Bei den Schneegeistern auf der Hornisgrinde

Die letzten Tage waren erfüllt von Schneegestöber und Chaos auf den Strassen. Nicht das Wetter, um vor die Tür zu gehen. Als sich die Lage wieder beruhigt hatte, habe ich den Entschluss gefasst, auf die Hornisgrinde im Nordschwarzwald zu fahren, um die tolle Schneelandschaft dort oben zu genießen. Dieser Berg gehört zu meinen absoluten Lieblingsplätzen, und zwar zu jeder Jahreszeit.

Also hieß es mal wieder raus aus den Federn, den Fotorucksack und die neuen Schneeschuhe geschnappt und ab die Post auf die Schwarzwaldhochstrasse. Da es um diese Uhrzeit noch nicht wirklich viele Menschen dort oben hat, war ein Parkplatz schnell gefunden. Welch ein Glück.

Nun schnell die Schneeschuhe umgeschnallt, und los ging es in eine tief verschneite Winterlandschaft. Der Nebel hing noch in den Bäumen und ließ die Umgebung fast surreal erscheinen. Einzelne Schwaden zogen über den Weg und tauchten ihn in ein blasses Licht. Wenn dann die Bäume halb im Dunst verschwinden und nur noch die Schemen im fahlen Schimmern zu erkennen sind, zeigt der Schwarzwald sein mystisches Gesicht.

Dann lässt sich erahnen, warum so viele Sagen und Märchen im und um den Schwarzwald enstanden sind. Mit ein wenig Fantasie lassen sich Sagengestalten und Geister in den schneebedeckten Bäumen erkennen.

Dort schaut der Vater des Waldes aus dem Zwielicht hervor und dort stehen Zwerge im Schnee, um den frühen Wanderer zu warnen, wenn er sich zu tief in den dunklen Wald wagen sollte. Wölfe lassen sich im wattegleichen Schnee erkennen, bereit über ihre Beute herzufallen. Geisterhafte Wesen stehen Spalier,um ihre Bergwelt zu beschützen und den Mensch zu ermahnen, dass er hier nur Gast ist. Einfach nur schaurig schön.

Das tolle ist, je mehr Menschen die Bilder gesehen haben, umso mehr Interpretationen habe ich hören dürfen. Ich finde es schön, wenn durch Fotos die Vorstellungskraft angeregt wird. Das freut das Fotografenherz.

In diesem Sinne, lasst eurer Fantasie freien Lauf und sucht die Geister und Gestalten im Schnee.

Viel Spass und bleibt neugierig

Viel Schnee, wenig Schnee… – die Fortsetzung

Es ist ein knappes Jahr her, da habe ich mich in einem der ersten Artikel für sogesehen zu der Behauptung verstiegen, dass wenig Schnee im Winter fotografisch gesehen sowieso viel reizvoller sei als viel Schnee. Also gut, vielleicht habe ich das nicht genau so geschrieben, aber es war doch im Wesentlichen die Kernaussage.

Leute, ich muss Euch heute ein Geständnis machen. Ich lag ja sowas von daneben!

Es ist die neue (und nicht mal besonders revolutionäre) Erfahrung des sagenhaften Winters 2020/21, dass viel Schnee sehr, sehr schön und fotogen ist. Und dass ich davon irgendwie gar nicht genug kriegen kann. Es gibt ja so viele verschiedene Erscheinungsformen des Schnees. In jedem Licht sieht er anders aus, im Schatten sowieso anders als im Freien, bei bedecktem Himmel anders als bei Sonne, frischer Pulverschnee ist nicht wie Altschnee undsoweiter undsofort. Ach ja, und wenn es richtig kalt und noch dazu windstill ist, dann kombiniert sich der Schnee aufs Schönste mit Rauhreif, so wie oben zu sehen.

Oder mit Eis, so wie unten zu sehen.

Auch nicht ohne Reiz, oder?

Falls nun irgendjemand annehmen sollte, dass die hier gezeigten Aufnahmen eine Art von „best of“ der letzten Wochen und Monate im Schwarzwald seien – weit gefehlt. Sie sind allesamt an einem einzigen Vormittag entstanden, und noch dazu unter besonderen Rahmenbedingungen. Aber dazu gleich mehr. Erst einmal noch eine Handvoll Impressionen, wenn’s recht ist.

Der Ort, der auf kleinem Raum eine solche landschaftliche Vielfalt aufweist, ist ein Naturschutzgebiet im Hochschwarzwald – genauer gesagt: das NSG Langenbach-Trubelsbach in der Nähe des Notschrei-Passes. Für mich ist dieses Gebiet eine der Entdeckungen des Corona-Jahres 2020 (ff.): Man kommt sehr gut hin (sogar mit ÖPNV), es ist gut durch Wanderwege erschlossen, und man hat die verschiedensten Anblicke und Motive in bequemer Laufentfernung zueinander. Den Aspekt der Erschließung durch Wege betone ich hier besonders, da es dadurch wirklich allen Besuchern leichtfallen sollte, das Wegegebot im Naturschutzgebiet zu befolgen und den Wildtieren die (gerade im Winter) dringend benötigte Ruhe zu gewähren (mehr dazu unter www.bewusstwild.de).

Ja, und was war nun das Besondere an besagtem Morgen Anfang Januar? Also erst einmal war ich dort nicht alleine unterwegs.

Steffi war nämlich auch da. Ja, ganz genau, niemand Geringeres als die Ko-Autorin dieses Blogs. Aber es waren sogar noch mehr Leute dort, alle aufgrund einer Verabredung.

So sieht’s nämlich aus: Die Kunde von der Schönheit des winterlichen Hochschwarzwalds hatte sich bis Freiburg und zum dortigen Südwestrundfunk herumgesprochen. Außerdem war durchgesickert, dass ich mich hin und wieder zum Fotografieren in besonders schöne Gebiete begebe und dabei (soweit Corona dies zulässt) auch Leute mitnehme. Das fanden die irgendwie interessant und berichtenswert. Und so haben wir uns getroffen, und Steffi und ich wurden dabei begleitet, wie wir einen solchen Foto-Spaziergang gewissermaßen „simulieren“. Schön war das!

Man konnte gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass es auch dem SWR-Fernsehteam Spaß gemacht hat und dieser Tag eher nicht als der Allerunangenehmste des Jahres 2021 in die Annalen eingehen wird…

Der Beitrag über diese ganz besondere Foto-Runde ist inzwischen in der Landesschau Baden-Württemberg als Teil einer Reihe über „Menschen am Feldberg“ ausgestrahlt worden (am 11.1.2021). Er wird zumindest noch für einige Tage in der Mediathek des SWR abrufbar sein, und zwar unter diesem Link.

Abschließend möchte ich aber doch noch einmal zur Ausgangsfrage zurückkehren. Was ist denn nun schöner: viel Schnee oder wenig Schnee?

Mit der Antwort mache ich es mir jetzt ganz einfach: Es hat einfach alles seinen Reiz. Es kommt doch immer darauf an, die jeweilige Stimmung in sich aufzunehmen, offen zu sein für die (vermeintlich) kleinen Dinge und sie mit allen Sinnen wahrzunehmen. Und wenn man möchte, kann man dann auch noch versuchen, sie fotografisch einzufangen und in Szene zu setzen. Man muss aber nicht.

Schneeglöckchenzauber

Wer kennt sie nicht, diese wunderbaren Zeichnungen von Ida Bohatta. Wenigstens die ältere Generation unter uns. Gerne erinnere ich mich an diese herzerwärmenden Zeichnungen, kleine Menschenkinder im Reich der Blümchen. Die Blüten oft als Hütchen, Sonnenschutz oder auch als Röckchen getragen. So wie auf diesem Bild die Blüte des Schneeglöckchens als Hütchen und das Mädchen, das den Frühling einläutet.

Schneeglöckchen sind zarte Geschöpfe, filigrane erste Boten des Frühlings. Sie halten ihre weißen Köpfchen elegant gen Boden geneigt, und sie ‘läuten’ mit ihrem Erblühen den Frühling und die wiederkehrende Sonnenwärme ein.

Die Schneeglöckchen werden gerne als Frühlingsboten gesehen, weil sie schon sehr früh, sobald die Sonne wieder mehr Kraft hat, ihre Köpfchen durch das kalte Nass kämpfen. Aber woher wissen sie, dass es Zeit wird aus dem Winterschlaf zu erwachen? Wie oft kommt wieder eine Kaltfront und legt erneut eine weisse oder frostige Decke über die Wiesen. Warum erfrieren sie dann nicht wieder?

Die Natur hat, wie immer, auch hier vorgesorgt. Sobald es wärmer wird, wird der Stoffwechsel mit Nährstoffen in der Blumenzwiebel in Gang gesetzt. Es kann seinen eigenen Ofen einheizen und schafft es sogar, den Schnee rundum die Pflanze zum Schmelzen zu bringen. Das Schmelzwasser verhindert zugleich das Austrocknen der zarten Geschöpfe. Manchmal kann man die kreisförmigen schneefreien Flecken rund um die Frühblüher erkennen.

Wenn es nachts wieder kalt wird, schliesst das Schneeglöckchen sein Blütenröckchen und legt sich sanft auf den Boden, um sich dann am nächsten Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen wieder erneut zu strecken, das Köpfchen hängen zu lassen und im Wind leicht zu nicken. In der Regel bilden sich an einem Stengel nur eine Knospe, welche von einem Hochblatt eingehüllt wird und aufrecht steht. Beim Erblühen löst sie sich und hängt glockenförmig nach unten. Die Blüte des Schneeglöckchen besteht aus drei inneren und äusseren Blütenblättern und bildet im Spätfrühling eine hellgrüne Kapselfrucht.

Der lateinische Namen für die Schneeglöckchen ist Galanthus, was übersetzt Milchblume heisst. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Blütenfarbe, die bei allen vorkommenden Arten milchweiss ist. Im Volksmunde gibt es verschiedene Namen wie: Lichtmessglocken, weisse Jungfrau , Februar-Mädchen und viele mehr.

Die ersten Blattspitzen der Schneeglöggli (Schweiz), erscheinen je nach Temperatur meist schon Anfang Februar. Ein alter Brauch besagt, dass man am Tag von Mariä Lichtmess (2. Februar) ein paar Schneeklöckla (Schlesien) auf den Altar streuen soll.

Sommernarr nennen die Dänen die ersten Frühlingsboten. Der dänische Dichter Hans Christian Anderson hat sogar ein Märchen geschrieben. Das Märchen „Schneeglöckchen“ erzählt von der kleinen Blume, die von den Sonnenstrahlen hinaus in die Kälte gelockt wird und nach einem langen Weg als gepresstes Blümchen in einem Gedichtbuch endet.

Alle Pflanzenteile des Schneekaterl (Salzburgisch) sind giftig. So schützt sich das zarte Pflänzchen vor Parasitenbefall und weidenden Pflanzenfressern. Wie bei allen Dingen macht auch beim Schneetröpfer (Österreich) die Dosis das Gift. Im Kaukasus wird die Zwiebel des dortigen Schneeglöckchens (Galanthus woronowii) schon lange von alten Menschen gegen Alterserscheinungen und Gedächtnisschwäche eingenommen. Diese Wirkung macht sich die moderne Medizin in Demenz-Medikamenten zunutze. Nichtsdestotrotz sollte man die Sneiklöckelken (Hannover) nicht verzehren.

Das Schneeglöckchen hat auch eine grosse Fangemeinschaft. Galanthophilen, wie man die Schneeglöckchenfans nennt, veranstalten Galas zu Ehren der weissen Pracht. Vor allem in England gibt es eine sehr grosse Gemeinschaft. Jedes Jahr findet in Shelton Wallet (Somerset) ein grosses „Snowdrop-Festival“ statt.

Ich freue mich, wenn Anfang Februar die ersten Schneeglöggli ihren Weg nach oben suchen. Dank einem festen Hochblatt, welches das Köpfchen schützt, können sie den Boden und den Schnee unbeschadet durchstossen. Bald schon legt sich ein weisser Blütenteppich über die Wiese. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die den noch feuchten Boden küssen, liege ich bereits mit meiner Kamera auf der Lauer und versuche, neben den vielen kleinen Glöckchen auch den glitzernden Tau auf den Sensor zu brennen.

Monatsfoto Januar

Das Jahr 2021  

Bevor ich auf das neue Jahr eingehe, möchte ich an dieser Stelle nur kurz auf 2020 zurückblicken – was war das bloß für ein Jahr? Niemand hätte vermutlich mit solchen Einschnitten in unserem Alltag gerechnet. Auf unserem Blog hatte uns Steffi zum Thema „Verstummen einer ganzen Branche“ ihre Gedanken im Beitrag „Stille“ geteilt. Das Jahr wird uns lange in Erinnerung bleiben. Spaziergänge und Wanderungen habe ich in dem zurückliegenden Jahr noch intensiver wahrgenommen und geschätzt.

Wie heißt es so schön: neues Jahr, neues Glück?! Leider haben wir persönlich in Bezug auf die Corona-Pandemie nur bedingt die Möglichkeit, eine schnelle Lösung herbeizuführen. Erste Impfungen wurden bereits in den vergangenen Tagen durchgeführt. Derzeit ist jedoch noch immer unbekannt, in wie weit uns das Virus in diesem Jahr oder gar in den darauffolgenden Jahren weiterhin beschäftigen wird.

Mit einem neuen Jahr verbinden wir auch immer Ziele, Wünsche und Hoffnungen. Welches unserer Ziele werden wir umsetzen können? Geht ein langersehnter Wunsch in Erfüllung? Sind unsere Liebsten wohlauf? Alles offene Fragen, zu welchen wir keine Antworten haben. 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage, 8760 Stunden, 524600 Minuten und 31536000 Sekunden beginnen wieder aufs Neue – und wie wir wissen, ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.

Das Team des sogesehen-Blog wünscht von Herzen Gesundheit, Glück, Liebe, Freude und Frieden und bedankt sich für die positiven Zusprüche zu unserem Blog. Wir freuen uns auch im Jahr 2021 darauf, weitere Beiträge zu veröffentlichen. Neu hier und Ihr wisst noch nicht genau, was Euch auf unserer Seite erwarten wird? In unserem Archiv sind alle Beiträge nachzulesen. Viel Spaß beim Stöbern!


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Nebelwelten 2

Es war wieder einer der Tage, an denen es sehr vielversprechend aussah, um in meinem geliebten Schwarzald ein paar tolle Nebelfotos aufzunehmen.

Daher verabredete ich mich mit einem Kollegen, und wir fuhren in aller Hergottsfrühe zur Schwarzwaldhochstrasse, auf einen meiner Hausberge: den Schliffkopf im Nationalparkgebiet Nordschwarzwald. Wir waren zeitig oben, da wir doch einige Fotos vom Sonnenaufgang erwischen wollten. Hat man Glück und es ist klare Sicht, blickt man auf die Wälder des Schwarzwaldes und auf ein atemberaubendes Alpenpanorama. Das, gepaart mit dem goldenen Licht des Sonnenaufgangs, lässt einen die frühe Stunde und den kalten Wind schnell vergessen. Einfach nur schön.

Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Die Sicht war leider etwas dunstig und der Sonnenaufgang nicht ganz so spektakulär wie erhofft. Der Himmel zeigte zwar ein warmes Orange, aber die Alpen zeichneten sich im Dunst nicht ganz so klar ab, wie wir es eigentlich ersehnten. Fotografenalltag.

Wir machten dann noch das ein oder andere Foto, und trollten uns dann nach Hause.

Zuhause angekommen, ärgerte ich mich schon ein wenig, naja zugegeben, ein wenig mehr war es dann doch. Denn wie ihr auf dem Bild mit dem Sonnenstern sehen könnt, ist da genau das zu sehen, was ich mir ausgemalt hatte. Das Nebelmeer über dem Rheintal. Es herrschte Inversionswetterlage.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich beschloss also, noch mal loszuziehen und mein Glück ein zweites Mal zu versuchen. Irgendwas kratzte gewaltig an meiner Fotografenehre. Nun wollte ich das Licht kurz vor Sonnenuntergang nutzen. Die Hoffnung auf ein paar tolle Bilder ließ mich einfach noch nicht los.

Ich machte mich also wieder auf die Socken und hoffte auf eine nicht allzu lange Suche nach einem Parkplatz, denn es war Wochenende und das Wetter wie im Bilderbuch. Also war mit vielen Menschen zu rechnen. Allen Sorgen zum Trotz hatte ich richtig Glück. Ich fand schnell ein Plätzchen für meine kleine Rennsemmel und konnte mich somit zügig und auch ungeduldig auf den Weg zum Aussichtspunkt machen.

Was sich mir dann bot, als ich an meiner Lieblingsausguckstelle ankam, verschlug mir fast den Atem. Ich hatte ja schon oft dieses Scenario vor Augen, aber dieses mal war es besonders. Besonders hinreißend.

Es ging ein strammer Wind, der den Nebel unter mir aufwühlte. Es bildeten sich Wellen, die sich an den Hügeln brachen, einem Meer im Sturm gleich. Die Lichtreflexe in den Schleiern waren fantastisch anzusehen, und ich konnte den Blick kaum davon abwenden, so gefangen war ich von der unfassbar bezaubernden Stimmung, die mir das Nebelmeer darbot. Mein Fotografenherz schlug höher, und der Auslöser ratterte in wahnwitzger Geschwindigkeit.

Ein klein wenig kitzelte mich das schlechte Gewissen, denn die, die dort unten lebten, fanden es sicher nicht so entzückend wie ich, aber hier oben war es halt einfach umwerfend schön.

Der Tag wurde abgerundet, als auch noch ein Fotokollege auftauchte, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte, und so ging der Abend mit tollen Eindrücken und nettem Smalltalk zu Ende. Meine Fotografenehre war wieder hergestellt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit, lasst euch nicht unterkriegen, bleibt gesund und vor allem immer schön neugierig.

Ihr seht, der Schwarzwald bietet oft unglaublich schöne Ansichten. Ein Besuch lohnt sich daher immer und zu jeder Jahreszeit. Naja, vielleicht nicht, wenn es schüttet wie aus Eimern, aber sonst schon.

Last Christmas

Während sich die Welt um uns herum permanent verändert, ist die Weihnachtszeit normalerweise eine Zeit der Rituale und der Beständigkeit. Selbst Weihnachtsmuffel summen mit, wenn Last Christmas in einer Endlosschleife im Radio dudelt, und Klassiker wie Der kleine Lord gehören für viele zur Adventszeit dazu, wie die Linzertorte nach Omas altem Rezeptbuch.

Nun macht ein Virus auch vor Traditionen nicht halt, und so finden Weihnachtsfeiern dieses Jahr, wenn überhaupt, nur online statt, und alle Weihnachtsmärkte wurden abgesagt.
In „normalen“ Zeiten wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Beitrag über einen Weihnachtsmarkt zu schreiben, aber diese Adventszeit ist leider weit von jeder Normalität entfernt.

So lade ich euch ein, mit mir (wenn auch nur digital) über einen Weihnachtsmarkt zu bummeln.

Wir besuchen zusammen einen kleinen historischen Weihnachtsmarkt im Elsaß. Normalerweise bin ich kein Freund von Weihnachtsmärkten. Zu viele Menschen auf engstem Raum, und an den Verkaufsständen gibt es nur Essen oder Kitsch. Eine weihnachtliche Stimmung kommt bei mir da selten auf.

Bei diesem historischen Weihnachtsmarkt ist das anders. Die Buden sind mit viel Liebe zauberhaft dekoriert, und die Standbetreiber kleiden sich im Stil des 17. Jahrhunderts.

Fühlt ihr euch auch in eine andere Zeit versetzt? Ich komme mir vor wie bei Drei Nüsse für Aschenbrödel, es fehlen nur noch die böse Stiefmutter und der schöne Prinz 😉

An jedem Stand wird altes Handwerk gezeigt, und die Produkte, die man kaufen kann, entsprechen sicher nicht den heutigen Ansprüchen eines Weihnachtsgeschenkes. Sie sind weder WLAN- tauglich noch mit einem angebissenen Apfel geschmückt. Äpfel gibt es nur in flüssiger Form und diese wurde mit Muskelkraft hergestellt. Lecker!

Das Licht ist wunderbar warm und weich. Es ist kalt und es weht eine steife Brise. Aber es herrscht eine fröhliche, fast ausgelassene Stimmung.

Überall wird gewerkelt, gehäkelt, geschmiedet und gegessen. In der Luft liegt der Duft von Holz, Stroh und Bratwurst.

Dieser Fotoausflug liegt nun zwei Jahre zurück, und ich besuchte den Weihnachtsmarkt im Zusammenhang einer Veranstaltung der VHS Rheinfelden. Die Bilder habe ich bewusst in einem warmen Ton und etwas „verschwommen“ bearbeitet. Das ist sicher Geschmacksache, aber für mich verstärkt sich dadurch die fast märchenhafte Stimmung.

Hoffen wir alle, dass Besuche solcher Veranstaltungen nächstes Jahr wieder möglich sind. (Da akzeptiere ich auch den dazugehörenden Kitsch 😉 )

Ich wünsche euch gesunde und schöne Weihnachten!

Auf dem schwarzen Eis

Mich hat die „Liebe zum Detail“ zur Makrofotografie gebracht. Sie eröffnet Welten, die wir normalerweise nicht wahrnehmen oder sehen können. Die Makrofotografie bringt kleine Dinge gross raus. Die extrem geringe Schärfentiefe lädt ausserdem zum Experimentieren ein – man kann Hintergründe ausblenden und Motive formatfüllend aufnehmen. Das Resultat ist nicht selten eine Abstraktion, wie ein Kunstwerk.


Wer Makrofotografie hört, mag zuerst an Frühling denken: Blümchen und Insekten. Doch die Makrofotografie hat immer Saison! Anders als andere Themenbereiche der Fotografie ist sie weder an spezielle Motive, noch Jahreszeiten gebunden. Ganz im Gegenteil: Sujets finden sich immer und überall. Im kühlen, farbarmen Winter gibt es zum Beispiel kaum etwas Schöneres, als nach dem ersten Frost mit der Kamera auf Streifzug zu gehen. Einfach unglaublich, was die Natur bei Minusgraden und Nebel alles zaubern kann.

Nicht nur der Nebel hinterlässt Spuren, welche wir nicht schöner machen könnten. Wenn es längere Zeit klirrend kalt ist und Frau Holle keine Kissen schüttelt, gefrieren die Gewässer und man sieht auf den dunklen Seegrund. Wenn die Seen gefrieren und sich das sogenannte Schwarzeis bildet, gibt es für mich kein Halten. Leider ist dieses Phänomen in den Bergen nicht so häufig, um so aufgeregter war ich, als ich hörte, dass die Engadiner Seen schwarzgefroren sind. Ich habe buchstäblich alles stehen und liegen gelassen und bin mit Sack und Pack für drei Tage ins Engadin gefahren.

Nach der knapp dreistündigen Fahrt bin ich im Oberengadin angekommen. Noch bevor ich zu meiner Unterkunft fuhr, bin ich den grossen Engadiner Seen entlang gefahren und habe nach möglichen Fotospots Ausschau gehalten. Ich wollte auf Nummer sicher gehen, dass dort wo ich auf das Eis gehe, die Eisschicht auch wirklich dick genug ist. Nachdem ich mich mit einem Einheimischen unterhielt, der gerade seine Enkelin im Schlitten über den See zog, wich meine Unsicherheit und ich freute mich auf die kommenden Ausflüge. Endlich wieder einmal auf einem zugefrorenen See nach einmaligen Fotosujets suchen.

Wunderbares Licht auf dem gefrorenen Champferersee nach Sonnenuntergang.
Hunderte von gefrorenen „Augen“ schauten mich an!

Spätestens als ich das erste Mal, vor fünf Jahren, auf dem schwarzgefrorenen Oeschienensee im Berner Oberland stand, wusste ich, dass ich nicht zum letzten Mal über einen gefrorenen See gelaufen bin.

Es ist etwas vom Eindrücklichsten, was ich bisher gemacht habe. Die ersten vorsichtigen Schritte, obwohl für die Öffentlichkeit freigegeben, traute ich dem Eis nicht wirklich, waren sehr ungewohnt und mit viel Respekt setzte ich einen Fuss vor den anderen! Immer wieder stehenbleiben, dem ungewohntem Singen und Knacken des Sees lauschen und weiter Richtung Mitte laufen. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl über das Eis zu laufen, zu wissen, dass unter einem ein tiefer See liegt und ich nicht einsinke. Das Eis wirkt transparent und man hat das Gefühl, dass man über eine Glasplatte läuft. Es hat durchaus etwas Unwirkliches.

Es war sehr früh am Morgen, und es hatte kaum Leute auf dem Eis. Ich lief über das noch intakte, kaum zerkratzte Eis. Zum Teil sah man auf den Grund und es huschte auch schon mal ein Fisch vorbei. Die wieder zugefrorenen Risse im Eis gaben sehr spannende grafische Muster. Man entdeckt immer wieder neue Strukturen und Formationen, so dass sich die Speicherkarte recht schnell füllt – aber natürlich hatte ich genügend Reserve dabei!

Eiszeit in Manhattan
Erste Spuren auf dem Schwarzeis

Am interessantesten fand ich die gefrorenen Luftblasen, welche gefangen im Eis tolle Formationen zeigen und jedes Fotografenherz höher schlagen lässt. Mit etwas Fantasie sieht man allerlei Gestalten und Figuren – schockgefroren im Eis, können sie nicht mehr entweichen und harren aus, bis es wieder wärmer wird! 

Happy im Land der 1000 Bubbles!

Spätestens wenn die Schlittschuhläufer das Eis unsicher machen, ist die ganze Pracht jedoch vorbei.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, dieser junge Schlittschuhläufer war einer der Ersten auf dem Eis.

Ich verbrachte den ganzen Tag auf dem Eis, habe immer wieder nach weiteren spannenden Sujets Ausschau gehalten, mich kurz in dem Bergrestaurant aufgewärmt, um dann gleich wieder auf dem Eis zu stehen oder noch besser zu liegen! Manchmal war ich so überwältigt, dass ich nicht wusste wo hinsehen und was fotografieren.

Selbst als am späten Nachmittag die Ausflügler wieder nach Hause gingen, musste ich ein weiteres Mal in die Mitte des Sees laufen und erhaschte noch einen intakten Eiskristall, kaum grösser als ein Zentimeter. Ich lag bäuchlings auf dem Eis, unter mir der singende See, und dieser zerbrechliche Eiskristall im Sucher. Die letzten Sonnenstrahlen leuchteten auf die Bergspitzen und es scheint, als ob dieser Kristall noch ein goldenes Bad nimmt. Ein wunderbarer Abschluss eines ganz speziellen Tages.

50 Shades of zauberhaftes Rosa

Wenn man weder das Buch gelesen noch den Film gesehen hat (oder waren es gar mehrere?), und zu beidem auch nicht die geringste Lust – dann sollte man von riskanten Wortspielen vielleicht lieber absehen… Aber nun ist es zu spät. Und das eigentliche Ziel, nämlich die Aufmerksamkeit der geneigten Leser*innenschaft zu erlangen, das habe ich ja hoffentlich so oder so erreicht. Rosa also.

Es geht um den Flamingo. Genauer gesagt, den Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus).

Nie war ein Name treffender!

Nun ist es ja so, dass mich Vögel sowieso völlig faszinieren und ich ihnen folgerichtig einen nicht geringen Teil meiner Lebenszeit und -energie widme. Aber selbst auf diesem hohen Begeisterungspegel gibt es noch Differenzierungen in der Art, dass mich manche Vögel nochmal mehr berühren als andere. Und zu dieser kleinen Elite gehört zweifellos der Flamingo.

Worin liegt für mich seine Faszination? Singt er denn lieblich und melodiös? Nein! Entspricht er den gängigen optischen Schönheitsidealen? Gewiss nicht. Aber dann ist er sicherlich ausgewogen proportioniert? Ganz im Gegenteil. Hat ihn Mutter Natur wenigstens gemäß dem Kindchenschema mit kuschligem Fell und riesigen Kulleraugen ausgestattet? Ähm, das dürft Ihr gerne selber beurteilen…

Ich denke, diese Frage wäre dann auch geklärt. Und zwar negativ. Also muss ich wohl anders an die Sache rangehen.

Der Flamingo (hier, wie gesagt, der Rosaflamingo, aber das gilt sicher auch für die Handvoll anderer Arten, die es weltweit gibt), er ist ein ganz skurriles Geschöpf. Zumindest vom Aussehen. Diese geradezu grotesk langen Beine und der dünne Hals, die an den kleinen Körper wie dranmontiert zu sein scheinen. Der lange, gebogene, unproportionierte Schnabel. Das kleine gelbe Reptilienauge. Und doch, und doch…

Grazil sind sie ja schon, wie sie da so durchs flache Wasser schreiten und den Hals auf anmutigste Weise verbiegen. Oder wenn sie auf ihren weit ausgebreiteten, riesigen Schwingen durch die Luft gleiten – das sieht absolut majestätisch und würdevoll aus.

Mir scheint, wir kommen der Sache nun immer näher. Flamingos sind sehr spezielle Geschöpfe, und eben auch auf eine spezielle Art wunderschön.

Dabei bin ich auf einen Punkt noch gar nicht zu sprechen gekommen, der aber ganz wesentlich ist. Ihr Lebensraum. Die Landschaft, die sie bewohnen, die ihr Zuhause ist.

Natürlich kann man Flamingos in Zoos besuchen und bestaunen. Aber ihr wahrer Zauber, so empfinde ich es, entfaltet sich erst im Zusammenspiel mit ihrem natürlichen Habitat. Und das hat es in sich!

Sämtliche Fotos, die hier gezeigt werden, sind in der berühmten Camargue entstanden, dem großen Feuchtgebiet ganz im Süden Frankreichs, unmittelbar an der Mittelmeerküste. Die Landschaft hier ist sehr karg und rauh: Der kalte Mistral fegt an vielen Tagen im Jahr über die Ebene, das Wasser ist salzig, es wächst kaum ein Baum oder Strauch – hier können wahrlich nur hartgesottene Tiere und Pflanzen dauerhaft ein Auskommen finden.

Aber genau an diesen Lebensraum haben sich die Flamingos eben perfekt angepasst, hier sind sie wahrlich in ihrem Element. Auf ihren stelzenartigen Beinen waten sie durchs Wasser, während sie den Hals nach unten biegen, um ganz bequem kopfüber mit ihrem riesigen Schnabel durch das schlammig-trübe Wasser zu seihen und kleines Getier herauszufiltern.

Daher rührt übrigens auch die rosa Färbung: Im salzigen Wasser gedeihen nämlich bestimmte Algen und andere Organismen, die sogenannte Carotinoide produzieren. Sie bilden die Nahrung von kleinen Lebewesen im Wasser, zum Beispiel Krebsen. Diese wiederum stehen auf dem Speiseplan der Flamingos ganz oben. Und wenn nun die Carotinoide am Ende der Nahrungskette im Körper des Vogels angekommen sind, werden sie dort in pinke Farbpigmente umgewandelt. Toll, oder? Alte Vögel sind aus diesem Grund übrigens meistens intensiver gefärbt als jüngere Tiere, denn sie haben in ihrem Leben einfach schon viele, viele Krebse gefuttert.

Aber zurück zur Landschaft: Nicht ohne Grund sind die Flamingos so etwas wie der Wappenvogel der Camargue. Auch für mich stehen sie geradezu emblematisch für diesen rätselhaften Landstrich zwischen Meer und Land und seine karge Schönheit. Sie sind in der Tat nicht bloß typisch, sondern viel mehr als das – ein ganz fester, nicht wegzudenkender Bestandteil dieser Gegend und davon, wie sie auf mich als Betrachter wirkt.

Die Szenerie in dieser Ebene wird ganz stark durch horizontale Linien dominiert, es gibt kaum einmal eine Erhebung oder sonstige vertikale Struktur, die das Flache, Liegende optisch durchbrechen könnte. Umso markanter, ja prägender ist dann die aufrechte Statur der Flamingos.

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Aber damit nicht genug: Sie können ja auch hervorragend fliegen und tun das auch immer wieder gerne. Das sieht dann noch einmal auf andere Art phänomenal aus. Der klare Himmel, der sich über das Land wölbt, ist mit einem Mal von riesigen Vögeln bevölkert, die wie an einer Schnur gezogen durch die Lüfte schweben – passenderweise oftmals morgens oder abends in der Dämmerung.

Für mich ist kaum ein stimmungsvollerer Anblick vorstellbar.

Während ich diese Zeilen schreibe, verspüre ich doch eine gehörige Portion Sehnsucht nach der Camargue und ihren pinken Bewohnern. Möge es bald wieder möglich sein, ihnen allen einen Besuch abzustatten! Bis es soweit ist, schwelge ich in Erinnerungen, betrachte Fotos, schreibe Blogartikel – und schmiede erste zaghafte Reisepläne…


PS: Eine Frage an die geneigte Leser*innenschaft: Ist meine Faszination für Flamingos denn irgendwie nachvollziehbar? Oder haltet Ihr das für (etwas) durchgeknallt? Und falls Ihr auch einen „soft spot“ für das liebe Federvieh habt: Was sind Eure Lieblingsvögel, wenn ich fragen darf?

Vielfalt Aletsch – Teil 3

Es gibt kein schlechtes Wetter – nur falsche Kleidung! Hundebesitzer und Fotografen kennen diese ziemlich abgedroschene Redewendung nur zu gut. Das eigentliche Problem ist aber selten unpassende Kleidung, sondern eher der innere Schweinehund, welcher viel lieber gemütlich zu Hause bleiben würde.

Aber was bedeutet überhaupt „schlechtes Wetter“? Im Zusammenhang mit meinem Hobby verbinde ich damit eher die gleißende Sommersonne als den Regen. Da ein wolkenloser, blauer Himmel auf Fotos ziemlich unspektakulär ist, fand ich das, was Petrus uns am dritten Tag unserer Aletsch-Reise geboten hat, viel spannender – Dauerregen, Nebel, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee!

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Ich selbst halte mich eigentlich für ziemlich wetterfest, aber auch ich hatte an diesem Tag, nach stundenlangem Regen, irgendwann die Nase voll, und meine Kreativität und Laune sank rapide. Alles war klatschnass, die Hände und Füße eiskalt und da freute ich mich nur noch auf trockene Kleidung und eine schöne Tasse Kaffee. Auch meine Mitstreiter hatten ihre Siebensachen längst eingepackt und waren schon auf dem Weg Richtung Hotel (oder eher Richtung leckerem Birnen-Walnuss-Kuchen 😉 )

Aber dann … die erste Schneeflocke, die zweite….

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Aus den einzelnen Flocken wurde dichter Schneefall, und schnell waren meine müden Beine und kalten Finger vergessen. Juhu! Ich konnte mein Glück kaum fassen – Schneefall im herbstbunten Aletschwald!

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Zum Glücksgefühl mischte sich aber auch ein Hauch Unsicherheit. Ich bin von Natur aus kein ängstlicher Mensch, aber meine innere Stimme (und mein leerer Handy-Akku) ermahnten mich, hier nicht alleine zurück zu bleiben, sondern mich schnurstracks auf den Rückweg zu machen. Ich wollte schon zusammenpacken, da hörte ich eine bekannte Stimme rufen: „Hallo Steffi, Du bist ja auch noch da!“

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Sebastian stand da, triefte genau so vor Nässe wie ich, und wir grinsten uns an. Beide waren wir uns einig, so eine Show können wir uns nicht entgehen lassen! Auch wenn meine Fotoausbeute an diesem Nachmittag eher bescheiden war, hatte ich selten so viel Spaß. (Auch wenn man mir dies vielleicht nicht ansieht 😉 )

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Nach etwas über einer Stunde ließ der Schneefall nach und Nebel zog auf. Die Landschaft hatte plötzlich einen neuen Zauber, aber die Akkus (unsere und die der Kameras) waren leer, und es war Zeit aufzubrechen.

Dieser Nachmittag war mein persönliches Reisehighlight. Diese Stimmung und auch das Wetter vergisst man nicht so schnell, einen Sommertag mit wolkenlosem, blauem Himmel schon eher.

Sebastians Eindrücke und seine Umsetzung in Schwarzweiß findet ihr in seinem Beitrag Vielfalt Aletsch – Teil 2 .


Selbstzweifel und mein Weg zur „Heimatfotogräfin“

Wenn du zweifelst, schau nicht zur Bergspitze.
Schau ins Tal um zu sehen, was du schon alles geschafft hast.
(Christian Bischoff)

Vielleicht ist es hier auf unserem Blog mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass ich eine sehr emotionale und sensible Schreiberin bin. Anhand von meinen vorherigen Blogeinträgen lässt sich dies andernfalls vielleicht nachvollziehen. Ich habe mich deshalb dazu entschieden, euch von meinem Weg zur „Heimatfotogräfin“ zu berichten. Auch möchte ich auf diese Weise mit dem Beitrag klären, dass mir bei meinem Namen kein Schreibfehler unterlaufen ist (wurde tatsächlich schon öfters darauf aufmerksam gemacht:-)).  

Bevor ich drei Jahre zuvor meinen Mut fasste, einen eigenen Instagram-Account mit der „Heimatfotogräfin“ online zu stellen, zogen noch einige Monate ins Land. Der Grund dahinter? Selbstzweifel und ständig mit den Gedanken bei anderen. Was werden Bekannte wohl darüber denken? „Übertreibt sie nun völlig mit ihrer Selbstdarstellung? Die Bilder sind absolut langweilig und nicht der Rede wert!“ Diese und ähnliche Gedanken schwirrten mir im Kopf.

Als ich meine Selbstzweifel damals einem sehr guten Freund erzählte, konnte er es nicht nachvollziehen. Mit seinen aufmunternden Worten „Du bist die Gräfin unter den Fotografinnen“ saßen wir lachend beieinander. Die „Heimatfotogräfin“ wurde in diesem Moment also ins Leben gerufen und löste in mir sämtliche Emotionen aus: Heimatfotogräfin – nicht nur ein Name für meinen Account, sondern ein großer positiver Schritt für all meine bisherigen Selbstzweifel und Unsicherheiten.  Ihr wundert euch nun, weshalb es denn überhaupt Mut benötigt, seine eigenen Bilder online zu stellen? Für mich sind es nicht nur irgendwelche Bilder, sondern jedes einzelne Bild eine Herzensangelegenheit, eine Geschichte dahinter und ein Moment für die Ewigkeit.

Meiner Meinung nach ist eine Veröffentlichung von Bildern, Videos, Texten oder derart ähnlichem etwas sehr Emotionales. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir meine Kollegen/in hier auf unserem Blog diesbezüglich zustimmen. Mit meinen Aufnahmen möchte ich das Schöne im Leben widerspiegeln und euch die Welt durch meine Augen sehen lassen:

Nachdem ich nun voller Aufregung, begleitet von Unsicherheit und Vorfreude meinen Account ins Leben gerufen und erste Beiträge online gestellt hatte, wurde ich positiv überrascht. Die tollen Rückmeldungen, die lieben Kommentare, Nachrichten und all die schönen Begegnungen/Kontakte ließen meine Selbstzweifel ganz klein werden.

Heute, drei Jahre später, bin ich so unendlich dankbar und stolz, dass ich mich damals zu diesem Schritt ermutigen konnte. Was ich euch damit sagen möchte? Hört auf euer Herz, geht eurer Leidenschaft nach und steht vor allem zu euch selbst! All dies gelingt mir natürlich auch nicht täglich, aber sobald der „kleine Zweifler“ in mir wieder aufkommt, denke ich an all die schönen Momente. Es gibt schließlich schon bei jedem von uns genug Kritiker und Nörgler im allgemeinen Alltagswahnsinn, da müsst ihr nicht noch an euch selbst zweifeln…

Ach und natürlich eins noch: Ich danke euch von ganzem Herzen für all eure tatkräftige Unterstützung, welche mich noch mehr motiviert, meinem Herzen weiter zu folgen und der Leidenschaft nachzugehen!