Auf dem Belchen wohnt ein Teufelchen

…und was sich reimt, ist gut! Das wusste schon der Pumuckl. Der hätte vermutlich auch seine Freude gehabt gestern auf dem Gipfel des Belchen hier im Südschwarzwald. Dank dem Einsatz modernster Informationstechnologie (Chat-Messenger und ornitho-App) wusste ich, dass sich schon seit mehreren Tagen ein für unsere Breitengrade ziemlich besonderer Vogel aufhält. („Besonders“ übrigens nicht im Sinne von „schräger Vogel“, sondern ungewöhnlich). Und den wollte ich mir unbedingt ansehen.

Die Rede ist von der Ohrenlerche (Eremophila alpestris). Lerchen sind ja (als Offenlandbewohner und Bodenbrüter) in der Regel sehr unscheinbar gefärbte Tiere, die optisch um keinen Preis auffallen wollen. Nicht so die Ohrenlerche. Besonders die Männchen im Prachtkleid sind regelrecht bunt mit der kontrastreichen Schwarz-Gelb-Zeichnung auf Kopf und Kehle. Ich finde sie einen wunderschönen Anblick.

Und dann erst die (namengebenden) Ohren! Ich sehe sie eher als kleine Hörnchen an (passend übrigens zum englischen Artnamen „Horned Lark“) und stelle mir manchmal vor, dass es kleine Teufelshörner sind. Aber soweit muss man natürlich nicht gehen.

Wo lebt die Ohrenlerche denn sonst so? Und was treibt dieses Individuum gerade auf dem Belchengipfel? Also generell haben Ohrenlerchen ein sehr großes Verbreitungsgebiet und kommen an ziemlich unterschiedlichen Orten vor. Innerhalb Europas gibt es sie in Skandinavien und der russischen Tundra, aber auch in den Gebirgen des Balkans in Südosteuropa. Auch die Vorkommen im marokkanischen Atlas-Gebirge sind nicht allzu weit weg. (Eine Übersichtskarte findet sich im Wikipedia-Artikel).

Das Belchenteufelchen (ich nenne es jetzt einfach mal so) ist ziemlich sicher ein skandinavischer Vogel. Seine Artgenossen bevölkern zurzeit die Küsten von Nord- und Ostsee, wo sie die Wintermonate verbringen (oftmals vergesellschaftet mit Schneeammern, Berghänflingen oder auch Grauammern). Dieser Vogel hier ist also irgendwie übers Ziel hinausgeschossen. Ob er sich verflogen hat, von einem Sturm verdriftet wurde oder ganz einfach unternehmungslustig war? Wir werden es wohl nie erfahren. Auf jeden Fall fühlt er sich scheinbar recht wohl auf dem kargen Belchen-Gipfel, der ihn vermutlich an seinen Sommer-Lebensraum erinnert. Nahrung hat er jedenfalls ohne Probleme gefunden, davon konnte ich mich gestern überzeugen.

Wir wollen aber hoffen, dass er demnächst den Absprung schafft und rechtzeitig zum Beginn der Brutsaison wieder in der hochnordischen Tundra oder auf dem Fjäll ist, um eine kleine Ohrenlerchen-Familie zu gründen.

Wir wünschen guten Flug!

20. März 2026
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)


PS: Falls jetzt jemand einen Ausflug auf den Belchen plant – auch eine Alpenbraunelle hält sich dort momentan auf!


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Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

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