Dem Himmel so nah – Bergtour zum Seekofel in Südtirol

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“

Johann Wolfgang von Goethe

Für uns ging es bereits zum vierten Mal in Folge in unserem Sommerurlaub nach Südtirol.  Jedes Jahr aufs Neue fasziniert uns die Bergwelt mit ihrer wunderschönen Landschaft und ihren eindrucksvollen Felsformationen. In den Bergen merkt man erst, wie klein der Mensch ist und wie gewaltig die Natur wirkt.

Als wir das erste Mal im August 2018 Südtirol für uns entdeckten, ging es an einem Morgen an den Pragser Wildsee (Lago di Braies). Wir waren sofort von dem glasklaren türkisfunkelnden See begeistert, welcher von einer wunderschönen Berglandschaft umgeben wird. An dieser Stelle möchte ich jedoch kurz erwähnen, dass der See zum „Hotspot“ für Touristen geworden und daher leider sehr überlaufen ist. Die Gemeinde sperrt auch die Straße zum See in den Sommermonaten von 09.30 – 16.00 Uhr ab, da sonst vermutlich völliges Chaos herrschen würde. Da wir bei Wanderungen jedoch Frühaufsteher sind und es einfach lieben, wenn wir (soweit es geht) die Landschaft für uns alleine haben, waren wir damals gegen 7.30 Uhr vor Ort und konnten den Rundgang um den See zunächst mit wenigen Personen alleine genießen. Damals begeisterte uns bereits der herausragende Berg Seekofel mit seinen 2.810 m, der zu den Pragser Dolomiten gehört, und uns war dort schon klar: eines Tages werden wir diesen Berg besteigen und vom Gipfelkreuz oben auf den See hinunterschauen.

In diesem Sommer war es nun endlich soweit. In Gedanken an den Seekofel und die wunderschöne Berglandschaft sind wir also in der ersten Augustwoche losgefahren und nach acht Stunden in unserem Domizil im Gsiesertal, einem Seitental des Pustertals, angekommen. Überglücklich und voller Vorfreude auf unsere Bergtour zum Seekofel ging es für uns zunächst die Tage davor auf andere schöne Berge wie die Riepenspitze (2.774 m) oder den Gerichtshals (2.239 m). Auch wenn einem die Höhe vielleicht nicht zu sehr bewusst ist, so sollte man sich jedoch zunächst akklimatisieren und sich bzw. seinen Körper an die Höhenlage gewöhnen. An unserem letzten Tag hatten wir uns also die Wanderung zum Seekofel vorgenommen.

Wie schon vor vier Jahren ging es nun also auch an dem besagten Tag frühmorgens für uns los. Der Einstieg begann am Fuße des Pragser Wildsees (1.400 m), den man ca. eine halbe Stunde entlang laufen musste und führte anschließend in Serpentinen aus kleinen Kalksteinen und schmalen Bergpfaden hinauf zur Ofenscharte oberhalb der Seekofelhütte (2.327 m). Auf diesem Wanderabschnitt war teilweise voller Körpereinsatz gefordert, da man sich an der einen oder anderen Stelle auch an den großen Felsvorsprüngen hochziehen musste. Das Wetter war an diesem Tag perfekt, und die Sonne war uns stets eine treue Begleiterin. Ein Wanderschild bei der Ofenscharte machte uns deutlich, dass uns noch eine gute Stunde schmale Pfade und Felsvorsprünge bevorstanden, ehe wir den Gipfel erreichen würden. Auch hier gab es zur Sicherheit Drahtseile, welche beim Erklimmen des Berges Unterstützung boten.

Wir sind geübte Wanderer und unsere Kondition ist auch sehr gut, aber diese gute Stunde hatte sich gefühlt so sehr in die Länge gezogen, unsere Beine spürten in diesem Augenblick auch noch die Wanderungen an den Tagen zuvor, und der Anstieg wurde mit jedem Schritt anstrengender. Nach jeder Bergkuppe waren wir uns sicher, dass das Gipfelkreuz gleich zu sehen sein musste. Dann endlich war es für uns soweit. Nach über 1.300 Höhenmetern und knapp vier Stunden bergauf war das Gipfelkreuz des Seekofels (2.810 m) in greifbarer Nähe.

An dieser Stelle muss ich nicht näher darauf eingehen, wie erleichtert und glücklich wir waren, oder? Auf dem Gipfel selber spürten wir die Anstrengungen der ganzen Woche und freuten uns nur noch aufs Absitzen und unser eingepacktes Vesper.

Nach der Stärkung führte uns der Abstieg vom Gipfel an der Seekofelhütte vorbei. Dort gab es noch ein stärkendes Radler, und schon folgte der Rückweg über die Seitenbachscharte zurück zum See. Dieser Abstieg hatte es auch nochmals in sich. Von oben war der Weg durch das herabfallende Geröll vom Berg nicht zu erkennen und so ging es mit einigen rutschigen Abschnitten talabwärts. In diesem Abschnitt war wirklich Trittsicherheit gefragt.

Unsere Wanderung ging somit nach insgesamt 23,5 Kilometern, 1.500 Höhenmetern und 8 Stunden dem Ende entgegen. Am Abend konnten wir unsere Tour in einer kleinen Wirtschaft im Ort bei Pizza und Aperol Revue passieren lassen. Das hatten wir uns aber auch nach dieser anstrengenden Tour verdient, oder was meint ihr? 🙂

Nach unserer Südtirolwoche ging es für uns noch eine Woche weiter nach Österreich in die Gemeinde Hochfügen. Auch hier haben wir die Landschaft um uns herum zu Fuß erkundet. Ein Blogeintrag dazu folgt 🙂

Veröffentlicht von heimatfotograefin

"Dorfmaidle" mit viel Liebe zur Heimat Schwarzwald & der Landschaftsfotografie

6 Kommentare zu „Dem Himmel so nah – Bergtour zum Seekofel in Südtirol

  1. Neben Deinen bekanntermaßen super Fotos zeigst Du mir nun also auch noch Dein Talent als Schreiberling. Super, oder eigentlich nicht, denn die Sehnsucht nach den Dolomiten packt mich schon wieder, obwohl ich grad erst von dort zurückgekommen bin.
    Grüße aus Krozingen 🙂

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    1. Danke für die lieben Worte! 😊 Ich könnte auch sofort zurück in die Dolomiten! Die Gegend dort ist einfach traumhaft schön und wir freuen uns jetzt schon wieder auf den nächsten Urlaub in den Bergen. Viele Grüße aus Neuenburg zurück.

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  2. Vielen Dank für Deinen lebhaften und anschaulichen Wanderbericht, liebe Jasmin! Da habt Ihr es ja wirklich wissen wollen, alle Achtung – mir tun schon allein vom Lesen die Beine weh… 😉 Die Ausblicke sind wirklich grandios von da oben, und der Pragser Wildsee (den ich nur vom Hörensagen kenne, und natürlich von Fotos) scheint ja wirklich sehr malerisch zu sein. Was halt schade ist, wenn man während einer Tour tagsüber im Sommer fotografiert: die besondere Stimmung in den Morgen- und Abendstunden bekommt man nicht mit. Aber das liegt halt in der Natur der Sache… Ich freue mich schon auf die Fortsetzung Deines Reiseberichts!

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    1. Hallo Sebastian, sehr gerne 🙂 Da muss ich dir leider zustimmen. Von der Tageszeit wäre es bei Sonnenauf-/untergang um einiges schöner gewesen! Vielleicht lässt sich das ja mal als ein nächstes Ziel festhalten für uns: Sonnenaufgang auf dem Seekofel 🙂

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  3. Hallo Jasmin,
    bin vor ein paar Wochen auch für eine viel zu kurze Woche in den Dolomiten gewesen. Deiner Begeisterung für diese urige Bergwelt kann nur voll und ganz zustimmen. Am Pragser See war ich 1978 auf einer Rundwanderung um den See und ich begeistert von den Bergpanoramen. Damals war allerdings touristisch so gut wie nichts los. Ich vermute, dass der heutige Run auch TV-bedingt ist. Terence Hill, der halbitalienische Holywoodstar, hat ja in den letzten Jahren mit seiner Serie als „berittener Dolomiten-Ranger“ genug Werbung für die ganze Region um den See gemacht. Aber nach einigen Höhenmetern verlaufen sich ja die Menschenströme und die grandiose Natur übernimmt die Hauptrolle gepaart mit sagenhaften Aussichten.
    Ich war dieses Mal im Bergdorf Steinegg oberhalb von Bozen. Die dortigen Erdpyramiden-Formationen und super Aussichten ins Eisacktal, den Bozener Talkessel und die gegenüberliegende Ritten-Berglandschaft sind auf jeden Fall einen Abstecher wert. Einen noch grandioseren Ausblick hat man, über den Mendelpass kommend, bei den RAI-Antennenanlagen am Monte Penegal (v. Etschtal über Bozen bis zum Kalterersee und darüber hinaus zusammen mit der ganzen umliegenden Bergwelt). Man fühlt sich als schaute man aus einem 1000 Meter hoch fliegenden Hubschrauber.
    Grüße aus Schopfheim, Südschwarzwald
    und danke für deinen tollen Bericht
    Uli

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    1. Hallo Uli, vielen lieben Dank für dein Kommentar und die tollen Infos! In der Region von Südtirol waren wir auch noch nicht unterwegs, aber wird sich hoffentlich bald auch mal ergeben 🙂 Die Sendung mit Terence Hill habe ich mir tatsächlich auch mal angeschaut. Die Vorstellung, dass der See damals nicht so überlaufen war, finde ich sehr schön. Vielleicht wird dies in ein paar Jahren wieder der Fall sein? Es wäre der Natur rund um den See auf jeden Fall zu wünschen. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und sende viele Grüße aus Neuenburg, Jasmin

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