Venezia – Il Carnevale

Heute ist bereits Aschermittwoch und der Karneval würde zu Ende gehen, hätte er denn auch stattgefunden! Leider wurden überall die offiziellen Fastnachtsanlässe abgesagt, natürlich auch in Venedig. Die vielen Kostümliebhaber sind definitiv zu kurz gekommen. Gerne denke ich an meine zwei Reisen in die Lagunenstadt zu dem weltberühmten Carnevale die Venezia. Hier ein kleiner Rückblick:

Vor genau 12 Jahren reiste ich das erste Mal, im Rahmen eines Fotoworkshops, zum Carnevale nach Venedig. Bis dahin kannte ich den Carnevale nur von Fotos. Venedig hingegen habe ich bereits 1985 das erste Mal besucht und seither immer wieder. Damals kaufte ich mir die Minimasken als Souvenir und jetzt sollte ich den Carnevale endlich einmal live miterleben und vor allem fotografieren können. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, was mich erwarten würde und freute mich auf die kommenden Tage und den ersten Morgen. Bereits vor Sonnenaufgang mussten wir auf dem Markusplatz sein. Es war eine kurze Nacht. Noch im Dunkeln fuhren wir mit dem Vaporetto auf dem Canale Grande entlang der imposanten Palazzi bis zur Fermata San Marco.

Es war noch relativ ruhig auf der Piazza, ein paar Fotografen schlichen bereits umher und auch ich stellte mein Stativ auf und machte ein Foto von den im Wasser schaukelnden Gondeln, mit der Kirche San Giorgio im Hintergrund. Sicher eines der meist fotografierten Motive in Venedig! Lange durfte ich mich damit nicht verweilen, denn schon trafen die ersten Masken ein (so werden die Maskierten genannt, es ist nicht nur die Gesichtsmaske damit gemeint) und mit ihnen auch weitere Fotografen.

Der Vorteil wenn man so früh vor Ort ist, es hat kaum Touristen und als Fotograf hat man die Masken für sich alleine. Womit ich aber gar nicht gerechnet habe, wie viele Fotografen sich nach und nach auf der Piazza einfanden. Für meinen Geschmack definitiv zu viele! Aber ich war nun mal da, schaute mich nach Masken um, welche an einem fotogenen Ort standen und für uns posierten. Tagsüber an den verschiedenen Plätzen war es noch extremer. Schulter an Schulter standen die Fotografen da und jeder wollte sein bestes Foto machen!

Mit etwas Geduld kann man die Aufmerksamkeit der Masken auf sich ziehen und ein paar schöne Fotos machen. Fotografiert man länger die gleichen Masken kommt es häufig zu einem Austausch der Visitenkarten. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Maskierten stehen den Fotografen gerne Modell, hätten aber natürlich im Gegenzug ein paar schöne Aufnahmen. Durch den Austausch der Adressen und später das Zusenden der Bilder, entstehen schöne Kontakte und man erfährt auch etwas über den Menschen hinter der Maske. Wie das Ehepaar Le Bec aus Paris, welches seit mehr als dreissig Jahren mit neuen, sehr aufwändig genähten und verzierten Kostümen in die Lagunenstadt reisen. Hat man sie einmal gesehen, erkennt man sie im nächsten Jahr bestimmt wieder, bleiben sie ihrem Stil treu. Auch Postkarten gibt es von ihnen zu kaufen.

Mich fasziniert nicht nur die Maske als Ganzes, sondern die zahlreichen, mit viel Liebe genähten Details. Auffallende Stoffe, wunderbare Bänder, glitzernde Perlen und filigrane Stickereien, ich konnte mich nicht sattsehen und wollte soviel wie möglich auf den Sensor brennen! Man versteht schnell, dass es nicht nur ein Hobby ist, sondern eine Leidenschaft die gelebt und geliebt wird.

Eine weitere eindrucksvolle Maske ist der Monello (der Bengel). Ich habe Ute als Monello 2011 fotografiert und mich gleich in diese wunderschöne Maske verliebt. Die Farben, das aufwändig verzierte Kostüm und alleine wie sie als Monello auftritt, ist einfach bewundernswert. Fast wie aus einem Märchen entsprungen steht sie da und präsentiert hervorragend den Monello. Dazu die Kulisse dieser historischen Stadt, besser geht es nicht mehr! Man kann kaum aufhören zu fotografieren! Ute K. und ihr Mann sind das erste Mal 1998 zum Fotografieren an den Carnevale gefahren und wurden gleich mit dem Virus infiziert. Seither sind sie jedes Jahr in die Lagunenstadt gereist. Am Anfang kamen sie jedes Jahr mit einem neuen Kostüm, später wurden es mehr, inzwischen sind es bereits 3 Kostüme pro Person, welche sie in mehreren Koffern, Tüten und Rucksäcken nach Venedig schleppen. 

Neben dem Monello, der seit 2006 zu Utes Markenzeichen geworden ist, näht sie auch die anderen Kostüme (historische Gewänder) selber. Diese Gewänder aus der Renaissance-Zeit sind sehr aufwendig und sie braucht mehrere Monate, bis so eine Robe fertig ist!

Nicht zu unterschätzen ist ist das „Modellstehen“! Das heisst, nicht nur da stehen und sich fotografieren lassen. Man schlüpft regelrecht in eine andere Rolle. Dabei ist es sehr wichtig, diese Rolle auch zu spielen, nur so kommt sie authentisch herüber und das Kostüm ist eigentlich „nur“ der Schmuck. Wenn man gedankenlos da steht, ohne mit dem Körper und den Augen zu spielen, hilft auch das schönste Kostüm nichts. Es gibt Masken die das wunderbar beherrschen und ich immer wieder staune wie lange sie in ihrer Rolle bleiben. Es gibt aber auch vereinzelte Masken, die einfach wie „Säcke“ da stehen und sich abknipsen lassen. Ich bin überzeugt, dass sie sich dabei nicht viele Gedanken machen. Das sieht man auch gleich auf den Fotos und es macht keinen Spass sie zu fotografieren.

An einem Nachmittag wollte auch ich einmal als Maske in die Stadt gehen. Noch zu Hause habe ich in mehreren Stunden ein „altes Faschingskostüm“ herausgeputzt. Nicht zu vergleichen mit den aussergewöhnlichen venezianischen Masken, aber so ein Hauch Carnevale versprühte es schon 😉 

Es war komisch plötzlich auf der anderen Seite zu stehen. Ein bisschen überfordert war ich anfangs schon, wusste erst nicht wohin schauen und wie mich bewegen. Der Tipp von Pierrot (Foto oben), ich solle mir meinen eigenen Dialog im Kopf machen und eine Rolle spielen, hat mir geholfen und ich fand langsam gefallen daran mit den Fotografen zu „spielen“. 

Das Fotografieren vermisste ich schon ein bisschen, so dass ich manchmal die Kamera unter dem Umhang hatte und so die verdutzten Fotografen fotografierte 🙂 Nach ein paar Stunden ging ich gerne ins Hotelzimmer zurück, zog mich um und widmete mich wieder ganz dem Fotografieren.

Eine sehr intensive Woche mit wenig Schlaf, unzähligen Kilometern zu Fuss, vielen Gigabytes Fotos und unvergesslichen Eindrücken geht zu Ende und wir traten schweren Herzens unseren Heimweg an. Ein letztes Mal liefen wir durch die engen Gassen Richtung Bahnhof. Es war kein einfaches Durchkommen, mit Fotorucksack und Koffer, über zahlreiche kleinen Brücken und Gässchen und mit einer Unmenge an Touristen. Fast hatte man das Gefühl die halbe Welt sei in Venedig.

So ruhig wie in diesem Jahr war es wohl noch nie zur Karnevalszeit in Venedig. Ich wünsche es den Venezianern und vor allem den Liebhabern des Carnevales, dass 2022 wieder viele Masken in einmaligen Kostümen nach Venedig pilgern und die Herzen vieler Carnevale Fans höher schlagen lassen.

Jetzt aber die volle Ladung

In meinem letzten Beitrag, „Wenig Schnee, aber immerhin“ hatte ich über unsere Freude berichtet, dass auch wir ein wenig Schnee abbekommen hatten. Da hat wohl jemand genau hingehört und meinte es am Ende fast zu gut mit uns.

In der Nacht von letztem Samstag auf den Sonntag brach der Schneesturm über den Norden und auch Münster herein. Jetzt liest man seit einer Woche Schlagzeilen wie „Winterdienst in Münster: Mehrere tausend Kubikmeter Schnee abtransportiert“ oder „Münster kämpft sich durch den Schnee“.

Was dem einen Leid, ist des anderen Freud. Ich habe mit meiner Kamera ein paar Eindrücke aus der Stadt im Schnee festgehalten. Da die Situation irgendwie etwas nostalgisches an sich hat, habe ich alle Fotos in schwarz-weiß dargestellt. Aus meiner Sicht gibt das den Bildern eine besondere Wirkung.

Zunächst Bilder direkt aus der City. Bedingt durch den Lockdown war nicht viel los in der Stadt. Die wenigen Menschen waren nicht wie üblich zum Einkaufen unterwegs, sondern wegen der winterlichen Kulisse, hin und wieder mit dem Schlitten oder auch als Ski-Langläufer.

Der Aasee zieht bei jedem Wetter die Menschen an, im Schnee mit einer bezaubernden Kulisse.

Neben der eigentlichen City spazierten wir auch durch die verschneiten Parks der Stadt, in diesem Fall den Schlossgarten und den Wienburg-Park. Ein Winterwunderland, das man mitten in der Stadt so gar nicht erwartet.

Jede Gelegenheit wurde von Groß und Klein genutzt, um sich auch sportlich zu betätigen. Sei es beim Rodeln an der Promenade oder beim Schlittschuhfahren auf dem zugefrorenen See im Wienburgpark.

In Münster ist es jetzt schon eine Weile her, dass wir mit so viel Schnee beglückt wurden. Im Jahr 2005 gab es das historische Schnee-Chaos im Münsterland, an das sich viele noch erinnern, auch wegen der umgeknickten Strommasten und der damit verbundenen Taschenlampenromantik zu Hause. Für die nächste Woche sind wieder Plusgrade angekündigt. Wir werden das Wochenende nutzen, um den Schnee noch ein wenig zu genießen und freuen uns schon jetzt auf den nächsten Besuch der weißen Pracht.

Wasser Kraft Werk

Heute war ein sehr grauer Tag. Eigentlich gar nicht schön. Jedenfalls hatte ich es mir morgens anders ausgemalt, als ich beschloss, einen Ausflug ins Rheintal und an die französische Grenze zu machen.

Geht so, oder?

Einziger Lichtblick: Ich war mal wieder im Ausland, zu Fuß ungefähr 30 Meter nach Frankreich rein.

Nun ja.

Eigentlich hatte ich ja darauf gehofft, Wasservögel fotografieren zu können. Ich bin nämlich nicht so oft am Rhein oder auch irgendeinem anderen großen Gewässer, da ist das immer etwas Besonderes für mich. Und an Stellen, wo viele Ausflügler hinkommen, haben sich die Vögel ja oftmals an Menschen gewöhnt und sind weniger scheu. Gut fürs Foto!

Aber ich muss sagen, unglaublich viel war dort nicht los. Eher im Gegenteil. Das Highlight war ein Haubentaucher, der den Mund, pardon: den Schnabel, wohl etwas zu voll genommen hat…

Weil mir dann doch etwas langweilig wurde und zudem kalt, bin ich spontan ein paar Hundert Meter über den Rheinstau bzw. das dazugehörige Wehr gelaufen. Wie das am Oberrhein so ist, darf allein Frankreich den Rhein zur Stromgewinnung nutzen. Ich bin halt mal einfach so drauflos spaziert, ohne mir groß etwas dabei zu denken.

Und irgendwann ist mir schließlich gedämmert: Das wahre Spektakel hier sind gar nicht die Vögel auf dem Wasser, sondern das Kraftwerk am Rheinstau.

Die Technik, nicht die Natur!

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Die Geräuschkulisse dieses Ortes muss man sich bei den Aufnahmen jetzt einfach dazudenken. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der Lärm des rauschenden, ja tosenden Wassers einfach ohrenbetäubend war. Wunderbar! Und ein verrückter Kontrast zum wolkenverhangenen, völlig gedämpften Himmel und der windstillen, trüben Luft.

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Ich hoffe, dass die Fotos etwas von dem rohen, morbiden Charme der ganzen Anlage vermitteln. Sie hat seit ihrem Bau im Jahr 1962 im wahrsten Sinne Patina angesetzt und sieht doch zugleich zeitlos und irgendwie auch elegant aus.

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Für mich eine unerwartete Wendung in meinem schon missglückt geglaubten Samstagsausflug und eine unverhoffte Attraktion an diesem überaus trüben Tag. Technik trifft Natur. Das hat Lust gemacht auf mehr!

sogesehen – Monatsfoto Februar

Der Februar steht vor der Türe, und bereits zum zweiten Mal findet kein Fasching statt. Was des einen Freud, ist des anderen Leid, grosses Leid. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wenn man vom Karnevalsvirus infiziert ist und die fünfte Jahreszeit nicht ausleben darf, ja dann fehlt definitiv etwas. Es ist nahezu wie ein Jahr ganz ohne Weihnachten!

Früher „musste“ ich während der Fasnacht eine Woche Ferien nehmen, um ausgiebig am Narrentreiben teilnehmen zu können. Immer maskiert machten wir die Nächte zum Tag, sei es auf Maskenbällen wie auch beim munteren Treiben auf den Strassen und in den Gassen. Jedes Jahr gingen wir mit Herzblut an das Entwerfen und Nähen eines neuen Kostüms. Manchmal lange vorher geplant, aber nicht selten haben wir in den letzten 24 Stunden noch etwas auf die Beine gestellt. 

Wie es wohl den Hauptdarstellern des Carnevale di Venezia gehen mag? Sie nähen sich ihre Kleider immer selber, fangen bereits im Sommer damit an und verbringen das halbe Jahr, die Kostüme mit viel Liebe zum Detail zu perfektionieren. Mit grossem Gepäck reisen sie in die Lagunenstadt, wo sie dann stolz ihre neuen Kostüme präsentieren. Eine immer grösser werdende Menge an Touristen und Fotografen treffen sich jedes Jahr pünktlich zum Karnevale auf der Piazza San Marco, bei der Kirche San Giorgio, auf der Treppe der Maria della Salute und in den vielen kleinen Gassen Venedigs. 

Dieses Jahr wird es sehr ruhig sein, keine Touristen, kaum Fotografen, selbst die Venezianer bleiben mehrheitlich zu Hause. Wahrscheinlich gibt es einige Venezianer, welche froh sind, dass ihre Stadt endlich auch einmal zur Ruhe kommen kann und nicht von einer Horde Touristen überflutet wird.

…und wer weiss, hier oder dort wird vielleicht eine Maske durch die Gassen schleichen oder über die verwaiste Piazza San Marco laufen…

Ein Berg aus Eis

Mango und Zitrone – das sind meine ersten Assoziationen, welche mir zum Thema Eis einfallen (und von denen ich locker auch einen Berg verdrücken könnte).

Jetzt ist aber Winter, und da verbinde ich mit Eis eher gemischte Gefühle. Zum einen sind es glatten Straßen, gefrorene Windschutzscheiben und die ein oder andere unsanfte Landung auf dem Allerwertesten. Aber dann gibt es auch die tollen Motive, welche jedes Fotografenherz höher schlagen und eiskalte Finger vergessen lassen. Susannes Beitrag „Auf dem schwarzen Eis“ ist dafür ein wunderbares Beispiel.

In diesem Artikel ist das Eis allerdings nur ein Nebendarsteller, die Hauptakteure sind Hannes und Nico – zwei Eiskletterer.

Hannes und Nico

Ich würde mich nicht als passionierte Sportfotografin bezeichnen, aber schon bei meiner Begegnung mit dem Wakeboarder aus dem Beitrag „Wassertänzer“ habe ich festgestellt, dass es mir viel Spaß macht Menschen zu beobachten, Bewegungen fotografisch einzufrieren und sportliches Können festzuhalten.

Mir geht es gar nicht darum, eine Sportart zu dokumentieren, sondern um die Anstrengung, aber auch die Freude dabei, darzustellen.

Eisklettern! Das klingt für mich nach einer tollen Umgebung, Risiko und coolen Typen. In diesem Fall war die Umgebung keine atemberaubende Alpenkulisse, sondern eine stark befahrene Bundesstraße in der Nähe meines Heimatortes. Dort traf ich zufällig – und in diesem Fall passt das Klischee – auf zwei richtig coole Typen.

Nico und Hannes kommentierten mein Erscheinen mit einem kurzen, aber freundlichen „Hallo“ und noch bevor ich meine Kamera auspacken konnte, war Nico schon wieder auf dem Weg nach oben.

In den Verschnaufpausen plauderten wir über Röhreneis und Schwierigkeitsgrade – ich war schwer beeindruckt – aber verstand kaum ein Wort 😉

Wenn ich mir die farbenfrohen Fotos so anschaue, dann denke ich doch wieder an Mango und Zitrone – vielleicht noch an Erdbeere und blaues Schlumpfeis. Nur die Eisdielen heißen meist Cortina oder Gelateria und eher selten La Sportiva 😉

Wenig Schnee, aber immerhin!

Nachdem uns Sebastian und Horst in ihren Beiträgen so eindrucksvoll in die faszinierende Winterwelt des Schwarzwalds entführt hatten, dachte ich mir: Und wir? Wo bleibt der Winter bei uns?

Letzten Samstagabend war es endlich soweit. Die ersten Schneeflocken in diesem Winter rieselten vom Himmel, nur klein und zierlich, aber immerhin! Große Freude kam auf nach der tristen und nassen Zeit der letzten Wochen. Viele Menschen zog es noch am Abend für einen kurzen Spaziergang in die Stadt.

Am nächsten Morgen dann der Blick nach draußen. Ja, er war noch da, der Schnee. Nach dem Frühstück entschieden wir uns, in die Rieselfelder zu fahren, ein Naturschutzgebiet in Münster. Darüber werde ich in späteren Beiträgen noch mehr berichten.

Wir befürchteten zunächst, dass uns dort die Menschenmassen überrennen würden, aber zum Glück war dem nicht so.

Wenn auch nicht viel Schnee gefallen war, so erzeugte die Mischung aus Schnee, Eis und Wasser eine Szenerie, die auf ihre eigene Art wirkte. Ein blauer Himmel wäre eventuell sogar fehl am Platze gewesen.

Auch im Detail zeigte sich der Winter von seiner schönen Seite.

In den Rieselfeldern leben zahlreiche Vögel, unter anderem auch die weit verbreiteten Kanada-Gänse. Oftmals verpönt, da nicht indigen, sind sie dennoch sehenswert. Mit lautem Geschnatter flogen sie über uns hinweg.

Doch es war Eile geboten, denn die Temperatur stieg an und am Ende unseres Spaziergangs tropfte es bereits von den Ästen. Über die Gewässer legte sich Dunst. So schnell der Hauch von Winter gekommen war, so schnell war er leider auch wieder verschwunden.

Am Ende gab es noch ein Highlight. Denn auf dem Rückweg begleitete uns ein kleiner Eisvogel. Er war allerdings recht scheu, so dass wir uns ihm nicht wirklich gut nähern konnten.

Rieselfelder, Fortsetzung folgt…

Bei den Schneegeistern auf der Hornisgrinde

Die letzten Tage waren erfüllt von Schneegestöber und Chaos auf den Strassen. Nicht das Wetter, um vor die Tür zu gehen. Als sich die Lage wieder beruhigt hatte, habe ich den Entschluss gefasst, auf die Hornisgrinde im Nordschwarzwald zu fahren, um die tolle Schneelandschaft dort oben zu genießen. Dieser Berg gehört zu meinen absoluten Lieblingsplätzen, und zwar zu jeder Jahreszeit.

Also hieß es mal wieder raus aus den Federn, den Fotorucksack und die neuen Schneeschuhe geschnappt und ab die Post auf die Schwarzwaldhochstrasse. Da es um diese Uhrzeit noch nicht wirklich viele Menschen dort oben hat, war ein Parkplatz schnell gefunden. Welch ein Glück.

Nun schnell die Schneeschuhe umgeschnallt, und los ging es in eine tief verschneite Winterlandschaft. Der Nebel hing noch in den Bäumen und ließ die Umgebung fast surreal erscheinen. Einzelne Schwaden zogen über den Weg und tauchten ihn in ein blasses Licht. Wenn dann die Bäume halb im Dunst verschwinden und nur noch die Schemen im fahlen Schimmern zu erkennen sind, zeigt der Schwarzwald sein mystisches Gesicht.

Dann lässt sich erahnen, warum so viele Sagen und Märchen im und um den Schwarzwald enstanden sind. Mit ein wenig Fantasie lassen sich Sagengestalten und Geister in den schneebedeckten Bäumen erkennen.

Dort schaut der Vater des Waldes aus dem Zwielicht hervor und dort stehen Zwerge im Schnee, um den frühen Wanderer zu warnen, wenn er sich zu tief in den dunklen Wald wagen sollte. Wölfe lassen sich im wattegleichen Schnee erkennen, bereit über ihre Beute herzufallen. Geisterhafte Wesen stehen Spalier,um ihre Bergwelt zu beschützen und den Mensch zu ermahnen, dass er hier nur Gast ist. Einfach nur schaurig schön.

Das tolle ist, je mehr Menschen die Bilder gesehen haben, umso mehr Interpretationen habe ich hören dürfen. Ich finde es schön, wenn durch Fotos die Vorstellungskraft angeregt wird. Das freut das Fotografenherz.

In diesem Sinne, lasst eurer Fantasie freien Lauf und sucht die Geister und Gestalten im Schnee.

Viel Spass und bleibt neugierig

Viel Schnee, wenig Schnee… – die Fortsetzung

Es ist ein knappes Jahr her, da habe ich mich in einem der ersten Artikel für sogesehen zu der Behauptung verstiegen, dass wenig Schnee im Winter fotografisch gesehen sowieso viel reizvoller sei als viel Schnee. Also gut, vielleicht habe ich das nicht genau so geschrieben, aber es war doch im Wesentlichen die Kernaussage.

Leute, ich muss Euch heute ein Geständnis machen. Ich lag ja sowas von daneben!

Es ist die neue (und nicht mal besonders revolutionäre) Erfahrung des sagenhaften Winters 2020/21, dass viel Schnee sehr, sehr schön und fotogen ist. Und dass ich davon irgendwie gar nicht genug kriegen kann. Es gibt ja so viele verschiedene Erscheinungsformen des Schnees. In jedem Licht sieht er anders aus, im Schatten sowieso anders als im Freien, bei bedecktem Himmel anders als bei Sonne, frischer Pulverschnee ist nicht wie Altschnee undsoweiter undsofort. Ach ja, und wenn es richtig kalt und noch dazu windstill ist, dann kombiniert sich der Schnee aufs Schönste mit Rauhreif, so wie oben zu sehen.

Oder mit Eis, so wie unten zu sehen.

Auch nicht ohne Reiz, oder?

Falls nun irgendjemand annehmen sollte, dass die hier gezeigten Aufnahmen eine Art von „best of“ der letzten Wochen und Monate im Schwarzwald seien – weit gefehlt. Sie sind allesamt an einem einzigen Vormittag entstanden, und noch dazu unter besonderen Rahmenbedingungen. Aber dazu gleich mehr. Erst einmal noch eine Handvoll Impressionen, wenn’s recht ist.

Der Ort, der auf kleinem Raum eine solche landschaftliche Vielfalt aufweist, ist ein Naturschutzgebiet im Hochschwarzwald – genauer gesagt: das NSG Langenbach-Trubelsbach in der Nähe des Notschrei-Passes. Für mich ist dieses Gebiet eine der Entdeckungen des Corona-Jahres 2020 (ff.): Man kommt sehr gut hin (sogar mit ÖPNV), es ist gut durch Wanderwege erschlossen, und man hat die verschiedensten Anblicke und Motive in bequemer Laufentfernung zueinander. Den Aspekt der Erschließung durch Wege betone ich hier besonders, da es dadurch wirklich allen Besuchern leichtfallen sollte, das Wegegebot im Naturschutzgebiet zu befolgen und den Wildtieren die (gerade im Winter) dringend benötigte Ruhe zu gewähren (mehr dazu unter www.bewusstwild.de).

Ja, und was war nun das Besondere an besagtem Morgen Anfang Januar? Also erst einmal war ich dort nicht alleine unterwegs.

Steffi war nämlich auch da. Ja, ganz genau, niemand Geringeres als die Ko-Autorin dieses Blogs. Aber es waren sogar noch mehr Leute dort, alle aufgrund einer Verabredung.

So sieht’s nämlich aus: Die Kunde von der Schönheit des winterlichen Hochschwarzwalds hatte sich bis Freiburg und zum dortigen Südwestrundfunk herumgesprochen. Außerdem war durchgesickert, dass ich mich hin und wieder zum Fotografieren in besonders schöne Gebiete begebe und dabei (soweit Corona dies zulässt) auch Leute mitnehme. Das fanden die irgendwie interessant und berichtenswert. Und so haben wir uns getroffen, und Steffi und ich wurden dabei begleitet, wie wir einen solchen Foto-Spaziergang gewissermaßen „simulieren“. Schön war das!

Man konnte gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass es auch dem SWR-Fernsehteam Spaß gemacht hat und dieser Tag eher nicht als der Allerunangenehmste des Jahres 2021 in die Annalen eingehen wird…

Der Beitrag über diese ganz besondere Foto-Runde ist inzwischen in der Landesschau Baden-Württemberg als Teil einer Reihe über „Menschen am Feldberg“ ausgestrahlt worden (am 11.1.2021). Er wird zumindest noch für einige Tage in der Mediathek des SWR abrufbar sein, und zwar unter diesem Link.

Abschließend möchte ich aber doch noch einmal zur Ausgangsfrage zurückkehren. Was ist denn nun schöner: viel Schnee oder wenig Schnee?

Mit der Antwort mache ich es mir jetzt ganz einfach: Es hat einfach alles seinen Reiz. Es kommt doch immer darauf an, die jeweilige Stimmung in sich aufzunehmen, offen zu sein für die (vermeintlich) kleinen Dinge und sie mit allen Sinnen wahrzunehmen. Und wenn man möchte, kann man dann auch noch versuchen, sie fotografisch einzufangen und in Szene zu setzen. Man muss aber nicht.

Schneeglöckchenzauber

Wer kennt sie nicht, diese wunderbaren Zeichnungen von Ida Bohatta. Wenigstens die ältere Generation unter uns. Gerne erinnere ich mich an diese herzerwärmenden Zeichnungen, kleine Menschenkinder im Reich der Blümchen. Die Blüten oft als Hütchen, Sonnenschutz oder auch als Röckchen getragen. So wie auf diesem Bild die Blüte des Schneeglöckchens als Hütchen und das Mädchen, das den Frühling einläutet.

Schneeglöckchen sind zarte Geschöpfe, filigrane erste Boten des Frühlings. Sie halten ihre weißen Köpfchen elegant gen Boden geneigt, und sie ‘läuten’ mit ihrem Erblühen den Frühling und die wiederkehrende Sonnenwärme ein.

Die Schneeglöckchen werden gerne als Frühlingsboten gesehen, weil sie schon sehr früh, sobald die Sonne wieder mehr Kraft hat, ihre Köpfchen durch das kalte Nass kämpfen. Aber woher wissen sie, dass es Zeit wird aus dem Winterschlaf zu erwachen? Wie oft kommt wieder eine Kaltfront und legt erneut eine weisse oder frostige Decke über die Wiesen. Warum erfrieren sie dann nicht wieder?

Die Natur hat, wie immer, auch hier vorgesorgt. Sobald es wärmer wird, wird der Stoffwechsel mit Nährstoffen in der Blumenzwiebel in Gang gesetzt. Es kann seinen eigenen Ofen einheizen und schafft es sogar, den Schnee rundum die Pflanze zum Schmelzen zu bringen. Das Schmelzwasser verhindert zugleich das Austrocknen der zarten Geschöpfe. Manchmal kann man die kreisförmigen schneefreien Flecken rund um die Frühblüher erkennen.

Wenn es nachts wieder kalt wird, schliesst das Schneeglöckchen sein Blütenröckchen und legt sich sanft auf den Boden, um sich dann am nächsten Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen wieder erneut zu strecken, das Köpfchen hängen zu lassen und im Wind leicht zu nicken. In der Regel bilden sich an einem Stengel nur eine Knospe, welche von einem Hochblatt eingehüllt wird und aufrecht steht. Beim Erblühen löst sie sich und hängt glockenförmig nach unten. Die Blüte des Schneeglöckchen besteht aus drei inneren und äusseren Blütenblättern und bildet im Spätfrühling eine hellgrüne Kapselfrucht.

Der lateinische Namen für die Schneeglöckchen ist Galanthus, was übersetzt Milchblume heisst. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Blütenfarbe, die bei allen vorkommenden Arten milchweiss ist. Im Volksmunde gibt es verschiedene Namen wie: Lichtmessglocken, weisse Jungfrau , Februar-Mädchen und viele mehr.

Die ersten Blattspitzen der Schneeglöggli (Schweiz), erscheinen je nach Temperatur meist schon Anfang Februar. Ein alter Brauch besagt, dass man am Tag von Mariä Lichtmess (2. Februar) ein paar Schneeklöckla (Schlesien) auf den Altar streuen soll.

Sommernarr nennen die Dänen die ersten Frühlingsboten. Der dänische Dichter Hans Christian Anderson hat sogar ein Märchen geschrieben. Das Märchen „Schneeglöckchen“ erzählt von der kleinen Blume, die von den Sonnenstrahlen hinaus in die Kälte gelockt wird und nach einem langen Weg als gepresstes Blümchen in einem Gedichtbuch endet.

Alle Pflanzenteile des Schneekaterl (Salzburgisch) sind giftig. So schützt sich das zarte Pflänzchen vor Parasitenbefall und weidenden Pflanzenfressern. Wie bei allen Dingen macht auch beim Schneetröpfer (Österreich) die Dosis das Gift. Im Kaukasus wird die Zwiebel des dortigen Schneeglöckchens (Galanthus woronowii) schon lange von alten Menschen gegen Alterserscheinungen und Gedächtnisschwäche eingenommen. Diese Wirkung macht sich die moderne Medizin in Demenz-Medikamenten zunutze. Nichtsdestotrotz sollte man die Sneiklöckelken (Hannover) nicht verzehren.

Das Schneeglöckchen hat auch eine grosse Fangemeinschaft. Galanthophilen, wie man die Schneeglöckchenfans nennt, veranstalten Galas zu Ehren der weissen Pracht. Vor allem in England gibt es eine sehr grosse Gemeinschaft. Jedes Jahr findet in Shelton Wallet (Somerset) ein grosses „Snowdrop-Festival“ statt.

Ich freue mich, wenn Anfang Februar die ersten Schneeglöggli ihren Weg nach oben suchen. Dank einem festen Hochblatt, welches das Köpfchen schützt, können sie den Boden und den Schnee unbeschadet durchstossen. Bald schon legt sich ein weisser Blütenteppich über die Wiese. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die den noch feuchten Boden küssen, liege ich bereits mit meiner Kamera auf der Lauer und versuche, neben den vielen kleinen Glöckchen auch den glitzernden Tau auf den Sensor zu brennen.

sogesehen – Monatsfoto Januar

Das Jahr 2021  

Bevor ich auf das neue Jahr eingehe, möchte ich an dieser Stelle nur kurz auf 2020 zurückblicken – was war das bloß für ein Jahr? Niemand hätte vermutlich mit solchen Einschnitten in unserem Alltag gerechnet. Auf unserem Blog hatte uns Steffi zum Thema „Verstummen einer ganzen Branche“ ihre Gedanken im Beitrag „Stille“ geteilt. Das Jahr wird uns lange in Erinnerung bleiben. Spaziergänge und Wanderungen habe ich in dem zurückliegenden Jahr noch intensiver wahrgenommen und geschätzt.

Wie heißt es so schön: neues Jahr, neues Glück?! Leider haben wir persönlich in Bezug auf die Corona-Pandemie nur bedingt die Möglichkeit, eine schnelle Lösung herbeizuführen. Erste Impfungen wurden bereits in den vergangenen Tagen durchgeführt. Derzeit ist jedoch noch immer unbekannt, in wie weit uns das Virus in diesem Jahr oder gar in den darauffolgenden Jahren weiterhin beschäftigen wird.

Mit einem neuen Jahr verbinden wir auch immer Ziele, Wünsche und Hoffnungen. Welches unserer Ziele werden wir umsetzen können? Geht ein langersehnter Wunsch in Erfüllung? Sind unsere Liebsten wohlauf? Alles offene Fragen, zu welchen wir keine Antworten haben. 12 Monate, 52 Wochen, 365 Tage, 8760 Stunden, 524600 Minuten und 31536000 Sekunden beginnen wieder aufs Neue – und wie wir wissen, ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.

Das Team des sogesehen-Blog wünscht von Herzen Gesundheit, Glück, Liebe, Freude und Frieden und bedankt sich für die positiven Zusprüche zu unserem Blog. Wir freuen uns auch im Jahr 2021 darauf, weitere Beiträge zu veröffentlichen. Neu hier und Ihr wisst noch nicht genau, was Euch auf unserer Seite erwarten wird? In unserem Archiv sind alle Beiträge nachzulesen. Viel Spaß beim Stöbern!


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.