1 m² (der Erste)

Was meint Ihr? Ist die Welt groß oder klein?

Es gab mal eine Zeit, da konnte uns die Welt nicht groß genug sein. In rasantem Tempo durchreisten wir in kürzester Zeit mehrere Länder, und auch entlegenste Orte waren, mit modernen Transportmitteln und genügend Kleingeld, schnell und leicht zu erreichen.

Plötzlich war die Welt klein geworden! Zu klein für manche Milliardäre, die ihr unternehmerisches Wohl nun auch außerhalb der Erde such(t)en. Seit etwa zwei Jahren ist die Welt wieder groß geworden, ja schon fast riesig!

Ähnlich wie in meiner Kindheit sind manche Reiseziele wieder unerreichbar oder nur mit viel Planung und einem gewissen Risiko zu bereisen. Besonders Fotografen lieben das Reisen, und nach dem x-ten Fotoausflug auf den heimischen Lieblingsberg sehnt man sich doch nach Abwechslung, spektakulären Landschaften und neuen Eindrücken.

„Nicht in die Ferne, in die Tiefe sollst du reisen“ *

Philosophisch ist hier sicher nicht die räumliche Tiefe gemeint, aber ich nehme den Satz mal wörtlich. Manchmal findet man sein fotografisches Glück direkt vor (oder hinter) der eigenen Haustür, manchmal sogar unmittelbar unter den eigenen Füßen. Und genau davon handelt meine kleine Serie 1 m² .

Den Anfang mache ich mit einem Stück Ödland, in einem Geotop in Grenzach-Wyhlen, etwa 25km von meinem Heimatort entfernt. Hier traf ich mich an einem sonnigen Samstagvormittag mit ein paar Fotokollegen zum monatlichen Fotowalk der VHS Rheinfelden. Von einem Spaziergang konnte bei mir jedoch nicht wirklich die Rede sein, denn ich habe mich geschlagene zwei Stunden auf einem einzigen kleinen Flecken Erde aufgehalten.

Völlig unspektakulär, oder? Trockene Erde, keine blühenden Pflanzen, keine Schmetterlinge – nur etwas Moos und Unkraut.

Unglaublich, was für eine Fülle an Motiven so ein Stückchen „Nichts“ hervorbringen kann. Man verliert den Bezug zur realen Umgebung und befindet sich plötzlich in einer anderen Welt: Hobbit- Auenland am südlichsten Punkt Baden- Württembergs 😉

Nochmal zurück zur Eingangsfrage. Ist die Welt nun groß oder klein? Ich würde behaupten: Sowohl als auch!

Eigentlich groß genug für ein friedliches Miteinander und Nahrung für alle – anscheinend zu groß für gemeinsame Lösungen, Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit – klein genug, dass ein Virus den Takt angibt – aber zu klein für unseren Lebensstil.

Und wie geht die Serie 1 m² nun weiter? Was fotografisch im Großen möglich ist, müsste doch auch im Kleinen funktionieren. Die Landschaftsfotografie machte den Anfang, und ich bin selbst gespannt, wohin mich diese Reise führt.


*Ralph Waldo Emerson (US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller)

18 Kommentare zu „1 m² (der Erste)

    1. Ist das so? Wiegt uns das nicht in einer falschen Sicherheit? Nach dem Motto: „Wir müssen noch nichts tun, denn das richtet sich schon noch alles von alleine?“

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  1. Die vermeintlich kleinsten Dinge werfen oft die größten Schatten. Toller Artikel Steffi und tolle Fotos. Ich liebe es die großen Dinge im Kleinen zu suchen. Bin gespannt wie es weitergeht.

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  2. Super geschrieben. Manchmal sollte man beim „Kleinen“ bleiben aber das „Große ganze“ nicht vergessen, insbesondere was Umwelt und Klima angeht.
    Dein Text ist fast philosophisch. Und dazu noch die tollen Bilder. Weiter so.

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    1. Herzlichen Dank, Markus,
      es freut mich, dass dir der Text und auch die Bilder gefallen. Meistens stehen ja die Fotos im Hauptfokus und der Text bildet den Rahmen. Diese Gewichtung auch mal zu verschieben, fordert sowohl den Schreiber als auch den Leser, aber das ist ja nichts Schlechtes 😉

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    1. Hallo Josepha,
      „Moose und Flechten sind doch die Wälder der kleinen Tiere“. Sehr schön! Die Metapher gefällt mir wirklich gut. Danke für deine netten Worte 🙂

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  3. Super Bilder und ein wirklich schöner Text! Und für mich eine Inspiration, in der Zeit, die ich bei den Hunde- Senioren- Spaziergängen stehend verbringe den Blick nach unten zu werfen!☺️☺️

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    1. Ja, bei solchen Zeitlupen- Spaziergängen hast Du sicher genügend Gelegenheit, deine Umgebung genauer zu betrachten 🙂
      Ich würde da jedoch ohne Kamera bzw. ohne Brille (die liegt meistens zu Hause) nicht wirklich was entdecken 😉

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  4. Da ich nicht über genügend Geld verfüge, in den Weltraum einzutauchen, um schönere Bilder unserer Planeten zu schießen, einfach mal das Makro oder Nahlinsen oder den günstigen Umkehrring auf die Kamera schrauben und in eine andere, kleinere Welt eintauchen. Toll geschrieben und gesehen Stefanie, geradezu eine Herausforderung, mal einen Quadratmeter Erde abzustecken und genauer hinzuschauen! Bin gespannt, wie´s weitergeht!

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    1. Hallo Rainer,
      richtig analysiert! Ich hatte eine Vorsatzlinse vor mein Makro geklemmt, dadurch kommt man den kleinsten Motiven nochmal ein Stück näher.
      Ich bin normalerweise eigentlich jemand, der beim Fotografieren „Strecke“ macht, d.h. gerne auf den Beinen ist und immer neugierig darauf, was hinter der nächsten Ecke spannendes passiert.
      Für mich war das Beschränken auf eine kleine Fläche eine neue Erfahrung, welche mich gefordert, aber auch viel Spaß gemacht hat (ob das jetzt wirklich genau ein Quadratmeter war, lass ich mal dahin gestellt, ein Maßband hatte ich nicht dabei 😉 )
      Grüße
      Stefanie

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  5. Hallo Stefanie,
    was für ein wunderbares Abtauchen in diese Miniwelt. Oder grosse Welt in der Kleinen?? wie auch immer 😉 Unglaublich was Du auf diesem kleinen Flecken Erde für Schätze gefunden hast und mit der Kamera so toll einfangen konntest. Die Bilder sind genial und sprechen mich sehr an. Um so neugieriger bin ich auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüsse
    Susanne

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    1. Danke Susanne 🙂
      und ein großes Dankeschön an dich zurück, denn deine Fotos inspirieren mich immer wieder aufs Neue und dadurch bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, auch mal in diese Miniaturwelt einzutauchen.
      Liebe Grüße Steffi

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  6. Hallo Steffi,
    grandiose riesenhafte Welt im Kleinen.
    Eine tolle Idee sich auf ein Areal von einem Quadratmeter zu beschränken. Mir gefällt besonders das Spiel von Schärfe und Unschärfe innerhalb der einzelnen Bilder. Der ganze Bericht ist super; er regt zum Nachdenken an.
    Vielen Dank dafür.

    Grüße, Uli

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    1. Lieber Uli,
      vielen Dank für deine netten Kommentare. Nicht nur zu meinen Beiträgen, sondern auch zu denen meiner Blogkolleg*innen. Ich freue mich immer drauf und habe schon fast befürchtet Du hättest mich vergessen 😉
      Deshalb, gerne weiter so!
      Grüße
      Steffi

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