Dorfreiher

Einen grauen und kühlen Sonntagvormittag Ende November nutzt man doch am besten, indem man draußen eine Spazierrunde an der frischen Luft dreht. Einfach so zu Fuß direkt von der Haustür weg, ohne größeren Aufwand. Das tut gut. Und dann nähert man sich dem Ende von besagter Runde und steckt in Gedanken schon fast den Türschlüssel ins Schloss. Vorher aber noch übers kleine Brückchen an der historischen Schmiede am Bach, keine zweihundert Meter mehr bis nach Hause. Da fällt der Blick eher zufällig ins Bachbett direkt neben der Brücke.

Huch, wen haben wir denn da?

Ein schöner Graureiher steht dort, wie wir ihn hier ganz regelmäßig sehen. Im Nachbarörtchen gibt es sogar eine kleine Brutkolonie. Aber so nah am Weg? Ist der denn gar nicht scheu?

Also gut: Im Laufschritt die wenigen restlichen Meter zur Wohnung zurückgelegt, Kamera mit Teleobjektiv gezückt (zum Glück nicht weggeräumt seit dem letzten Einsatz vor fast einer Woche…), zurück zur Schmiede gejoggt und vorsichtig bachauf, bachab geschaut. Ist er noch da?

Und ob er das ist! Die ganzen anderen Sonntagsspaziergänger scheinen ihn nicht großartig zu stören. Vielleicht gibt es ja besonders leckere Fischlein in unserem Bach?

Dann wechselt er doch mal den Ort. Da sitzt er nun auf dem hölzernen Wehr der alten Schmiede mit ihrem Mühlrad am Bach. Sehr anmutig! Er schaut mal nach rechts…

…und mal nach links…

Einen schönen Platz hat er sich dort ausgesucht. Und ich bin ihm dankbar für das leichte Gegenlicht und die „Auge-in-Auge“-Perspektive, die er mir mit seinem Ortswechsel beschert hat.

Irgendwann frage ich mich, wie es eigentlich um seine Eitelkeit bestellt ist. Posiert der etwa extra für mich?

Ich würde ihm (oder ihr) das nicht einmal verübeln, denn ich finde Graureiher mit die schönsten Vögel, die wir in Mitteleuropa beobachten können. Noch dazu von beeindruckender Größe!

Irgendwann wird es dem Reiher vielleicht doch zu trubelig so nah am Weg. Ich bin nämlich nicht der einzige, der sich dort aufhält, schaut und Fotos macht. Mit zwei, drei lockeren Flügelschlägen schwingt er sich auf den nächstgelegenen Dachfirst.

Doch gibt es dort oben weder Fische noch Mäuse oder andere Nahrung. Also fliegt er endgültig ab und ist nicht mehr zu sehen. Bei Reihers ist auch der Sonntag eben ein ganz normaler Arbeitstag.

28. November 2021
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

Veröffentlicht von Sebastian

Geographer, naturalist and photographer (www.schroeder-esch.de). Based in Germany, but always keen to travel and explore

8 Kommentare zu „Dorfreiher

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