Malen mit Licht (Teil 3)

Nanu? Ein Blog über Feuerwerksfotografie zu dieser Jahreszeit? Aber natürlich! Veranstaltungen mit Pyrotechnik gibt das ganze Jahr hindurch, und die hier gezeigten Fotos entstanden im August letzten Jahres.

Meine Versuche zu Silvester waren bisher immer zum Scheitern verurteilt. Mit Freunden das neue Jahr begrüßen und mal schnell nebenher ein paar Fotos schießen, das funktioniert nicht wirklich. Hinzu kommt, dass die Raketenbatterie vom lieben Nachbarn zwar jede Menge Lärm und Rauch verursacht, aber keine spektakulären Lichtspuren. Oft liegt schon nach fünf Minuten Knallerei das ganze Tal im Nebel. Abgesehen davon, dass vom eigenen Balkon selten tolle Feuerwerksbilder entstehen, ist es den ganzen Stress nicht wert, und ich genieße den Jahreswechsel lieber wieder in geselliger Runde.

Ein Feuerwerk im Sommer zu fotografieren, hat für eine Frostbeule wie mich einen enormen Vorteil: angenehme Temperaturen! Was gibt es Schöneres, als sich mit ein paar Gleichgesinnten an einem lauen Sommerabend zu treffen? Es gibt natürlich schönere Orte als das Parkhausdeck eines Supermarktes, aber wenige mit einem besseren Rundumblick. Und während man wartet, dass das organisierte Feuerwerksspektakel losgeht, macht man fast nebenbei Fotos, die es mit jeder Leuchtrakete aufnehmen können. Das ist doch auch schon fast Lichtmalerei, oder?

Beim Thema Feuerwerk bin ich, wie viele meiner Mitmenschen, zwiegespalten. Zum einen werden Unmengen Geld und Feinstaub in den Himmel geblasen, und für die Tierwelt sind diese Minuten die Hölle (mein Hund eingeschlossen); zum anderen ist es aber sehr schön anzusehen, besonders wenn es einer professionellen Choreografie mit Musik folgt.

Ein Feuerwerk zu fotografieren, stellt einen Fotografen vor einige Herausforderungen. Von mehreren hundert Aufnahmen bleiben nach einem 20 minütigen Feuerwerk oft nicht mehr als ein Dutzend guter Bilder übrig. Die meisten Bilder sehen so aus:

Entweder ist das Ergebnis unscharf, überbelichtet oder man hat zum falschen Zeitpunkt ausgelöst; oft ist es alles zusammen. Einfach mit Autofokus und Serienmodus drauf los knipsen wird selten zum gewünschten Erfolg führen.

Ein Feuerwerk muss man lesen, d.h. an welcher Stelle könnte die nächste Rakete abgeschossen werden? Wann erreicht die Rakete ihren höchsten Punkt? Irgendwann hat man den Dreh raus und weiß, wohin man manuell fokussieren muss und wie lange die optimale Belichtungzeit für die schönsten „Leuchtblumen“ ist.

Für Feuerwerksbilder gelten ähnliche Regeln wie für Landschaftsaufnahmen, d.h. Bildgestaltung und Vordergrund gehören unbedingt dazu. (wie ein lieber Fotofreund und Blogkollege gerne zu sagen pflegt: Vordergrund macht Bild gesund 😉 ) Selten habe ich mich daher so über die Anwesenheit einer Straßenlaterne gefreut. Sie ist eines der bildbestimmenden Elemente und ein toller Farb- und Lichttupfer.

Seltsamerweise sind meine zwei Lieblingsbilder in einem für Landschafts- und Feuerwerksfotografie eher untypischen Format gehalten – dem Hochformat.

Wenn sich dann zum Ende hin immer mehr Rauschschwaden bilden, kann sogar der ungeliebte Feinstaub zur Bildgestaltung beitragen.

Lust auf weitere kleine Geschichten zur Lichtmalerei? Dann viel Vergnügen bei Malen mit Licht (Teil1) und Malen mit Licht (Teil 2)

Teichgeschichten

Die letzten Tage und Wochen waren mit Arbeit ausgefüllt, sodass ich wenig Zeit hatte, unserem Naturschutzgebiet einen Besuch abzustatten.

Heute morgen war es dann endlich wieder soweit. Ich habe mich mit Kamera und Teleobjektiv bewaffnet, mich in meine Tarnklamotten geschmissen und bin losgezogen. Am Tag davor hatte ich mich mit meinem Fotokumpel verabredet, sodass wir mal wieder gemeinsam am Wasser waren.

Das erste, was mich am Teich empfing, war ein ziemlicher Tumult. Morgens um kurz vor Sieben ist das eher ungewöhnlich und ich fragte mich, was da wohl los war. Die Antwort hat nicht lange auf sich warten lassen.

Reineke Fuchs war unterwegs und wollte wohl seinen Speiseplan aufbessern, aber die Rechnung ging nicht auf. Zum Leidwesen des Fuchses und zum Glück für die Bewohner des Teichs. Irgendwie war ich wohl noch nicht so richtig wach, denn diese Szene konnte ich leider nicht fotografieren. Mist.

An unserem angestammten Beobachtungsplatz angekommen, haben wir uns aufgeteilt und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Während ich am Teich saß und seine Bewohner beobachtete, freute ich mich daran, wie viel Leben an diesem kleinen Gewässer herrscht. Die Küken der Blässhühner hatten einen riesen Wachstumsschub hingelegt und waren putzmunter. Der Fuchs hat bisher keins davon erwischen können, denn sie waren alle vollzählig. Welche Freude. Die Blässhuhnfamilie machte uns den Gefallen und brachte sich in Position, um uns zu zeigen wie emsig sie bei der Gefiederpflege ist. Einfach toll anzuschauen.

Kurze Zeit später kam die Rostgans mit ihren Jungen angeschwommen, und wir konnten sie ungestört beobachten. Die Wasserspiele der Küken waren herzallerliebst, und ich konnte mir ein Schmunzeln bei der ein oder anderen Situation nicht verkneifen.

Es ist schon verblüffend, wie schnell sich alles verändert, obwohl erst ca. zwei Wochen vergangen sind, seit meinem letzten Besuch. Echt beeindruckend. So geht eben alles seinen gewohnten Gang auch ohne uns Menschen, und darüber bin ich sehr froh.

Ich bin jedes mal von neuem dankbar, der Natur beim Wachsen zusehen zu dürfen. Gerade jetzt im späten Frühjahr macht es besonders viel Spass loszuziehen und zu schauen, was es zu endecken gibt.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Freude beim Ansehen der Fotos, und vielleicht seid ihr ja auch bald wieder unterwegs, um auf Entdeckungstour zu gehen.

Bis bald und bleibt neugierig

In der Schlucht

Woran denken wohl die meisten Menschen beim Namen „Ravenna“: Italien, Adria, römische Bauten und Mosaike, Teutonengrill? Vermutlich ja. Es sei denn, man interessiert sich für Landschaftsfotografie und/oder hat eine Affinität zum Schwarzwald im schönen Südwesten dieses unseres Landes…

Dann, ja dann fragt man vielleicht nochmal nach, ob denn die Stadt in Italien gemeint sei oder nicht doch vielmehr die wunderbare Schlucht dieses Namens am Westrand des Schwarzwalds?

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Der Name „Ravenna“ im Zusammenhang mit der Schlucht hat übrigens rein gar nichts mit der Stadt an der Adria zu tun. Seine Etymologie ist bis heute nicht geklärt. Eine mögliche Deutung unterstellt eine Verwandtschaft mit dem französischen Wort „ravin“, also Schlucht; eine andere führt den Besitzernamen „Rappen“ ins Feld. Eine dritte Vermutung – und ganz sicher die schönste – besagt, dass sich der Name der Schlucht und des gleichnamigen Bachs vom deutschen Wort „Rabe“ abgeleitet. Und das passt ganz wunderbar! Denn dieser Ort, schattig, kühl, voller dunkler Winkel und Ecken, von quirligen Wassern durchrauscht, er entzieht sich ebenso dem Zugriff durch uns Menschen wie die Raben, die oben an den felsig-waldigen Hängen des Höllentals entlang gleiten und so viel wissender sind als wir.

Es begab sich aber zu jener Zeit am vergangenen Pfingstwochenende, dass sich mehrere Mitglieder unseres sogesehen-Teams zu einem lockeren Foto-Treffen in besagter Schlucht bei Breitnau einfanden. Nanu?, höre ich schon Stimmen fragen. Ein solches Treffen trotz Corona-Bestimmungen? Aber ja doch, denn die Schlucht ist groß, die Luft ist frisch, und wenn man erst mal sein ganzes Geraffel mit Stativ, Filtern etc. aufgebaut hat, dann ergibt sich leicht das Mehrfache des vorgeschriebenen Mindestabstands…

Und weil es eine gemeinschaftliche Aktivität war (die übrigens sehr viel Spaß gemacht hat und nach einer Wiederholung verlangt), zeigen wir jetzt auch reihum eine Auswahl von Fotos, die an jenem Abend entstanden sind:


Horst:

Als ich das erste mal von der Ravennaschlucht hörte, hatte ich sie nur in Verbindung mit dem dort jährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt im Kopf. Als Sebastian mit der Idee kam, die Schlucht gemeinsam zu erkunden, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Wasser ist ja eh mein Ding, und Schluchten auch.

Was mich am meisten freute, war allerdings das Wiedersehen mit altbekannten und endlich das Kennenlernen mir noch persönlich unbekannten Mitgliedern unseres Blogs. Die kleine Schlucht stellte sich als wahres Kleinod heraus und die Fotoleidenschaft war schnell geweckt. Da ich ja ein totaler Fan von Langzeitbelichtungen bin und gerne mit Wasser spiele, kam ich natürlich voll auf meine Kosten. Dazu kam ein toller Nachmittag mit netten Leuten und angenehmen Gesprächen.

Was mich aber am meisten fasziniert, ist der Umstand wie unterschiedlich die Fotos von uns doch geworden sind, obwohl wir ja alle so ziemlich das Gleiche vor der Linse hatten. Das ist super spannend und das ist es auch was uns ausmacht. Tolle Fotos und unterschiedliche Ansichten. SOGESEHEN eben.


Jasmin:

Was für ein schöner Ort für unser erstes gemeinsames Treffen. An dieser Stelle: herzlichen Dank, Sebastian, für die tolle Idee! Obwohl ich viel in der Region unterwegs bin, ist mir die Ravennaschlucht bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt gewesen. Umso schöner, die Schlucht auf diese Weise erkunden zu dürfen und sich ausgiebig Zeit dafür zu nehmen.

Während einer Wanderung nehme ich mir nie intensiv Zeit, um z.B. das Stativ auszupacken, in Ruhe die entsprechenden Objektive zu wählen und um meine Umgebung ganz genau beobachten zu können. Mit meinem Standardobjektiv (14-140 mm) und meinem Makroobjektiv (30 mm) konnte ich mich hier also richtig austoben. Ein schöner Spätnachmittag mit wunderbaren Gesprächen, Motiven und tollen Landschaftseindrücken, welcher unbedingt wiederholt werden sollte!


Michael:

Da über Pfingsten der erste Kurzurlaub in Zeiten des bösen „C“ im schönen Südschwarzwald geplant war, hat es mich sehr gefreut, an dem Ausflug in die Ravennaschlucht teilnehmen zu können. Die Schlucht bietet mit ihren zahlreichen kleinen Wasserfällen, umgeben von einer zauberhaften Kulisse aus Steinen und sattem Grün, beste Voraussetzungen, mit Objektiven und Filtern zu experimentieren. Darüber hinaus war es ein wunderbarer Ort, um sich erstmals persönlich kennenzulernen. Für mich ein rundum gelungener Nachmittag.


Sebastian:

Ich habe mich die meiste Zeit am oberen und mittleren Abschnitt der Schlucht aufgehalten und bin bis zum Sonnenuntergang gar nicht besonders weit gekommen. Aber es hat mal wieder großen Spaß gemacht, die gute alte Langzeitbelichtung einzusetzen und kitschig-verwischtes Wasser zu inszenieren. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass das abendliche Sonnenlicht seitlich in die Schlucht einfiel und noch lange die grünen Kronen der Laubbäume illuminiert hat. Und das Ganze im Beisein netter Mitmenschen, die meine Foto-Begeisterung teilen. Jederzeit wieder! Zumal die Ravennaschlucht so nah an meinem Wohnort liegt, dass ich im Prinzip hinlaufen könnte…


Stefanie:

Der Besuch in der Ravennaschlucht war für mich eine emotionale Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite die Freude über den gemeinsamen Ausflug, und auf der anderen Seite der Frust über eine defekte Kamera. Durch eine Unachtsamkeit hatte ich diese gleich zu Beginn mitsamt Stativ im Ravennabach versenkt…

In solchen Momenten werde ich nicht wütend, sondern eher traurig. Diesen Gemütszustand sieht man, finde ich, meinen Bildern an. Auf Fotos mit fröhlichem Grün vor dem Missgeschick folgen düstere, verwackelte Bildern mit der Ersatzkamera von Sebastian. (Wobei das nicht an der Kamera lag 😉 ). Was mir in Erinnerung bleiben wird, ist ein wunderbarer Tag mit lieben Menschen, das Malheur wird nur zu einer Anekdote – und das ist auch gut so.

sogesehen – Monatsfoto Juni

Es war einer dieser spontanen Momente. Vielleicht kennt ihr das ja auch? Man nimmt sich an einem Abend mal nichts vor, möchte den Tag gemütlich ausklingen lassen, und dann beginnt der Himmel plötzlich mit einem zauberhaften Farbenspiel. Diesen Moment konnte ich nicht einfach so davon ziehen lassen und bin mit meiner Kamera dann doch noch losgezogen.

Geplant war für mich daraufhin ein paar Minuten diesen Moment aufzunehmen, zu genießen und dann wieder den Heimweg anzutreten. Fasziniert von den dramatischen Farben durch den Sonnenuntergang vor mir und das tolle Mohnfeld zu meinen Füßen, konnte ich einfach nicht anders und blieb tatsächlich dort vor Ort, bis von der Sonne und den restlichen Farben am Himmel nichts mehr zu sehen war. Das Schöne war hier auch für mich, dass die Mohnblüten noch überwiegend geschlossen waren und diese kurz vor ihrer Öffnung standen. Aus solch einem Blickwinkel habe ich ein Feld aus Mohnblumen noch nie bewusst wahrgenommen.

Die spontanen Erlebnisse sind halt doch einfach mit am schönsten!

Portraits im Zoo

Nachdem die Lockerungen uns endlich wieder mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zulassen, haben wir den letzten Sonntag dazu genutzt, dem Allwetterzoo in Münster einen Besuch abzustatten. Die Besucherzahl ist aktuell durch die Corona-Bestimmungen begrenzt, was für den Besucher nicht von Nachteil ist, im Gegenteil.

Ob der Sinnhaftigkeit eines Zoos gehen die Meinungen zwar auseinander, für den Fotografen bietet dieser Ort allerdings eine gute Möglichkeit, beispielsweise das neue Teleobjektiv zu testen, bevor es dann in die freie Wildbahn geht, denn da muss jeder Griff sitzen.

Während wir so durch den Zoo spazieren, stelle ich mir die Frage, ob die Tiere sich nun freuen, dass auf der anderen Seite des Zauns wieder etwas zu beobachten ist. Haben sie sich eventuell auch gelangweilt, als der Lockdown keine Besucher im Zoo gestattete? Diese Frage lässt sich nicht beantworten, aber mit großer Wahrscheinlichkeit sind den Tieren die seltsamen Wesen, die nun wieder an den Gehegen vorbeischlendern, ziemlich egal.

Der Kronenkranich aus Ostafrika hatte sich jedenfalls gut frisiert und glänzte in voller Farbenpracht.

Begeistert war ich dann von eigentlich ganz unscheinbaren, kleinen Tieren. Die Frösche machten bereits aus der Ferne durch ihr lautstarkes „Konzert“ auf sich aufmerksam. Und wenn man deren Optik mal ganz bewusst betrachtet, haben sie aus meiner Sicht ein viel zu schlechtes Image.

Zum Abschluss konnten wir noch die Fotoausstellung „Wildlife Photographer Of The Year 2019“ besuchen (https://www.nhm.ac.uk/visit/wpy.html). Diese ist bis zum 07.06.2020 im Pferdemuseum des Zoos zu bewundern. In verschiedenen Kategorien werden die 100 preisgekrönten Naturfotos präsentiert. Für jeden Liebhaber der Fotografie ist diese Ausstellung nur zu empfehlen.

Beethoven, Herr Linsin und ich

Neulich beteiligte ich mich an einer Foto-Challenge der VHS Rheinfelden mit dem sperrigen Thema:
«Was mich angeht, ja du lieber Himmel, mein Reich ist in der Luft wie der Wind oft, so wirbeln die Töne, so oft wirbelt’s auch in der Seele»
?!?- Ich verstand nur Bahnhof. Ein zweites Mal lesen, dieses Mal laut, hilft ja bekanntlich, und prompt kam von meiner besseren (und beleseneren) Hälfte die Anmerkung: „Ist von Beethoven!“ Ob er das in der Schnelle im Netz gefunden hat oder wirklich wußte, hat er mir bis heute nicht verraten.

Beethoven bedeutet Musik, und diese in C-Zeiten fotografisch festzuhalten, ist keine leichte Aufgabe. Keine Konzerte, keine Live-Musik, nicht einmal Straßenmusiker.
Spontan entschloss ich mich, mein Glück beim regionalen Musikfachgeschäft zu versuchen.

Glockenspiel vs Schlagzeug

Aus dem Vorsatz, mal schnell ein paar Detailaufnahmen von Gitarre, Klavier & Co zu machen, wurde ein dreistündiger Besuch, bei dem die Fotografie immer mehr in den Hintergrund rückte.

Motive waren reichlich vorhanden, aber das eigentlich Besondere an diesem Nachmittag war die Begegnung mit Herrn Linsin – Instrumentenbauer und Ladenbesitzer von Musik Linsin

Manchmal hat man das Glück, Menschen zu treffen, die einem wohlgesinnt sind und eine große Freude bereiten. An diesem Freitag Nachmittag hatte ich einer dieser wunderbaren Begegnungen.
Trotz einem Berg voller Arbeit ließ es sich der Herr des Hauses nicht nehmen, mich voller Stolz durch sein Geschäft zu führen. Die Leidenschaft, mit der er mir seine Perlen zeigte, berührte mich. Sei es sein selbstgefertigtes Meisterstück, eine aus unendlich vielen Einzelteilen bestehende Klarinette, oder ein neu geliefertes Saxophon der Extraklasse. Man spürte, wieviel Freude ihm seine Arbeit macht, und diese Freude war ansteckend. Nur ab und zu erlaubte ich mir, unsere lockere Plauderei für ein kurzes Foto zu unterbrechen.

Beide mit Mundschutz und auf Abstand, drehte sich der Kern unserer Unterhaltung darum, wie schön und wichtig es ist, eine Arbeit oder ein Hobby mit Freude und Leidenschaft zu betreiben.

Zu meiner Überraschung gab es zum Abschluss noch ein spontanes Saxophonsolo. Die Musik war um Klassen besser als mein Foto 😉 und Beethoven hätte sicher seine Freude daran gehabt.

„Die Kunst? Was ich ohne sie wäre? Ich weiß es nicht. Doch mir graut – seh ich doch was ohne sie Hundert‘ und Tausende sind!“ (Ludwig van Beethoven)

Unterwegs mit dem Teleobjektiv

Unterwegs in der Natur zu sein, gehört für mich definitiv zu den „High Five“ meiner Freizeitbeschäftigungen. Es gibt für mich nichts schöneres als z.B. den Wechsel der Jahreszeiten aktiv mitzukriegen, oder den Wind im Gesicht zu spüren, wenn mal wieder ein wenig strammeres Wetter herrscht.

Zu den Highlights gehören da natürlich auch Tierbeobachtungen. Da ich ja nun auch gerne die Kamera zur Hand nehme, konnte ich nun zwei Hobbys miteinander verbinden. Tiere beobachten und fotografieren.

Ob Makros von Insekten oder eben Aufnahmen von Tieren mit dem Tele. Beides sehr faszinierend, wie ich finde. Es ist fast so, als ob mich das Jagdfieber packt, im übertragenen Sinn natürlich.

Mir macht es Spaß, das Ungesehene sichtbar zu machen. Denn, geben wir es doch zu, oft laufen wir blind durch die Gegend, die Augen vor der Schönheit der Natur verschließend, um zu Hause ankommend sagen zu müssen, es war nur ein Spaziergang und ich habe nichts besonderes gesehen. In unserer hochtechnisierten Zeit, in der das Smartphone zum Lebensinhalt Vieler geworden ist, keine Seltenheit.

Doch es geht auch anders, und das will ich euch heute zeigen.

Ich benutze für meine Ausflüge ein Teleobjektv mit einer Brennweite von 150-600mm, an einer APSC-Spiegelreflexkamera mit 24Mp. Alle Fotos, die ihr hier sehen werdet, sind Freihand aufgenommen.

Wir haben hier das Glück, in einer ländlichen und wunderschönen Gegend wohnen und leben zu dürfen. Da trifft man auch sehr oft, zumindest hier bei uns, diesen Gesellen. Den Rotmilan. Ich liebe Greifvögel schon seit meiner Kindheit, und ihr Ruf sorgt bei mir für Gänsehaut. Besonders die Milane haben mir es angetan. Was für majestätische Vögel. Wenn ihr Ruf ertönt, werde ich ganz hibbelig und suche den Himmel ab, um sie beobachten zu können. Und jetzt haben wir auch noch das Glück, ein Brutpaar zu unseren Nachbarn zählen zu dürfen. Was für ein Dusel für mein Fotografenherz. Also kam „natürlich“ gleich die Kamera zum Einsatz.

Ich könnte ihnen stundenlang zusehen. Für mich der Inbegriff von Freiheit. Was würde ich dafür geben, mir ein Federkleid sprießen lassen zu können, um mich mit ihnen in die Lüfte zu erheben. Jaa das wäre schön. Aber bitte verzeiht, Ich träume schon wieder und schweife ab.

Diese Fotos enstanden an einem Tag, an dem ich gezielt auf Graureiher angesessen bin. Da ich wusste, dass er diesen kleinen Tümpel in schönster Regelmäßigkeit besucht, war die Wartezeit sehr kurz bis zu seinem Erscheinen. Die Bilder des Reihers waren im Kasten, und ich saß noch eine Weile im Schilf, als es über mir laut trötete. Eine Rostgans war im Anflug, und im Gefolge hatte sie ihren Schatten. Eine Mandarinente. Dieses Pärchen sehen wir sehr oft bei uns im Naturschutzgebiet „Heimbachaue“. Keine Ahnung was sie zusammengeführt hat, aber in dieser Konstellation sind sie fast jeden Tag am Teich. „Best friends“, so wie es scheint. Die Natur hat mal wieder für eine Überraschung gesorgt.

Unser Naturschutzgebiet, so klein es ist, bietet viele kleine und manchmal auch größere Wunder der Natur. Man muss nur hinsehen. Mein Fotokamerad und Ich wussten schon länger, dass die Blässhühner am Teich brüten. Es ist faszinierend anzusehen, wie der Partner im Wasser den brütenden Vogel mit Nistmaterial und Fressen versorgt. Ein persönlicher Lieferservice sozusagen. Nicht nur wir Menschen haben sowas. Nein, auch Tiere sind da sehr fortschrittlich. Mit einer Ausnahme vielleicht. Sie verwenden zum Bestellen sicherlich keine App.

Wir waren die letzten Tage oft unten und haben nach dem Rechten gesehen. In Erwartung auf das Kommende. Die Belohnung fürs Warten seht ihr auf dem letzten Bild oben. Drei kleine Punks im Nest. Sind die nicht herzallerliebst?

Diese Fotos entstanden am frühen Morgen. Am Abend waren wir nochmals da, um zu sehen, was sich am Nest tut.

Nicht direkt am Nest, aber am Teich zeigte sich dann ein Besucher, der für unsere kleinen rotköpfigen Punker durchaus zum Problem werden könnte.

Meister Reinecke stattete dem Teich einen Besuch ab.

Wir saßen also am Wasser und sinnierten über unsere Ausrüstung und was wir uns wünschen würden, aber wohl nie in der Hand halten sollten, da unerschwinglich, als der Sohn meines Fotokumpels uns auf diesen Besucher aufmerksam machte. Mit einem Fernglas bewaffnet und auf die Umgebung konzentriert, sah er ihn natürlich zuerst, da die Erwachsenen schwatzten. So viel zum Thema Augen offen halten.

Es war schon sehr aufregend zu beobachten, wie Reinecke Fuchs ums Wasser schlich und die Enten im Auge behielt, um auf den richtigen Moment zum Jagderfolg zu warten. Die Enten mit ihrem Nachwuchs taten ihm den Gefallen aber nicht, und so musste er hungrig, und voller Sehnsucht nach Entenbraten, von dannen ziehen.

Nun, ich geh mal davon aus, dass dieser Besuch nicht sein letzter war und wir ihn eventuell noch mal wiedersehen.

Genauso wenig geh ich davon aus, das wir unseren Freund den Eisvogel zum letzten Mal gesehen haben. Denn die nächste Herausforderung wird uns bevorstehen. Nämlich unseren blauen Kumpel hier, in annehmbarer Schärfe und etwas näher vor die Linse zu bekommen.

Ihr dürft also gespannt sein, wenn es wieder heisst “ Unterwegs mit dem Teleobjektiv“.

Bis dahin, bleibt neugierig und haltet immer schön die Augen offen.

Fremdgärteln

Ich habe soeben ein neues Wort erfunden. Kennt Ihr das vielleicht auch? Man will eine Handlung beschreiben, oder vielleicht auch einen Gegenstand, ein Gefühl, eine Eigenschaft etc., aber irgendwie gibt es dafür noch keinen Begriff. Man überlegt rum und sucht und denkt nach. Und dann plötzlich – plopp! – ist es draußen und in der Welt, das neue Wort. Und ich bin gespannt, wann es erstmals in den Duden aufgenommen wird…

Fremdgärteln jedenfalls ist das, was ich vor zwei Wochen gemacht habe, also Anfang Mai. Nicht fremdgärtnern, wohlgemerkt. Ich war im Garten bei anderen Leuten zu Besuch und konnte mich dort nach Lust und Laune (und unter Berücksichtigung des empfohlenen Abstands zu besagten Leuten, logo) mit meinem Fotoapparat und anderem Equipment verlustieren. Hat Spaß gemacht!

Ich selber habe ja keinen eigenen Garten und bin eigentlich auch ganz allgemein nicht so der passionierte Blümchenfotograf. Nicht, dass ich florale Motive nicht ansprechend finden würde, ganz und gar nicht. Aber mir fehlt vielleicht dafür irgendwie die Geduld oder auch einfach nur der Anlass.

Nicht so vor zwei Wochen! Da hat alles gestimmt: Ich hatte die Zeit und die Muße und keine anderen Verpflichtungen, die Motive waren da, ich wollte mal wieder mein Equipment einsetzen, mit Blitz und Makro herumspielen etc.

Da kam mir so eine dahergelaufene Akelei gerade recht! Sie steht übrigens vor einer Art Hauswand (genauer gesagt: eine weiß gestrichene Seitentür zur Garage), was das Freistellen doch erheblich erleichtert hat.

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Ob das Zusammenspiel von Schärfe und Unschärfe auf den Aufnahmen immer so geglückt ist, weiß ich selber nicht genau. Aber mir kam es auch eher auf die klaren Linien und anderen Formen an, und natürlich auf die tollen Farben dieser Pflanze.

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Aber auch das gute alte Gänseblümchen kam zu Ehren während meiner Foto-Session. Die ewig Schöne (wenn ich Bellis perennis denn richtig übersetze…) ist ein tolles, wenn auch gar nicht unkniffliges Fotomotiv, wie ich finde.

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Und auch wenn Makro und Nahdistanz eine tolle Sache sind – ab und zu (und wenn der Garten groß genug ist) gehe ich auch gerne mal etwas weiter weg und öffne den Blick.

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So wie bei diesem schönen Fliederbusch, der seinen Zenit (also den Höhepunkt der Blüte) gerade ganz knapp überschritten hatte. Den himmlischen Duft in diesem natürlichen Foto-Studio, den müsst Ihr Euch jetzt einfach dazudenken…

Habe ich übrigens schon gebeichtet, dass ich kein Botaniker bin? Nicht nur das, ich bin sogar ausgesprochener botanischer Analphabet. So weiß ich leider partout nicht, wie die folgende Blume heißt:

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Egal, Hauptsache fotogen! Namen sind schließlich eh nur Schall und Rauch. (EDIT: Inzwischen wurde ich von verschiedenen hilfsbereiten Mitmenschen darüber aufgeklärt, dass es sich bei der blauen Schönheit um eine Kornblume handelt. Danke!)

Natürlich macht einem die Gute mit ihren spidderigen, langen, dünnen Blütenblättchen das Scharfstellen und „Komponieren“ des Bildes nicht gerade leicht, aber dann ist das halt so. Das muss man auch mal aushalten können. Und man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben…

Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, fragt sich vielleicht, wann denn wohl die Aufnahmen mit dem Blitzgerät kommen.

Die Antwort: genau jetzt!

So eine „Pusteblume“ ist doch ein ausgesprochen reizvolles Motiv – zumal dann, wenn sich noch ein paar kleine Wassertröpfchen in ihrer Frisur verfangen haben. Das war übrigens nicht ich mit der Sprühflasche, sondern Mutter Natur, die ein paar Stunden zuvor noch einige Regentropfen vom Himmel geschickt hatte. Und durch das sparsam dosierte Blitzlicht treten die feinen Strukturen noch sichtbarer hervor (das war jedenfalls der Plan).

Den Abschluss meiner Blumensequenz bilden ein paar Aufnahmen, die ich in einem kleinen Bestand von Vergissmeinnicht machen konnte. Auch hier fand ich zum einen das Farbenspiel sehr ansprechend, und zum anderen die unterschiedlichen Formen, die sich auf kleinem Raum begegnen.

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Man merkt sofort, ich bin ein Freund der selektiven Schärfe. Und das Gute ist ja: wenn man so nah dran ist am Objekt der Begierde, und dann auch noch einen großen Sensor unter der Haube hat, dann stehen einem in punkto Schärfeverlauf und gewollter Unschärfe alle Möglichkeiten offen.

Bei der letzten Aufnahme wünschte ich mir im Nachhinein, ich hätte den Bildausschnitt ein Ideechen nach rechts verschoben, um alle Blüten komplett drauf zu haben und nicht angeschnitten. Aber zum einen ist man nachher immer schlauer, und zum anderen habe ich so ganz elegant einen Vorwand, um demnächst mal wieder fremdgärteln zu gehen!

Sankt Peter-Ording menschenleer

Sankt Peter-Ording – liebevoll auch SPO genannt – zählt wohl ohne Zweifel zu den touristischen Hotspots an der Nordseeküste. Zwischen Ostern- und Herbstferien tummeln sich Touristen an der Promenade, am Strand, im Westküstenpark, in den Gaststätten, Schwimmbad, Hotels usw… .

Bis zur letzen Woche wirkte SPO allerdings wie ein vergessenes trauriges Fleckchen Erde. Keine Touristen – keine Umsätze. Das ist für unsere Region echt bitter. Langsam kommt das Leben aber wieder zurück.

Wer SPO kennt, denkt wohl primär an die Pfahlbauten am weiten Sandstrand; und auch dort zieht es mich immer wieder gerne hin. 

Dort habe ich dann letzte Woche die Ruhe und wunderschöne Lichtstimmung genossen und nun folgende Aufnahmen gemacht.

Viel Spaß mit den Bildern und liebe Grüße aus dem Norden.

Michael Hoff

http://www.michaelhoff.de





Beste Unterhaltung

Was ist gute Unterhaltung? Auf diese schon fast philosophische Frage gibt es unzählige Antworten. Ein gutes Buch, ein spannender Film oder ein Musikkonzert ist nur eine kleine Auswahl.

Für mich zählen Tierbeobachtungen ganz klar auch dazu. Sei es der eigene Hund, die Kühe und der Esel auf der Nachbarwiese oder, wie in der folgenden Geschichte, humorvolle Begegnungen mit der Vogelwelt.

Ich hatte das unglaubliche Fotografenglück, auf diese kleine Gänsesägerfamilie zu treffen. Junge Küken sind sowieso immer der Hingucker, aber was sich hier auf dem Wasser abspielte, war beste Unterhaltung. Es war fast wie im „richtigen“ Leben. Das Mama-Taxi war der Renner. Huckepack, am liebsten alle zusammen.

Wenn es der Entenmutter zu viel wurde, tauchte sie ab, schwamm ein paar Meter, um ohne Küken wieder aufzutauchen.

Die flauschig weichen Körper und die tapsigen Bewegungen erinnerten mich an junge Pinguine.

Ich konnte mich an dem tierischen Kindergarten gar nicht satt sehen. Ein Gewusel, ein hin und her und eine souveräne Entenmutter, die immer alles im Blick hatte.

Als ich nach zwei Stunden und über 500 Fotos die Kamera einpacken wollte, wirkte dies wie ein Signal. Als würde die ganze Show ohne Publikum keinen Spaß mehr machen, suchte sich die Entenmutter einen Stein mitten im Fluß und versammelte alle Kleinen unter sich. Ihr habt richtig gelesen. Alle! 11 Küken kuschelten sich unter den Körper der Mama, und plötzlich war alles ruhig.

Das war der richtige Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen und glücklich und bestens unterhalten nach Hause zu gehen.