sogesehen – Monatsfoto Juni

Gibt es etwas Dynamischeres als Libellen am Gewässerufer? Ich meine jetzt nicht die kleinen, bunten „Stäbchen“, die zart durch die Vegetation tanzen. Nein, die Rede ist von den deutlich größeren Brummern, den Herrschern der Lüfte am Übergang von Wasser zu Land.

Für mich sind sie der Inbegriff von Energie und Dynamik, und das meine ich jetzt durchaus nicht nur positiv. Kompromisslos, aggressiv, unbeirrbar patrouillieren sie auf und ab in ihrem als Territorium abgesteckten (aber sich in seinen Grenzen ständig verschiebenden) Uferabschnitt und attackieren alles, was sich ihnen in den Weg (= die Flugbahn) stellt. Das können (männliche) Rivalen sein, die die territorialen Grenzen nicht respektieren, oder auch Individuen anderer Libellenarten – vor allem aber Weibchen der eigenen Art, die sich zur Paarung an das Fortpflanzungsgewässer begeben und in Sekundenbruchteilen gefunden und geschnappt werden.

Wer dieses (wie ich finde: absolut faszinierende) Schauspiel erleben möchte, begebe sich an irgendein Gewässer, also einen Weiher, See, oder auch einen Fluss mit langsamer Strömung. Es muss Ufervegetation vorhanden sein, und sonniges oder zumindest warmes und trockenes Wetter. Und dann geht es los! Oft hört man die Libellen schon, bevor man sie sieht – wenn nämlich zwei Männchen buchstäblich aneinander hochgehen und mit laut knisternden und raschelnden Flügeln sich blitzschnell umkreisen und in die Höhe schießen.

Typischerweise sind es Großlibellen aus der Familie der Falkenlibellen (Corduliidae), die dieses Spektakel veranstalten, und von diesen meist entweder die eigentliche Falkenlibelle (Cordulia aenea) oder die Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica). Aber auch Segellibellen wie der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) oder der Plattbauch (Libellula depressa) sind häufig an geeigneten Gewässern zu beobachten.

Die hier abgebildeten Tiere sind übrigens Falkenlibellen, die an einem warmen Abend vor einigen Tagen am Adlerweiher in Hinterzarten (Hochschwarzwald) noch zu später Stunde für Stimmung sorgten.

Man sollte unbedingt rausgehen in die Natur zu dieser wunderbaren Jahreszeit – es lohnt sich bestimmt!

10. Juni 2026
Sebastian Schröder-Esch


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Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

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