Liebeserklärung an das Leberblümchen

Welche Blumen fotografierst Du am liebsten?

Diese Frage wird mir sehr oft gestellt und es ist wirklich schwierig eine klare Antwort darauf zu geben. Für mich hat fast jedes Blümchen etwas Reizvolles an sich. Sei es von der Farbe, von der Grösse, in welchem Umfeld es wächst und nicht zuletzt was es ausstrahlt. Jede Jahreszeit bringt wieder neue Schönheiten zu Tage, welche sich gerne von allen Seiten ablichten lassen. Jetzt in dieser Jahreszeit kann ich klar sagen, nach den Schneeglöckchen, ist definitiv das Leberblümchen meine Lieblingsblume.

Hepatica Nobilis, wie diese zarten Frühblüher wissenschaftlich heissen, tragen zurecht den Zunamen Nobilis. Es hat schon etwas Nobles und Edles, wenn diese Blümchen ihre feinen lila-blau gefärbten Blütenblätter gen Himmel richten. Sie sind sehr zart und doch so robust, selbst ein kurzer Wintereinbruch kann ihnen nicht viel anhaben. An den nächsten Sonnentagen öffnen sie wieder ihre Köpfchen und strahlen um die Wette! Einen sehr schönen Farbkontrast bieten die vielen weissen Blütenstempel, die wie kleine Stecknadeln auf einem hellgrünen Kissen stecken. Man findet auch rosa und weisse Leberblümchen, je nach Standort kann das sehr variieren. Noch bevor sich das erste Grün im Wald zeigt, setzen sie mit ihren feinen Farben, wunderbare Farbakzente auf den noch trockenen, hellbraunen Laubteppich in Buchen- oder Eichenwäldern. Sie bevorzugen lehmigen, kalkhaltigen Boden und lieben eher schattige Ecken. Die Leberblümchen wachsen sehr langsam, vom Samen bis zur Blüte kann es gut 4-7 Jahre dauern. Leider ist das Fastenblümchen oder Faschtumejia wie es im Wallis heisst, am Verschwinden und ist daher geschützt, es darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

Die botanische Bezeichnung des Leberblümchens Hepatica kommt aus dem griechischen und bedeutet Leber, denn seine Laubblätter erinnern im Umriss an die Form der menschlichen Leber. Bereits im 16. Jahrhundert schrieb Hieronymus Bock über das Leberblümchen: „Diese Kraut inn wein gesotten und getrunken, eröffnet und heilet die verstopfte Leber.“ Auch die Indianer benutzten es bei Lebererkrankungen. Nachahmen ist nicht zu empfehlen, denn wie viele Pflanzen ist auch das Leberblümchen giftig und darf nicht einfach so eingenommen werden. In der Homöopathie wird es noch bei Bronchitis und Lebererkrankungen angewendet.

Das Leberblümchen ist ein regelrechter Frühaufsteher unserer heimischen Flora. Alle Jahre wieder, sobald es wieder ein bisschen wärmer wird, kann ich es kaum erwarten gegen Ende Februar die ersten Blümchen aufzusuchen und zu fotografieren. Dieses Jahr habe ich es noch nicht wirklich geschafft, mich meinen Lieblingen ausgiebig zu widmen. Beim ersten Besuch waren sie noch nicht richtig am blühen, beim zweiten Mal wollten sie ihre Köpfchen nicht ganz öffnen, denn es wehte ein recht kühler Wind und die Wolken schoben sich immer wieder vor die Sonne. Nun hoffe ich demnächst noch ein paar fotowillige Blümchen zu finden und sonst freue ich mich auf die „zweite Saison“. Wenn im Unterland die Blütezeit im März zu Ende geht, blühen sie nämlich in den Voralpen und ich kann dann hoffentlich aus dem Vollen schöpfen.

Jedes Jahr ist es eine neue Herausforderung, die immer gleichen Blümchen auf eine andere Art zu fotografieren. Sie sehen auf den ersten Blick alle gleich aus und doch findet man immer wieder kleine „Persönlichkeiten“. Es ist faszinierend wie anders die Welt durch den Sucher aussieht und wenn ich so auf dem Waldboden liege und nach einem geeigneten Hauptdarsteller suche, kann ich in meine eigene Fantasiewelt abtauchen und meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Die Tänzerinnen
Die Liebenden
Der Solotänzer
Der Träumer
Das Einsame
Die Verzauberten
Der Nachtschwärmer

Jetzt gebe ich die Frage gerne weiter: Welches ist Eure Lieblingsblume?

10 Kommentare zu „Liebeserklärung an das Leberblümchen

    1. Wunderschöner Beitrag! Die Bilder sind einzigartig schön 🌸 es gibt so viele wunderschöne Blumen, aber mir haben es tatsächlich die „Vergissmeinnicht“ sehr angetan 😊

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      1. Danke Jasmin, ich muss gestehen, das Vergissmeinnicht hat es erst einmal vor meine Linse geschafft … aber dieses Jahr vergesse ich es nicht ☺️.

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  1. Liebe Susanne
    Was für schöne Fotos du wieder gemacht hast. Das Leberblümchen kommt unter deinem Licht besonders elegant und filigran daher. Ich liebe deine Fotos und bewundere deine Achtsamkeit gegenüber den Wundern der Natur.

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  2. Meine Lieblingsblume ist die Heide! Meine Großeltern haben ein paar gepflanzte Heidepflanzen im Garten und wann immer ich raus bin fotografieren mache ich IMMER ein Foto von der Heide, ich liebe ihre Farben, ihre Formen, einfach alles.
    Ich finde Leberblümchen auch voll schön! Tatsächlich haben ich noch nie so viele gesehen, die kann ich in den letzten Jahren an einer Hand abzählen 😀 Wunderschöne Fotos dafür! 🙂

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