Venezia – Il Carnevale

Heute ist bereits Aschermittwoch und der Karneval würde zu Ende gehen, hätte er denn auch stattgefunden! Leider wurden überall die offiziellen Fastnachtsanlässe abgesagt, natürlich auch in Venedig. Die vielen Kostümliebhaber sind definitiv zu kurz gekommen. Gerne denke ich an meine zwei Reisen in die Lagunenstadt zu dem weltberühmten Carnevale die Venezia. Hier ein kleiner Rückblick:

Vor genau 12 Jahren reiste ich das erste Mal, im Rahmen eines Fotoworkshops, zum Carnevale nach Venedig. Bis dahin kannte ich den Carnevale nur von Fotos. Venedig hingegen habe ich bereits 1985 das erste Mal besucht und seither immer wieder. Damals kaufte ich mir die Minimasken als Souvenir und jetzt sollte ich den Carnevale endlich einmal live miterleben und vor allem fotografieren können. Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, was mich erwarten würde und freute mich auf die kommenden Tage und den ersten Morgen. Bereits vor Sonnenaufgang mussten wir auf dem Markusplatz sein. Es war eine kurze Nacht. Noch im Dunkeln fuhren wir mit dem Vaporetto auf dem Canale Grande entlang der imposanten Palazzi bis zur Fermata San Marco.

Es war noch relativ ruhig auf der Piazza, ein paar Fotografen schlichen bereits umher und auch ich stellte mein Stativ auf und machte ein Foto von den im Wasser schaukelnden Gondeln, mit der Kirche San Giorgio im Hintergrund. Sicher eines der meist fotografierten Motive in Venedig! Lange durfte ich mich damit nicht verweilen, denn schon trafen die ersten Masken ein (so werden die Maskierten genannt, es ist nicht nur die Gesichtsmaske damit gemeint) und mit ihnen auch weitere Fotografen.

Der Vorteil wenn man so früh vor Ort ist, es hat kaum Touristen und als Fotograf hat man die Masken für sich alleine. Womit ich aber gar nicht gerechnet habe, wie viele Fotografen sich nach und nach auf der Piazza einfanden. Für meinen Geschmack definitiv zu viele! Aber ich war nun mal da, schaute mich nach Masken um, welche an einem fotogenen Ort standen und für uns posierten. Tagsüber an den verschiedenen Plätzen war es noch extremer. Schulter an Schulter standen die Fotografen da und jeder wollte sein bestes Foto machen!

Mit etwas Geduld kann man die Aufmerksamkeit der Masken auf sich ziehen und ein paar schöne Fotos machen. Fotografiert man länger die gleichen Masken kommt es häufig zu einem Austausch der Visitenkarten. Es ist ein Geben und Nehmen. Die Maskierten stehen den Fotografen gerne Modell, hätten aber natürlich im Gegenzug ein paar schöne Aufnahmen. Durch den Austausch der Adressen und später das Zusenden der Bilder, entstehen schöne Kontakte und man erfährt auch etwas über den Menschen hinter der Maske. Wie das Ehepaar Le Bec aus Paris, welches seit mehr als dreissig Jahren mit neuen, sehr aufwändig genähten und verzierten Kostümen in die Lagunenstadt reisen. Hat man sie einmal gesehen, erkennt man sie im nächsten Jahr bestimmt wieder, bleiben sie ihrem Stil treu. Auch Postkarten gibt es von ihnen zu kaufen.

Mich fasziniert nicht nur die Maske als Ganzes, sondern die zahlreichen, mit viel Liebe genähten Details. Auffallende Stoffe, wunderbare Bänder, glitzernde Perlen und filigrane Stickereien, ich konnte mich nicht sattsehen und wollte soviel wie möglich auf den Sensor brennen! Man versteht schnell, dass es nicht nur ein Hobby ist, sondern eine Leidenschaft die gelebt und geliebt wird.

Eine weitere eindrucksvolle Maske ist der Monello (der Bengel). Ich habe Ute als Monello 2011 fotografiert und mich gleich in diese wunderschöne Maske verliebt. Die Farben, das aufwändig verzierte Kostüm und alleine wie sie als Monello auftritt, ist einfach bewundernswert. Fast wie aus einem Märchen entsprungen steht sie da und präsentiert hervorragend den Monello. Dazu die Kulisse dieser historischen Stadt, besser geht es nicht mehr! Man kann kaum aufhören zu fotografieren! Ute K. und ihr Mann sind das erste Mal 1998 zum Fotografieren an den Carnevale gefahren und wurden gleich mit dem Virus infiziert. Seither sind sie jedes Jahr in die Lagunenstadt gereist. Am Anfang kamen sie jedes Jahr mit einem neuen Kostüm, später wurden es mehr, inzwischen sind es bereits 3 Kostüme pro Person, welche sie in mehreren Koffern, Tüten und Rucksäcken nach Venedig schleppen. 

Neben dem Monello, der seit 2006 zu Utes Markenzeichen geworden ist, näht sie auch die anderen Kostüme (historische Gewänder) selber. Diese Gewänder aus der Renaissance-Zeit sind sehr aufwendig und sie braucht mehrere Monate, bis so eine Robe fertig ist!

Nicht zu unterschätzen ist ist das „Modellstehen“! Das heisst, nicht nur da stehen und sich fotografieren lassen. Man schlüpft regelrecht in eine andere Rolle. Dabei ist es sehr wichtig, diese Rolle auch zu spielen, nur so kommt sie authentisch herüber und das Kostüm ist eigentlich „nur“ der Schmuck. Wenn man gedankenlos da steht, ohne mit dem Körper und den Augen zu spielen, hilft auch das schönste Kostüm nichts. Es gibt Masken die das wunderbar beherrschen und ich immer wieder staune wie lange sie in ihrer Rolle bleiben. Es gibt aber auch vereinzelte Masken, die einfach wie „Säcke“ da stehen und sich abknipsen lassen. Ich bin überzeugt, dass sie sich dabei nicht viele Gedanken machen. Das sieht man auch gleich auf den Fotos und es macht keinen Spass sie zu fotografieren.

An einem Nachmittag wollte auch ich einmal als Maske in die Stadt gehen. Noch zu Hause habe ich in mehreren Stunden ein „altes Faschingskostüm“ herausgeputzt. Nicht zu vergleichen mit den aussergewöhnlichen venezianischen Masken, aber so ein Hauch Carnevale versprühte es schon 😉 

Es war komisch plötzlich auf der anderen Seite zu stehen. Ein bisschen überfordert war ich anfangs schon, wusste erst nicht wohin schauen und wie mich bewegen. Der Tipp von Pierrot (Foto oben), ich solle mir meinen eigenen Dialog im Kopf machen und eine Rolle spielen, hat mir geholfen und ich fand langsam gefallen daran mit den Fotografen zu „spielen“. 

Das Fotografieren vermisste ich schon ein bisschen, so dass ich manchmal die Kamera unter dem Umhang hatte und so die verdutzten Fotografen fotografierte 🙂 Nach ein paar Stunden ging ich gerne ins Hotelzimmer zurück, zog mich um und widmete mich wieder ganz dem Fotografieren.

Eine sehr intensive Woche mit wenig Schlaf, unzähligen Kilometern zu Fuss, vielen Gigabytes Fotos und unvergesslichen Eindrücken geht zu Ende und wir traten schweren Herzens unseren Heimweg an. Ein letztes Mal liefen wir durch die engen Gassen Richtung Bahnhof. Es war kein einfaches Durchkommen, mit Fotorucksack und Koffer, über zahlreiche kleinen Brücken und Gässchen und mit einer Unmenge an Touristen. Fast hatte man das Gefühl die halbe Welt sei in Venedig.

So ruhig wie in diesem Jahr war es wohl noch nie zur Karnevalszeit in Venedig. Ich wünsche es den Venezianern und vor allem den Liebhabern des Carnevales, dass 2022 wieder viele Masken in einmaligen Kostümen nach Venedig pilgern und die Herzen vieler Carnevale Fans höher schlagen lassen.

7 Kommentare zu „Venezia – Il Carnevale

  1. Was für ein schöner Artikel, Susanne! Sehr unterhaltsam geschrieben, gespickt mit tollen Fotos.
    Verrückt, wieviele Fotografen da unterwegs sind. Das i- Tüpfelchen ist natürlich, dass du die Seite gewechselt hast und als Maske Teil deines eigenen Artikels bist. Klasse!

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  2. Vielen Dank für den schönen Bericht und die herrlichen Bilder. Der Artikel ist toller Ersatz für die entgangenen Umzüge der letzten Tage. Mich begeistern die Farbigkeit, das tolle Licht und die Masken selber, die so passend mit ihren Posen mitgemacht haben.
    Ich selber war auch schon zweimal in Venedig und die Stadt hat mich total fasziniert. Leider noch nie zum Carnevale.

    Viele Grüße

    Uli

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      1. Liebe Susanne. Was für ein spannender Bericht über den Carneval in Venedig. Ich wünsch Dir eine gute Zeit. Bernhard

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  3. Hallo Susanne, vielen Dank für die wundervolle Reise zum Karneval nach Venedig. Gerade in der aktuellen Zeit zeigt der Bericht, was unser gemeinsames Ziel ist, die Rückkehr zur Normalität. Tolle farbenfrohe Fotos und eine aufregende Geschichte dazu. Mir hat der Karneval in diesem Jahr gefehlt und ich setze ganz auf 2022.

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