Süße Tierkinder (1)

Schon lange schaue ich mir keine Fernsehnachrichten mehr an. Nun gut, ich habe auch seit einigen Jahren keinen TV mehr, von daher liegt das auch irgendwie nah. Aber selbst als noch einer im Wohnzimmer stand, blieb er abends aus. Warum soll man sich Tag ein, Tag aus immer aufs Neue schreckliche Bilder anschauen? Was soll das bringen? Ich lese verschiedene Tageszeitungen und höre Radio, darüber bin ich ausreichend informiert über die Geschehnisse in der Welt, denke ich. Aber selbst das Radio bleibt in der letzten Zeit zur vollen Stunde aus. Es ist einfach unfassbar, was sich alles abspielt und wie schlimm die Menschheit mit sich und ihrem Planeten umgeht.

Für solche Fälle gibt es Bilder von Tierbabys. Ohne Witz – das ist mein voller Ernst! Schaut mal in der Kalenderabteilung Eurer Buchhandlung vor Ort (denn für Eure Käufe boykottiert Ihr natürlich den großen Online-Riesen mit dem südamerikanischen Fluss im Namen, um den stationären Einzelhandel zu unterstützen) – lauter Kalender mit Fotos von Naturwundern, schönen Landschaften und goldigen Tierkindern. Die Schweizer*innen unter uns brechen spontan in ein lautes „Jööööh!“ aus 😉

Und das meine ich gar nicht mal kritisch. Es ist absolut verständlich, dass man schöne Dinge und Harmonie sehen und erleben will und nicht, sagen wir mal, Terroristen und ihre Geiseln in Tunneln oder eine Klimakonferenz, die einem die letzte Hoffnung raubt. Vor diesem Hintergrund möchte ich nun eine kleine Serie von Artikeln einläuten.

Thema: Süße Tierkinder!

Und ich möchte gleich mit einem Paukenschlag einsteigen: ROBBENBABYS. Die gehen nämlich immer. A safe bet.

Vor einiger Zeit habe ich mich mal mokiert über Leute, die angesichts eines jeglichen Tieres mit Fell sofort losjaulen, „wie süüüüß“ das doch sei (hier der Artikel dazu). Ich stehe noch immer dazu, dass das meines Erachtens eine unzulässige und daher zu kritisierende Haltung gegenüber wilden Kreaturen ist, ein respektloses Kleinmachen und Nicht-ernst-Nehmen von Geschöpfen, mit denen wir uns die Erde teilen. Aber schon damals habe ich wohlweislich junge Tiere von meiner Tirade ausgenommen, die naturgemäß dem „Kindchenschema“ entsprechen und natürlich (insbesondere im Falle von Säugetieren) den Reflex der Begeisterung und Fürsorge bei uns allen auslösen sollen. Da passt das selbstverständlich mit dem „Jööööh“.

Oder geht das nur mir so?

Übrigens: Mit wem haben wir hier eigentlich das Vergnügen?

Ich bin (einige werden es wissen) vor ziemlich genau vier Jahren auf einer längeren Reise gewesen, die mich unter anderem nach Neuseeland geführt hat. Da gibt es Orte an der Küste, wo sich Neuseeländische Seebären (Arctocephalus forsteri) wohlfühlen und in großer Zahl abhängen. So auch auf der Halbinsel Kaikoura auf der Südinsel Neuseelands. Da bin ich eigentlich wegen der Albatrosse hingefahren. Aber die Robben habe ich selbstverständlich nur zu gerne ebenfalls „mitgenommen“.

Jöööööh! Oder etwa nicht?

Ich jedenfalls kann mich nicht sattsehen an diesen kleinen Kerlchen, die sich auf den abendsonnenwarmen Felsen fläzen, spielen und herumbalgen.

Und mit dem Anblick dieser „possierlichen Tierchen“ (falls sich jemand da draußen noch an Prof. Grzimek erinnert) verabschiede ich mich und wünsche Euch einen schönen Abend.

12. Dezember 2023
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)


Entdecke mehr von sogesehen

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

13 Kommentare zu „Süße Tierkinder (1)

  1. Uff!
    Die schlimmen Zustände auf unserer Erde und die schrecklichen Nachrichten, die damit einhergehen, als Einstieg in eine Serie über süße Tierkinder zu nehmen, ist für uns Leser*innen kein einfacher Einstieg in ein eigentlich eher leichtes Thema. Aber nachdem es mich kurz geschüttelt hat, kann auch ich mich an den herzigen kleinen Robben nicht satt sehen. Herzallerliebst, wie sie entspannt auf dem Rücken liegen oder mit klatschnassem Fell die warme Sonne genießen. Wunderbar eingefangen von dir, Sebastian!
    Worüber ich beim Lesen allerdings gestolpert bin, ist der Begriff (und Titel) „Tierkinder“. Dieses Wort ist bisher kein Bestandteil meines Wortschatzes, denn mit „Kind“ verbinde ich automatisch Menschenkinder. Ich würde nie auf die Idee kommen und sagen, dass eine Kuh oder ein Hund hat ein Kind hat. Entweder wären es Jungtiere oder ich würde spezifische Begriffe wie Welpe, Küken usw. verwenden. Ich frage mich, ob das Wort „Tierkind“ schon ein erster Schritt zu einer Vermenschlichung eines jungen Tieres ist. Allerdings bin ich da auch inkonsequent, denn ich verwende durchaus Begriffe wie Elefantenbaby oder Katzenbaby. ….
    Ist aber eigentlich auch egal, denn ich freue mich so oder so schon auf eine Fortsetzung deiner Serie!

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke für Deine ausführliche Rückmeldung, Steffi! Auch zu meinem (aktiven) Wortschatz gehört der Begriff „Tierkinder“ eigentlich eher nicht. Aber geh mal durch die Kalenderabteilung! Ich bin sicher, es gibt auch jede Menge Abziehbilder, Quartettspiele, Puzzles etc. unter diesem Label. Und ja, auch ich finde es auch ein bisschen vermenschlichend. Vor allem aber schafft es Nähe und weckt tonnenweise positive Emotionen, und das ist doch wieder sehr zu begrüßen. Sozusagen als Gegengewicht und Kompensation. Teil 2 der Serie ist übrigens gedanklich schon in Vorbereitung – jööööh! 😉

      Gefällt 1 Person

    2. Man spricht übrigens auch in der Tierwelt vom Kindchenschema, welches dafür sorgt, dass wir die jungen Lebewesen „süß“ finden und sie beschützen, anstatt sie anzugreifen, sie zu fressen oder sie einfach liegen zu lassen. Das ist auch der Sinn der Mutterliebe, welche es ebenfalls im Tierreich gibt.

      Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir eigentlich selbst Tiere sind und die Tiere uns näher verwandt sind, als wir es wahr haben möchten. Aber ich will mich nicht zum Affen machen, indem ich das Thema weiter ausführe und von dem Affen spreche, den wir alle noch in uns tragen in Form von Instinkt, Emotion und gewissen Trieben ..

      Außerordische würden uns wohl kaum von anderen Tieren unterscheiden können, auch wenn wir in wolkenkratzenden Ameisenbauten wohnen ..

      Schöne Restwoche euch allen, LG Sven

      Gefällt 1 Person

      1. Ja, absolut – ich stimme Dir in allen Punkten zu. Wir Menschen sind allesamt klassische Säugetiere, und das Kindchenschema teilen wir uns natürlich mit allen anderen höher (?) entwickelten Lebewesen. Danke für Deine Ergänzung!

        Gefällt 2 Personen

      2. Danke für die Zustimmung. Wenn man um den Sinn und die Entstehung von Gefühlen weiß, heißt das nicht, dass man sich nicht doch gerne hingibt. Also öffnet eure Seele und genießt die herzigen Fotos ..

        Gefällt 2 Personen

  2. Danke Sebastian für deinen Beitrag mit herzigen Fotos von süßen Tierkindern 😉 Aus was für einer Entfernung hattes du die Kinder denn fotografieren/beobachten können?

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, Jasmin! Hätte mich jetzt auch gewundert, wenn die goldigen Kerlchen Dich nicht angesprochen hätten 🙂 Die haben mich sehr nah rangelassen (10-15 Meter, würde ich sagen) und waren dabei absolut tiefenentspannt. Ich musste eher gucken, dass ich in dem etwas unübersichtlichen Gelände nicht zu nahe an ein erwachsenes Tier komme…

      Gefällt 1 Person

  3. All den sehr wahren Kommentaren meiner Vorschreibenden kann ich inhaltlich nichts weiter hinzufügen.
    So bleibt mir nur, ein aus tiefer Seele aufsteigendes „Jöööh…!“ beizusteuern

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..