In der Schlucht

Woran denken wohl die meisten Menschen beim Namen „Ravenna“: Italien, Adria, römische Bauten und Mosaike, Teutonengrill? Vermutlich ja. Es sei denn, man interessiert sich für Landschaftsfotografie und/oder hat eine Affinität zum Schwarzwald im schönen Südwesten dieses unseres Landes…

Dann, ja dann fragt man vielleicht nochmal nach, ob denn die Stadt in Italien gemeint sei oder nicht doch vielmehr die wunderbare Schlucht dieses Namens am Westrand des Schwarzwalds?

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Der Name „Ravenna“ im Zusammenhang mit der Schlucht hat übrigens rein gar nichts mit der Stadt an der Adria zu tun. Seine Etymologie ist bis heute nicht geklärt. Eine mögliche Deutung unterstellt eine Verwandtschaft mit dem französischen Wort „ravin“, also Schlucht; eine andere führt den Besitzernamen „Rappen“ ins Feld. Eine dritte Vermutung – und ganz sicher die schönste – besagt, dass sich der Name der Schlucht und des gleichnamigen Bachs vom deutschen Wort „Rabe“ abgeleitet. Und das passt ganz wunderbar! Denn dieser Ort, schattig, kühl, voller dunkler Winkel und Ecken, von quirligen Wassern durchrauscht, er entzieht sich ebenso dem Zugriff durch uns Menschen wie die Raben, die oben an den felsig-waldigen Hängen des Höllentals entlang gleiten und so viel wissender sind als wir.

Es begab sich aber zu jener Zeit am vergangenen Pfingstwochenende, dass sich mehrere Mitglieder unseres sogesehen-Teams zu einem lockeren Foto-Treffen in besagter Schlucht bei Breitnau einfanden. Nanu?, höre ich schon Stimmen fragen. Ein solches Treffen trotz Corona-Bestimmungen? Aber ja doch, denn die Schlucht ist groß, die Luft ist frisch, und wenn man erst mal sein ganzes Geraffel mit Stativ, Filtern etc. aufgebaut hat, dann ergibt sich leicht das Mehrfache des vorgeschriebenen Mindestabstands…

Und weil es eine gemeinschaftliche Aktivität war (die übrigens sehr viel Spaß gemacht hat und nach einer Wiederholung verlangt), zeigen wir jetzt auch reihum eine Auswahl von Fotos, die an jenem Abend entstanden sind:


Horst:

Als ich das erste mal von der Ravennaschlucht hörte, hatte ich sie nur in Verbindung mit dem dort jährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt im Kopf. Als Sebastian mit der Idee kam, die Schlucht gemeinsam zu erkunden, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Wasser ist ja eh mein Ding, und Schluchten auch.

Was mich am meisten freute, war allerdings das Wiedersehen mit altbekannten und endlich das Kennenlernen mir noch persönlich unbekannten Mitgliedern unseres Blogs. Die kleine Schlucht stellte sich als wahres Kleinod heraus und die Fotoleidenschaft war schnell geweckt. Da ich ja ein totaler Fan von Langzeitbelichtungen bin und gerne mit Wasser spiele, kam ich natürlich voll auf meine Kosten. Dazu kam ein toller Nachmittag mit netten Leuten und angenehmen Gesprächen.

Was mich aber am meisten fasziniert, ist der Umstand wie unterschiedlich die Fotos von uns doch geworden sind, obwohl wir ja alle so ziemlich das Gleiche vor der Linse hatten. Das ist super spannend und das ist es auch was uns ausmacht. Tolle Fotos und unterschiedliche Ansichten. SOGESEHEN eben.


Jasmin:

Was für ein schöner Ort für unser erstes gemeinsames Treffen. An dieser Stelle: herzlichen Dank, Sebastian, für die tolle Idee! Obwohl ich viel in der Region unterwegs bin, ist mir die Ravennaschlucht bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt gewesen. Umso schöner, die Schlucht auf diese Weise erkunden zu dürfen und sich ausgiebig Zeit dafür zu nehmen.

Während einer Wanderung nehme ich mir nie intensiv Zeit, um z.B. das Stativ auszupacken, in Ruhe die entsprechenden Objektive zu wählen und um meine Umgebung ganz genau beobachten zu können. Mit meinem Standardobjektiv (14-140 mm) und meinem Makroobjektiv (30 mm) konnte ich mich hier also richtig austoben. Ein schöner Spätnachmittag mit wunderbaren Gesprächen, Motiven und tollen Landschaftseindrücken, welcher unbedingt wiederholt werden sollte!


Michael:

Da über Pfingsten der erste Kurzurlaub in Zeiten des bösen „C“ im schönen Südschwarzwald geplant war, hat es mich sehr gefreut, an dem Ausflug in die Ravennaschlucht teilnehmen zu können. Die Schlucht bietet mit ihren zahlreichen kleinen Wasserfällen, umgeben von einer zauberhaften Kulisse aus Steinen und sattem Grün, beste Voraussetzungen, mit Objektiven und Filtern zu experimentieren. Darüber hinaus war es ein wunderbarer Ort, um sich erstmals persönlich kennenzulernen. Für mich ein rundum gelungener Nachmittag.


Sebastian:

Ich habe mich die meiste Zeit am oberen und mittleren Abschnitt der Schlucht aufgehalten und bin bis zum Sonnenuntergang gar nicht besonders weit gekommen. Aber es hat mal wieder großen Spaß gemacht, die gute alte Langzeitbelichtung einzusetzen und kitschig-verwischtes Wasser zu inszenieren. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass das abendliche Sonnenlicht seitlich in die Schlucht einfiel und noch lange die grünen Kronen der Laubbäume illuminiert hat. Und das Ganze im Beisein netter Mitmenschen, die meine Foto-Begeisterung teilen. Jederzeit wieder! Zumal die Ravennaschlucht so nah an meinem Wohnort liegt, dass ich im Prinzip hinlaufen könnte…


Stefanie:

Der Besuch in der Ravennaschlucht war für mich eine emotionale Achterbahnfahrt. Auf der einen Seite die Freude über den gemeinsamen Ausflug, und auf der anderen Seite der Frust über eine defekte Kamera. Durch eine Unachtsamkeit hatte ich diese gleich zu Beginn mitsamt Stativ im Ravennabach versenkt…

In solchen Momenten werde ich nicht wütend, sondern eher traurig. Diesen Gemütszustand sieht man, finde ich, meinen Bildern an. Auf Fotos mit fröhlichem Grün vor dem Missgeschick folgen düstere, verwackelte Bildern mit der Ersatzkamera von Sebastian. (Wobei das nicht an der Kamera lag 😉 ). Was mir in Erinnerung bleiben wird, ist ein wunderbarer Tag mit lieben Menschen, das Malheur wird nur zu einer Anekdote – und das ist auch gut so.

Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

8 Kommentare zu „In der Schlucht

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