinnerte mich dann doch wieder an meine eigenen „Milchglasscheiben“. Es ist Frühling! Aber das sagte ich ja bereits 🙂

Liebeserklärung an das Leberblümchen

Welche Blumen fotografierst Du am liebsten?

Diese Frage wird mir sehr oft gestellt und es ist wirklich schwierig eine klare Antwort darauf zu geben. Für mich hat fast jedes Blümchen etwas Reizvolles an sich. Sei es von der Farbe, von der Grösse, in welchem Umfeld es wächst und nicht zuletzt was es ausstrahlt. Jede Jahreszeit bringt wieder neue Schönheiten zu Tage, welche sich gerne von allen Seiten ablichten lassen. Jetzt in dieser Jahreszeit kann ich klar sagen, nach den Schneeglöckchen, ist definitiv das Leberblümchen meine Lieblingsblume.

Hepatica Nobilis, wie diese zarten Frühblüher wissenschaftlich heissen, tragen zurecht den Zunamen Nobilis. Es hat schon etwas Nobles und Edles, wenn diese Blümchen ihre feinen lila-blau gefärbten Blütenblätter gen Himmel richten. Sie sind sehr zart und doch so robust, selbst ein kurzer Wintereinbruch kann ihnen nicht viel anhaben. An den nächsten Sonnentagen öffnen sie wieder ihre Köpfchen und strahlen um die Wette! Einen sehr schönen Farbkontrast bieten die vielen weissen Blütenstempel, die wie kleine Stecknadeln auf einem hellgrünen Kissen stecken. Man findet auch rosa und weisse Leberblümchen, je nach Standort kann das sehr variieren. Noch bevor sich das erste Grün im Wald zeigt, setzen sie mit ihren feinen Farben, wunderbare Farbakzente auf den noch trockenen, hellbraunen Laubteppich in Buchen- oder Eichenwäldern. Sie bevorzugen lehmigen, kalkhaltigen Boden und lieben eher schattige Ecken. Die Leberblümchen wachsen sehr langsam, vom Samen bis zur Blüte kann es gut 4-7 Jahre dauern. Leider ist das Fastenblümchen oder Faschtumejia wie es im Wallis heisst, am Verschwinden und ist daher geschützt, es darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

Die botanische Bezeichnung des Leberblümchens Hepatica kommt aus dem griechischen und bedeutet Leber, denn seine Laubblätter erinnern im Umriss an die Form der menschlichen Leber. Bereits im 16. Jahrhundert schrieb Hieronymus Bock über das Leberblümchen: „Diese Kraut inn wein gesotten und getrunken, eröffnet und heilet die verstopfte Leber.“ Auch die Indianer benutzten es bei Lebererkrankungen. Nachahmen ist nicht zu empfehlen, denn wie viele Pflanzen ist auch das Leberblümchen giftig und darf nicht einfach so eingenommen werden. In der Homöopathie wird es noch bei Bronchitis und Lebererkrankungen angewendet.

Das Leberblümchen ist ein regelrechter Frühaufsteher unserer heimischen Flora. Alle Jahre wieder, sobald es wieder ein bisschen wärmer wird, kann ich es kaum erwarten gegen Ende Februar die ersten Blümchen aufzusuchen und zu fotografieren. Dieses Jahr habe ich es noch nicht wirklich geschafft, mich meinen Lieblingen ausgiebig zu widmen. Beim ersten Besuch waren sie noch nicht richtig am blühen, beim zweiten Mal wollten sie ihre Köpfchen nicht ganz öffnen, denn es wehte ein recht kühler Wind und die Wolken schoben sich immer wieder vor die Sonne. Nun hoffe ich demnächst noch ein paar fotowillige Blümchen zu finden und sonst freue ich mich auf die „zweite Saison“. Wenn im Unterland die Blütezeit im März zu Ende geht, blühen sie nämlich in den Voralpen und ich kann dann hoffentlich aus dem Vollen schöpfen.

Jedes Jahr ist es eine neue Herausforderung, die immer gleichen Blümchen auf eine andere Art zu fotografieren. Sie sehen auf den ersten Blick alle gleich aus und doch findet man immer wieder kleine „Persönlichkeiten“. Es ist faszinierend wie anders die Welt durch den Sucher aussieht und wenn ich so auf dem Waldboden liege und nach einem geeigneten Hauptdarsteller suche, kann ich in meine eigene Fantasiewelt abtauchen und meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Die Tänzerinnen
Die Liebenden
Der Solotänzer
Der Träumer
Das Einsame
Die Verzauberten
Der Nachtschwärmer

Jetzt gebe ich die Frage gerne weiter: Welches ist Eure Lieblingsblume?

Die Natur erwacht

„Wo Blumen blühen, lächelt die Welt“

Ralph Waldo Emerson

Viele von uns erwarten sie schon sehnsüchtig… die Frühlingszeit. Kalendarisch dürfen wir den Frühling ab dem 20. März begrüßen.

Die Tage beginnen jetzt schon mit schönen Vogelgesängen von Amsel, Meisen und Spatzen, Krokusse und Narzissen stehen in ihrer vollen Blüte, die Sonne kommt früher hinter den Bergen hervor und strahlt tagsüber in ihrer vollen Kraft. Der Frühling ist für mich definitiv die schönste Jahreszeit.

Gänseblümchen am Wegesrand

Zu beobachten wie die Natur erwacht und der Wald wieder voller Leben steckt, bringt einen gewissen Zauber mit sich. Diesen Zauber durfte ich vor wenigen Tagen im Müllheimer Eichwald erleben. Es dauerte keine fünf Minuten, als mir fünf Rehe über den Weg hüpften, der Buntspecht zu trommeln begann und Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeise den Wald zu ihrer stimmungsvollen Konzertbühne verwandelten. Ich wünschte, ihr hättet hier auch den Duft des Waldes riechen können, wie wunderbar erdig und frisch dieser doch war!

Solch ein kleiner Waldspaziergang wirkt meditativ und sensibilisiert all unsere Sinne! Mein Spaziergang im Eichwald dauerte gerade einmal eine Stunde, aber die Erlebnisse werde ich immer in Erinnerung behalten. Die nächsten Tage werden wir uns jedoch leider noch einmal warm einpacken müssen, bevor wir dann hoffentlich den Frühling ganz begrüßen dürfen.

Wie wäre es dann mit einem meditativen Ausflug in den Wald? 😉

Sylt an einem Tag

Wenn ich an die wunderschöne, vielseitige und deutschlands nördlichste Insel Sylt denke, denke ich auch an die Automassen, die sich Tag für Tag auf die Insel quälen. 

Die Infrastruktur an den beiden Bahnhöfen des Autozuges in Niebüll und Westerland befinden sich regelmäßig vor dem Kollaps.

Dazu kommen die Tagestouristen, die über die Marschbahnstrecke am Endbahnhof Westerland Ihre Füße auf die Insel setzten.  Es strömt und wimmelt um den Bahnhof in dem zentralen Verkehrsknotenpunkt Westerland.

Auch die von Hörnum über Westerland nach List verlaufende Landstraße L24 ist die reinste Blechlawine mit einer Vielzahl von überfüllten Parkplätzen. Die alternative Bewegung mittels ÖPNV auf der Insel ist da nicht anders: da muss man hoffen, dass einen die überfüllten Busse überhaupt noch mitnehmen können.

Man stellt sich daher die Frage: Was soll das alles…? 

Trotzdem stand schon lange ein „From Dusk Till Dawn“ im Sommer oder ein „From Dawn Till Dusk“ im Winter auf der fotografischen Agenda. Irgendwie hat mich dieser Ansturm auf die Insel aber immer wieder davon abgehalten. 

Aus bekannten Gründen ist nun ja gerade alles anders. Durch das Beherbungsverbot, ist die Insel sehr zaghaft besucht. Das habe ich genutzt, um meinen lang ersehnten Ausflug zusammen mit Steffen zu starten. Zu zweit bringt solch eine Fototour bekanntlich am meisten Spaß. Der Autozug verkehrt jedoch aufgrund der mangelnden Nachfrage nach einem Sonderfahrplan. Somit gab es nur einen „Dawn“ ohne „Dusk“. 

Die massiven Sorgen, Einnahmeausfälle und Existenzängste der Tourismusbranche sollen an dieser Stelle jedoch nicht unerwähnt bleiben. Wir hoffen inständig, dass Tourismus bald wieder in unserer touristisch geprägten Region stattfinden kann!

Wir sind also pünktlich zum Sonnenaufgang am Quermarkenfeuer Rotes Kliff gewesen. Was für ein tolles Erlebnis inmitten der Dünen, zwischen farbenfrohem Sonnenaufgang, Meer und Leuchtturm, den Start des Tages zu erleben. Eine relativ weitwinklige Aufnahme konnte hier den Eindruck am besten vermitteln.

Nach einem kurzen Picknick am Wagen, ging es weiter Richtung Norden zum Lister Ellenbogen, dem nördlichsten Punkt Deutschlands. Der Ellenbogen ist etwa 4 Kilometer lang und zwischen 300 und 1.200 m breit. Die dänische Insel Rømø ist in Sichtweite. Der Ellenbogen befindet sich in Privatbesitz und kann gegen Zahlung einer Maut befahren werden. Der gesamte Ellenbogen ist ein Vogel- und Naturschutzgebiet.

Unser erster Halt war an dem Leuchtturm „List West“. Ein Leuchtturm aus Gusseisen, welcher 1857 vom Königreich Dänemark erbaut wurde. Er ist das nördlichste Gebäude Deutschlands und immer noch in Betrieb.

Der baugleiche Leuchtturm „List Ost“ war dann das nächste Ziel. Hier ist die Küstenerosion zum Erliegen gekommen und der vorgelagerte Dünensandstrand mittlerweile relativ breit geworden. Der Wind hat uns hier wunderbare Strukturen in den Sand „gemalt“. Die beiden folgenden Aufnahmen sind vom gleichen Standpunkt aus entstanden; zum einen eine extreme Weitwinkelaufnahme mit 10mm und zum anderen eine Teleaufnahme mit 135 mm.

Die beiden markanten Leuchttürme wirken eigenartiger Weise fast wie natürliche Elemente dieser Landschaft im Norden der Insel.

Von nun an konnte es ja nur noch Richtung Süden gehen. Aus einem früheren Urlaub in Rantum war mir eine recht fotogene Buhne noch im Gedächtnis. Diese konnten wir leider nicht mehr finden; das lag entweder am Hochwasser zu exakt diesem Zeitpunkt,

oder sie ist den Küstenschutzbauarbeiten „zum Opfer gefallen“. Das tosende dynamische Meer bei Rantum konnten wir gut mit einer etwas längeren Belichtungszeit einfangen.

Den letzten Fotospot an diesem Tag sollten wir am südlichsten Punkt der Insel finden, der Hörnum-Odde.
Die südliche Spitze ist besonders von Sturmfluten bedroht. Hier kommt es häufig zu großen Erosionen und Abbrüchen. Um diese Verluste zu begrenzen, wurden Tetrapoden als Wellenbrecher an der Küstenlinie gesetzt. Sie sollen die Wellen brechen und ihnen so die zerstörerische Kraft nehmen, was allerdings nur mäßig erfolgreich ist.

Um die Dynamik und Kraft des Meeres hier darzustellen, habe ich zum ND-Filter gegriffen.

Plötzlich – innerhalb weniger Minuten – änderte sich die Wetterlage. Es zog dichter Seenebel auf. Eben diese Gefahr, die Wattwanderern zum Verhängnis werden kann. Die Tetrapoden hatten auf einmal etwas mystisches.

So ging ein traumhafter Tag mit vielseitigen Motiven auf der schönen Insel Sylt zu Ende – und wir verstehen natürlich auch, warum die Sehnsucht nach dieser Insel so groß ist!

Michael Hoff