Nachsaison am See

Ein Sonntag im Schwarzwald Anfang September. Es könnte jetzt noch hochsommerlich sein. Am See könnten sich Urlauber und Tagesausflügler nur so tummeln.

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Tja, tun sie aber nicht. Es ist kalt und grau, nur eine Handvoll Leutchen verlieren sich am Ufer. Man muss in der Tat keinerlei Sorge haben, heute kein Boot ausleihen zu können…

Ich hätte dabei rein gar nichts gegen etwas mehr Sommerstimmung. 22 Grad anstatt 12 Grad zum Beispiel. Wenigstens etwas Sonnenschein. Ein bisschen mehr ausgelassene Stimmung rund um die Attraktionen für Groß und Klein.

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Und doch, und doch…

Wenn ich ehrlich sein darf, gefällt mir diese Nachsaisonsstimmung auf eine seltsame Weise auch gut. Mal abgesehen von den Vorteilen, die es hat, wenn sich keine Menschenmassen am Ufer entlang wälzen (Stichwort „Abstand“) – die Stille, das Gefühl der Verlorenheit, des Aus-der-Zeit-Gefallen-Seins, sie erfüllen einen doch mit einem irgendwie leichten und schönen Gefühl der Melancholie.

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Ich vermute, es hat insbesondere mit den still daliegenden Booten zu tun. Sie sind nun wirklich dazu gedacht, auf den See gebracht und gefahren zu werden. Es sollen Leute in ihnen sitzen und sich amüsieren, sie sollen übers Wasser tuckern, die ungewohnten Ausblicke genießen und jauchzen, wenn sie in die Wellen des Ausflugsschiffs geraten und darin hin- und herschaukeln.

Aber heute?

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Heute liegen die meisten von ihnen stumm am Bootsteg und fügen sich offenbar in ihr Schicksal.

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So ein kühler Tag im Spätsommer führt einem vor Augen, dass der Herbst vor der Tür steht, dass die Tage kühler werden und die grüne Jahreszeit bald unwiederbringlich vorüber ist.

Aber es gibt eben auch noch Hoffnung auf den einen oder anderen warmen Tag! Man muss also nicht in Depression verfallen, sondern darf noch auf einen gnädigen Wettergott hoffen…

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Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

Ein Kommentar zu “Nachsaison am See

  1. Ein schöner, stimmungsvoller Beitrag. Durch die Farben wird die Melancholie noch verstärkt. Der Herbst ist (bei mir) oft mit einem Gefühl des Abschied Nehmens und dem Bewusstsein der Endlichkeit verbunden. Ich finde diese ruhige Stimmung nach einem lauten Sommer gar nicht schlecht. Ganz nach einem Lied von Reinhard Mey: „Ich liebe das Ende der Saison“

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