Marrakesch-FOTOGRAFIE

10 Fotobegeisterte + 1 Fotografin x 5 Tage Marrakesch = ca. 20.000 Bilder!

Mit diesen Fakten starten wir in diesen Blog. Die Reise ist vorbei, der Alltag hat uns wieder und man steht vor einer riesigen Bilderflut. Die ersten unscharfen Bilder sind schnell gelöscht und beim Betrachten der Bilder wechseln sich Freude und Enttäuschung ab. Fotos, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann, entpuppen sich als wahre Perlen und was vor Ort als Hammerbild Glücksgefühle auslöste, ist leider verwackelt. Neutral betrachtet bleiben von so einer Reise nicht mehr als 50 richtig gute Bilder übrig.

Peter Heidecker

Und nun? Für einen digitalen Tiefschlaf sind die Fotos viel zu schade, also entscheiden wir uns, eine Ausstellung zu organisieren.
Wer sind „wir“?
Eine Gruppe leidenschaftlicher Fotografen/- innen aus dem tiefen Südwesten Deutschlands. Wir kennen uns alle von vorherigen Fotoreisen bzw. treffen uns einmal im Monat zum gemeinsamen Fotografieren. Der „Nabel“ um den sich unsere Gruppe dreht ist Petra Böttcher, Dozentin für Fotografie. Sie ist unsere Organisatorin, unser kreativer Geist und unsere neutralste und ehrlichste Kritikerin.
Unter ihrer Anleitung und Führung und unter der Schirmherrschaft der VHS Rheinfelden beginnen für uns zwei zeitintensive und emotionale Monate.
Eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, hört sich im ersten Moment recht einfach an. Jeder sucht sich seine 5 Lieblingsbilder aus und für das Plakat und die Flyer wird gemeinschaftlich abgestimmt.
Es gibt sicher viele Ausstellungen, die nach diesem Schema ablaufen. Die Auswahl jedem einzelnen Fotografen zu überlassen könnte aber bedeuten: 10x Sonnenuntergang am gleichen Ort.

Stefanie Röschke

Wir waren uns schnell einig, wir wollten Vielfalt!
Qualitativ hochwertige Bilder in einer großen Bandbreite. Die Ausstellung sollte nicht nur bekannte Motive zeigen, sondern Fotos des täglichen Lebens.
Bei der Vorbereitung der Reise wurde immer wieder darüber diskutiert, ob man Menschen fotografieren darf/ soll. Dies hatte weniger mit den Hemmungen des Fotografen zu tun, als mit dem Umstand, dass religiöse Gründe oder auch das „Posen“ gegen Bezahlung dagegen sprechen könnten.
Viele von uns reisten mit dem Vorsatz nach Marrakesch, sich eher nicht in diesen Konflikt zu begeben. Bei der Sichtung von hunderten von Fotos haben wir schnell festgestellt, dass das Motiv „Mensch“ alle anderen Bilder quantitativ und qualitativ überragte. Eine farbenreiche Auswahl freundlicher Menschen gehörte ebenso dazu, wie düstere Serien in schwarzweiß.

Martin Dietsche
Stefanie Röschke
Petra Böttcher

Uns von den Menschen loszureißen und den Fokus auch auf andere Motive zu lenken, fiel uns nicht leicht. Prunkvolle Gebäude, Graffiti, belebte Plätze, prachtvolle Gärten, Gewusel in den Souks – auch das ist Marrakesch und gehört natürlich unbedingt zu einer Ausstellung mit dazu.

Stephan Männer
Ina Teichert
Ina Teichert
Angelika Ehlers
Markus Becker

Besucht man Marrakesch zum ersten Mal, wird man von den Eindrücken, den Gerüchen und dem Lärm erschlagen. Man nimmt die Kamera in die Hand und fotografiert einfach los. ISO, Blende, Verschlusszeit? Völlig egal!
Die ersten Bilder unterscheiden sich nicht wirklich von Schnappschüssen mit dem Handy. Nach ein paar Stunden, oder sogar erst nach 1-2 Tagen, hat man sich an die Eindrücke gewöhnt und wird gelassener. Jetzt beginnt die Zeit, sich mit den außergewöhnlichen Motiven und besonderen Aufnahmetechniken zu beschäftigen. Ohne diese innere Ruhe und eine gehörige Portion Geduld sind solche Perlen nicht möglich:

Juliane Vier (Polaroid)
Susanne Kirschnek (Mehrfachbelichtung)

Die Auswahl der Bilder für eine Ausstellung ist ein sehr aufwändiger und emotionaler Prozess. Warum emotional?
Jeder Fotograf hat eine persönliche Beziehung zu seinen Bildern. Stolz, Freude und das eigene Erleben des Momentes trüben den objektiven Blick. Plötzlich findet die Auswahl durch eine neutrale Person statt, welche eine klare Vorstellung über die Qualität, Vielfalt und Wirkung der Bilder hat. Dies führt unweigerlich dazu, dass das eigene Lieblingsbild den Kriterien nicht standhält, oder eine ähnliche Aufnahme eines anderen Fotografen gewählt wird, und das Lieblingsfoto dadurch raus fliegt. Das muß man erst mal verkraften!

Birgit Agostini

Am Ende unseres Auswahlprozesses stellten wir fest, dass wir eine unbeschreiblich große Anzahl an wunderschönen Katzenbildern hatten. Diese passten nicht wirklich in die gewählten Serien, aber zeigen wollten wir sie auf jeden Fall. Die Idee einer eigenen Katzenecke entstand 🙂

Stefanie Röschke

Natürlich ist mit Auswahl der Bilder die Arbeit nicht getan. Rahmengröße, Passepartout, Hängeplan bis hin zu Fingerfood an der Vernissage, alles muß organisiert sein.

Ja, es ist viel Arbeit. Die kulinarischen Leckereien zwischendurch und die lockere Atmosphäre erinnerten jedoch eher an einen Fotoabend mit guten Freunden als ein Arbeitswochenende in der VHS. Wir sind uns sicher, dass man diese Stimmung während eines Bummels durch unsere Ausstellung spüren kann.

Petra Böttcher (Plakat)

Ein großes Dankeschön an Petra Böttcher, der VHS Rheinfelden und der Stadt Rheinfelden. Einen besonderen Dank auch an unsere Familien, die auf uns manches Wochenende verzichten mussten.

Nachtrag:
Leider war die Ausstellung wegen der Corona- Pandemie nur für zwei Wochen der Öffentlichkeit zugänglich. Um diese trotzdem einem breiten Publikum zu zeigen, wurde sie mit viel Fleiß von Petra Böttcher und der Unterstützung der VHS Rheinfelden virtuell „nachgebaut“. Viel Spaß beim Bummel durch unser Ausstellung „Marrakesch- FOTOGRAFIE“

12 Kommentare zu „Marrakesch-FOTOGRAFIE

  1. Super geschrieben. Da bekommt man ein Gefühl dafür, wie es bei der Vorbereitung einer Ausstellung in den Teilnehmern aussieht.
    Freue mich schon auf deine weiteren Beiträge.

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    1. Vielen lieben Dank. Auch ich schaue mir die Fotos immer wieder gerne an, gerade in der jetzigen Zeit in der solchen Reisen nicht möglich sind.

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