In der Kinderstube der Spechte

Flaniert man in diesen Spätfrühlingstagen so durch unsere mitteleuropäischen Wälder, kann man hin und wieder lautes Fiepen und Zwitschern vernehmen. Kein normaler Vogelgesang, sondern die eindringlichen Bettelrufe junger Vögel, die gefälligst ihre hungrigen Mägen gefüllt bekommen wollen. Am lautesten tun das die kleinen Spechte.

Und weil sie bekanntlich in Baumhöhlen (selbstgezimmert!) brüten, die sich oftmals hoch oben an glatten Stämmen befinden, brauchen sie keine Angst für Fressfeinden zu haben und können dementsprechend ungehemmt herumschreien. Da lohnt es sich durchaus, mal genauer hinzuschauen.

Gestern konnte ich nämlich in einem Buchenwald am Kaiserstuhl folgende schöne Szene beobachten:

So ein glatter Buchenstamm ist vermutlich eine unüberwindbare Hürde für Marder und andere potenzielle Nesträuber – erst recht, wenn die Höhle in vielleicht 15 Metern Höhe gezimmert wurde. Eine schöne Aussicht hat man von dort! Wobei dieser junge Buntspecht (erkennbar an seiner noch ganz roten Kopfplatte) vermutlich weniger an dieser interessiert war als vielmehr an Mampf.

Aha, da kommt ja schon der Herr Papa! Aber mit leerem Schnabel?

Auch die Mama (ohne Rot am Hinterkopf) hat irgendwie nichts dabei. Was ist denn hier bitte los?

Jetzt aber:

Aha, na bitte, geht doch!

Wie denn, war das etwa schon alles?

Ich schätze, die kleinen Buntspechte (wobei ich immer nur ein Köpfchen sehen konnte) werden nur noch wenige Tage in ihrer Kinderstube verbringen, bevor sie ausfliegen. Dann fängt der Ernst des Lebens (mit all seinen Herausforderungen und Gefahren) so richtig an, und man wird auch nicht so mehr so laut sein dürfen.

Das kann für uns Naturbegeisterte nur heißen: Jetzt besonders aufmerksam durch die Wälder streifen, und Augen und Ohren weit öffnen!

27. Mai 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

9 Kommentare zu „In der Kinderstube der Spechte

  1. Tolle Bilder, bin schon seit einiger Zeit auf der Suche um ein paar kurze Filmsequenzen für eine kleine Todholz – Doku zu machen, aber ich höre nur das Gehämmer und sehen die Vögel fliegen, so richtig vor der Kamera habe ich noch kein Bruthöhle gefunden. Wird aber noch, Naturfilmer/Fotografen brauchen Geduld. Danke für deine Motivation 😊Vielleicht verräts du mir ja deinen Spot😉

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    1. Vielen Dank für Deinen lobenden Kommentar, lieber Mustafa! Inzwischen ist die Brutsaison der Spechte ja mehr oder weniger vorbei. Wenn ich aber im nächsten Frühling mal wieder eine Höhle bei Kirchzarten finden sollte, sage ich gerne Bescheid. Liebe Grüße, Sebastian

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  2. Hallo Sebastian,
    ich habe noch nie Spechte so in freier Wildbahn gesehen, nur gehört; und ich war in den letzten 55 Jahren viel im Wald und der freien Natur. Eine ganz tolle Serie hast du eingefangen und kommentiert.

    Grüße, Uli

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    1. Vielen Dank, Uli! Es freut mich natürlich sehr, dass Dir der Artikel und die Aufnahmen gefallen. Achte nächstes Jahr im Mai einfach mal drauf, ob irgendwo das Bettel-Gekreische der Jungspechte zu hören ist. Dann sind sie meistens gar nicht so schwer zu finden. Ich wünsche schon jetzt viel Erfolg! Viele Grüße, Sebastian

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  3. Hallo Sebastian, vielen Dank für Deinen Bericht. Unermüdlich wie Mama und Papa Specht Futter herbeifliegen. So eine schöne Beobachtung. Bisher konnte ich die Spechte nur aus der Ferne sehen. Vielleicht müsst ich mal mehr in die Luft, als auf den Boden schauen beim Waldspaziergang 😉

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Susanne! Irgendwann muss man natürlich hochschauen, denn im Boden brüten sie gewiss nicht, die Spechte 😉 Aber ich habe schon oft erlebt, dass Leute auf der Suche nach Pflanzen (ob nun zum Botanisieren oder zum Fotografieren) vieles vom „Wildlife“ um sie herum mitbekommen, einfach weil sie so langsam unterwegs sind. Von daher hast Du doch beste Voraussetzungen! Klar ist: Wer einfach nur rastlos und hektisch durch dir Gegend eilt, wird garantiert nichts beobachten…

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