Ein Froschkönig auf Hochzeitsreise

Jetzt sind sie wieder auf Wanderschaft; die Frösche und Kröten kommen aus ihren Winterlagern gekrochen, um in den nahe gelegen Tümpeln und Seelein zu laichen. Vielen von Euch sind sicher die Absperrungen an den Strassen aufgefallen. Freiwillige Helfer sammeln die Frösche und Kröten ein und bringen sie auf die andere Strassenseite, von wo aus sie sicher ihre Gewässer aufspüren können.

Die Amphibien sind gerne Nachts unterwegs, weshalb nicht selten bestimmte Strassenabschnitte in dieser Zeit gesperrt sind.

Ein besonderes Erlebnis bleibt mir jedoch noch lange in Erinnerung:

Letztes Frühjahr fuhren wir über die Ostertage einmal mehr in die Walliser Berge auf unsere Hütte. Jedes Jahr freute ich mich auf das Erwachen der Alpenflora. Bevor ich meine bekannten Blumen-Standorte aufsuchte, machte ich noch einen Abstecher zu dem nahe gelegenen Seelein. Ich wollte mich vergewissern, ob die Frösche bereits auf der „Hochzeitsreise“ waren. Letztes Jahr verpasste ich deren Wanderung zum Laichplatz bedauerlicherweise wohl nur um ein paar Tage. Die Woche zuvor war es recht warm, doch der neuerliche Kälteeinbruch brachte auch wieder Schnee. Nun hatte ich keine Ahnung, was mich bei dem Tümpel erwarten wird.

Bereits aus der Ferne konnte ich erkennen, dass gut ein Viertel der Wasseroberfläche noch zugefroren war – dies eigentlich ein gutes Zeichen. Erwartungsvoll näherte ich mich dem Teich. Die etlichen Wanderer, welche interessiert ins Wasser schauten, liessen mich neugierig werden. Sind etwa alle Frösche schon wieder im Wasser? Bin ich wieder zu spät oder hatte es erst gerade angefangen?
Beim Näherkommen sah ich dunkle Flecken, die sich auf dem Schnee langsam bewegen. Oh bitte lass es Frösche sein!! Ja, perfekt, es waren Frösche die auf dem Weg ins Wasser zu ihren Laichplätzen waren. Sie kamen nicht in Scharen wie ich es mir ausgemalt hatte, aber egal, Hauptsache ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnte die wandernden Frösche beobachten und fotografieren.

Sobald die kalten Nächte vorbei sind, kommen die Grasfrösche aus ihrem Winterquartier gekrochen. Sie verbringen die kalte Jahreszeit in Erdlöchern und Wurzelhöhlen. Glücklicherweise müssen die Frösche hier keine Strassen überqueren und finden den Weg unbeschadet zu ihrem Laichgewässer.

Schnell legte ich meinen Rucksack ab, schnappte die Kamera und näherte mich vorsichtig einem hüpfendem Frosch. Um ihn nicht zu stören, blieb ich auf Abstand. Ich kann mir vorstellen, dass der Weg über den Schnee eine energieraubende Wanderung ist und will die Frösche nicht zusätzlichem Stress aussetzen. So entschied ich mich aus Respekt an Ort und Stelle still zu verharren und hoffte, dass die Frösche an mir vorbei hüpfen würden. Witzigerweise gab es vereinzelt Tiere, die direkt auf mich zu kamen, vor mir sitzen blieben und mich glubschäugig bemusterten. Vor allem ein Frosch blieb eine gefühlte Ewigkeit vor mir sitzen. Ob er wohl auf einen Kuss wartete? Das mit dem Küssen liess ich dann doch bleiben…

Viele Frösche kamen bereits zu zweit daher gehüpft. Kommt ein Weibchen aber allein, wurde es sogleich von den Männchen angesprungen, welche sich regelrecht an ihren Körper klammerten. Nach ein paar Huckpacksprüngen folgte eine längere Pause. Ich kauerte im Schnee, hatte nasse Ellbogen und Knie und wartete geduldig auf die nächste Bewegung. Nach einer nicht unbeträchtlichen Erholungszeit rafften sich die Frösche wieder auf, krabbelten zuerst ein paar Schritte, bevor sie zum grossen Sprung ansetzten. Erstaunlich dabei ist, mit welcher Synchronität das Froschpaar die Beinbewegung vollzieht und mit gestrickten Beinen elegant den Sprung ausführt. Man könnte meinen, sie nehmen an einem Synchronspring-Wettbewerb teil, wobei ich ihnen eine glatte „zehn“ gegeben hätte! Das Hochzeitspaar hatte nur ein Ziel – möglichst schnell ins Wasser zu kommen, wo bereits hunderte Artgenossen warteten.

Nun gesellte sich auch noch eine Dreiergruppe zum Geschehen dazu. Es war sehr unterhaltsam zu beobachten, wie das überzählige Männchen einfach nicht von den beiden anderen ablassen wollte. Da er sich kaum richtig festhalten konnte, war jeder Hüpfer für ihn mit einem ungeheuren Kampf verbunden an den beiden dranzubleiben. Nach einigen erfolglosen Versuchen gelang es dem Paar aber schliesslich den unliebsamen Wedding-Crasher loszuwerden. Die beiden machten sich aus dem Staub und hüpften munter Richtung Wasser. Der Verlassene blieb verdattert zurück und machte sich dann gezwungenermassen allein auf den Weg zu Teich, wo er hoffentlich doch noch eine passende Partnerin finden wird.

Interessant, wie die Männchen erwartungsvoll im Wasser verweilen und Richtung Ufer schauen. Alles was sich bewegt, wird sofort anvisiert – wohl immer in der Hoffnung, die richtige Partnerin hüpft gleich ins Wasser!

Zu hunderten sind sie im Wasser und waren schon sehr fleissig, überall hatte es Laichballen. Das Laichgeschäft muss innerhalb weniger Tage erledigt werden. Das Weibchen kann bis zu 2800 Eier an den Wasserpflanzen ablegen. Das Männchen gibt anschliessend bei der äusseren Befruchtung seinen Samen dazu. Drunter, drüber, ineinander verschlungen, alleine, zu zweit, zu dritt und nicht selten zu viert. Die armen Weibchen müssen einiges aushalten, denn die Männchen schnappen sich alles was sich bewegt. Manchmal kann so ein Kampf für das Weibchen auch tödlich enden. Dann nämlich, wenn es von den Männchen ständig unter Wasser gedrückt wird. Es hat dann keine Möglichkeit mehr Luft zu holen und ertrinkt. Selbst als ein Wanderer die Hand ins Wasser hielt, griff ein Frosch nach seinen Fingern. Der verdutzte Mann zog blitzschnell die Hand wieder aus dem Wasser.

Am nächsten Tag machte ich mich erneut auf den Weg zu dem kleinen Tümpel. Es war aber bereits viel ruhiger geworden. Es schien als seien alle Grasfrösche im Wasser angekommen, denn auf dem gegenüber liegenden Schneehang bewegte sich nichts mehr. Der grosse Hochzeitsmarsch hatte wohl schon am Tag bevor ich da war stattgefunden. Ich konnte mich nun zufrieden meinen Blümchen widmen.

Es ist schwierig abzuschätzen, wenn die Grassfrösche sich erneut auf den Weg machen werden. In den nächsten Tagen wird es wohl wieder soweit sein. Ich werde diese Woche einen Ausflug machen und mit etwas Glück erwarten mich die Grasfrösche auch schon ;).

Ausnahmezustand oder Alltag?

Es ist ja allseits bekannt, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Wir lieben Rituale, sei es im privaten oder auch im beruflichen Bereich. Veränderungen gegenüber sind wir oftmals eher skeptisch eingestellt und fühlen uns im gewohnten täglichen Ablauf, mit all seinen Routinen, pudelwohl.

Ich vermute, ich spreche für uns alle, wenn ich behaupte, dass unser Alltag vor gut zwei Jahren komplett auf den Kopf gestellt wurde. Bekannte Abläufe wie z.B. der Weg zur Arbeit, der Einkaufsbummel am Samstagvormittag oder eine herzliche Umarmung zur Begrüßung wurden ersetzt durch Homeoffice, Online-Shopping und AHA-Regel.

Mit einer Mischung aus Angst und Aufregung beobachteten wir das, was da auf uns zukam. Lockdown, FFP2-Maske und Inzidenzwerte ergänzten von nun an unseren Wortschatz, und Toilettenpapier, Hefe und Nudeln waren plötzlich die neuen Luxusgüter. Nun durchlaufen wir die x-te Coronawelle, die Inzidenzwerte sind so hoch wie nie, aber in vielen Bereichen unseres Alltags haben wir uns mit der Situation arrangiert.

Nun frage ich mich, ob wir immer noch in einer Form des Ausnahmezustandes leben oder ob das schon längst unser neuer Alltag ist. Wenn ja, wann hat dieser Übergang stattgefunden, und ist das nun gut oder schlecht? Ich bin mir sicher, dass es keinen Weg zurück in die „gute alte Zeit“ geben wird und vieles nicht wieder so sein wird wie vor der Pandemie. Gerade in Sachen Digitalisierung möchte das wahrscheinlich auch niemand. Aber die Entwicklung im Zwischenmenschlichen oder auch im kulturellen Bereich macht mich traurig, und da vermisse ich schon die frühere Unbekümmertheit.

Momentan stehen wir wieder an einem Wendepunkt. Corona ist fast gänzlich aus den Schlagzeilen verschwunden, und anstelle der täglichen Dauerschleife aus Inzidenzwerten und Todesfällen gibt es nun ein neues Grauen, dass den Alltag von vielen Menschen auf schreckliche Weise wieder ins Wanken bringt.

Der Mensch, das Gewohnheitstier – eigentlich bin ich ganz froh, dass wir trotzdem diese Anpassungsfähigkeit haben, obwohl es Situationen im Leben gibt, an die man sich nie gewöhnen kann und vielleicht auch nicht sollte.

Basel

Basel, ein Nachmittag im Sommer.

Ist das Basel?

Kennen wir nicht alle von Basel nur die enge Autobahn, die uns in Richtung Süden bringt? Die Industrie, z. T. mitten in der Stadt, aber auch in der Agglomeration?

Bevor ich euch einen anderen Eindruck von der Stadt am Rheinknie zeigen möchte, will ich mich kurz vorstellen: Ich bin Martin Dietsche, einer aus der Agglomeration, und bin privat öfters in Basel. Durch meinen Chor habe ich Basler kennengelernt und mit ihnen auch die schönen Winkel der drittgrössten Stadt der Schweiz.

An einem Sommersonntag (vor Corona) schlendere ich mit meiner Kamera durch die Gassen und über die Plätze. Ohne Plan, eher als Tourist in der mir bekannten Stadt. Mein Ziel ist das Grossbasel, der Stadtteil südlich vom Rhein.

Petersgasse
Ausblick vom Leonhardskirchplatz

Für mich hat Basel etwas vom Süden. Das Leben findet draussen statt, die Strassencafés sind voll, auf den Plätzen und in den Parks sitzen Familien.

Am Rheinufer wird gegrillt, geraucht und gefeiert. Geübte Schwimmer lassen sich im Rhein drei Kilometer durch die Stadt treiben. Andere suchen Abkühlung in einem der zahlreichen Brunnen. Meine schönste Begegnung ist aber der Tanzkurs, der in der Abendsonne unter der Arkade des Kollegienhauses der Uni stattfindet. Tanzende Menschen, Tango, die Stimmung ist friedlich und melancholisch. Ich kann mich fast nicht lösen…

Die Rhythmen des Tangos klingen lange in meinem Herzen nach. Beschwingt mache ich mich auf Richtung Münster. Basel, Stadt der Museen – die Kunst ist hier zu Hause. Auf dem Weg zum Münsterhügel komme ich am Theaterplatz vorbei. Hier ist der Tinguely-Brunnen. Er wurde zwischen 1975 und 1977 erbaut. Noch nie gab es die Situation, dass ich alleine dort war. Der Brunnen mit zehn maschinellen Skulpturen in einem grossen Wasserbecken, welche zum Teil aus beweglichen, versetzbaren Teilen der ehemaligen Bühnenausstattung des Stadttheaters konstruiert wurden, zeigt die für Jean Tinguely typischen Wasserspiele. Diese werden durch Schwachstrommotoren bewegt und sprühen Wasserfontänen durch die Luft.

Serra Plastik vor dem Theater, im Hintergrund Elisabethenkriche

Weiter geht’s. Immer wieder gleitet mein Blick auf die beiden Türme des Münsters, die jedoch in den verwinkelten Gassen oft hinter den Häusern der Altstadt verschwinden. Ich freue mich über die Spiegelung des Hauptportals in der Fensterscheibe. Der ca. 4550 qm grosse Münsterplatz ist seit 15 Jahren autofrei; die Leere beeindruckt mich immer wieder von neuem. Daneben der kleine Münsterplatz, mit seiner intimen, auch durch die Bäume gegebenen Geschlossenheit.

Kleiner Münsterplatz

Die Sonne geht langsam unter. Es ist noch mild. Die Menschen geniessen das Rheinufer und träumen ihren Traum.

Nun beginnt meine Lieblingszeit – goldene und blaue Stunde. Ich liebe die Langzeitbelichtungen, weil die Kamera Dinge sieht, die mit dem blossen Auge nicht erkennbar sind. Die langen Schatten und Lichtreflexe auf dem Wasser, die vorbeifahrende Strassenbahn (in Basel Tram).

Rheinsprung

Mein Spaziergang neigt sich dem Ende entgegen – kein Ende für immer, sondern ein Ende mit dem Wunsch im Herzen, bald wieder mit der Kamera die Stadt neu zu entdecken.

sogesehen – Monatsfoto März

Wenn man im März die Milchstraße fotografieren möchte, muss man sehr früh aufstehen – und wenn ich sage sehr früh, meine ich 2:00 Uhr. Zum zweiten muss man sich sehr warm anziehen, da dort wo ich zu fotografieren gedenke, ein unangenehm frisches Lüftchen weht. Naja, wohl eher ein saukalter Wind.

Also erst mal nen Liter Kaffee tanken, Kumpel abholen (der wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt an meiner gestigen Gesundheit gezweifelt hat) und dann hinauf auf die Schwarzwaldhochstrasse, zum Mummelsee und dann hoch auf die Hornisgrinde.

Es stimmt schon, es war saukalt, sauwindig, aber wunderschön, und zwar so schön, dass das Fotografieren fast zur Nebensache wird.

Wenn ich dort unter dem Sternenzelt stehe und hinaufblicke, werde ich mir immer bewusst, wie klein und vielleicht unbedeutend wir doch sind. Dennoch erfüllt es mich immer mit einem tiefen Frieden angesichts dieser Vielfalt und Tiefe. Vielleicht sollten die Mächtigen dieser Welt einfach mal ihren Blick nach oben wenden, und vielleicht erfüllt sie dann der gleiche tiefe Frieden, der mich immer erfüllt bei diesem Anblick, und ganz vielleicht, erwärmt es ihr Herz und sie bedenken einige ihrer Entscheidungen.

Ich weiß ich träume, doch angesichts der momentanen Lage ist es ein schöner, vielleicht verzweifelter und naiver Traum, aber ich hoffe er geht in Erfüllung. Schnell.

In diesem Sinne bleibt neugierig. PEACE

Lugansk, 2010

Ich reise mit dem Nachtzug aus Kiew an.

Ich bin zum ersten Mal in Lugansk (Luhansk), ja zum ersten Mal überhaupt im Osten der Ukraine, dem Donbass. Mein Russisch ist dürftig, mein Ukrainisch (das ich hier ohnehin nicht brauchen würde) gar nicht erst vorhanden. Daher bin ich froh, dass man mich vom Bahnhof abholt.

Es sind milde Herbsttage im Spätseptember, fast noch sommerlich. Die nächste Woche werde ich hier für ein Seminar verbringen.

Ich werde keine tragende Rolle bei der Veranstaltung spielen, was mir durchaus recht ist. Es gibt Katya, die Vertreterin der örtlichen NGO, und Oleg, den erfahrenen Medientrainer aus Kiew. Diese beiden werden sich um alles Wesentliche kümmern, während ich die deutsche Partner-NGO repräsentiere und mir ansonsten alles interessiert anschauen kann.

Hin und wieder machen wir Exkursionen, die uns von unserem modernen Seminarzentrum am Stadtrand nach Lugansk hinein führen.

Der Rundfunkanstalt von Lugansk statten wir einen ausführlichen Besuch ab. Man kommt sich bisweilen vor wie in einem Technikmuseum, während gleich daneben modernstes Equipment zum Einsatz kommt. Heute, fast zwölf Jahre später, frage ich mich, was dort wohl seit 2014 gesendet wurde, und was in den letzten Tagen.

Lugansk ist eine große Industriestadt. Wir fahren im Kleinbus, der „Marschrutka“, durch die breiten Straßen. Eine Orientierung bekomme ich nicht ansatzweise hin, aber das macht weiter nichts. Wir sind immer in der Gruppe unterwegs, und es sind stets genug Ortskundige dabei, die niemanden aus den Augen lassen. Außer aus Lugansk kommen die ukrainischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Donetsk.

Die Stadt kommt mir vor wie eine typische post-sowjetische Metropole. Touristen besuchen sie (auch zu dieser Zeit) sicher nicht zahlreich, aber dafür kann man viel Leben in den Straßen beobachten, ganz normal und authentisch. Bei mancher Werbung und Aufschriften im öffentlichen Raum wundere ich mich über das Ukrainische, denn im Alltag scheint hier ansonsten alleine Russisch gebräuchlich zu sein.

Lugansk ist an sich vielleicht keine Schönheit, aber es gibt viele interessante Ecken zu sehen und Plätze, an denen man sich gerne aufhält. Offenbar genießen viele Menschen die entspannte Atmosphäre dieser Spätsommertage. Ich fühle mich jedenfalls wohl, zumal ich immer in netter und fürsorglicher Gesellschaft bin.

Und natürlich gibt es viele Gebäude und Denkmäler, die aus der Sowjetzeit stammen und offenbar eine ruhmreiche Tradition fortführen. Lugansk ist stolze (ehemalige) Produktionsstätte von Lokomotiven.


Was ist das jetzt: Ein Reisebericht? Eine unschuldige, nostalgische Erinnerung? Der verzweifelte Versuch eines Außenseiters, eine als harmonisch und bereichernd erlebte Vergangenheit zurückzuholen und die himmelschreiende Katastrophe ungeschehen zu machen? Und warum habe ich diesen Artikel nicht bereits 2014 geschrieben?

Natürlich habe ich auch Fotos der Menschen, die mich während meiner Woche in Lugansk im September 2010 umgeben haben. Die Aufnahmen zeigen junge, sympathische Menschen, die gerne zusammen die Zeit verbringen. Ich zeige sie hier nicht, da ich niemanden in Schwierigkeiten bringen möchte. Nur zu wenigen habe ich noch persönlichen Kontakt.

Dima, damaliger Teilnehmer, ist professioneller Übersetzer und sitzt in diesem Moment in der Zentrale des Ukrainischen Radios in Kiew und verteidigt sein Land, wie er sagt. Katya, die damalige Organisatorin, musste nach 2014 das Lugansker Gebiet verlassen und in einen Ort westlich der Demarkationslinie umziehen, außerhalb der „Volksrepublik“. Ich bin mit ihr im Kontakt. Sie schreibt, niemals im Leben habe sie etwas derartiges für möglich gehalten wie das, was sie gerade jetzt erlebt, durchlebt und hoffentlich überlebt.

In meinen Gedanken bin ich bei ihnen allen.

26. Februar 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

Moin aus Nordfriesland

Am ersten Wochenende im Februar stand für unser sogesehen-Team ein Highlight im noch jungen Jahr 2022 auf dem Programm. Wir folgten der Einladung unserer nordischen Freunde Michael, Steffen und Peter in ihre wunderschöne Heimat, um dort der gemeinsamen Leidenschaft nachzugehen, dem Fotografieren. Ergänzt wurde die Schwarzwald-Fraktion durch Markus, der unser gemeinsames Hobby mit gleichem Enthusiasmus teilt.   

Nachdem die erste Herausforderung der Anreise gemeistert war, stand schon die nächste auf der Matte: Schietwetter hatte sich angekündigt. Getreu dem Motto: „Im Norden regnet es nicht, das ist nur feuchte Luft“, ließen wir uns nicht davon abhalten, die fotografischen Herausforderungen bei Regen und „n büschn Wind“ anzunehmen. Und dabei durften wir nebenbei gemeinsam ein paar tolle Tage in Husum und Umgebung verbringen. Soviel vorab:

  • Westerhever Leuchtturm mal ohne Sonne
  • Waldohreulen an der See
  • Zwerg- oder doch Singschwäne
  • Morgensonne im Beltringharder Koog
  • Land unter auf Hallig Nordstrandischmoor
  • Husumer Hafen zur Blauen Stunde

1. Tag:

Wir starteten nach dem Frühstück zum Westerhever Leuchtturm. Das Wetter war wie angekündigt regnerisch, und weder die Sonne noch eine gewisse Struktur am Himmel waren zu sehen. Nachdem wir uns am Leuchtturm ausgelassen hatten, besuchten wir nach einer kurzen Stärkung das Örtchen Tönning. Hauptattraktion hier: Waldohreulen! Auch wenn der Norden sich eher nicht durch großzügige Waldgebiete auszeichnet, haben es sich rund zwei Dutzend Waldohreulen hier gemütlich gemacht. Abgerundet wurde der Tag durch den Tipp eines ortskundigen Naturfotografen, der uns auf Zwerg- und Singschwäne in der Nähe aufmerksam machte.

2. Tag:

Am zweiten Tag begrüßte uns tatsächlich die Sonne und legte das Naturschutzgebiet Beltringharder Koog in ein herrliches warmes Morgenlicht. Alleine waren wir dort allerdings nicht – fünftausend Gänse (überwiegend Nonnengänse) hatten dasselbe Ausflugsziel, was ein rechtes Spektakel war. Im Anschluss stand das Top-Highlight der Tour auf dem Programm: der Besuch auf Hallig Nordstrandischmoor. Wir wurden mit einer Lore, begleitet von einer Ladung Kartons aus einem schwedischen Möbelhaus, vom Festland übergesetzt und hatten während der Fahrt einen faszinierenden Blick auf das vorbeiziehende Wattenmeer. Angekommen auf der Hallig gab es genug Zeit, diese halb zu umrunden. In der Nacht zuvor war „Land unter“ gewesen, weshalb das Wasser noch nicht wieder komplett abgeflossen war. Den Abschluss bildete eine Fotosession zur Blauen Stunde am Binnen- und Außenhafen von Husum.


Aber seht doch selbst, was wir daraus gemacht haben.

Horst Maier:

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in der warmen gemütlichen Stube und höre das Feuer im Kachelofen prasseln. Das war in Norddeutschland natürlich nicht so. Dort hat uns der Wind an der See unsere Gesichter gerötet und uns „Landratten“ mit seinem stetigen Rauschen die Frisur neu geordnet. Dennoch ein tolles Erlebnis.

Mir wird von diesem Wochenende sehr viel Schönes in Erinnerung bleiben. Die Landschaft mit ihrer Weite, die einem den Atem nimmt. Die Menschen mit ihrer Herzlichkeit und dem trockenen Humor, und dann natürlich die Tierwelt mit ihren tausenden Vögeln. Es ist wirklich sehr beeindruckend, wenn ein Schwarm dieser Vögel zu Hunderten über einen hinwegfliegt – ein so erhabenes Erlebnis, das einem die Tränen in die Augen treibt vor Staunen. Man kommt sich sehr klein vor in diesem Moment, dennoch fühlt man sich als Teil des Ganzen und ist einfach nur glücklich, am Geschehen der Natur teilhaben zu können.

Ein weiteres Highlight war für mich der Besuch der Hallig Nordstrandischmoor. Mit der Lore über das Watt, um dann mit der Kamera die Hallig zu erkunden, während der Wind einem unter die Kleidung fährt, ist schon sehr genial. Sich vorzustellen, wie die Menschen dort leben, so nah an der See, ringt mir tiefen Respekt ab.

Ich könnte noch weiter schwärmen, vom Eulenbaum oder den Singschwänen oder oder oder, aber dann wäre ich morgen noch nicht fertig.

Mir bleibt nur noch eines, nämlich Danke zu sagen an unsere Jungs aus dem Norden. Michael, Steffen und Peter. Danke für alles, die Organisation, eure Herzlichkeit und das Möglichmachen der einmaligen Erlebnisse und um es mit Arnolds Worten zu sagen:

„I´ll be back“


Michael Höfer:

Ich bin ein Freund der Nordsee und fahre einmal pro Jahr auf meine Lieblingsinsel Borkum. Diesmal durfte ich eine andere sehr schöne Region besuchen und hatte viel Spaß dabei.

Beim Leuchtturm habe ich mich dazu entschieden, die Bilder mit der Colour-Key Technik zu entwickeln. Dabei wird in einem Schwarz-Weiß-Bild ein Bildelement farblich hervorgehoben. Die Sonne oder ein blauer Himmel mit schicker Wolkenstruktur spielen dann gar keine große Rolle mehr. Bei den Waldohreulen bestand die Herausforderung darin, die richtige Perspektive zu finden, damit nicht zu viele Äste in das Bild ragen. Zudem bewegten sich die entspannten Tierchen im Wind stetig auf und ab. Beim letzten Motiv des Tages, den Zwerg- und Singschwänen, war es nicht einfach, diese voneinander zu unterscheiden. Nach einem kurzen Studium im Internet glaube ich aber, dass ich Zwergschwäne vor meiner Linse hatte.

Die Sonne zu Beginn des zweiten Tages im Beltringharder Koog tat nach dem grauen Vortag richtig gut. Sie legte das Naturschutzgebiet in eine warme und friedliche Morgenstimmung und ich genoss die Stille. Nach einem kurzen Schauer zeichneten sich auf dem Weg zur Hallig schöne Wolken und Strukturen am Himmel ab, die sich im Wattenmeer spiegelten. Der Besuch auf der Hallig war meine erste Live-Erfahrung dieser Art, kannte ich sie vorher doch nur aus dem Erdkundeunterricht in der Schule. Abgerundet wurde der Tag mit der Fotorunde zur Blauen Stunde am Husumer Hafen. Hier konnte ich meine neuen ND-Filter testen.

Für mich war es eine rundum gelungene Reise, und ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch in Nordfriesland. Moin!


Michael Hoff:

Es freut uns sehr, dass wir unseren Fotofreunden aus dem Süden bzw. südlicheren Deutschland unsere Heimat näher bringen konnten. Das Highlight war für uns jedoch dieses Mal der Ausflug nach Nordstrandischmoor, eine Hallig die auch wir nicht alltäglich besuchen.

Kleiner Tipp am Rande: Wer nach einem besonderen Urlaubsziel sucht, kann sich auf der Hallig bei siefert-nordstrandischmoor.de eine Ferienwohnung buchen. 


Sebastian Schröder-Esch:

Himmel, Himmel, Wind, Wasser, Vögel, Weite, Himmel, Land, Sand, Wasser, Weite, Himmel, Wind, Vögel, Himmel, Schafe, Weite, Schilf, Windräder, Vögel, Himmel, Wasser, Elemente…

Nordfriesland ist die Wucht! Daran kann kein Blanker Hans rütteln, und pustet er auch noch so kräftig. Und die Nordfriesen sind großartige Gastgeber!

Deshalb organisieren Michel, Steffen und ich dieses Jahr vom 22. bis 25. September eine Foto-Reise nach Husum und Umgebung. Mehr Infos dazu sind hier zu finden.


Stefanie Röschke:

Unsere Reise ist nun schon ein paar Tage her, und was wird mir davon in Erinnerung bleiben? Eine Zugfahrt einmal längs durch die Republik, die alles andere als normal verlief; ein herzlicher Empfang und eine tolle Organisation durch die Drei aus dem hohen Norden (herzlichen Dank an Michael, Steffen und Peter), und Gänse! Zu Hunderten sah man sie auf den Wiesen, zu Tausenden fliegend am Himmel. Was für ein Schauspiel und was für eine Geräuschkulisse!

Jede Reise verbinde ich auch noch nach Jahren mit einer Erinnerung, unabhängig davon, ob diese in einem Foto dokumentiert wurde oder nicht. Ich bin mir sicher, dass mein inneres Bild von dieser Reise fliegende Entenvögel sein werden.


Zum Abschluss noch ein weiterer Leitsatz: „Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“.

Wir hatten eine Menge Spaß im hohen Norden und konnten in ausgesprochen netter Runde eine kurze Auszeit vom Alltag genießen. Danke noch einmal für die Einladung, wir kommen gerne wieder!

Sollten die Impressionen Euer Interesse geweckt haben, möchten wir an dieser Stelle gerne auf die Fotospaziergänge von Michael und Steffen unter dem Namen Deich-Foto verweisen.


sogesehen – Monatsfoto Februar

Die Liebe zum Hausberg

In meiner Bildergalerie sticht ein Motiv ganz klar heraus: Unser 1.165 Meter hoher Hausberg „Hochblauen“. Der Berg bedeutet für mich als Markgräflerin der Inbegriff von Heimat.

Der unverkennbare Gipfel des Berges mit seinem „Berghaus Hochblauen“ sowie Aussichts- und Sendeturm ist in der ganzen Region – bestimmt auch darüber hinaus – bekannt.  Die meiste Zeit über sehe ich seine schöne Bergsilhouette von der Rheinebene aus. Es gibt aber auch Tage, da zieht es mich auf seinen Gipfel. Egal wie oft ich dann hochfahre und oben verweile, es fühlt sich einfach jedes Mal aufs Neue besonders an. Bereits auf dem Hinweg, kurz unterhalb des Gipfels, ist dann eine gewisse Aufregung in mir: zeigen sich heute wieder die eindrucksvollen Alpen in weiter Ferne? Bei guter Wetterlage präsentieren sie sich einem majestätisch und es wirkt, als könne man deren Gipfel durchaus greifen. Der Panoramablick auf die Vogesen, die Schweiz, die Rheinebene und den Schwarzwald ist einfach wunderschön.

Auch in der kalten Jahreszeit wird man auf dem Hochblauen von der Magie der Inversionswetterlage in den Bann gezogen. Auf dem Gipfel scheint die Sonne in voller Kraft, und unten im Tal legt sich der Nebel nieder:

Zu einem meiner Lieblingsmomente auf dem Berg gehört jedoch definitiv der Sonnenaufgang im Sommer. Die Natur erwacht allmählich aus dem Schlaf, Vögel beginnen kräftig zu zwitschern, hinter den Gipfeln des Schwarzwaldes steigt der riesige Sonnenball empor und die Sonnenstrahlen kitzeln einem in der Nase. Durch unseren mitgebrachten Kaffeekocher riecht es nach frischem Kaffee und es wird einem dabei ganz warm ums Herz. In meinem Blogeintrag „Die ersten Sonnenstrahlen“ hatte ich euch bereits von einem besonderen Start in den Tag auf dem Hochblauen erzählt und kann euch diese Erfahrung nur ans Herz legen.

Auch wenn wir jetzt erst den Februar einläuten und uns sicherlich noch ein kleines „Winter-Comeback“ willkommen heißen wird, so freue ich mich schon auf die warmen Sommertage und auf solch schöne Stunden auf unserem Hausberg. Derweil genieße ich weiterhin den Anblick des Gipfels von der Rheinebene aus. Vielleicht fühlt ihr ja auch meine besondere Freude und Verbindung zum Hausberg und er steht für euch ebenfalls an ganz besonderer Stelle?

In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Reif.

Frankreich. Osten. Jura. Durchreise.

Januar. Winter. Morgen. Kalt.

Ebene. Feucht. Kalt. Lange. Trüb. Windstill. Starr.

Frost. Dauer. Reif. Rauh. Düster.

Höher. Heller. Wandlung. Graduell. Pastell. Gedämpft.

Schicht. Decke. Unter. Watte.

Perspektive. Ahnung. Verheißung.

Hell. Blau. Heller. Weißer. Blauer. Ausblick.

Konturen. Minimal. Markant. Sichtbar.

Überzug. Weiß. Hell. Nadeln. Gefroren. Eis. Kristalle.

Grafisch.

Hell.

Märchenhaft.

Unwirklich.

Fein. Ziseliert.

Gegenwärtig.

Hyperreal.

Tiefenlos.

Oben. Sonne. Gleißend.

Langweilig.

Pustekuchen!

Gefrorene Seifenblasen? Nein, danke!

Viele Fotografen und Fotografinnen verdrehen bei dem Thema die Augen. Ähnlich wie bei der Glaskugelfotografie werden diese kleinen Kugeln aus Eis oft belächelt, und es herrscht die Meinung vor, dass das mit „anspruchsvoller“ Fotografie nicht viel zu tun habe. Pustekuchen! Die technische Umsetzung ist alles andere als einfach, und zu einer ordentlichen Portion Glück benötigt es noch jede Menge Ausdauer.

Wenn ich ehrlich bin, wäre es auch mir nicht in den Sinn gekommen, anstelle einer tollen Winterlandschaft diese kleinen Kugeln zu fotografieren. Aber manchmal hilft ein Impuls von außen, dass man auch mal Neues ausprobiert. In diesem Fall war es eine kleine Seifenblasen-Challenge, organisiert von Petra Böttcher, Fotodozentin an der VHS Rheinfelden. Und so meldete ich mich also bei diesem Wettbewerb an, mit Vorsatz, „mal schnell“ ein paar Fotos von gefrierenden Kugeln zu machen.

Schon wieder: Pustekuchen!

Eine besondere Herausforderung bei dieser Geschichte sind die äußeren Umstände. Natürlich benötigt es zuallererst Minusgrade (logisch), was in unseren Breitengraden schon keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Hat es dann endlich mal – 1° C oder weniger, dann geht dies oft mit einem üblen Wind einher. Das Aus für jede Seifenblase!

Sind die Bedingungen dann endlich perfekt, gehen die Probleme weiter:
PUSTEN – Platz ; PUSTEN – Platz ; PUSTEN – „Oh! Wo fliegt sie hin?!? ; PUSTEN – Platz ; PUSTEN – „Mist, jetzt fliegt sie zum Nachbarn!“

Hat man es irgendwann geschafft, eine Blase zu bändigen, dann muss es schnell gehen:
1. Das fragile Teil auf einen passenden Untergrund stellen (wo diese dann meistens platzt)
2. Runter auf „Augenhöhe“ (am besten bäuchlings auf den kalten! Boden)
3. Mit der Kamera im Anschlag warten, bis die durchsichtige Schönheit anfängt zu gefrieren (wobei diese dann wieder meistens… ihr ahnt es sicher schon).
4. Dann das ganze Spiel von vorne: PUSTEN – Platz

Viel Aufwand für eine bescheidene Ausbeute, und ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Zeit in Anspruch nimmt und fotografisch durchaus anspruchsvoll ist. Seitdem betrachte ich Fotos von perfekt gefrorenen Seifenblasen, eingebettet in eine tolle Bildkomposition, mit anderen Augen. Hut ab!

Zurück zur Challenge: So ganz um sonst waren meine Bemühungen dann doch nicht. Die Seifenblase im Titelbild machte das Rennen 🙂

Winterliches Ried

Vor wenigenTage hatten ein Fotokollege und ich den Plan, mal wieder auf Fototour zu gehen. Unser Ziel war die Halbinsel Mettnau am Bodensee. Diese Insel ist, zum großen Teil, ein Naturschutzgebiet und bekannt dafür, dass dort viele Vögel brüten. Daher ist das Schutzgebiet in der Brutzeit gesperrt (zum Glück). In den Wintermonaten ist es allerdings für jedermann zugänglich, und man kann dann bis zur „Mettnauspitze“ wandern.

Das Wetter versprach laut Wetterapp ganz passabel zu werden, und wir freuten uns auf einige tolle Fotos.

Nun. Wetterapps zu vertrauen ist ja so ne Sache. Als wir nämlich dort ankamen und uns auf den Weg zur Spitze der Halbinsel machten, war es eher trüb und winterlich frisch.

Die Wanderung durch den verschneiten Schilfgürtel war dennoch ein Erlebnis, vor allem wenn man sonst fast ausschließlich im Wald umherstreift und „nur“ Nadelbäume um sich hat. Kurz zeigte sich schemenhaft die Sonne hinter den blassen Wolken und tauchte das Schilf in ein diffuses Licht. Das war schon eine sehr tolle Stimmung, die wir genießen konnten. Allerdings war das Sonnenintermezzo nur von kurzer Dauer, denn für den Rest des Tages sollte es trüb und duster bleiben.

An der Spitze angekommen, sahen wir weit draußen im Wasser einige Schwäne und Enten. Im Dunst zeigte sich die Allee des Damms zur Insel Reichenau, aber das war es dann auch schon. Schöner Mist. Wir hatten uns etwas mehr erhofft.

Etwas frustriert beschlossen wir, der Mettnau den Rücken zu kehren und dem Wollmatinger Ried, das in der Nähe liegt, noch einen Besuch abzustatten. Vielleicht gab es ja dort noch Futter für unsere Speicherkarten.

Wir hatten dann tatsächlich noch das Glück einige Wildtiere beobachten zu können, und auch das ein oder andere Foto fand den Weg auf unsere Speicherkarte.

Die Landschaft hier zeigte sich im stillen Winterkleid. Die Ruhe und das leicht schneebedeckte Ried lassen auf den ersten Blick das Leben, das sich im Frühjahr und Sommer hier zeigt, vermissen. Doch lässt man den Blick über die weiß gezuckerten Flächen streifen, sieht man ein großes Rudel Rehe, das am jetzt spärlichen Riedgras knabbert. Dort am Wassergraben sieht man die Nagespuren des Bibers. Was für ein fleißiges Kerlchen. Krickenten flitzen vorbei, zu scheu und zu schnell für den Fotografen. Im Wasser gönnt sich der Haubentaucher ein Nickerchen. Wohlverdient. Nebenan steht der Silbereiher im Schilf und will partout nicht als Model herhalten. Lieber aus sicherer Entfernung den komischen Typen mit der Kamera beobachten. Doch ein Rotkehlchen erbarmt sich und tanzt frech vor unserer Linse, wenig scheu und eher neugierig, als will es sagen “ Hier, mach doch von mir ein Foto“. Gerne tun wir ihm den Gefallen.

Für mich hat das Ried zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz. Jetzt im Winter, wenn man sich die Zeit nimmt in die weiße Stille einzutauchen und zu beobachten, findet man immer etwas Sehenswertes. Sagt zumindest das freche Rotkehlchen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit. Genießt den Winter in all seinen Facetten und bleibt neugierig.