Feuerwasser

Vielleicht gehörst Du (wie ich) auch zu der Art von Leser*in, die in Blogbeiträgen und Zeitschriften zuerst alle Bilder anschauen, bevor mit dem Lesen des Textes begonnen wird. Wenn Du das auch so handhabst, dann sind dir meine hier gezeigten Fotos ja bereits bekannt und Du hast dir vielleicht auch schon eine Meinung dazu gebildet.
Ohne über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, bin ich mir fast sicher, ein paar deiner Gedanken dazu zu kennen, z.B. „Krass! Da hat Steffi aber mächtig in den digitalen Farbtopf gegriffen!“ oder vielleicht eher „Schöner Sonnenuntergang, aber das hätte ich mit dem Handy auch hinbekommen!“. Zum ersten Punkt kann ich nur sagen: Nix da! Ja, alle Fotos sind bearbeitet (wie alle meine Bilder), aber nicht mehr als üblich. Das Licht und die Farben an diesem Abend waren phänomenal und pure Realität! (und zum zweiten Gedanken komme ich später noch).

Der Ort dieses Lichtspektakels war am Rhein, genauer gesagt dort, wo die Wehra in den Rhein mündet, in der Nähe der südbadischen Stadt Wehr. Die Wehramündung ist ein Naturschutzgebiet, das ich gerne besuche, wenn ich Vögel beobachten und fotografieren will. Zusätzlich kann man dort wunderbar am Rhein entlang spazieren und auch baden, was an einem lauen Sommerabend schon fast etwas Urlaubsfeeling aufkommen lässt.

Das Thema Vogelfotografie war an diesem Abend schnell erledigt, da sich im Wasser nur ein paar Schwäne, Gänsesäger und Stockenten tummelten. Außerdem verdunkelten ein paar dicke Wolken den Himmel und das Licht wurde, trotz noch früher Abendstunde, rapide schlechter, aber dafür immer goldener.

Ob es dem Gänsesäger wohl auch so gut gefallen hat?

Ich war natürlich überhaupt nicht auf Landschaftsfotografie bei Dunkelheit eingestellt, sondern hatte nur mein großes Teleobjektiv dabei und Dinge wie z.B. Stativ, Weitwinkel, Filter, d.h. alles was man hier hätte gut brauchen können, lag gemütlich zu Hause herum! Aber ich hatte gar keine Zeit mich zu ärgern, denn das Licht änderte sich innerhalb kürzester Zeit immer wieder. Plötzlich war das Gelb-Goldene verschwunden, und es wurde wieder heller und auch bunter. Erst Rosa-Blau, dann fast Lila.

Und der Gänsesäger schwimmt immer noch unbeeindruckt seine Runden…

Nach etwa einer halben Stunde wurde es zunehmend dunkler, und der Zauber war vorbei.

Dieser schöne Sonnenuntergang ist natürlich auch anderen Spaziergängern nicht verborgen geblieben und man kam ins Plaudern. Oftmals wurde nicht nur das tolle Licht, sondern auch mein (nicht gerade kleines) Objektiv bestaunt, und so ergab sich das ein oder andere nette Gespräch über Fotografie und ob so eine Kamera überhaupt noch zeitgemäß ist, da doch ein Handy genau so tolle Bilder machen würde. Diese Argumentation höre ich in letzter Zeit häufiger, was natürlich auch mit der immer besser werdenden Qualität der Handykameras zu tun hat. Auch ich lasse manchmal die dicke Kamera zu Hause, wohl wissend, dass ich ja noch das Handy dabei habe, um ggf. ein schönes Motiv fotografieren zu können.

Ich könnte jetzt seitenweise über das Thema philosophieren und Pro und Kontra auflisten, aber Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte.

iPhone 13 Pro

Also ich hätte mich geärgert, wenn ich meine Kamera zu Hause gelassen und mich nur auf mein Handy beschränkt hätte! Da ich nicht das klassische Fotoequipment für die Landschaftsfotografie dabei hatte, musste ich improvisieren und interessante Ausschnitte finden, was die Ergebnisse meiner Meinung nach vielleicht sogar eine Spur interessanter machte, als die klassische Postkarten-Weitwinkelaufnahme.

Falls Du Interesse hast dein Wissen über Landschaftsfotografie zu vertiefen und auch mit Gleichgesinnten Neues auszuprobieren, mache ich jetzt kurz Werbung in eigener Sache: Im November biete ich gemeinsam mit Blogkollege Sebastian Schröder-Esch einen zweitägigen Workshop zum Thema Landschaftsfotografie an. „Fokus und Komposition“ und „Variation und Kreativität“ sind die Überschriften dieser zwei Tage, in denen wir uns ausgiebig mit der spätherbstlichen Landschaft des Oberen Wiesentals, den vielfältigen Motiven und den unterschiedlichen fotografischen Ansätzen beschäftigen werden.

Mehr Informationen findet ihr hier: Workshop „Landschaftsfotografie“ 19./20.11.2022

6 Kommentare zu „Feuerwasser

  1. Hallo Steffi
    Also wenn ich Bilder von dir und deinen Kollegen anschaue gehe ich immer davon aus das du dein Foto-Equipment dabei hast und klar sind die dann bearbeitet mache ich ja schließlich mit den Handy Bildern auch, und macht doch Sinn. Das finde ich absolut legitim denn die konventionell erstellten Bilder vor der Digitalisierung sind doch alle bestimmt auch bearbeitet gewesen (mit Sicherheit).
    Liebe Grüße Esthi

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    1. Hallo Esthi,
      Danke für deine Meinung zum Thema Bildbearbeitung. Da gibt es natürlich auch eine große Bandbreite. Von eher kleinen Anpassungen, wie gerade richten und zuschneiden, bis hin zur extremer Bearbeitung mit Effekten und Retuschen (wie z.B. im Beitrag Monatsfoto April). Ich finde, alles ist erlaubt, wenn es passt und gefällt und da die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
      Liebe Grüße Steffi

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  2. Wer viel unterwegs ist, erlebt auch viel und weiß auch, dass solche Lichtstimmungen durchaus reell sind. Du hattest nun das Glück und hast es auch in Bilder festgehalten! Glückwunsch, richtig tolle Bilder!

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    1. Herzlichen Dank Steffen!
      Schönes Licht in Verbindung mit Wasser: solche Momente sind für dich ja alltäglich, für mich jedoch eher selten und damit um so faszinierender. Bei den Sonnenuntergängen in den Bergen verhält es sich da eher anders herum 😉

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  3. Hallo Steffi,
    wunderbare Stimmungsbilder! in Orangetönen und nicht kitschig. Die Farben erinnern wirklich an Feuerschein aus der Ferne betrachtet.
    Mein erster Gedanke (ich bin auch so ein „zuerst die Bilder-Typ“) war, wie schön! Wie zu analogen Zeiten, ein Sonnenuntergang mit Kodak-Film fotografiert. Der hatte immer den Ruf rot/orange besonders schön abzubilden.
    Aber, wie man sieht, digital geht das auch. Sogar mit Smartphone.
    Solches Licht gibt es wirklich natürlich, ohne in den „digitalen Farbkasten“ greifen zu müssen. Und es ist eine Kunst, das so zu fotografieren, dass es dem tatsächlichen Sehempfinden entspricht, ohne übertrieben zu wirken.

    liebe Grüße ins hintere Wiesental

    Uli

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    1. Lieber Uli,
      es freut mich immer wieder, wenn Du ein paar nette Worte zu unseren Artikeln schreibst, herzlichen Dank dafür!
      Das mit dem Kitsch ist sicher Ansichtssache und Sonnenuntergänge gehören sicher nicht zu meinen Lieblingsmotiven. Aber auch ich kann oft nicht widerstehen und lasse mich davon bezaubern, Kitsch hin oder her 😉
      Grüße zurück
      Steffi

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