Nebelwelten 2

Es war wieder einer der Tage, an denen es sehr vielversprechend aussah, um in meinem geliebten Schwarzald ein paar tolle Nebelfotos aufzunehmen.

Daher verabredete ich mich mit einem Kollegen, und wir fuhren in aller Hergottsfrühe zur Schwarzwaldhochstrasse, auf einen meiner Hausberge: den Schliffkopf im Nationalparkgebiet Nordschwarzwald. Wir waren zeitig oben, da wir doch einige Fotos vom Sonnenaufgang erwischen wollten. Hat man Glück und es ist klare Sicht, blickt man auf die Wälder des Schwarzwaldes und auf ein atemberaubendes Alpenpanorama. Das, gepaart mit dem goldenen Licht des Sonnenaufgangs, lässt einen die frühe Stunde und den kalten Wind schnell vergessen. Einfach nur schön.

Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Die Sicht war leider etwas dunstig und der Sonnenaufgang nicht ganz so spektakulär wie erhofft. Der Himmel zeigte zwar ein warmes Orange, aber die Alpen zeichneten sich im Dunst nicht ganz so klar ab, wie wir es eigentlich ersehnten. Fotografenalltag.

Wir machten dann noch das ein oder andere Foto, und trollten uns dann nach Hause.

Zuhause angekommen, ärgerte ich mich schon ein wenig, naja zugegeben, ein wenig mehr war es dann doch. Denn wie ihr auf dem Bild mit dem Sonnenstern sehen könnt, ist da genau das zu sehen, was ich mir ausgemalt hatte. Das Nebelmeer über dem Rheintal. Es herrschte Inversionswetterlage.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich beschloss also, noch mal loszuziehen und mein Glück ein zweites Mal zu versuchen. Irgendwas kratzte gewaltig an meiner Fotografenehre. Nun wollte ich das Licht kurz vor Sonnenuntergang nutzen. Die Hoffnung auf ein paar tolle Bilder ließ mich einfach noch nicht los.

Ich machte mich also wieder auf die Socken und hoffte auf eine nicht allzu lange Suche nach einem Parkplatz, denn es war Wochenende und das Wetter wie im Bilderbuch. Also war mit vielen Menschen zu rechnen. Allen Sorgen zum Trotz hatte ich richtig Glück. Ich fand schnell ein Plätzchen für meine kleine Rennsemmel und konnte mich somit zügig und auch ungeduldig auf den Weg zum Aussichtspunkt machen.

Was sich mir dann bot, als ich an meiner Lieblingsausguckstelle ankam, verschlug mir fast den Atem. Ich hatte ja schon oft dieses Scenario vor Augen, aber dieses mal war es besonders. Besonders hinreißend.

Es ging ein strammer Wind, der den Nebel unter mir aufwühlte. Es bildeten sich Wellen, die sich an den Hügeln brachen, einem Meer im Sturm gleich. Die Lichtreflexe in den Schleiern waren fantastisch anzusehen, und ich konnte den Blick kaum davon abwenden, so gefangen war ich von der unfassbar bezaubernden Stimmung, die mir das Nebelmeer darbot. Mein Fotografenherz schlug höher, und der Auslöser ratterte in wahnwitzger Geschwindigkeit.

Ein klein wenig kitzelte mich das schlechte Gewissen, denn die, die dort unten lebten, fanden es sicher nicht so entzückend wie ich, aber hier oben war es halt einfach umwerfend schön.

Der Tag wurde abgerundet, als auch noch ein Fotokollege auftauchte, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte, und so ging der Abend mit tollen Eindrücken und nettem Smalltalk zu Ende. Meine Fotografenehre war wieder hergestellt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit, lasst euch nicht unterkriegen, bleibt gesund und vor allem immer schön neugierig.

Ihr seht, der Schwarzwald bietet oft unglaublich schöne Ansichten. Ein Besuch lohnt sich daher immer und zu jeder Jahreszeit. Naja, vielleicht nicht, wenn es schüttet wie aus Eimern, aber sonst schon.

Last Christmas

Während sich die Welt um uns herum permanent verändert, ist die Weihnachtszeit normalerweise eine Zeit der Rituale und der Beständigkeit. Selbst Weihnachtsmuffel summen mit, wenn Last Christmas in einer Endlosschleife im Radio dudelt, und Klassiker wie Der kleine Lord gehören für viele zur Adventszeit dazu, wie die Linzertorte nach Omas altem Rezeptbuch.

Nun macht ein Virus auch vor Traditionen nicht halt, und so finden Weihnachtsfeiern dieses Jahr, wenn überhaupt, nur online statt, und alle Weihnachtsmärkte wurden abgesagt.
In „normalen“ Zeiten wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Beitrag über einen Weihnachtsmarkt zu schreiben, aber diese Adventszeit ist leider weit von jeder Normalität entfernt.

So lade ich euch ein, mit mir (wenn auch nur digital) über einen Weihnachtsmarkt zu bummeln.

Wir besuchen zusammen einen kleinen historischen Weihnachtsmarkt im Elsaß. Normalerweise bin ich kein Freund von Weihnachtsmärkten. Zu viele Menschen auf engstem Raum, und an den Verkaufsständen gibt es nur Essen oder Kitsch. Eine weihnachtliche Stimmung kommt bei mir da selten auf.

Bei diesem historischen Weihnachtsmarkt ist das anders. Die Buden sind mit viel Liebe zauberhaft dekoriert, und die Standbetreiber kleiden sich im Stil des 17. Jahrhunderts.

Fühlt ihr euch auch in eine andere Zeit versetzt? Ich komme mir vor wie bei Drei Nüsse für Aschenbrödel, es fehlen nur noch die böse Stiefmutter und der schöne Prinz 😉

An jedem Stand wird altes Handwerk gezeigt, und die Produkte, die man kaufen kann, entsprechen sicher nicht den heutigen Ansprüchen eines Weihnachtsgeschenkes. Sie sind weder WLAN- tauglich noch mit einem angebissenen Apfel geschmückt. Äpfel gibt es nur in flüssiger Form und diese wurde mit Muskelkraft hergestellt. Lecker!

Das Licht ist wunderbar warm und weich. Es ist kalt und es weht eine steife Brise. Aber es herrscht eine fröhliche, fast ausgelassene Stimmung.

Überall wird gewerkelt, gehäkelt, geschmiedet und gegessen. In der Luft liegt der Duft von Holz, Stroh und Bratwurst.

Dieser Fotoausflug liegt nun zwei Jahre zurück, und ich besuchte den Weihnachtsmarkt im Zusammenhang einer Veranstaltung der VHS Rheinfelden. Die Bilder habe ich bewusst in einem warmen Ton und etwas „verschwommen“ bearbeitet. Das ist sicher Geschmacksache, aber für mich verstärkt sich dadurch die fast märchenhafte Stimmung.

Hoffen wir alle, dass Besuche solcher Veranstaltungen nächstes Jahr wieder möglich sind. (Da akzeptiere ich auch den dazugehörenden Kitsch 😉 )

Ich wünsche euch gesunde und schöne Weihnachten!

Auf dem schwarzen Eis

Mich hat die „Liebe zum Detail“ zur Makrofotografie gebracht. Sie eröffnet Welten, die wir normalerweise nicht wahrnehmen oder sehen können. Die Makrofotografie bringt kleine Dinge gross raus. Die extrem geringe Schärfentiefe lädt ausserdem zum Experimentieren ein – man kann Hintergründe ausblenden und Motive formatfüllend aufnehmen. Das Resultat ist nicht selten eine Abstraktion, wie ein Kunstwerk.


Wer Makrofotografie hört, mag zuerst an Frühling denken: Blümchen und Insekten. Doch die Makrofotografie hat immer Saison! Anders als andere Themenbereiche der Fotografie ist sie weder an spezielle Motive, noch Jahreszeiten gebunden. Ganz im Gegenteil: Sujets finden sich immer und überall. Im kühlen, farbarmen Winter gibt es zum Beispiel kaum etwas Schöneres, als nach dem ersten Frost mit der Kamera auf Streifzug zu gehen. Einfach unglaublich, was die Natur bei Minusgraden und Nebel alles zaubern kann.

Nicht nur der Nebel hinterlässt Spuren, welche wir nicht schöner machen könnten. Wenn es längere Zeit klirrend kalt ist und Frau Holle keine Kissen schüttelt, gefrieren die Gewässer und man sieht auf den dunklen Seegrund. Wenn die Seen gefrieren und sich das sogenannte Schwarzeis bildet, gibt es für mich kein Halten. Leider ist dieses Phänomen in den Bergen nicht so häufig, um so aufgeregter war ich, als ich hörte, dass die Engadiner Seen schwarzgefroren sind. Ich habe buchstäblich alles stehen und liegen gelassen und bin mit Sack und Pack für drei Tage ins Engadin gefahren.

Nach der knapp dreistündigen Fahrt bin ich im Oberengadin angekommen. Noch bevor ich zu meiner Unterkunft fuhr, bin ich den grossen Engadiner Seen entlang gefahren und habe nach möglichen Fotospots Ausschau gehalten. Ich wollte auf Nummer sicher gehen, dass dort wo ich auf das Eis gehe, die Eisschicht auch wirklich dick genug ist. Nachdem ich mich mit einem Einheimischen unterhielt, der gerade seine Enkelin im Schlitten über den See zog, wich meine Unsicherheit und ich freute mich auf die kommenden Ausflüge. Endlich wieder einmal auf einem zugefrorenen See nach einmaligen Fotosujets suchen.

Wunderbares Licht auf dem gefrorenen Champferersee nach Sonnenuntergang.
Hunderte von gefrorenen „Augen“ schauten mich an!

Spätestens als ich das erste Mal, vor fünf Jahren, auf dem schwarzgefrorenen Oeschienensee im Berner Oberland stand, wusste ich, dass ich nicht zum letzten Mal über einen gefrorenen See gelaufen bin.

Es ist etwas vom Eindrücklichsten, was ich bisher gemacht habe. Die ersten vorsichtigen Schritte, obwohl für die Öffentlichkeit freigegeben, traute ich dem Eis nicht wirklich, waren sehr ungewohnt und mit viel Respekt setzte ich einen Fuss vor den anderen! Immer wieder stehenbleiben, dem ungewohntem Singen und Knacken des Sees lauschen und weiter Richtung Mitte laufen. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl über das Eis zu laufen, zu wissen, dass unter einem ein tiefer See liegt und ich nicht einsinke. Das Eis wirkt transparent und man hat das Gefühl, dass man über eine Glasplatte läuft. Es hat durchaus etwas Unwirkliches.

Es war sehr früh am Morgen, und es hatte kaum Leute auf dem Eis. Ich lief über das noch intakte, kaum zerkratzte Eis. Zum Teil sah man auf den Grund und es huschte auch schon mal ein Fisch vorbei. Die wieder zugefrorenen Risse im Eis gaben sehr spannende grafische Muster. Man entdeckt immer wieder neue Strukturen und Formationen, so dass sich die Speicherkarte recht schnell füllte – aber natürlich hatte ich genügend Reserve dabei!

Eiszeit in Manhattan
Erste Spuren auf dem Schwarzeis

Am interessantesten fand ich die gefrorenen Luftblasen, welche gefangen im Eis tolle Formationen zeigen und jedes Fotografenherz höher schlagen lässt. Mit etwas Fantasie sieht man allerlei Gestalten und Figuren – schockgefroren im Eis, können sie nicht mehr entweichen und harren aus, bis es wieder wärmer wird! 

Happy im Land der 1000 Bubbles!

Spätestens wenn die Schlittschuhläufer das Eis unsicher machen, ist die ganze Pracht jedoch vorbei.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, dieser junge Schlittschuhläufer war einer der Ersten auf dem Eis.

Ich verbrachte den ganzen Tag auf dem Eis, habe immer wieder nach weiteren spannenden Sujets Ausschau gehalten. Zwischendurch habe ich mich kurz im Bergrestaurant aufgewärmt, um dann gleich wieder auf dem Eis zu stehen oder noch besser zu liegen! Manchmal war ich so überwältigt, dass ich nicht wusste wo hinsehen und was fotografieren.

Selbst als am späten Nachmittag die Ausflügler wieder nach Hause gingen, musste ich ein weiteres Mal in die Mitte des Sees laufen und erhaschte noch einen intakten Eiskristall, kaum grösser als ein Zentimeter. Ich lag bäuchlings auf dem Eis, unter mir der singende See, und dieser zerbrechliche Eiskristall im Sucher. Die letzten Sonnenstrahlen leuchteten auf die Bergspitzen und es scheint, als ob dieser Kristall noch ein goldenes Bad nimmt. Ein wunderbarer Abschluss eines ganz speziellen Tages.

50 Shades of zauberhaftes Rosa

Wenn man weder das Buch gelesen noch den Film gesehen hat (oder waren es gar mehrere?), und zu beidem auch nicht die geringste Lust – dann sollte man von riskanten Wortspielen vielleicht lieber absehen… Aber nun ist es zu spät. Und das eigentliche Ziel, nämlich die Aufmerksamkeit der geneigten Leser*innenschaft zu erlangen, das habe ich ja hoffentlich so oder so erreicht. Rosa also.

Es geht um den Flamingo. Genauer gesagt, den Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus).

Nie war ein Name treffender!

Nun ist es ja so, dass mich Vögel sowieso völlig faszinieren und ich ihnen folgerichtig einen nicht geringen Teil meiner Lebenszeit und -energie widme. Aber selbst auf diesem hohen Begeisterungspegel gibt es noch Differenzierungen in der Art, dass mich manche Vögel nochmal mehr berühren als andere. Und zu dieser kleinen Elite gehört zweifellos der Flamingo.

Worin liegt für mich seine Faszination? Singt er denn lieblich und melodiös? Nein! Entspricht er den gängigen optischen Schönheitsidealen? Gewiss nicht. Aber dann ist er sicherlich ausgewogen proportioniert? Ganz im Gegenteil. Hat ihn Mutter Natur wenigstens gemäß dem Kindchenschema mit kuschligem Fell und riesigen Kulleraugen ausgestattet? Ähm, das dürft Ihr gerne selber beurteilen…

Ich denke, diese Frage wäre dann auch geklärt. Und zwar negativ. Also muss ich wohl anders an die Sache rangehen.

Der Flamingo (hier, wie gesagt, der Rosaflamingo, aber das gilt sicher auch für die Handvoll anderer Arten, die es weltweit gibt), er ist ein ganz skurriles Geschöpf. Zumindest vom Aussehen. Diese geradezu grotesk langen Beine und der dünne Hals, die an den kleinen Körper wie dranmontiert zu sein scheinen. Der lange, gebogene, unproportionierte Schnabel. Das kleine gelbe Reptilienauge. Und doch, und doch…

Grazil sind sie ja schon, wie sie da so durchs flache Wasser schreiten und den Hals auf anmutigste Weise verbiegen. Oder wenn sie auf ihren weit ausgebreiteten, riesigen Schwingen durch die Luft gleiten – das sieht absolut majestätisch und würdevoll aus.

Mir scheint, wir kommen der Sache nun immer näher. Flamingos sind sehr spezielle Geschöpfe, und eben auch auf eine spezielle Art wunderschön.

Dabei bin ich auf einen Punkt noch gar nicht zu sprechen gekommen, der aber ganz wesentlich ist. Ihr Lebensraum. Die Landschaft, die sie bewohnen, die ihr Zuhause ist.

Natürlich kann man Flamingos in Zoos besuchen und bestaunen. Aber ihr wahrer Zauber, so empfinde ich es, entfaltet sich erst im Zusammenspiel mit ihrem natürlichen Habitat. Und das hat es in sich!

Sämtliche Fotos, die hier gezeigt werden, sind in der berühmten Camargue entstanden, dem großen Feuchtgebiet ganz im Süden Frankreichs, unmittelbar an der Mittelmeerküste. Die Landschaft hier ist sehr karg und rauh: Der kalte Mistral fegt an vielen Tagen im Jahr über die Ebene, das Wasser ist salzig, es wächst kaum ein Baum oder Strauch – hier können wahrlich nur hartgesottene Tiere und Pflanzen dauerhaft ein Auskommen finden.

Aber genau an diesen Lebensraum haben sich die Flamingos eben perfekt angepasst, hier sind sie wahrlich in ihrem Element. Auf ihren stelzenartigen Beinen waten sie durchs Wasser, während sie den Hals nach unten biegen, um ganz bequem kopfüber mit ihrem riesigen Schnabel durch das schlammig-trübe Wasser zu seihen und kleines Getier herauszufiltern.

Daher rührt übrigens auch die rosa Färbung: Im salzigen Wasser gedeihen nämlich bestimmte Algen und andere Organismen, die sogenannte Carotinoide produzieren. Sie bilden die Nahrung von kleinen Lebewesen im Wasser, zum Beispiel Krebsen. Diese wiederum stehen auf dem Speiseplan der Flamingos ganz oben. Und wenn nun die Carotinoide am Ende der Nahrungskette im Körper des Vogels angekommen sind, werden sie dort in pinke Farbpigmente umgewandelt. Toll, oder? Alte Vögel sind aus diesem Grund übrigens meistens intensiver gefärbt als jüngere Tiere, denn sie haben in ihrem Leben einfach schon viele, viele Krebse gefuttert.

Aber zurück zur Landschaft: Nicht ohne Grund sind die Flamingos so etwas wie der Wappenvogel der Camargue. Auch für mich stehen sie geradezu emblematisch für diesen rätselhaften Landstrich zwischen Meer und Land und seine karge Schönheit. Sie sind in der Tat nicht bloß typisch, sondern viel mehr als das – ein ganz fester, nicht wegzudenkender Bestandteil dieser Gegend und davon, wie sie auf mich als Betrachter wirkt.

Die Szenerie in dieser Ebene wird ganz stark durch horizontale Linien dominiert, es gibt kaum einmal eine Erhebung oder sonstige vertikale Struktur, die das Flache, Liegende optisch durchbrechen könnte. Umso markanter, ja prägender ist dann die aufrechte Statur der Flamingos.

.

Aber damit nicht genug: Sie können ja auch hervorragend fliegen und tun das auch immer wieder gerne. Das sieht dann noch einmal auf andere Art phänomenal aus. Der klare Himmel, der sich über das Land wölbt, ist mit einem Mal von riesigen Vögeln bevölkert, die wie an einer Schnur gezogen durch die Lüfte schweben – passenderweise oftmals morgens oder abends in der Dämmerung.

Für mich ist kaum ein stimmungsvollerer Anblick vorstellbar.

Während ich diese Zeilen schreibe, verspüre ich doch eine gehörige Portion Sehnsucht nach der Camargue und ihren pinken Bewohnern. Möge es bald wieder möglich sein, ihnen allen einen Besuch abzustatten! Bis es soweit ist, schwelge ich in Erinnerungen, betrachte Fotos, schreibe Blogartikel – und schmiede erste zaghafte Reisepläne…


PS: Eine Frage an die geneigte Leser*innenschaft: Ist meine Faszination für Flamingos denn irgendwie nachvollziehbar? Oder haltet Ihr das für (etwas) durchgeknallt? Und falls Ihr auch einen „soft spot“ für das liebe Federvieh habt: Was sind Eure Lieblingsvögel, wenn ich fragen darf?

Vielfalt Aletsch – Teil 3

Es gibt kein schlechtes Wetter – nur falsche Kleidung! Hundebesitzer und Fotografen kennen diese ziemlich abgedroschene Redewendung nur zu gut. Das eigentliche Problem ist aber selten unpassende Kleidung, sondern eher der innere Schweinehund, welcher viel lieber gemütlich zu Hause bleiben würde.

Aber was bedeutet überhaupt „schlechtes Wetter“? Im Zusammenhang mit meinem Hobby verbinde ich damit eher die gleißende Sommersonne als den Regen. Da ein wolkenloser, blauer Himmel auf Fotos ziemlich unspektakulär ist, fand ich das, was Petrus uns am dritten Tag unserer Aletsch-Reise geboten hat, viel spannender – Dauerregen, Nebel, Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee!

.

Ich selbst halte mich eigentlich für ziemlich wetterfest, aber auch ich hatte an diesem Tag, nach stundenlangem Regen, irgendwann die Nase voll, und meine Kreativität und Laune sank rapide. Alles war klatschnass, die Hände und Füße eiskalt und da freute ich mich nur noch auf trockene Kleidung und eine schöne Tasse Kaffee. Auch meine Mitstreiter hatten ihre Siebensachen längst eingepackt und waren schon auf dem Weg Richtung Hotel (oder eher Richtung leckerem Birnen-Walnuss-Kuchen 😉 )

Aber dann … die erste Schneeflocke, die zweite….

.

Aus den einzelnen Flocken wurde dichter Schneefall, und schnell waren meine müden Beine und kalten Finger vergessen. Juhu! Ich konnte mein Glück kaum fassen – Schneefall im herbstbunten Aletschwald!

.

Zum Glücksgefühl mischte sich aber auch ein Hauch Unsicherheit. Ich bin von Natur aus kein ängstlicher Mensch, aber meine innere Stimme (und mein leerer Handy-Akku) ermahnten mich, hier nicht alleine zurück zu bleiben, sondern mich schnurstracks auf den Rückweg zu machen. Ich wollte schon zusammenpacken, da hörte ich eine bekannte Stimme rufen: „Hallo Steffi, Du bist ja auch noch da!“

.

Sebastian stand da, triefte genau so vor Nässe wie ich, und wir grinsten uns an. Beide waren wir uns einig, so eine Show können wir uns nicht entgehen lassen! Auch wenn meine Fotoausbeute an diesem Nachmittag eher bescheiden war, hatte ich selten so viel Spaß. (Auch wenn man mir dies vielleicht nicht ansieht 😉 )

.

Nach etwas über einer Stunde ließ der Schneefall nach und Nebel zog auf. Die Landschaft hatte plötzlich einen neuen Zauber, aber die Akkus (unsere und die der Kameras) waren leer, und es war Zeit aufzubrechen.

Dieser Nachmittag war mein persönliches Reisehighlight. Diese Stimmung und auch das Wetter vergisst man nicht so schnell, einen Sommertag mit wolkenlosem, blauem Himmel schon eher.

Sebastians Eindrücke und seine Umsetzung in Schwarzweiß findet ihr in seinem Beitrag Vielfalt Aletsch – Teil 2 .


Selbstzweifel und mein Weg zur „Heimatfotogräfin“

Wenn du zweifelst, schau nicht zur Bergspitze.
Schau ins Tal um zu sehen, was du schon alles geschafft hast.
(Christian Bischoff)

Vielleicht ist es hier auf unserem Blog mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass ich eine sehr emotionale und sensible Schreiberin bin. Anhand von meinen vorherigen Blogeinträgen lässt sich dies andernfalls vielleicht nachvollziehen. Ich habe mich deshalb dazu entschieden, euch von meinem Weg zur „Heimatfotogräfin“ zu berichten. Auch möchte ich auf diese Weise mit dem Beitrag klären, dass mir bei meinem Namen kein Schreibfehler unterlaufen ist (wurde tatsächlich schon öfters darauf aufmerksam gemacht:-)).  

Bevor ich drei Jahre zuvor meinen Mut fasste, einen eigenen Instagram-Account mit der „Heimatfotogräfin“ online zu stellen, zogen noch einige Monate ins Land. Der Grund dahinter? Selbstzweifel und ständig mit den Gedanken bei anderen. Was werden Bekannte wohl darüber denken? „Übertreibt sie nun völlig mit ihrer Selbstdarstellung? Die Bilder sind absolut langweilig und nicht der Rede wert!“ Diese und ähnliche Gedanken schwirrten mir im Kopf.

Als ich meine Selbstzweifel damals einem sehr guten Freund erzählte, konnte er es nicht nachvollziehen. Mit seinen aufmunternden Worten „Du bist die Gräfin unter den Fotografinnen“ saßen wir lachend beieinander. Die „Heimatfotogräfin“ wurde in diesem Moment also ins Leben gerufen und löste in mir sämtliche Emotionen aus: Heimatfotogräfin – nicht nur ein Name für meinen Account, sondern ein großer positiver Schritt für all meine bisherigen Selbstzweifel und Unsicherheiten.  Ihr wundert euch nun, weshalb es denn überhaupt Mut benötigt, seine eigenen Bilder online zu stellen? Für mich sind es nicht nur irgendwelche Bilder, sondern jedes einzelne Bild eine Herzensangelegenheit, eine Geschichte dahinter und ein Moment für die Ewigkeit.

Meiner Meinung nach ist eine Veröffentlichung von Bildern, Videos, Texten oder derart ähnlichem etwas sehr Emotionales. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir meine Kollegen/in hier auf unserem Blog diesbezüglich zustimmen. Mit meinen Aufnahmen möchte ich das Schöne im Leben widerspiegeln und euch die Welt durch meine Augen sehen lassen:

Nachdem ich nun voller Aufregung, begleitet von Unsicherheit und Vorfreude meinen Account ins Leben gerufen und erste Beiträge online gestellt hatte, wurde ich positiv überrascht. Die tollen Rückmeldungen, die lieben Kommentare, Nachrichten und all die schönen Begegnungen/Kontakte ließen meine Selbstzweifel ganz klein werden.

Heute, drei Jahre später, bin ich so unendlich dankbar und stolz, dass ich mich damals zu diesem Schritt ermutigen konnte. Was ich euch damit sagen möchte? Hört auf euer Herz, geht eurer Leidenschaft nach und steht vor allem zu euch selbst! All dies gelingt mir natürlich auch nicht täglich, aber sobald der „kleine Zweifler“ in mir wieder aufkommt, denke ich an all die schönen Momente. Es gibt schließlich schon bei jedem von uns genug Kritiker und Nörgler im allgemeinen Alltagswahnsinn, da müsst ihr nicht noch an euch selbst zweifeln…

Ach und natürlich eins noch: Ich danke euch von ganzem Herzen für all eure tatkräftige Unterstützung, welche mich noch mehr motiviert, meinem Herzen weiter zu folgen und der Leidenschaft nachzugehen!

sogesehen – Monatsfoto Dezember

Was haben der Schwarzwald und das Meer gemeinsam? Nun, auf den ersten Blick natürlich nichts, aber auf den zweiten Blick, bei einer bestimmten Wetterlage, kann man unseren Wald schon mit der stürmischen See vergleichen. Besonders dann, wenn der Wind zulegt und das Nebelmeer aufwirbelt, so dass es aussieht, als ob sich die Wellen auf hoher See brechen, wenn der Sturm das Wasser zum Tosen bringt.

Solch eine Wetterlage herrschte die letzten Tage. Die sogenannte Inversion. Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich bei Inversion ganz elektrisch werde. Ich liebe den Nebel, der sich dabei in den Tälern bildet, wenn es aussieht, als ob unter mir ein weißes Meer wogt und sich die Nebelwellen an den Baumwipfeln brechen. Dann, genau dann muss ich mit meiner Kamera los, um zu fotografieren. Meistens kurz vor oder zum Sonnenuntergang, denn dann bringt die Sonne den Nebel zum Leuchten und seine Strukturen formen sich aus dem weißen Dunst. Es entstehen dabei zauberhafte Gebilde, die es gilt auf Foto festzuhalten. Jedes mal ein atemberaubendes Erlebnis.

Solltet ihr einmal die Gelegenheit haben, den Schwarzwald bei diesem Wetter besuchen zu können, geht auf die Höhenzüge und bestaunt das Nebelmeer, ich bin mir sicher dieser Moment wird euch genauso verzaubern wie mich.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit, bleibt gesund und vor allem, neugierig.


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Emsauen

Eigentlich wären wir in dieser Woche auf Borkum gewesen, zum Abschalten und Runterfahren, wie jedes Jahr. Ich liebe diese Jahreszeit, da man in der Nebensaison die Ruhe und Natur genießen kann.

Leider fällt der Urlaub in diesem Jahr aus bekannten Gründen aus. Wir hätten zwar auf die Malediven fliegen können, aber Borkum ist verboten. Nun ja, wir tun ja alles, um uns und unsere Mitmenschen zu schützen.

Und warum dann nicht vor der Haustüre entspannen? Heute Morgen sind wir für unsere Verhältnisse früh Richtung Emsauen aufgebrochen. Ziel war es, den Sonnenaufgang in einem in Nebelschwaden eingehüllten Naturschutzgebiet zu erleben.

Nun weiß jeder Fotograf, dass man das Wetter nicht planen kann. Der Nebel war zwar da, aber nicht in der Ausprägung, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Und die Sonne ließ sich entgegen der Wettervorhersage gar nicht sehen. Dennoch möchte ich gerne ein paar Impressionen mit Euch teilen.

Auch in dieser grauen Jahreszeit lassen sich immer wieder ein paar Farbtupfer in der Natur entdecken. Das Wetter spielt dabei gar keine große Rolle.

Es war jedenfalls ein entspannter Start in den Tag. Und bestimmt scheint demnächst auch wieder die Sonne…

Stille.

Still ist es geworden. Damit meine ich nicht den Übergang in die leise Jahreszeit, sondern das Schweigen auf den Theater- und Musikbühnen, das Verstummen einer ganzen Branche.
Vielleicht ist Kunst und Kultur nicht systemrelevant, aber wenn sie fehlt, ist das Leben um vieles ärmer. Mir fehlt der Besuch einer Ausstellung und das Erlebnis, die Werke aus der Nähe betrachten zu können. Ich vermisse die kleinen, feinen Hautnah- Konzerte, die netten Gespräche im Nachgang und das tiefe Gefühl von Freude, von dem ich noch lange zehre.
Kunst und Kultur sind nicht nur zur Unterhaltung da, sie wecken Gefühle, erweitern den Horizont, regen zum Nachdenken an und stellen manchmal auch kritische Fragen.

Bald ist Weihnachten! Auch wir, das schweigende Publikum, haben es in der Hand, kulturelle Vielfalt zu unterstützen und somit bewahren zu können.

Das Beitragsbild zeigt die Band des Liedermachers, musikalischen Geschichtenerzählers und Dokumentarfotografen Felix Meyer bei einem Konzert im Eisenwarengeschäft Luitpold Bauer in Freiburg.

Vielfalt Aletsch – Teil 2

Hü oder hott. Top oder Flop. Links oder rechts. Sekt oder Selters. Messi oder Ronaldo. Bayern oder Dortmund. Baden oder Schwaben. Beatles oder Stones. Bush oder Gore.

Ist es nicht so, dass sich letztlich alle wichtigen Aspekte des Lebens auf ein Gegensatzpaar reduzieren lassen? Aber was heißt hier „lassen“ – sie tun es einfach, ob wir das nun wollen oder nicht.

Da, es geht gerade so weiter: Gewollt oder ungewollt. Aktiv oder passiv. Direkt oder indirekt. Ja oder nein.

Das verhält sich bei der wichtigsten Sache der Welt kein bisschen anders. Auch hier gibt es eine ganz zentrale Dichotomie, die allem zugrunde liegt. Die Rede ist natürlich von der Fotografie. Und nein, ich meine jetzt nicht die Frage „analog oder digital?“, sondern etwas viel wesentlicheres, nämlich:

FARBE oder SCHWARZ-WEISS?

Knifflig, oder?

Ich bin selber oftmals unschlüssig hinsichtlich meiner bevorzugten Variante. Fakt ist, dass die unmittelbare Wirkung der Aufnahmen ziemlich verschieden ist, je nachdem, ob das gesamte Farbspektrum zur Anwendung kommt oder ob Monochromie herrscht. „Weniger ist mehr“ ist ein Grundsatz, der aus meiner Sicht definitiv auch gilt. Farben lenken eben doch immer auch ab, und in ihrer Abwesenheit (von Schwarz einmal abgesehen) bekommen andere Aspekte einer Fotografie relativ gesehen deutlich mehr Gewicht: insbesondere Formen und Strukturen, aber auch die Hell-Dunkel-Verteilung im Bild.

Alle Aufnahmen in diesem Artikel sind übrigens während einer herbstlichen Foto-Reise ins hochalpine Aletschgebiet entstanden. Für einen Überblick über diese Tour (und schöne Fotos) möge man sich Steffis Einstiegsbeitrag zu Gemüte führen.

Und es ist nach meinem Eindruck gerade diese karge Bergwelt, in der sich bei vielen Motiven die Entscheidung zur Monochromie geradezu aufdrängt.

Manche Bildausschnitte sind schon von sich aus farblich sehr reduziert. Da macht es gar keinen Unterschied, ob man in Graustufen wechselt oder nicht. Paradebeispiel hierfür ist der faszinierende Aletschgletscher. Durch seinen in den letzten Jahrzehnten dramatisch beschleunigten Rückgang legt er Felsstrukturen frei, die sehr kontrastreich und plastisch wirken.

Diese Motive sind für mich übrigens der Beleg dafür, dass man nicht danach fragen sollte, wie eine Szenerie im Moment der Aufnahme „wirklich“, „in echt“ oder „in natura“ ausgesehen hat. Das ist überhaupt nicht zielführend, und zwar aus mindestens zwei Gründen:

Zum einen ist Wahrnehmung (mit dem Sehsinn, aber auch im Gesamtpaket) immer sehr subjektiv, es gibt also kein einziges „echt“. Und zum anderen ist auch eine Schwarz-Weiß-Aufnahme sehr wohl ein Abbild einer in dem Moment vorliegenden Wirklichkeit – sie setzt eben lediglich andere Akzente als eine Farbfotografie.

Interessant wird es, wenn man die karge Gebirgswelt verlässt und in den Aletschwald eintaucht, zumal wenn dort die Nebelschwaden und der Schneeregen regieren.

Auch hier sind Farben wieder nur sehr spärlich vorhanden. Und doch ist der Unterschied zum Graustufenbild erheblich.

Was findet Ihr besser? Oder sind die Varianten einfach nur verschieden? Gerne kommentieren!

Der Schneefall nimmt immer mehr zu, und mit ihm auch der grafische Charakter der Szenerie. (Dasselbe galt übrigens auch für die Wischfrequenz auf der Frontlinse…)

Kontrastreiche Motive eignen sich prinzipiell gut für eine Wiedergabe in Schwarz-Weiß. Da kommt einem der frisch gefallene Schnee doch sehr gelegen, der die Oberlächenstrukturen herauspräpariert!

An einem solchen Ort und zu solch spektakulären Bedingungen, da könnte ich mich stundenlang aufhalten.

Und was ist, wenn man sich partout nicht entscheiden kann, ob nun mit oder ohne Farbe?

Scherz beiseite: Das Thema Monochromie ist mit diesem Artikel natürlich alles andere als erschöpfend abgehandelt. Auf sogesehen haben wir eine ganze Reihe von Beiträgen, die sich dieser Thematik widmen und reichlich Bildmaterial liefern. Bei Interesse einfach mal auf die Kategorie „B/W“ klicken oder das gleichlautende Schlagwort. Viel Spaß!

PS: Nach der Reise ist vor der Reise…