sogesehen – Monatsfoto September

Ein Maimorgen am Stadtrand von Haapsalu im Nordwesten von Estland. Obwohl es noch früh am Tag ist, steht die Sonne bereits über dem Horizont. Die Ohrentaucher, für die ich eigentlich hergekommen bin, lassen sich nirgends blicken. Also fahre ich mit dem Mietwagen im Schritttempo weiter auf dem Asphaltsträßchen am Rande des Gewerbegebiets auf der Suche nach anderen Motiven. Es ist Sonntag, und ich bin als einziger zu dieser frühen Stunde unterwegs. Soll mir recht sein!

Gerade rolle ich aus der Sonne in den Halbschatten eines Gebäudes am Straßenrand, als ich im milden Gegenlicht mitten auf dem Asphalt einen kleinen Vogel erblicke. Nach einem kurzen Moment erkenne ich: ein Flussregenpfeifer, wie schön! Und noch dazu sehr nah. Also jetzt ganz sachte das Auto in einem günstigen Winkel angehalten, die Fensterscheibe heruntergelassen, die Kamera in Anschlag gebracht und schließlich ausgelöst. Einige Bilder sind bereits im Kasten, als ich kurz absetze und etwas umherschaue. Und siehe da: Ein Stück weiter sitzt ja noch einer! Ein Paar?

Ich habe kaum nachdenken können, wie sich wohl beide Vögel in eine Komposition einbauen lassen, da geht es auch schon los: Die beiden stürzen sich aufeinander und attackieren sich unglaublich schnell und aggressiv. Sie flattern, rennen, treten und hacken, als gehe es ums nackte Überleben. Die Straße wird plötzlich zur Kampfarena! Ich habe meine liebe Not, die Streithähne im Bildausschnitt zu halten und wage kaum zu atmen. Was für eine Szene! Schon nach wenigen Minuten ist das Spektakel vorbei und die Rivalen gehen ihrer Wege.

(Dieses Foto mitsamt Text wurde im diesjährigen August-Heft der Zeitschrift NaturFoto unter dem Titel „Duell auf der Straße“ in der Rubrik „Augenblick“ abgedruckt.)

1. September 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

5 Kommentare zu „sogesehen – Monatsfoto September

    1. Hallo Uli,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Freut mich, wenn Dir die Aufnahme gefällt. Dieser Morgen war wirklich besonders, und die Beobachtung spektakulär, auch wenn die Umgebung eigentlich völlig banal war… Aber so ist das halt manchmal!
      Beste Grüße
      Sebastian

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