Auf die Ziege gekommen

Unser Erlebnis klingt fast wie eine Szenerie aus einem lustigen Hollywood-Film.

Im Jahr 2018 ging es für uns in den ersten gemeinsamem Wanderurlaub in das wunderschöne Ultental in Südtirol. Völlig fasziniert und begeistert von der wunderschönen Landschaft, konnten wir jeden Tag tolle Wanderwege erkunden und genießen. Eine Wanderung führte uns hier hoch hinauf auf die „Gleckspitze“, ein 2957 m hoher Berg in den Ortler-Alpen. Wir starteten unten im Tal bei ca. 1800 m und waren insgesamt 18 Kilometer unterwegs. Auf dem Gipfel des Berges angekommen, konnten wir uns in das Gipfelbuch eintragen und für den Rückweg mit einem guten Vesper stärken.

Während dem Abstieg entdeckten wir aus einiger Entfernung einen jüngeren Mann, welcher mit einer Ziege auf dem Wegesrand stand und mit dieser wild umher gestikulierte. Unser Weg führte uns direkt an den beiden vorbei. Natürlich konnte ich meine Neugier nicht lassen und hatte nachgefasst, ob wir ihm behilflich sein können. Der junge Mann erklärte dann, dass die Ziege nach unten ins Tal gehöre und hatte bei uns freundlich nachgefasst, ob wir sie auf unserem Wege mitnehmen könnten. Im Tal selbst ist nämlich ihre Ziegenherde. Wir haben diese „Mission“ natürlich gerne an uns genommen und hatten es somit zur Aufgabe gemacht, die Ziege zu ihrer Herde zu führen. Anfangs recht problematisch und störrisch, hatte sich die Ziege nach einigen Minuten beruhigt und folgte uns ab diesem Zeitpunkt auf Schritt und Tritt. Der steinige und schmale Abstieg war recht schwierig und forderte eine gewisse Konzentration und Trittsicherheit.

Nach rund 3 Kilometern konnten wir allmählich die Herde aus der Ferne erkennen. Wir freuten uns sichtlich und hatten die Mission für uns so gut wie erledigt angesehen. Nach weiteren Schritten und Abstiegen war es dann endlich soweit: wir waren bei der Herde angekommen und hatten uns sehr darüber gefreut. Glücklich, dass die Ziege wieder bei ihrer Herde war, drehten wir uns also um und folgten dem Wanderweg weiter.

Es dauerte nicht einmal eine Minute, da konnten wir wieder die Glocke der Ziege wieder hören. Als wir uns umdrehten und „unsere“ Ziege wieder dicht hinter uns war, konnten wir es fast nicht glauben. Die Ziege hatte sich kein Stück für die Herde interessiert und hatte nun uns wohl als ihre neue Herde angesehen.
Wir versuchten alles mögliche, sie auszutricksen und ihre Aufmerksamkeit auf die anderen Ziegen zu lenken, aber leider blieben alle Anstrengungen erfolglos. So verfolgte sie uns also weiterhin und war nun plötzlich ein treuer Begleiter geworden.

Nach ca. 2 Kilometer passierten wir eine große Weidefläche, auf welcher Pferde grasten. Hier hatte es sich eine Familie mit ihren Kindern bei einer Vesperpause gemütlich gemacht. Die Kinder hatten unsere Ziege schon längst entdeckt und freuten sich über unsere tierische Begleitung. Ausgestattet mit Brot und Obst fingen diese dann an, die Ziege zu füttern. Wir waren uns sicher: das ist nun unsere Chance!

Wir entfernten uns also immer weiter von der Ziege und blickten immer wieder zurück, um zu beobachten, ob sie uns verfolgen würde oder nicht. Die Kinder hatten die Ziege mit ihrem Essen so verführt, dass wir für sie daraufhin scheinbar uninteressant waren. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge führten wir also unsere Wanderung fort, wohl wissend: der Ziege geht es gut.

Die besagte Ziegenherde

Nach einigen Kilometern talabwärts kehrten wir dann gemütlich in der Almwirtschaft ein. Wir ließen die Wanderung und das Erlebnis mit der Ziege Revue passieren und mussten immer wieder über diese außergewöhnliche Begegnung lachen. Eine gute halbe Stunde saßen wir also in der Wirtschaft, da hörten wir auf einmal wieder ein Glockengeläute. Wir scherzten noch „vielleicht ist es ja wieder unsere Ziege“. Wenige Minuten später war es klar: um die Ecke kam tatsächlich unsere Ziege gehuscht und hatte sogar die gesamte Ziegenherde im Schlepptau. Wir staunten nicht schlecht und konnten es kaum glauben.

Das lustige Ende dieser Geschichte: wir saßen zunächst noch einige Minuten gemütlich in der Almwirtschaft, die gesamte Ziegenherde versammelte sich vor dieser Alm. Nachdem wir unsere Getränke leer und die Rechnung beglichen hatten, ging es für uns daraufhin Richtung Parkplatz zu unserem Auto. Unsere Ziege verfolgte uns hier wieder Schritt für Schritt.

Am Auto angekommen, gab es für uns noch die Herausforderung die Autotüren zu öffnen, ohne das wir plötzlich eine Ziege mit an Bord haben. Während mein Freund die Beifahrertür rasch aufhielt, konnte ich hinein springen. Er rannte dann schnell um unser Auto herum und konnte so auch zügig auf der Fahrerseite einsteigen. Im Rückspiegel konnten wir dann einen letzten Blick auf „unsere“ Ziege werfen.

Rückblickend betrachtet klingt es selbst noch für uns wie aus einer Komödie, aber es ist alles wirklich so geschehen. Eine Urlaubsbegegnung, welche man nie vergisst! 

Der steile Abstieg zurück ins Tal

Veröffentlicht von heimatfotograefin

"Dorfmaidle" mit viel Liebe zur Heimat Schwarzwald & der Landschaftsfotografie

3 Kommentare zu „Auf die Ziege gekommen

  1. Hallo Dorfmaidle, was für eine herrliche Geschichte mit herrlichen 🐐 und Landschaftsbilder, ich musste jetzt die ganze Zeit lachen nur zum Schluss hat sie mir Leid getan, ihr hättet sie mitnehmen sollen ; )
    Liebe Grüße vom Hexental

    Gefällt 1 Person

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