Unterwegs mit dem Teleobjektiv

Unterwegs in der Natur zu sein, gehört für mich definitiv zu den „High Five“ meiner Freizeitbeschäftigungen. Es gibt für mich nichts schöneres als z.B. den Wechsel der Jahreszeiten aktiv mitzukriegen, oder den Wind im Gesicht zu spüren, wenn mal wieder ein wenig strammeres Wetter herrscht.

Zu den Highlights gehören da natürlich auch Tierbeobachtungen. Da ich ja nun auch gerne die Kamera zur Hand nehme, konnte ich nun zwei Hobbys miteinander verbinden. Tiere beobachten und fotografieren.

Ob Makros von Insekten oder eben Aufnahmen von Tieren mit dem Tele. Beides sehr faszinierend, wie ich finde. Es ist fast so, als ob mich das Jagdfieber packt, im übertragenen Sinn natürlich.

Mir macht es Spaß, das Ungesehene sichtbar zu machen. Denn, geben wir es doch zu, oft laufen wir blind durch die Gegend, die Augen vor der Schönheit der Natur verschließend, um zu Hause ankommend sagen zu müssen, es war nur ein Spaziergang und ich habe nichts besonderes gesehen. In unserer hochtechnisierten Zeit, in der das Smartphone zum Lebensinhalt Vieler geworden ist, keine Seltenheit.

Doch es geht auch anders, und das will ich euch heute zeigen.

Ich benutze für meine Ausflüge ein Teleobjektv mit einer Brennweite von 150-600mm, an einer APSC-Spiegelreflexkamera mit 24Mp. Alle Fotos, die ihr hier sehen werdet, sind Freihand aufgenommen.

Wir haben hier das Glück, in einer ländlichen und wunderschönen Gegend wohnen und leben zu dürfen. Da trifft man auch sehr oft, zumindest hier bei uns, diesen Gesellen. Den Rotmilan. Ich liebe Greifvögel schon seit meiner Kindheit, und ihr Ruf sorgt bei mir für Gänsehaut. Besonders die Milane haben mir es angetan. Was für majestätische Vögel. Wenn ihr Ruf ertönt, werde ich ganz hibbelig und suche den Himmel ab, um sie beobachten zu können. Und jetzt haben wir auch noch das Glück, ein Brutpaar zu unseren Nachbarn zählen zu dürfen. Was für ein Dusel für mein Fotografenherz. Also kam „natürlich“ gleich die Kamera zum Einsatz.

Ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Für mich der Inbegriff von Freiheit. Was würde ich dafür geben, mir ein Federkleid sprießen lassen zu können, um mich mit ihnen in die Lüfte zu erheben. Jaa das wäre schön. Aber bitte verzeiht, Ich träume schon wieder und schweife ab.

Diese Fotos enstanden an einem Tag, an dem ich gezielt auf Graureiher angesessen bin. Da ich wusste, dass er diesen kleinen Tümpel in schönster Regelmäßigkeit besucht, war die Wartezeit sehr kurz bis zu seinem Erscheinen. Die Bilder des Reihers waren im Kasten, und ich saß noch eine Weile im Schilf, als es über mir laut trötete. Eine Rostgans war im Anflug, und im Gefolge hatte sie ihren Schatten. Eine Mandarinente. Dieses Pärchen sehen wir sehr oft bei uns im Naturschutzgebiet „Heimbachaue“. Keine Ahnung was sie zusammengeführt hat, aber in dieser Konstellation sind sie fast jeden Tag am Teich. „Best friends“, so wie es scheint. Die Natur hat mal wieder für eine Überraschung gesorgt.

Unser Naturschutzgebiet, so klein es ist, bietet viele kleine und manchmal auch größere Wunder der Natur. Man muss nur hinsehen. Mein Fotokamerad und Ich wussten schon länger, dass die Blässhühner am Teich brüten. Es ist faszinierend anzusehen, wie der Partner im Wasser den brütenden Vogel mit Nistmaterial und Fressen versorgt. Ein persönlicher Lieferservice sozusagen. Nicht nur wir Menschen haben sowas. Nein, auch Tiere sind da sehr fortschrittlich. Mit einer Ausnahme vielleicht. Sie verwenden zum Bestellen sicherlich keine App.

Wir waren die letzten Tage oft unten und haben nach dem Rechten gesehen. In Erwartung auf das Kommende. Die Belohnung fürs Warten seht ihr auf dem letzten Bild oben. Drei kleine Punks im Nest. Sind die nicht herzallerliebst?

Diese Fotos entstanden am frühen Morgen. Am Abend waren wir nochmals da, um zu sehen, was sich am Nest tut.

Nicht direkt am Nest, aber am Teich zeigte sich dann ein Besucher, der für unsere kleinen rotköpfigen Punker durchaus zum Problem werden könnte.

Meister Reinecke stattete dem Teich einen Besuch ab.

Wir saßen also am Wasser und sinnierten über unsere Ausrüstung und was wir uns wünschen würden, aber wohl nie in der Hand halten sollten, da unerschwinglich, als der Sohn meines Fotokumpels uns auf diesen Besucher aufmerksam machte. Mit einem Fernglas bewaffnet und auf die Umgebung konzentriert, sah er ihn natürlich zuerst, da die Erwachsenen schwatzten. So viel zum Thema Augen offen halten.

Es war schon sehr aufregend zu beobachten, wie Reinecke Fuchs ums Wasser schlich und die Enten im Auge behielt, um auf den richtigen Moment zum Jagderfolg zu warten. Die Enten mit ihrem Nachwuchs taten ihm den Gefallen aber nicht, und so musste er hungrig, und voller Sehnsucht nach Entenbraten, von dannen ziehen.

Nun, ich geh mal davon aus, dass dieser Besuch nicht sein letzter war und wir ihn eventuell noch mal wiedersehen.

Genauso wenig geh ich davon aus, das wir unseren Freund den Eisvogel zum letzten Mal gesehen haben. Denn die nächste Herausforderung wird uns bevorstehen. Nämlich unseren blauen Kumpel hier, in annehmbarer Schärfe und etwas näher vor die Linse zu bekommen.

Ihr dürft also gespannt sein, wenn es wieder heisst “ Unterwegs mit dem Teleobjektiv“.

Bis dahin, bleibt neugierig und haltet immer schön die Augen offen.

Fremdgärteln

Ich habe soeben ein neues Wort erfunden. Kennt Ihr das vielleicht auch? Man will eine Handlung beschreiben, oder vielleicht auch einen Gegenstand, ein Gefühl, eine Eigenschaft etc., aber irgendwie gibt es dafür noch keinen Begriff. Man überlegt rum und sucht und denkt nach. Und dann plötzlich – plopp! – ist es draußen und in der Welt, das neue Wort. Und ich bin gespannt, wann es erstmals in den Duden aufgenommen wird…

Fremdgärteln jedenfalls ist das, was ich vor zwei Wochen gemacht habe, also Anfang Mai. Nicht fremdgärtnern, wohlgemerkt. Ich war im Garten bei anderen Leuten zu Besuch und konnte mich dort nach Lust und Laune (und unter Berücksichtigung des empfohlenen Abstands zu besagten Leuten, logo) mit meinem Fotoapparat und anderem Equipment verlustieren. Hat Spaß gemacht!

Ich selber habe ja keinen eigenen Garten und bin eigentlich auch ganz allgemein nicht so der passionierte Blümchenfotograf. Nicht, dass ich florale Motive nicht ansprechend finden würde, ganz und gar nicht. Aber mir fehlt vielleicht dafür irgendwie die Geduld oder auch einfach nur der Anlass.

Nicht so vor zwei Wochen! Da hat alles gestimmt: Ich hatte die Zeit und die Muße und keine anderen Verpflichtungen, die Motive waren da, ich wollte mal wieder mein Equipment einsetzen, mit Blitz und Makro herumspielen etc.

Da kam mir so eine dahergelaufene Akelei gerade recht! Sie steht übrigens vor einer Art Hauswand (genauer gesagt: eine weiß gestrichene Seitentür zur Garage), was das Freistellen doch erheblich erleichtert hat.

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Ob das Zusammenspiel von Schärfe und Unschärfe auf den Aufnahmen immer so geglückt ist, weiß ich selber nicht genau. Aber mir kam es auch eher auf die klaren Linien und anderen Formen an, und natürlich auf die tollen Farben dieser Pflanze.

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Aber auch das gute alte Gänseblümchen kam zu Ehren während meiner Foto-Session. Die ewig Schöne (wenn ich Bellis perennis denn richtig übersetze…) ist ein tolles, wenn auch gar nicht unkniffliges Fotomotiv, wie ich finde.

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Und auch wenn Makro und Nahdistanz eine tolle Sache sind – ab und zu (und wenn der Garten groß genug ist) gehe ich auch gerne mal etwas weiter weg und öffne den Blick.

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So wie bei diesem schönen Fliederbusch, der seinen Zenit (also den Höhepunkt der Blüte) gerade ganz knapp überschritten hatte. Den himmlischen Duft in diesem natürlichen Foto-Studio, den müsst Ihr Euch jetzt einfach dazudenken…

Habe ich übrigens schon gebeichtet, dass ich kein Botaniker bin? Nicht nur das, ich bin sogar ausgesprochener botanischer Analphabet. So weiß ich leider partout nicht, wie die folgende Blume heißt:

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Egal, Hauptsache fotogen! Namen sind schließlich eh nur Schall und Rauch. (EDIT: Inzwischen wurde ich von verschiedenen hilfsbereiten Mitmenschen darüber aufgeklärt, dass es sich bei der blauen Schönheit um eine Kornblume handelt. Danke!)

Natürlich macht einem die Gute mit ihren spidderigen, langen, dünnen Blütenblättchen das Scharfstellen und „Komponieren“ des Bildes nicht gerade leicht, aber dann ist das halt so. Das muss man auch mal aushalten können. Und man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben…

Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, fragt sich vielleicht, wann denn wohl die Aufnahmen mit dem Blitzgerät kommen.

Die Antwort: genau jetzt!

So eine „Pusteblume“ ist doch ein ausgesprochen reizvolles Motiv – zumal dann, wenn sich noch ein paar kleine Wassertröpfchen in ihrer Frisur verfangen haben. Das war übrigens nicht ich mit der Sprühflasche, sondern Mutter Natur, die ein paar Stunden zuvor noch einige Regentropfen vom Himmel geschickt hatte. Und durch das sparsam dosierte Blitzlicht treten die feinen Strukturen noch sichtbarer hervor (das war jedenfalls der Plan).

Den Abschluss meiner Blumensequenz bilden ein paar Aufnahmen, die ich in einem kleinen Bestand von Vergissmeinnicht machen konnte. Auch hier fand ich zum einen das Farbenspiel sehr ansprechend, und zum anderen die unterschiedlichen Formen, die sich auf kleinem Raum begegnen.

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Man merkt sofort, ich bin ein Freund der selektiven Schärfe. Und das Gute ist ja: wenn man so nah dran ist am Objekt der Begierde, und dann auch noch einen großen Sensor unter der Haube hat, dann stehen einem in punkto Schärfeverlauf und gewollter Unschärfe alle Möglichkeiten offen.

Bei der letzten Aufnahme wünschte ich mir im Nachhinein, ich hätte den Bildausschnitt ein Ideechen nach rechts verschoben, um alle Blüten komplett drauf zu haben und nicht angeschnitten. Aber zum einen ist man nachher immer schlauer, und zum anderen habe ich so ganz elegant einen Vorwand, um demnächst mal wieder fremdgärteln zu gehen!

Sankt Peter-Ording menschenleer

Sankt Peter-Ording – liebevoll auch SPO genannt – zählt wohl ohne Zweifel zu den touristischen Hotspots an der Nordseeküste. Zwischen Ostern- und Herbstferien tummeln sich Touristen an der Promenade, am Strand, im Westküstenpark, in den Gaststätten, Schwimmbad, Hotels usw… .

Bis zur letzen Woche wirkte SPO allerdings wie ein vergessenes trauriges Fleckchen Erde. Keine Touristen – keine Umsätze. Das ist für unsere Region echt bitter. Langsam kommt das Leben aber wieder zurück.

Wer SPO kennt, denkt wohl primär an die Pfahlbauten am weiten Sandstrand; und auch dort zieht es mich immer wieder gerne hin. 

Dort habe ich dann letzte Woche die Ruhe und wunderschöne Lichtstimmung genossen und nun folgende Aufnahmen gemacht.

Viel Spaß mit den Bildern und liebe Grüße aus dem Norden.

Michael Hoff

http://www.michaelhoff.de





Beste Unterhaltung

Was ist gute Unterhaltung? Auf diese schon fast philosophische Frage gibt es unzählige Antworten. Ein gutes Buch, ein spannender Film oder ein Musikkonzert ist nur eine kleine Auswahl.

Für mich zählen Tierbeobachtungen ganz klar auch dazu. Sei es der eigene Hund, die Kühe und der Esel auf der Nachbarwiese oder, wie in der folgenden Geschichte, humorvolle Begegnungen mit der Vogelwelt.

Ich hatte das unglaubliche Fotografenglück, auf diese kleine Gänsesägerfamilie zu treffen. Junge Küken sind sowieso immer der Hingucker, aber was sich hier auf dem Wasser abspielte, war beste Unterhaltung. Es war fast wie im „richtigen“ Leben. Das Mama-Taxi war der Renner. Huckepack, am liebsten alle zusammen.

Wenn es der Entenmutter zu viel wurde, tauchte sie ab, schwamm ein paar Meter, um ohne Küken wieder aufzutauchen.

Die flauschig weichen Körper und die tapsigen Bewegungen erinnerten mich an junge Pinguine.

Ich konnte mich an dem tierischen Kindergarten gar nicht satt sehen. Ein Gewusel, ein hin und her und eine souveräne Entenmutter, die immer alles im Blick hatte.

Als ich nach zwei Stunden und über 500 Fotos die Kamera einpacken wollte, wirkte dies wie ein Signal. Als würde die ganze Show ohne Publikum keinen Spaß mehr machen, suchte sich die Entenmutter einen Stein mitten im Fluß und versammelte alle Kleinen unter sich. Ihr habt richtig gelesen. Alle! 11 Küken kuschelten sich unter den Körper der Mama, und plötzlich war alles ruhig.

Das war der richtige Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen und glücklich und bestens unterhalten nach Hause zu gehen.

Illuminierte Pilze

Im Schwarzwald gibt es ja nicht nur Bäume, Bäche, Berge und tolle Wanderwege. Nein. Es gibt noch ein anderes, verstecktes Reich. Das Reich der Pilze. Um sie zu finden, muss man sich oft auf ihre Ebene begeben und Die, ist meistens direkt zu unseren Füßen.

Diesen heimlichen Lebewesen haftet oft was Mystisches, Geheimnisvolles, ja manchmal sogar Unheilvolles an. In einigen Sagen z.B. oder im Volksmund kommen sie nicht so gut weg, in anderen hingegen wieder durchaus positiv.

Nehmen wir mal die sogenannten Hexenringe oder Feenringe als Beispiel. Die beiden Namen sagen da schon viel aus, oder? Also, Hexen- bzw. Feenringe, das sind Pilze, die die Eigenart besitzen, im Kreis zu wachsen. Der wird übrigens mit jedem Jahr im Durchmesser größer, das heißt natürlich, auch älter. Es wurden schon Feenringe gefunden mit einem imponierenden Durchmesser von mehreren hundert Metern und mit einigen hundert Jahren auf dem Buckel.

Die Skandinavier und Kelten glaubten, dass die Ringe dadurch entstünden, dass an diesem Ort Elfenwesen tanzten und ihr Erscheinen, vor allem in mondbeschienen Nächten, von diesem Spektakel zeugen würde. Bei den schottischen Sagen heisst es, die Elfen würden die Pilze als Tische benutzen, für Speis und Trank.

Schöne Geschichten, nicht wahr?

Aber es soll ja um etwas anderes gehen heute. Wer mich kennt, weiß, das ich solche Geschichten durchaus schätze. Allerdings schätze ich auch den fotografischen Wert dieser kleinen Heimlichtuer.

Vor nicht allzu langer Zeit stieß ich im Netz auf Fotos und Artikel, die beschreiben, wie man Pilze ins rechte Licht setzt. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Sie werden mit Leuchtmitteln illuminiert und fotografiert .

Ich war so fasziniert, das ich sofort losgelegt habe. Es war die richtige Jahreszeit dafür, meinem Vorhaben stand also nichts im Weg. Bewaffnet mit meiner Kamera, dem Makroobjektiv (wobei man durchaus auch andere Objektive nutzen kann) und diversen Taschenlampen, zog ich los und setzte mein Vorhaben in die Tat um.

Ihr seht an diesen Beispielbildern, es hat für den Anfang ziemlich gut funktioniert. Wenn ihr das ausprobiert, werdet ihr feststellen, das nicht jeder Pilz gleichgut „leuchtet“, aber das soll dem Vorhaben keinen Abbruch tun. Hier kann man seine Kreativität voll ausleben, sei es mit unterschiedlichen Leuchtmitteln oder mit andersfarbigem Licht, oder mit was auch immer – das bleibt voll und ganz euch überlassen. Aber ihr solltet es auf jeden Fall ausprobieren, denn es macht unglaublich viel Spaß.

Ich werde dieses Jahr sicher wieder losziehen, um Pilze ins rechte Licht zu rücken und um ehrlich zu sein, ich kann’s kaum erwarten.

In diesem Sinne, bleibt neugierig, und btw.: manche Pilze lassen sich nicht nur gut ablichten, sondern sie schmecken auch hervorragend. 🙂

Erinnerungen für unser Herz

Mal ehrlich: Wer von uns kann sich heute noch ganz genau daran erinnern, was er z.B. an einem schönen, sonnigen Tag vor sechs Wochen unternommen hat? Je älter wir werden, desto schneller vergehen gefühlt die Tage, Wochen, Monate. Auch wenn wir gerade aufgrund der Corona-Pandemie wieder lernen unseren Alltag zu entschleunigen, unsere Prioritäten auf Gesundheit und Wohlbefinden legen und versuchen die Zeit zu genießen, so vergehen auch diese Tage für mich wie im Flug.

In den letzten Wochen wurden wir ja von der Sonne mehr als verwöhnt. Mein Freund und ich konnten so unsere freien Tage noch mehr in der Natur genießen. Unserer Leidenschaft für Wanderungen in unserer Heimat und dem Erkunden in der Natur gehen wir hier bereits schon länger nach. Wir beschließen meistens relativ kurzfristig, meist am Abend zuvor, welche Touren wir uns dann am nächsten Tag vornehmen. Meist starten wir früh morgens und haben unser Frühstück dann mit im Gepäck. Eine Sache darf hier ganz klar nicht fehlen: unser Gaskocher, um frischen Kaffee bei der Vesperpause genießen zu können. Jetzt bin ich aber fast schon wieder von meiner Anfangsfrage abgeschweift, da ich aktuell an unserem Esszimmertisch sitze und mir am liebsten wieder meine Wanderschuhe umschnüren würde. 

Nun aber zurück zum Anfang. Aktuell können wir all unsere Wanderungen leider nicht mehr aufzählen. Jede Wanderung ist einzigartig, erlebnisreich und es entstehen immer tolle Erinnerungen. Bisher hatten wir diese Erinnerungen leider nie aufgeschrieben. Meine Bilder, welche kurz nach den Wanderungen lediglich auf meinem Laptop zur Ablage „verstauben“ oder auf meinem Instagramaccount in meiner Story für 24 Stunden online gehen, werden vielleicht einmal in einem halben Jahr wieder angeschaut.

Deshalb war mir vor ein paar Wochen dann gekommen: Wir können all unsere Wanderungen in einem Wandertagebuch festhalten. In diesem Buch können nun all unsere Touren nachgelesen werden. Hier sind beispielsweise die Länge der Tour, Höhenmeter oder auch Besonderheiten aufgeführt. Von jeder Wanderung wird dann immer ein Bild, welches die Tour so besonders gemacht hat, ausgedruckt und dort passend hineingeklebt. Gerade weil wir aber so viel unterwegs sind, werden Touren erst ab 10 Kilometer aufgeführt. Das Buch erhält somit unsere ganz persönlichen Erinnerungen. Wie schön die Vorstellung doch ist, dass wir dieses Buch einmal in zehn Jahren in den Händen halten und auf all unsere wundervollen Erinnerungen zurück greifen können. Unsere persönlichen Erinnerungen fürs Herz! 

Wandertagebuch

Wenn auch ihr viel unterwegs seid oder einfach Eure Tage festhalten möchtet, dann kann ich solch ein (Wander-)Tagebuch nur empfehlen. Mir persönlich macht es auch Spaß, nach jeder Wanderung sich in Ruhe zuhause hinzusetzen und diesen Tagebucheintrag vorzunehmen. Die Wanderung lässt man dadurch automatisch noch einmal Revue passieren und kann den Tag/Abend schön ausklingen lassen. 

Was für ein Frühling!

Wochenlanger Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen, aber auch stay home und Abstand halten, sind nur einige Facetten dieses besonderen Frühlings. Um nicht in einen Strudel aus schlechtem Gewissen und Freude an der Natur zu geraden, habe ich für mich einen Kompromiss gefunden. Ich gehe raus, wenn niemand unterwegs und das Licht am schönsten ist. Früh morgens und zur Abenddämmerung.

Dann werden touristische Hotspots, wie das Eggenertal zur Kirschblütenzeit, zu ruhigen Oasen der Erholung.

Beim Anblick tausender blühender Kirschbäume vergisst man für einen kurzen Moment den Ärger über ausgefallene Urlaubsreisen. Das warme Abendlicht lässt die Bäume buchstäblich erleuchten, und es legt sich eine ruhige, friedliche Stimmung über das Tal. Nur noch wenige Menschen sind unterwegs, und jene, die bleiben, genießen die besondere Atmosphäre.

Für mich war die ganze Situation irgendwie unwirklich. Dieses Blütenspektakel, das emsige Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel verströmten eine unglaubliche Freude am Leben. Ich kam mir vor wie unter einer Glasglocke. Ein Stück heile Welt, über der eine dunkle Wolke schwebte. Ich wünsche mir, dass wir den Kirschkuchen, gebacken von den ersten saftigen Kirschen des Markgräflerlandes, wieder gemeinsam mit unseren Lieben und unseren Freunden genießen können.

Wunschdenken? Unrealistisch? Ja, vielleicht. Aber wenn mir jemand gesagt hätte, dass es dieses Jahr im April nochmals schneit, hätte ich ihn auch für einen Fantasten gehalten 😉

Lust auf eine weitere kleine Geschichte übers Markgräflerland? Dann möchte ich Euch den Blog Unser Markgräflerland von unserer Heimatfotogräfin Jasmin empfehlen.

sogesehen-Monatsfoto Mai

Ich öffne die Tür und gehe einige Schritte. Vor mir liegt der Wald, und er lädt mich ein unter seinem Blätterdach zu wandeln. Die Luft ist klar und frisch, und alles erstrahlt in satten Farben. Hier bin ich. Genau an diesem Ort. Meine Gedanken gehen auf Reisen, und ich tanke Kraft für den Alltag

Man muss nicht weit gehen, um Orte zu finden, die zum Pause machen oder Seele baumeln lassen einladen. Oft liegen sie direkt vor der Haustür, man muss sie nur entdecken. Ob im Schwarzwald oder anderswo in Deutschland, es gibt sie überall.

Ich habe das Glück, dass es rund um meinen Wohnort sehr viele solcher tollen Plätze zu finden gibt. Dort kann ich hingehen, oft ohne eine Menschenseele zu treffen. Diese, meine „Geheimen Orte“, liegen mir sehr am Herzen. Hier kann ich abschalten und neue Energie tanken.

Dieses Foto ist an einem solchen „Lieblingsort“ enstanden. Ein geheimer Ort auf Foto gebannt sozusagen. Ich hoffe, ihr könnt euch genauso daran erfreuen wie ich. Aber noch besser ist, ihr geht selbst auf die Suche danach.

In diesem Sinne, möge der Monat Mai euch viele schöne Erlebnisse bringen, trotz der aktuellen Situation. Bleibt neugierig und vor allem gesund.


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Ein nutzloser Fund

Ein paar Tage ist es her, ich laufe einen Bahndamm in einer Stadt entlang, oberhalb der hier sehr hohen Böschungen zu beiden Seiten stehen große Wohnhäuser, dazwischen liegen Schulgebäude und auch der eine oder andere Spielplatz. Der Bahndamm und das geschotterte Gleisbett sehen gepflegt aus, tags zuvor habe ich hier ein Grüppchen orangegekleideter Männer mit verschiedensten Maschinen gesehen, ein Pflegetrupp der Bahn.

Und dann plötzlich dieser ungewöhnliche Haufen vor mir. Zuerst erkenne ich gar nicht richtig, worum es sich handelt. Müll? Dann machen meine Augen endlich einen Ball aus, dann noch einen, schließlich immer mehr.

Und sofort geht das Kopfkino los: große Pause zwischen den Schulstunden, oder auch ein langer Nachmittag in der Großwohnsiedlung. Es wird wild gekickt, im Eifer des Gefechts geraten die Schüsse immer mal zu feste und unkontrolliert. Peng, wieder ein Ball weg, die Böschung runtergekullert auf die Schienen tief unten. Och Mann, der war doch noch fast neu.

Gut, nicht alle Mitglieder dieses Ensembles sehen aus, als seien sie gerade erst aus dem Verpackungsnetz gewickelt worden. Aber alle erzählen sie doch irgendwelche Geschichten, wenn man sie nur lange genug betrachtet.

Und nun liegen sie da, fein säuberlich arrangiert und sogar der Größe nach angeordnet. (Wir sind in Baden-Württemberg.)

Wie mag ihre Geschichte bloß weitergehen?

Der frühe Vogel

Bericht eines Fotoausflugs vom 7. April 2020:

In den besonderen Zeiten der C-Krise ist mir in den letzten Tagen schon öfter der extrem klare Himmel aufgefallen. Wunderschöne klare Sonnenaufgänge in allen Farben habe ich auf dem Weg zur Arbeit beobachten können. Das lässt das Herz eines Naturfotografen natürlich höher schlagen. Insbesondere die fehlenden Kondensstreifen am Himmel.

Dazu kam gestern ein wahnsinnig farbenfroher nahezu voller Mond, eben über dem Horizont gen Westen.

Das hatte Steffen offenbar auch gesehen, denn er schrieb mir, dass er für heute Morgen einen Ausflug zum Westerheversand bzw. Westerhever Leuchtturm plante. Aufgrund des „bösen C“ haben wir uns schon vier Wochen nicht gesehen, und unsere geplante Fotoreise auf den Darß fiel samt noch einer weiteren Verabredung ins Wasser.

Heute Nacht ist bzw. war einen Tag vor Vollmond. Für die Fotografie ist das ja bekanntlich immer ein guter Zeitpunkt, da man nicht in die Dunkelheit fotografiert, sondern bei Mondauf- bzw. untergang schon/noch ein wenig Tageslicht dabei hat.

Die Wettervorhersage meinte es gut mit uns, und von dem Brötchenerwerb konnte ich mir morgens ein bis zwei Stunden Arbeitszeit abknappsen.

Sodann fuhren wir heute mit getrennten Autos kurz nach fünf Uhr auf Richtung Westerhever. Auch wenn es schon ein wenig schmerzte, als der Wecker klingelte, so entschädigt die einmalige Ruhe morgens immer wieder – dann, wenn das Leben so langsam erwacht.

Nebenbei: Wir haben alle unterwegs getroffenen (Oster-)Hasen ganz gelassen – auch wenn es einmal ganz schön knapp war.

Ich war ein wenig vor Steffen am vereinbarten Parkplatz und merkte schon, dass es im Vergleich zum Vortag ganz schön diesig war. Somit rückte das geplante Vollmondbild am Leuchtturm etwas in die Ferne. Der Vorteil war jedoch, dass durch die hohe Luftfeuchtigkeit die Strahlen des Leuchtturms ein wenig zu sehen waren. So bin ich schell den Deich hochgehuscht und habe meine ersten Aufnahmen gemacht.

Hiermit möchte ich mich nochmal in aller Form bei den seeseitig schlafenden Schafen entschuldigen, die ich unsanft aus dem Schlaf gerissen habe!

Zwischenzeitlich ist Steffen angekommen. Mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand haben wir uns begrüßt.

Wir sind bei unserem Vorhaben geblieben, untergehenden Mond und Leuchtturm zusammen abbilden zu wollen. Dafür hatten wir schon im Vorweg geprüft, an welchem Standort wir das in etwa erreichen. Hierfür mussten wir noch ein paar hundert Meter durchs Vorland gehen und erreichten dann zügig die geplante Stelle. Das Wetter veränderte sich leider nicht.

Wir bauten uns zuerst in der Nähe eine Priels auf, hatten die Sonne im Rücken und konnten dort schon ein paar tolle weitere Aufnahmen machen.

Wenn der Mond sich weiter Richtung Horizont bewegt, hat man immer das Gefühl, dass er das mit zunehmender Geschwindigkeit tut. Relativ schnell war dann klar, dass der Standort doch nicht ganz optimal war. Der Mond könnte sich direkt hinter den Leutturmwärterhäusern in den Horizont verabschieden. Die AR-Funktion (= Augmented Reality) unserer App bestätigte das. Da der Mond ja nicht auf uns warten wollte, war kurzerhand noch ein Umzug in Eile angesagt.

100-200 m weiter gen Norden war der Verlauf optimal, aber leider verschwand der Mond im Gegensatz zu gestern im Dunst, bevor er den Horizont erreichte.

Die Erfahrung lehrte uns, dass man nicht den Blick zurück vergessen soll. Im Gegenlicht konnten wir dann noch ein paar Aufnahmen des Priels ergattern.

Den gewünschten klaren, farbenfrohen Sonnenaufgang, hatten wir zwar nicht; es gab heute auch nicht die große Ausbeute an neuen TOP-Fotos. Es war aber trotzdem wieder ein unbeschreibliches Gefühl, morgens alleine an der Nordsee zu sein, wenn langsam die Sonne hoch kommt und so der Tag beginnt.

Ich war froh, dass wir uns aufgemacht haben…

Grüße aus dem Norden Deutschlands an die Leserschaft!

Michael Hoff

www.michaelhoff.de