Fremdgärteln

Ich habe soeben ein neues Wort erfunden. Kennt Ihr das vielleicht auch? Man will eine Handlung beschreiben, oder vielleicht auch einen Gegenstand, ein Gefühl, eine Eigenschaft etc., aber irgendwie gibt es dafür noch keinen Begriff. Man überlegt rum und sucht und denkt nach. Und dann plötzlich – plopp! – ist es draußen und in der Welt, das neue Wort. Und ich bin gespannt, wann es erstmals in den Duden aufgenommen wird…

Fremdgärteln jedenfalls ist das, was ich vor zwei Wochen gemacht habe, also Anfang Mai. Nicht fremdgärtnern, wohlgemerkt. Ich war im Garten bei anderen Leuten zu Besuch und konnte mich dort nach Lust und Laune (und unter Berücksichtigung des empfohlenen Abstands zu besagten Leuten, logo) mit meinem Fotoapparat und anderem Equipment verlustieren. Hat Spaß gemacht!

Ich selber habe ja keinen eigenen Garten und bin eigentlich auch ganz allgemein nicht so der passionierte Blümchenfotograf. Nicht, dass ich florale Motive nicht ansprechend finden würde, ganz und gar nicht. Aber mir fehlt vielleicht dafür irgendwie die Geduld oder auch einfach nur der Anlass.

Nicht so vor zwei Wochen! Da hat alles gestimmt: Ich hatte die Zeit und die Muße und keine anderen Verpflichtungen, die Motive waren da, ich wollte mal wieder mein Equipment einsetzen, mit Blitz und Makro herumspielen etc.

Da kam mir so eine dahergelaufene Akelei gerade recht! Sie steht übrigens vor einer Art Hauswand (genauer gesagt: eine weiß gestrichene Seitentür zur Garage), was das Freistellen doch erheblich erleichtert hat.

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Ob das Zusammenspiel von Schärfe und Unschärfe auf den Aufnahmen immer so geglückt ist, weiß ich selber nicht genau. Aber mir kam es auch eher auf die klaren Linien und anderen Formen an, und natürlich auf die tollen Farben dieser Pflanze.

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Aber auch das gute alte Gänseblümchen kam zu Ehren während meiner Foto-Session. Die ewig Schöne (wenn ich Bellis perennis denn richtig übersetze…) ist ein tolles, wenn auch gar nicht unkniffliges Fotomotiv, wie ich finde.

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Und auch wenn Makro und Nahdistanz eine tolle Sache sind – ab und zu (und wenn der Garten groß genug ist) gehe ich auch gerne mal etwas weiter weg und öffne den Blick.

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So wie bei diesem schönen Fliederbusch, der seinen Zenit (also den Höhepunkt der Blüte) gerade ganz knapp überschritten hatte. Den himmlischen Duft in diesem natürlichen Foto-Studio, den müsst Ihr Euch jetzt einfach dazudenken…

Habe ich übrigens schon gebeichtet, dass ich kein Botaniker bin? Nicht nur das, ich bin sogar ausgesprochener botanischer Analphabet. So weiß ich leider partout nicht, wie die folgende Blume heißt:

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Egal, Hauptsache fotogen! Namen sind schließlich eh nur Schall und Rauch. (EDIT: Inzwischen wurde ich von verschiedenen hilfsbereiten Mitmenschen darüber aufgeklärt, dass es sich bei der blauen Schönheit um eine Kornblume handelt. Danke!)

Natürlich macht einem die Gute mit ihren spidderigen, langen, dünnen Blütenblättchen das Scharfstellen und „Komponieren“ des Bildes nicht gerade leicht, aber dann ist das halt so. Das muss man auch mal aushalten können. Und man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben…

Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, fragt sich vielleicht, wann denn wohl die Aufnahmen mit dem Blitzgerät kommen.

Die Antwort: genau jetzt!

So eine „Pusteblume“ ist doch ein ausgesprochen reizvolles Motiv – zumal dann, wenn sich noch ein paar kleine Wassertröpfchen in ihrer Frisur verfangen haben. Das war übrigens nicht ich mit der Sprühflasche, sondern Mutter Natur, die ein paar Stunden zuvor noch einige Regentropfen vom Himmel geschickt hatte. Und durch das sparsam dosierte Blitzlicht treten die feinen Strukturen noch sichtbarer hervor (das war jedenfalls der Plan).

Den Abschluss meiner Blumensequenz bilden ein paar Aufnahmen, die ich in einem kleinen Bestand von Vergissmeinnicht machen konnte. Auch hier fand ich zum einen das Farbenspiel sehr ansprechend, und zum anderen die unterschiedlichen Formen, die sich auf kleinem Raum begegnen.

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Man merkt sofort, ich bin ein Freund der selektiven Schärfe. Und das Gute ist ja: wenn man so nah dran ist am Objekt der Begierde, und dann auch noch einen großen Sensor unter der Haube hat, dann stehen einem in punkto Schärfeverlauf und gewollter Unschärfe alle Möglichkeiten offen.

Bei der letzten Aufnahme wünschte ich mir im Nachhinein, ich hätte den Bildausschnitt ein Ideechen nach rechts verschoben, um alle Blüten komplett drauf zu haben und nicht angeschnitten. Aber zum einen ist man nachher immer schlauer, und zum anderen habe ich so ganz elegant einen Vorwand, um demnächst mal wieder fremdgärteln zu gehen!

Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

5 Kommentare zu „Fremdgärteln

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