Stille.

Still ist es geworden. Damit meine ich nicht den Übergang in die leise Jahreszeit, sondern das Schweigen auf den Theater- und Musikbühnen, das Verstummen einer ganzen Branche.
Vielleicht ist Kunst und Kultur nicht systemrelevant, aber wenn sie fehlt, ist das Leben um vieles ärmer. Mir fehlt der Besuch einer Ausstellung und das Erlebnis, die Werke aus der Nähe betrachten zu können. Ich vermisse die kleinen, feinen Hautnah- Konzerte, die netten Gespräche im Nachgang und das tiefe Gefühl von Freude, von dem ich noch lange zehre.
Kunst und Kultur sind nicht nur zur Unterhaltung da, sie wecken Gefühle, erweitern den Horizont, regen zum Nachdenken an und stellen manchmal auch kritische Fragen.

Bald ist Weihnachten! Auch wir, das schweigende Publikum, haben es in der Hand, kulturelle Vielfalt zu unterstützen und somit bewahren zu können.

Das Beitragsbild zeigt die Band des Liedermachers, musikalischen Geschichtenerzählers und Dokumentarfotografen Felix Meyer bei einem Konzert im Eisenwarengeschäft Luitpold Bauer in Freiburg.

Vielfalt Aletsch – Teil 2

Hü oder hott. Top oder Flop. Links oder rechts. Sekt oder Selters. Messi oder Ronaldo. Bayern oder Dortmund. Baden oder Schwaben. Beatles oder Stones. Bush oder Gore.

Ist es nicht so, dass sich letztlich alle wichtigen Aspekte des Lebens auf ein Gegensatzpaar reduzieren lassen? Aber was heißt hier „lassen“ – sie tun es einfach, ob wir das nun wollen oder nicht.

Da, es geht gerade so weiter: Gewollt oder ungewollt. Aktiv oder passiv. Direkt oder indirekt. Ja oder nein.

Das verhält sich bei der wichtigsten Sache der Welt kein bisschen anders. Auch hier gibt es eine ganz zentrale Dichotomie, die allem zugrunde liegt. Die Rede ist natürlich von der Fotografie. Und nein, ich meine jetzt nicht die Frage „analog oder digital?“, sondern etwas viel wesentlicheres, nämlich:

FARBE oder SCHWARZ-WEISS?

Knifflig, oder?

Ich bin selber oftmals unschlüssig hinsichtlich meiner bevorzugten Variante. Fakt ist, dass die unmittelbare Wirkung der Aufnahmen ziemlich verschieden ist, je nachdem, ob das gesamte Farbspektrum zur Anwendung kommt oder ob Monochromie herrscht. „Weniger ist mehr“ ist ein Grundsatz, der aus meiner Sicht definitiv auch gilt. Farben lenken eben doch immer auch ab, und in ihrer Abwesenheit (von Schwarz einmal abgesehen) bekommen andere Aspekte einer Fotografie relativ gesehen deutlich mehr Gewicht: insbesondere Formen und Strukturen, aber auch die Hell-Dunkel-Verteilung im Bild.

Alle Aufnahmen in diesem Artikel sind übrigens während einer herbstlichen Foto-Reise ins hochalpine Aletschgebiet entstanden. Für einen Überblick über diese Tour (und schöne Fotos) möge man sich Steffis Einstiegsbeitrag zu Gemüte führen.

Und es ist nach meinem Eindruck gerade diese karge Bergwelt, in der sich bei vielen Motiven die Entscheidung zur Monochromie geradezu aufdrängt.

Manche Bildausschnitte sind schon von sich aus farblich sehr reduziert. Da macht es gar keinen Unterschied, ob man in Graustufen wechselt oder nicht. Paradebeispiel hierfür ist der faszinierende Aletschgletscher. Durch seinen in den letzten Jahrzehnten dramatisch beschleunigten Rückgang legt er Felsstrukturen frei, die sehr kontrastreich und plastisch wirken.

Diese Motive sind für mich übrigens der Beleg dafür, dass man nicht danach fragen sollte, wie eine Szenerie im Moment der Aufnahme „wirklich“, „in echt“ oder „in natura“ ausgesehen hat. Das ist überhaupt nicht zielführend, und zwar aus mindestens zwei Gründen:

Zum einen ist Wahrnehmung (mit dem Sehsinn, aber auch im Gesamtpaket) immer sehr subjektiv, es gibt also kein einziges „echt“. Und zum anderen ist auch eine Schwarz-Weiß-Aufnahme sehr wohl ein Abbild einer in dem Moment vorliegenden Wirklichkeit – sie setzt eben lediglich andere Akzente als eine Farbfotografie.

Interessant wird es, wenn man die karge Gebirgswelt verlässt und in den Aletschwald eintaucht, zumal wenn dort die Nebelschwaden und der Schneeregen regieren.

Auch hier sind Farben wieder nur sehr spärlich vorhanden. Und doch ist der Unterschied zum Graustufenbild erheblich.

Was findet Ihr besser? Oder sind die Varianten einfach nur verschieden? Gerne kommentieren!

Der Schneefall nimmt immer mehr zu, und mit ihm auch der grafische Charakter der Szenerie. (Dasselbe galt übrigens auch für die Wischfrequenz auf der Frontlinse…)

Kontrastreiche Motive eignen sich prinzipiell gut für eine Wiedergabe in Schwarz-Weiß. Da kommt einem der frisch gefallene Schnee doch sehr gelegen, der die Oberlächenstrukturen herauspräpariert!

An einem solchen Ort und zu solch spektakulären Bedingungen, da könnte ich mich stundenlang aufhalten.

Und was ist, wenn man sich partout nicht entscheiden kann, ob nun mit oder ohne Farbe?

Scherz beiseite: Das Thema Monochromie ist mit diesem Artikel natürlich alles andere als erschöpfend abgehandelt. Auf sogesehen haben wir eine ganze Reihe von Beiträgen, die sich dieser Thematik widmen und reichlich Bildmaterial liefern. Bei Interesse einfach mal auf die Kategorie „B/W“ klicken oder das gleichlautende Schlagwort. Viel Spaß!

PS: Nach der Reise ist vor der Reise…

sogesehen – Monatsfoto November

November. Allein schon der Name weckt, zumindest bei mir, einige Assoziationen. Man denkt sofort an trübe, regnerische, nebelverhangene Tage, an denen das Licht kaum eine Chance hat, gegen das stumpfe, feuchte Grau anzukämpfen. Die Tage werden kürzer und man vermisst die Wärme des Sommers und das Strahlen der Sonne. Aktivitäten werden von draußen nach drinnen verlegt, und anstatt ein kühles Erfrischungsgetränk, hält man eine heiße Tasse Tee in den Händen, schaut voller Sehnsucht aus dem Fenster und sieht den Regentropfen zu, wie sie in kleinen Bächen am Fenster herunterrinnen.

Willkommen im Novemberblues.

An solchen Tagen krame ich dann gerne in meiner Fotokiste. Ich seh mir die Bilder an und versetze mich gedanklich zurück an den Tag, an dem das Bild enstand. So auch das, welches ich euch heute zeige. Es enstand erst kürzlich an den Gertelbach-Wasserfällen im Nordschwarzwald, als ich dort mit meinem Fotokumpel unterwegs war. Dieser Tag war wunderschön, und das Licht war einfach überragend, so wie es nur der Herbst zeigen kann, dieses Fleckchen Erde ist echt ein kleines Naturjuwel. Da war mir dann klar, dass ich es einstellen muss, um es mit euch zu teilen. Um dem November etwas Farbe zu verleihen. Denn trotz der Assoziationen die man hat, wenn man den Monatsnamen hört, so ist er nicht immer trüb und grau, sondern auch oft Herbstbunt und Blätterraschelnd schön.

Ich wünsche euch nun eine schöne Novemberzeit, und wenn euch der Blues packt, geht nach draußen, sucht nach bunten Blättern, springt in Pfützen und lacht euch eins.


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Vielfalt Aletsch – Teil 1

Dies ist der Einstieg in eine kleine Beitragsreihe zu einer Reise ins Aletschgebiet Anfang Oktober. Keine klassische Urlaubsreise mit Mann und Hund, sondern eine organisierte Fotoreise unter der Leitung von sogesehen-Mitstreiter Sebastian. Sein Beitrag zum Monatsfoto Oktober war und ist eine wunderbare Einstimmung auf diese kleine Serie, in der wir beide unsere Eindrücke mit Euch teilen wollen.

Eine Reise bei steigenden Infektionszahlen? Da stellt sich nicht nur die Frage, wo kann man noch hin, sondern auch: wo will ich noch hin?

Menschenansammlungen in großen Städten oder Flugreisen ins Ausland waren keine Option, daher kam mir das Angebot einer Fotoreise ins Wallis gerade recht. Vier Tage in atemberaubender Landschaft und das Programm eine Kombination aus Fotografie, Wanderungen und Naturkunde.

Aber auch ein langes Wochenende in einer ganz besonderen Unterkunft.

Die zum Pro Natura Zentrum Aletsch gehörende Villa Cassel alleine wäre schon eine Reise wert. Vor über hundert Jahren von einem reichen Engländer als Sommerfrische gebaut, verströmen die Räume auch heute noch eine Mischung aus noblem Ambiente und rustikaler Gemütlichkeit. Unsere siebenköpfige Fotogruppe war begeistert. Leckeres Essen und gemütliche Zimmer – was will man mehr? Da akzeptiert man auch die ein oder andere schlaflose Stunde, hervorgerufen durch einen röhrenden Hirsch direkt vor unserer Haustür.

Leider versteckte sich der Hirsch in der Dunkelheit, aber Gämsen, Tannenhäher oder auch mal eine Höckerschrecke waren in den folgenden Tagen beliebte Fotomotive. (Aber ich will nicht zu viel verraten 😉 )

Tannenhäher

Alle Teilnehmer der Gruppe kamen aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, dadurch konnten wir (zum Leidwesen unseres Reiseleiters) „schwätze“ wie uns der Schnabel gewachsen war, eine wilde Mischung aus Alemannisch- Schwäbisch- Schwiitzerdütsch und ein klein wenig Hochdeutsch.

Aber das war nicht seine einzige Herausforderung. Bei einem unsere ersten abendlichen Spaziergänge wurden doch eklatante geografische Lücken offen gelegt.

Gedächtnisprotokoll:
Sebastian: Schaut mal! Das Matterhorn! -Wo?- Na, da vorne! -Welchen der Berge meinst Du ? – Sagt bloß, ihr erkennt nicht das Matterhorn?!? Der in der Mitte!! … (10 Minuten später) … Sebastian, welcher der Berge ist das Matterhorn? Armer Reiseleiter 😉

Summa summarum hatten wir alles, was ein Fotografenherz begehrt: blauen Himmel, Sonnenschein, Nebel, Regen und sogar Schnee. Ihr könnt Euch also auf ein paar abwechslungsreiche Blogbeiträge in der nächsten Zeit freuen.

Ein besonderer Dank geht an Manfred. Er und seine rote Jacke waren oft das i-Tüpfelchen für eine gelungene Bildkomposition.

Herbstzeit

Es ist wieder diese Zeit, in der die Nebelschwaden kalten Fingern gleich, übers Land ziehen und die Welt darin in ein fahles Licht hüllen. Es ist wieder die Zeit, in der die Tage kürzer werden und die Kühle der Nacht in die Häuser und Wohnungen kriecht, eine Vorahnung von Winter schleicht sich in unsere Gedanken und lässt uns frösteln. Die Vorfreude auf ein gemütliches Kaminfeuer und eine gute Tasse heissen Tees, lassen unsere Schritte, nach einem langen Tag draussen, schneller werden und uns auf Zuhause freuen. Es ist Herbstzeit.

Es ist aber auch die Zeit, in der die Natur, eines ihrer schönsten Kleider anlegt. Überall verändert sich das Grün und an seine Stelle treten gelb, rot und braun in all den wunderschönen, vielfältigen Nuancen. Die Herbstzeitlose zeigt ihre schnellvergehende Schönheit. Die Bäume verlieren allmählich ihr Laub und der Boden wird bedeckt mit einem bunten Blättermantel, der bei den herbstlichen Wanderungen unter den Füßen raschelt. Das Licht in dieser Zeit verändert sich, es wird weicher, es strahlt goldener. Scheint es durch die Nebel, leuchtet es zauberhaft und überirdisch schön. Die Luft wird klarer und frischer, sie riecht nach feuchtem Holz und Erde. Es gibt fast nichts schöneres, als jetzt rauszugehen und die Natur mit allen Sinnen zu genießen. Herbstzeit.

Streift man durch den Wald und die Wiesen, eröffnet die Natur dem aufmerksamen Wanderer, noch eine ganz andere, eine geheime Welt. Eine Welt die in ihren Farben und Formen so mannigfaltig und faszinierend ist, aber dennoch ein Leben im verborgenen führt. Doch im Herbst zeigt sich für kurze Zeit ihre Vielfalt. Hier leuchtet es rot und weiß unter den Zweigen. Dort sind bunte kleine Köpfe zu sehen, die auf alten Baumstämmen eigene kleine Wälder bilden. Auf dem Moos streckt sich ein kleiner Hut dem, durch die Äste der Bäume scheinenden Sonnenlicht entgegen. Dann wieder auf dem Boden kriechend, in leuchtendem gelb oder rot. Mal essbar und wohlschmeckend, mal ungenießbar oder gar tödlich giftig. Herbstzeit, Pilzzeit.

Ich liebe diese Zeit, die Herbstzeit. Die Zeit des goldenen Lichts, aber auch die Zeit der Nebel und trüben Tage. Es zieht mich immer wieder nach draussen, wo ich durch die Wiesen und Wälder streife, den Duft der abgeernteten Felder einatme, dem Bachlauf folge und den bunten Blättern zusehe, wie sie auf dem Wasser davontreiben. Dies ist dann die Zeit, wo ich nach einer langen Wanderung, in der Erwartung eines gemütlichen Kaminfeuers und einer guten Tasse Tee, meine Schritte beschleunige um nach hause zu kommen.

Ich wünsche euch eine schöne Herbstzeit mit vielen tollen Erlebnissen.

Bleibt neugierig.

Wanderlust in Südtirol – Teil zwei

Der beliebteste Spot in der Region ist neben der Seiser Alm sicherlich auch die „Seceda“. Vielleicht hat einer von Euch diese bereits in den Social Media Kanälen oder sogar direkt vor Ort gesehen? Eine wunderschöne Bergkette und ein beliebter Fotospot. Leider hatten wir dies auch zu sehr erlebt. Auf die Seceda fährt eine Seilbahn hoch. Für uns war die Seilbahn aber keine Option. So führte uns der erste Abschnitt des Weges um 7 Uhr morgens direkt auf eine sehr steile Skipiste. An grasenden Kühen vorbei, auf urigen Waldabschnitten und Schotterwegen ging es dann das letzte Stück hoch hinauf auf die Seceda. Diese Route wurde mit vier Stunden ausgeschildert. Nach gut zweieinhalb Stunden, 9 Kilometern und 1.250 Höhenmeter hatten wir dann tatsächlich schon den „Gipfel“ erreicht und waren leider total schockiert. Ein Gedränge von Menschen, das Gefühl von Massentourismus kam in uns auf und wir hatten einfach nur noch das Gefühl dort weg gehen zu müssen. So haben wir uns tatsächlich nach kurzer Zeit wieder auf den Heimweg begeben. Schade, dass dieser wunderschöne Platz so überrannt und dadurch die dortige Flora und Fauna immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wird.

Am Tag darauf gingen wir es gemütlicher an. Mit einer Tour von knapp 5 Kilometern folgte unser Weg am späten Nachmittag kurz vor die Peitlerscharte. Mit den Dolomiten rechts neben uns konnten wir den Weg und das Panorama genießen. Nach ca. zwei Stunden ging es für das Abendessen zurück zur Ferienwohnung. Ich konnte es anschließend wieder einmal nicht lassen und zog erneut mit meiner Kamera los. Etwas oberhalb von unserer Unterkunft gab es eine schöne Blumenwiese, welche es mir natürlich sofort angetan hatte. Der Blick hinunter auf St. Magdalena und die Aussicht auf die Geislergruppe waren auch hier traumhaft.

Wenn man jeden Tag Unternehmungen plant und aktiv ist, dann vergeht die Zeit erst recht wie im Flug. So stand auch schon unser letzter Tag, an dem wir eine Tour planen konnten, in Südtirol an.  Einen Tag zuvor erfuhren wir zu unserer nächsten geplanten Tour aus den örtlichen Nachrichten, dass ein Vater mit seinen Kindern die Wanderung am frühen Morgen abbrechen musste. Grund für den Abbruch: sie wurden von drei Wölfen verfolgt. Mit dieser Nachricht ging es also für uns spät abends ins Bett, mit dem Wissen, dass wir am nächsten Tag dieselbe Tour laufen werden. Früh morgens ging es also auch für uns an diesem Tag los. Bei Morgennebel und stets mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass in diesem Gebiet Wölfe unterwegs sein könnten, starteten wir also um 7 Uhr vom Würzer Joch aus Richtung Peitlerscharte. Auf der Peitlerscharte erwartete uns dann ein grandioses Naturschauspiel. Hoch oben strahlte die Sonne mit ihrer ganzen Kraft und unten im Tal war eine Wolkendecke zu sehen. Von dort aus ging es weiter zum „Großen Peitlerkofel“. Auf der letzten Etappe zum Gipfel gab es auch eine kleine Passage, welche mit Drahtseilen angelegt war. Auf dem Gipfel angekommen gab es für uns eine grandiose Weitsicht und wieder der Blick auf die unvergessliche Wolkendecke unten im Tal. Bei unserem verdienten Frühstück oben auf dem Gipfel blieben wir nicht lange ungestört. Ein paar Schneesperlinge und Alpendohlen hatten sich direkt neben uns versammelt und warteten nur darauf, von uns etwas Brot zu bekommen. Diese Vögel waren bereits so an Menschen gewöhnt, dass wir ihnen kleine Stückchen von unserem Brot direkt aus der Hand füttern konnten. Nach unserer Frühstückspause ging es dann wieder abwärts. Den kurzen Abstecher zum „Kleinen Peitlerkofel“ ließen wir uns dabei natürlich nicht nehmen. Auf dem Rückweg begegneten uns auch hier wieder unfassbar viele Menschen. Wir sind ja viel in der Natur unterwegs und haben schon so einiges auf Wanderungen gesehen, aber auch dort waren wir von den Menschenmassen schockiert. Schnell waren wir uns einig: wir waren so froh darüber, dass wir bei so gut wie jeder Wanderung immer in den frühen Morgenstunden los zogen. Zum einen bekommt man dadurch mit, wie die Natur und der Tag erwacht, zum anderen geht man solchen Situationen im Normalfall aus dem Weg. Im Tal wieder angekommen ließen wir die Wanderung von insgesamt 5 Stunden, 14 Kilometern und 992 Höhenmetern mit einem Radler und Kaffee auf einer Alm gemütlich ausklingen.

So ging also auch der letzte Tag in Südtirol zu Ende. Am Abend konnte mein Freund noch im Hof unserer Ferienwohnung sein Teleskop auspacken und den älteren Herrschaften des Hofes mit seinem Wissen eine Freude bereiten. An diesem Abend konnte man Saturn und Jupiter hervorragend sehen. Früh morgens klingelte dann auch schon unser Wecker und wir machten uns wieder Richtung Heimat auf. Zurückblickend betrachtet sind wir beide einfach nur dankbar für die schönen Momente, die einzigartige Natur und freuen uns jetzt schon wieder auf unseren Urlaub im nächsten Jahr. Südtirol steht aber jetzt schon wieder auf unserer engeren Auswahl – diese wunderbare Region hat uns einfach in ihren Bann gezogen.

sogesehen – Monatsfoto Oktober

Machen wir uns nichts vor: Der Sommer ist vorbei. Leugnen zwecklos! Aber wer sagt denn, dass der Herbst nicht auch seine ganz eigenen Trümpfe im Ärmel hat. Er ist nicht einfach nur ein „Nicht-Sommer“!

Ich denke dabei auch an die Natur, also die belebte Natur im Sinne von Tieren und Pflanzen. Zum Beispiel die Vogelwelt: Für die allermeisten Arten ist die Zeit der Fortpflanzung und Jungenaufzucht vorbei. Nun gilt es, sich für den bevorstehenden Winter zu wappnen und die Energiespeicher aufzufüllen. Diejenigen Vögel, die in wärmere Gefilde abziehen, brauchen viel Kraft für lange Flugdistanzen. Ihre Kollegen dagegen, die sich ein Überwintern in Mitteleuropa (oder wo auch immer) zutrauen, müssen sich selber ein Polster anfuttern und nach Möglichkeit auch eigene Nahrungsdepots anlegen.

Gerade im Oktober sind umherfliegende Eichelhäher daher ein vertrauter Anblick. Oftmals mit Eicheln oder Nüssen im Schnabel oder Kropf, fliegen sie mehr oder weniger heimlich durch die Landschaft, sammeln Futter und vergraben es für spätere Zeiten. Eichelhäher sind der häufige, klassische Vertreter der Häher bei uns. Aber nicht der einzige! Wer schon einmal in den höheren Mittelgebirgen oder den Alpen unterwegs war und darauf geachtet hat, kennt vielleicht seine Schwesterart: den Tannenhäher.

Für meine Begriffe ist dieser noch einmal wesentlich schöner als sein naher Verwandter, schokoladenbraun und mit diesen herrlichen weißen Tupfen. In unseren Mittelgebirgen ist er eher heimlich unterwegs und nicht leicht zu beobachten. In den Alpen aber – und besonders im Herbst zur Sammelzeit – ist der Tannenhäher allgegenwärtig und wenig scheu. So auch diese schönen Tiere, die ich im Oktober letzten Jahres im Aletschwald in der Schweiz ablichten konnte (wo sie übrigens auch Arvenhäher genannt werden). Permanent sind sie hier unterwegs, fliegen mit vollem Kropf von Baumspitze zu Baumspitze, wühlen raschelnd im Unterholz, allein oder in kleinen Grüppchen, immer wieder laut rätschend, unentwegt in Bewegung.

Der Zufall will es, dass ich (wenn nicht noch ein gewisses Virus meine Pläne durchkreuzt) just in der kommenden Woche wieder im Aletschwald sein werde. Und was jetzt keine Überraschung sein dürfte: Auf das Wiedersehen mit den umtriebigen Herbstvögeln freue ich mich schon über die Maßen!



In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Wassertänzer

Kamera mitnehmen oder zu Hause lassen? Diese Frage stelle ich mir bei jedem Ausflug, egal ob in der Heimat oder im Urlaub. Die Verlockung, nur mir dem Handy loszuziehen ist groß, aber noch größer ist der Frust, sie im geeigneten Moment nicht dabei zu haben. Glücklicherweise gewinnt mein „Qualitäts“-Ich oft gegen mein „Bequemlichkeits“- Ich, und dadurch ist die Kamera fast überall mit dabei.

So auch bei einem Abendspaziergang rund um den Badesee von Tannenhausen (Ostfriesland) letztes Jahr im Herbst. Hier tummeln sich im Sommer Taucher, Badegäste, Wasserski – und Wakeboard-Enthusiasten, aber an jenem Septemberabend machten die Anlagen einen ziemlich verwaisten Eindruck.

Die Mitnehmer des Wakeboard-Rondells drehten einsam ihre Runden, und ich stellte mir vor, was für tolle Sport-Fotos man hier machen könnte.

Als hätte mich der Fotografengott erhört, tauchte am Eingang plötzlich ein mit Helm, Neoprenanzug und Board bepackter Sportsmann auf. Während ich ungeduldig wartete, dass es los ging, fummelte ich aufgeregt an meiner Kamera herum. Serienmodus rein, ISO rauf, Belichtungszeiten runter und Feuer frei!

Mein Fotografenherz hüpfte. Obwohl das Licht immer schlechter wurde und der ISO- Wert in den schmerzhaften Bereich anstieg, fotografierte ich wie im (Pixel) Rausch. Natürlich bemerkte der Wakeboarder den Paparazzi am Ufer und präsentierte eigens für mich ein paar zusätzliche Showeinlagen. (Ich bildete mir dies zumindest ein 😉 ) Das Ganze glich eher einem Tanz auf dem Wasser als harter körperlicher Arbeit.

Nach einer knappen Stunde gingen dem Sportsmann und mir dann doch die Puste aus. Nach einem netten kurzen Gespräch und dem Austausch unserer Kontaktdaten setzte ich mit einem Grinsen meinen Spaziergang fort.

Diese Kameraschlepperei ist oft mühsam, aber es sind dann diese Momente, die mir bestätigen, dass sich der Aufwand lohnt. Nicht nur für den Fotografen, sondern auch für das Model, das sich nun über seine Fotos freuen kann 🙂

Sonnenuntergang – bei Fotografen verpönt…

„Zu oft gesehen“, „unerträglicher Kitsch“ – das ist der Ruf von Sonnenuntergangsbildern. Bei Fotowettbewerben werden diese direkt aussortiert. Und zugegeben: an meine Wand schafft es ein Sonnenuntergang in der Regel auch nicht.
Sebastian hatte sich in seinem Artikel ja auch schon dem Thema angenommen. Hier meine Erfahrung von einem aktuellen Ausflug:
Wenn man nun als Landschaftsfotograf loszieht, ist dann also weiches Seitenlicht von der tief stehenden Sonne oder die Blaue Stunde gefragt – aber bitte nicht der Sonnenuntergang.
Das klappte dann auch an dem Außendeich der ehemaligen Nordstrander Bucht, wo die Lorenbahn nach Nordstrandischmoor führt, soweit ganz gut.
Doch dann lässt man in der Landschaft die Eindrücke auf sich wirken, und der Sonnenuntergang hat trotzdem immer wieder seinen ganz besonderen Reiz. Man fühlt sich gefesselt von der Stimmung und kann doch nicht widerstehen, eben diese Sonnenuntergangsaufnahmen zu machen.
Das ist wohl so ähnlich wie der Wein, der im Urlaub in der Toskana so herrlich schmeckt und zuhause für Ernüchterung sorgt…

Wanderlust in Südtirol – Teil eins

Die Zeit vergeht wie im Flug… doch wem sag ich das? Nun ist unser Urlaub in Südtirol gefühlt eine halbe Ewigkeit her, aber die Erinnerungen an die schönen Erlebnisse kommen sofort wieder hoch, als ob es gestern gewesen wäre.

Nachdem wir nun eine tolle Woche auf unserer Almhütte in Österreich verbringen durften, ging es für uns weiter nach Südtirol. Mittlerweile nun schon das dritte Jahr in Folge. Diese Region Italiens hat uns einfach in seinen Bann gezogen. Umgeben von den wunderschönen Bergen, dem guten Essen, den äußerst lieben und kommunikationsfreudigen Menschen vor Ort kann man sich ja auch einfach nur wohl fühlen. Nach unserem Aufenthalt in der Almhütte war die Ferienwohnung auf einem Bauernhof in Villnöss fast schon ein kleines Luxusappartement. Das Highlight der Wohnung war definitiv der Ausblick vom Balkon, aber auch das großzügig geschnittene Badezimmer – in Österreich hatte sich die Dusche auf eine winzige Kabine im Schlafzimmer beschränkt.

Auf dem Weg nach Villnöss

Wer bereits in Südtirol unterwegs war, dem ist bekannt, dass die Straßen dort teilweise nur einspurig zu befahren sind und eine Autofahrt einem Abenteuer gleicht. So ist es also nicht unüblich, dass man für ca. 5 Kilometer über 25 Minuten Fahrzeit benötigt. Ausflüge jeglicher Art bzw. Autostrecken müssen also gut durchdacht werden. Unser Ankunftstag bestand also zunächst einmal aus Koffer auspacken, ankommen, die schöne Aussicht genießen, eine kleine Runde die Beine vertreten und die Umgebung rund um unseren Hof erkunden. Am nächsten Morgen konnten wir unser Frühstück mit dem schönen Ausblick auf die Geislergruppe genießen, bevor es für uns dann mit dem Auto zur ersten Wanderung „Kofelalm, Schlüter-Hütte und Gampenalm“ losging. Ein wunderschönes Dolomitenpanorama eröffnete sich uns auf der Bergkuppe oberhalb der Schlüter-Hütte.

Am nächsten Tag ging es für uns direkt von der Unterkunft aus zu Fuß los. Ohne einem strikten Plan zu folgen oder eine Route zuvor ausgewählt zu haben, sind wir vom Bauernhof aus los. Ein Stück oberhalb ging es dann auf den dort bekannten „Bergbauernweg“. Diesem sind wir wenige Meter gefolgt, bevor es weiter ging zu einer Abzweigung in den Wald. Der Weg war teilweise kaum zu erkennen und scheinbar ein geheimer Treffpunkt für Pilzesammler. Sämtliche Pilze hatten wir auf dem saftig grünen Waldboden entdeckt. Die Überlegung, eine Pfifferling-Suppe daraus zu kochen, hatten wir aber dennoch schnell verworfen. Nach ca. vier Kilometer zog sich das Wetter allmählich zu und ein Gewitter zog auf – gerade noch rechtzeitig hatten wir unsere Ferienwohnung wieder erreicht.

Der dritte Tag sollte eigentlich eine gemütliche Wanderung werden. Mittlerweile beherrschen wir aber das Talent recht gut, uns vorzunehmen es gemütlich angehen zu lassen, aber dann doch eine ordentliche Strecke abzulaufen. So kam es also, dass wir uns auf den „Plose“ und „Gabler“ begeben haben mit anschließendem Dolomiten-Panoramaweg. Die Wanderung hatte eine Gesamtlänge von knapp 17 Kilometer und rund 900 Höhenmeter. Auch auf dieser Tour beeindruckte uns die Aussicht auf die Dolomiten. In einer Almwirtschaft oben auf dem Plose gab es dann auch als Belohnung den verdienten Kaiserschmarren 🙂

Fortsetzung „Wanderlust in Südtirol – Teil zwei“ folgt.