Nebelwelten

Nebel. Was für ein banales Wort für eine Naturerscheinung, die es in sich hat. Er regt die Fantasie der Menschen an. Sie sehen mystische Wesen in den Schleiern. Er wird als Tor in andere Welten gesehen und strahlt seine eigene Magie aus. Geschichten ranken sich über ihn und es existieren allerlei lyrische Ergüsse, die sich mit diesem Naturereignis beschäftigen. Es gibt sogar Menschen, die sich vor ihm fürchten, in Sorge welch geheimnisvolle Wesen sich darin verbergen mögen. Doch was ist mit uns Fotografen? Hat er für uns auch eine besondere Bedeutung? Nun, lasst mich euch meine Sichtweise zeigen und entscheidet selbst.

Für mich persönlich hat Nebel seine ganz eigene Faszination. Ja seinen ganz eigenen Zauber. Ich finde es manchmal atemberaubend,wie sich das Licht im Nebel verändert. Es wird diffus, die Schleier werden fast durchscheinend und das Leuchten wird beinahe überirdisch. Manchmal liegt er wolkengleich über den Tälern und lässt sich von der Sonne bescheinen. Wieder ein anderes Mal ist er wie eine fahle Decke, die die Landschaft einhüllt und sie mit einer geheimnisvollen Stille umgibt. Dieses Besondere, das Licht und die daraus entstehende Stimmung versuche ich dann mit meiner Kamera zu bannen.

Ein anderes Wetterphänomen ist die Inversion, einfach ausgedrückt heisst das, im Tal sind die Luftmassen kälter als auf den Höhen. Dadurch sammelt sich unten der Nebel und über ihm scheint die Sonne. Dann, wenn also im Schwarzwald mal wieder Inversionswetterlage herrscht, kann ich mich kaum beherrschen und in meinem Auslösefinger juckt es verdächtig. Ich fahre also auf die Schwarzwaldhochstrasse im nördlichen Schwarzwald und ziehe mit der Kamera los. Wenn man zum Beispiel auf dem Schliffkopf, oder auf der Hornisgrinde, seinen Blick in Richtung Frankreich zu den Vogesen schweifen lässt, zeigt sich einem oft ein überwältigendes Bild. Das Rheintal liegt mit Nebel bedeckt vor einem und die Hügel des Schwarzwaldes schauen aus dem Dunst. Mal ganz wenig, nur die Gipfel, mal etwas mehr, dem Nebel eine Form gebend. Am Horizont zeigen sich die Vogesen und runden das Bild ab. Wenn nun die untergehende Sonne ihr Licht auf das Nebelmeer wirft, ist dieser Anblick einzigartig. Ich liebe es.

Hier in meiner Heimat Süddeutschland gibt es noch viele andere schöne und landschaftlich äußerst reizvolle Gegenden, die es zu besuchen lohnt. Auch dort hat man gute Chancen, den mystischen Nebel auf Foto zu verewigen. Eine dieser Gegenden ist die Schwäbische Alb. Hier war ich letztes Jahr am Eichfelsen. Dieser liegt oberhalb des Oberen Donautals und bietet bei fast jedem Wetter eine wahnsinns Aussicht. Ich war dort eine gute Stunde vor Sonnenaufgang und konnte schon mal die Stimmung genießen. Der Tag begann zu dämmern und im Tal bildeten sich einzelne Nebelschwaden. Das sah so schon mal nicht schlecht aus, doch was sich mir später bot war fantastisch. Kurz vor Sonnenaufgang bildete sich im Tal ein Nebelfluss. Ich hatte so etwas noch nie gesehen und war dementsprechend von den Socken. Mir fiel sofort der mystische Fluss Styx ein, der in der griechischen Mythologie seine Wurzeln hat, so, genau so stellte ich ihn mir vor. Jetzt fehlte nur noch Charon der Fährmann mit seiner Barke. Also das war genau mein Ding.

Ich schätze mich glücklich hier leben zu dürfen, um solch schöne Landschaften bestaunen zu können. Ob in Süddeutschland oder im Norden. Wenn man die Augen offen hält, findet man immer und überall etwas, wo es sich lohnt die Kamera auszupacken. Burgen, weite Täler, verwunschene Seen und Tümpel, tiefe Wälder und die Höhenzüge der Mittelgebirge. Wenn dann noch die Nebelschwaden über das Land ziehen und die Gegend in mystisches Licht tauchen, ist das für mich ein Highlight im Spiel der Natur. Dann juckt mich der Auslösefinger und meine Fantasie geht auf Reisen zu fernen magischen Orten, an denen die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen.

In diesem Sinne, taucht ein in die Nebel und habt ne gute Zeit. Bleibt neugierig!

4 Kommentare zu „Nebelwelten

  1. Ein wunderbarer Artikel, Horst – vielen Dank dafür! Mir gefallen die Fotos sehr gut (vor allem die “schwarz-weißen”), aber auch Deine persönlichen Betrachtungen dazu. Das macht große Lust drauf, selber loszuziehen!

    Gefällt 1 Person

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