Sylt an einem Tag

Wenn ich an die wunderschöne, vielseitige und deutschlands nördlichste Insel Sylt denke, denke ich auch an die Automassen, die sich Tag für Tag auf die Insel quälen. 

Die Infrastruktur an den beiden Bahnhöfen des Autozuges in Niebüll und Westerland befinden sich regelmäßig vor dem Kollaps.

Dazu kommen die Tagestouristen, die über die Marschbahnstrecke am Endbahnhof Westerland Ihre Füße auf die Insel setzten.  Es strömt und wimmelt um den Bahnhof in dem zentralen Verkehrsknotenpunkt Westerland.

Auch die von Hörnum über Westerland nach List verlaufende Landstraße L24 ist die reinste Blechlawine mit einer Vielzahl von überfüllten Parkplätzen. Die alternative Bewegung mittels ÖPNV auf der Insel ist da nicht anders: da muss man hoffen, dass einen die überfüllten Busse überhaupt noch mitnehmen können.

Man stellt sich daher die Frage: Was soll das alles…? 

Trotzdem stand schon lange ein „From Dusk Till Dawn“ im Sommer oder ein „From Dawn Till Dusk“ im Winter auf der fotografischen Agenda. Irgendwie hat mich dieser Ansturm auf die Insel aber immer wieder davon abgehalten. 

Aus bekannten Gründen ist nun ja gerade alles anders. Durch das Beherbungsverbot, ist die Insel sehr zaghaft besucht. Das habe ich genutzt, um meinen lang ersehnten Ausflug zusammen mit Steffen zu starten. Zu zweit bringt solch eine Fototour bekanntlich am meisten Spaß. Der Autozug verkehrt jedoch aufgrund der mangelnden Nachfrage nach einem Sonderfahrplan. Somit gab es nur einen „Dawn“ ohne „Dusk“. 

Die massiven Sorgen, Einnahmeausfälle und Existenzängste der Tourismusbranche sollen an dieser Stelle jedoch nicht unerwähnt bleiben. Wir hoffen inständig, dass Tourismus bald wieder in unserer touristisch geprägten Region stattfinden kann!

Wir sind also pünktlich zum Sonnenaufgang am Quermarkenfeuer Rotes Kliff gewesen. Was für ein tolles Erlebnis inmitten der Dünen, zwischen farbenfrohem Sonnenaufgang, Meer und Leuchtturm, den Start des Tages zu erleben. Eine relativ weitwinklige Aufnahme konnte hier den Eindruck am besten vermitteln.

Nach einem kurzen Picknick am Wagen, ging es weiter Richtung Norden zum Lister Ellenbogen, dem nördlichsten Punkt Deutschlands. Der Ellenbogen ist etwa 4 Kilometer lang und zwischen 300 und 1.200 m breit. Die dänische Insel Rømø ist in Sichtweite. Der Ellenbogen befindet sich in Privatbesitz und kann gegen Zahlung einer Maut befahren werden. Der gesamte Ellenbogen ist ein Vogel- und Naturschutzgebiet.

Unser erster Halt war an dem Leuchtturm „List West“. Ein Leuchtturm aus Gusseisen, welcher 1857 vom Königreich Dänemark erbaut wurde. Er ist das nördlichste Gebäude Deutschlands und immer noch in Betrieb.

Der baugleiche Leuchtturm „List Ost“ war dann das nächste Ziel. Hier ist die Küstenerosion zum Erliegen gekommen und der vorgelagerte Dünensandstrand mittlerweile relativ breit geworden. Der Wind hat uns hier wunderbare Strukturen in den Sand „gemalt“. Die beiden folgenden Aufnahmen sind vom gleichen Standpunkt aus entstanden; zum einen eine extreme Weitwinkelaufnahme mit 10mm und zum anderen eine Teleaufnahme mit 135 mm.

Die beiden markanten Leuchttürme wirken eigenartiger Weise fast wie natürliche Elemente dieser Landschaft im Norden der Insel.

Von nun an konnte es ja nur noch Richtung Süden gehen. Aus einem früheren Urlaub in Rantum war mir eine recht fotogene Buhne noch im Gedächtnis. Diese konnten wir leider nicht mehr finden; das lag entweder am Hochwasser zu exakt diesem Zeitpunkt,

oder sie ist den Küstenschutzbauarbeiten „zum Opfer gefallen“. Das tosende dynamische Meer bei Rantum konnten wir gut mit einer etwas längeren Belichtungszeit einfangen.

Den letzten Fotospot an diesem Tag sollten wir am südlichsten Punkt der Insel finden, der Hörnum-Odde.
Die südliche Spitze ist besonders von Sturmfluten bedroht. Hier kommt es häufig zu großen Erosionen und Abbrüchen. Um diese Verluste zu begrenzen, wurden Tetrapoden als Wellenbrecher an der Küstenlinie gesetzt. Sie sollen die Wellen brechen und ihnen so die zerstörerische Kraft nehmen, was allerdings nur mäßig erfolgreich ist.

Um die Dynamik und Kraft des Meeres hier darzustellen, habe ich zum ND-Filter gegriffen.

Plötzlich – innerhalb weniger Minuten – änderte sich die Wetterlage. Es zog dichter Seenebel auf. Eben diese Gefahr, die Wattwanderern zum Verhängnis werden kann. Die Tetrapoden hatten auf einmal etwas mystisches.

So ging ein traumhafter Tag mit vielseitigen Motiven auf der schönen Insel Sylt zu Ende – und wir verstehen natürlich auch, warum die Sehnsucht nach dieser Insel so groß ist!

Michael Hoff

Veröffentlicht von Michael Hoff

michaelhoff.de

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