Der Fuchs geht um!

Die Wildtierfotografie und ich – das ist eine eher schwierige Kombination. Obwohl ich mich sehr gerne draußen in der Natur aufhalte, ist meine fotografische Ausbeute von größeren heimischen Wildtieren sehr überschaubar.
Das liegt zum einen daran, dass ich mich in der Natur lieber bewege, als stundenlang im Tarnzelt zu liegen (und mich dabei von Zecken aussaugen zu lassen). Aber ehrlich gesagt, liegt es wohl auch daran, dass ich oft im falschen Moment geräuschvoll in einen Apfel beiße oder mein Plappermaul nicht lange genug halten kann.
Da das denkbar schlechte Voraussetzungen sind, um die scheuen Waldbewohner vor die Linse zu bekommen, versuche ich mich oft mit dem Argument herauszureden, dass es ja eigentlich schon genug Fotos von Wildtieren gibt (allein auf Instagram 3,8 Millionen Bilder unter #wildlifephotography) und andere das viel besser können als ich.
Aber damit versuche ich natürlich nur, mir meine Inkompetenz und Bequemlichkeit schön zu reden, denn in Wahrheit beobachte ich unglaublich gerne wild lebende Tiere, auch über mehrere Stunden hinweg.
Doch wo finde ich die Tiere in der weiten Natur? Und wie kann ich sie beobachten, ohne sie zu stören? Ein Dilemma, das viele Fotografinnen und Fotografen kennen und teilen.

Ansitze, speziell für Fotografen, sind dafür eine gute Möglichkeit. Durch ihre verspiegelten Fenster sind sie von außen nicht einsehbar und man kann unbemerkt die Natur beobachten. Manche Hütten müssen vor Sonnenaufgang betreten und dürfen erst nach Sonnenuntergang wieder verlassen werden.

Dieses „Hide“ befindet sich im Białowieża Nationalpark ganz im Osten Polens.
Wie so oft, wenn es um eher ungewöhnliche Reiseziele geht, hatte Blogkollege Sebastian die entscheidenden Ideen und organisierte eine abwechslungsreiche Gruppenreise. So ging es Mitte Februar 2024 zunächst nach Warschau und dann in die Nationalparks Białowieża und Biebrza, beide im Osten Polens unweit der Grenze zu Weißrussland gelegen. Die 11-tägige Reise war weit mehr als eine Naturreise, denn sie brachte uns Land und Leute näher, erweiterte unser Wissen und rückte auch die deutsch-polnische Vergangenheit in den Mittelpunkt.

Während dieser Reise hatte ich zweimal die Gelegenheit, ein solches Fotoversteck zu besuchen. Die meisten Wildtiere waren gar nicht so „wild“, und einige Arten sind auch regelmäßige Besucher bei mir zu Hause an der Futterstelle. Aber sie so nah und ungestört beobachten und fotografieren zu können, war schon ein besonderes Erlebnis.

Die Hütte hatte auf zwei Seiten Fenster, d.h. aus dem einen Fenster konnte man die ständig hin und her fliegenden Vögel beobachten, aus dem anderen Fenster blickten wir auf eine unspektakuläre Wiese.

Immer wieder waren wir versucht, uns lieber mit den Vögeln zu beschäftigen, als auf die langweilige Wiese zu starren. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und das Licht wurde immer schlechter. Doch plötzlich bekamen wir Besuch aus dem angrenzenden Wald…

Dass der Fuchs uns fast drei Stunden lang immer wieder besuchte, im Wald verschwand und wieder auftauchte, hatte natürlich einen Grund. Die wenigsten Wildtierfotos entstehen zufällig und ungeplant. Oft werden die Tiere durch Futter angelockt, was hier sowohl bei den Vögeln (Streufutter) als auch beim Fuchs (angefahrener Waschbär und Innereien eines Schweins) der Fall war.

Allerdings werden solche Fotos eher selten gezeigt. Zum einen möchte man seinem Publikum nur „appetitliche“ und schöne Fotos zeigen, zum anderen liegt es wohl auch daran, dass man damit die Bilder ein Stück weit entzaubert. Wilde, gefährliche Abenteuerfotografie wird plötzlich für „Normalos“ zugänglich und der Erfolg in gewisser Weise planbar.

Ist das einzelne Foto dadurch weniger wert? Im Sinne von: weniger schön und weniger spannend?
Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr euch die Bilder mit diesem Wissen noch einmal anseht? Hinterlässt das bei euch einen faden Beigeschmack oder zählt am Ende doch „nur“ das Ergebnis und das Erlebnis?
Ich selbst hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, den Fuchs zu stören. Natürlich ist mir bewusst, dass man hier durch das Anlocken mit Futter in die Natur eingreift, aber das mache ich mit der Futterstelle in meinem Garten auch.
Wo zieht jeder für sich die Grenze, wenn es darum geht, ein besonderes Foto zu machen? Ethik in der Tierfotografie – ein Thema, das viele Fotografinnen und Fotografen beschäftigt.

Herr Nachbar

Seit einigen Tagen singt eine Amsel rund um unser Haus. Der Vogel (da es ein Männchen ist, würde man ihn als Amselhahn bezeichnen) hat verschiedene Singwarten, von denen aus er vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung die Umgebung beschallt. Frühling!

Offenbar ist er noch nicht so ganz routiniert beim Singen. Entweder ist er noch ein junges Männchen (vielleicht vom Vorjahr), oder er ist vom Winter noch etwas „eingerostet“. Jedenfalls ist sein Gesang noch nicht so ausgereift, wie man sich einen typischen Amselgesang vorstellt. Natürlich wunderschön flötend und voller verschiedener, abwechslungsreicher Elemente – aber die einzelnen Strophen sind noch nicht so lang und ausgewogen, teilweise etwas abgehackt. Man hat stellenweise den Eindruck, als übte der Hahn noch ein bisschen oder sei vielleicht auf der Suche nach seinem individuellen Stil. Diese Interpretation ist auch überhaupt nicht weit hergeholt: Das Tier muss ja insbesondere über den Reviergesang in der Konkurrenz mit seinen Rivalen bestehen und zugleich Weibchen anlocken. Und die wissen genau, was sie wollen: einen Mann, der laut und abwechslungsreich singen kann, denn das sind untrügliche Anzeichen für gute Gene.

Heute morgen (ich bin sozusagen im HomeOffice) hat sich der Herr Nachbar auf einen Baum am Straßenrand vor unserem Haus gesetzt und für einige Minuten aus voller Kehle gesungen. Da war es schon hell, und ich war am Schreibtisch zu Gange. Zwischen ihm und mir lagen keine drei Meter Entfernung. Sehr schön saß der Amselhahn im Licht der Morgensonne da und flötete seine Strophen.

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Ich musste nicht lange überlegen – geschwind die Kamera mit dem Teleobjektiv herausgeholt, vorsichtig das Fenster geöffnet und draufgehalten. Der Baum, den er sich als Sitz- und Singwarte ausgesucht hatte, ist zwar infolge einer rabiaten Rückschnittaktion im vergangenen Herbst keine besondere Augenweide. Aber Herr Nachbar hat von dort aus einen guten Überblick und wohl auch eine günstige Akustik, und das sind gewichtigere Argumente als Ästhetik.

Erstaunlich: In der kühlen Morgenluft und vor dem dunklen Hintergrund des gegenüberliegenden Hauses wurde die kondensierte Atemluft sichtbar, die Herr Nachbar beim Singen ausstieß. Da hat er also ordentlich Dampf abgelassen.

Ich hoffe, die Amsel bleibt uns in den kommenden Wochen und Monaten erhalten und singt noch an vielen Morgen und Abenden. Vielleicht findet sich auch eine Partnerin, und es gibt Nachwuchs. Wir drücken die Daumen.

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11. März 2024
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

sogesehen – Monatsfoto März 2024

In einem Monat wie dem März erwartet man sicher ein anderes Monatsbild als das, welches ich ausgewählt habe. Gerade erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf. Zaghaft strecken die ersten kleinen Blumen ihre Köpfe aus dem Erdreich, um dem nahenden Frühling ihre Aufwartung zu machen. Die ersten Insekten trauen sich ins Freie, und die Vogelwelt erfreut uns immer mehr mit ihrem Gesang. Keine Frage, der Lenz hält langsam, aber unaufhaltsam seinen Einzug. Ja und dann kommt einer daher und zeigt ein Foto von Pilzen, wo doch lieber Schneeglöckchen, Krokusse und Co das Monatsfoto zieren sollten. Wir sind ja schließlich nicht im Herbst.

Doch diese kleinen Scheißerchen gehören tatsächlich auch in den März. Zumindest in diesen. Die warmen Temperaturen im Februar machen es möglich. Wenn ich mit meinen Hunden im Wald laufe, halte ich trotz tierischer Ablenkung gerne die Augen offen, ob sich nicht das ein oder andere Fotomotiv findet, dem ich zu einem späteren Zeitpunkt mit der Kamera auf die Pelle rücken kann.

Diese kleinen Schleimpilze (wahrscheinlich ist es das „schiefergraue Fadenkügelchen“) hab ich, mehr oder weniger, im Vorbeigehen aus den Augenwinkeln auf einem abgefallenen Ast eines Baumes entdeckt. Nach der Hunderunde bin ich dann mit meinem Equipment angerauscht und habe fotografiert. Die folgenden zwei Fotos sind nochmals als Vergleich, dass ihr erahnen könnt, WIE klein die sind.

Ihr seht, da musste ich schon mit der Makrokavallerie anrücken, um ein paar passable Fotos zu machen. Aber es hat sich gelohnt, mich mal wieder in den Dreck zu schmeißen. Wenn ihr euch fragt, was das für ein Equipment ist, dürft ihr gespannt sein. Ich werde dieses Jahr mal ein oder zwei Artikel zu meiner Gerätschaft und dem Gebrauch ebendieser zusammenbasteln. Natürlich auch mit ein paar Beispielbildern.

In diesem Sinne, immer schön die Augen offen halten und den Frühling genießen. Bis bald.

Abtauchen

Bei diesem Wort denken viele vermutlich gleich an wunderschöne Tauchgänge im Meer und das bunte Leben in einem Korallenriff oder auch an das Abtauchen in Büchern und Gedanken.

Wenn ich das Wort „abtauchen“ mit meiner Kamera in Verbindung bringe, dann denke ich da an einen meiner letzten Waldspaziergänge mit meinem Makroobjektiv.  

Der Waldboden mag von oben recht unspektakulär erscheinen, aber bei näherer Betrachtung kann man in eine ganz eigene Welt abtauchen. Laut Internet stecken in einer Handvoll Waldboden mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt.
Dazu zählen Tiere, Pilze, Bakterien und Algen.

Moos ist für mich auch ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, näher hinzuschauen.
Es gibt rund 16.000 bekannte Arten von Moosen, und sie kommen in verschiedensten Umgebungen vor.

Im Wald werden Bäume und Böden mit der grün-flauschigen Schicht bedeckt. Bei näherer Betrachtung kann man erkennen, dass ihr einfacher Körper nicht aus Wurzeln oder Blättern besteht, sondern aus einem dünnen, meist unverzweigten Stängel. Der Stängel ist von kleinen, blattähnlichen Strukturen umgeben.

In der Hocke fotografierend hatte ich also diesen wunderschönen „Moosteppich“ vor mir und durfte für einen Augenblick in dessen klitzekleine Welt abtauchen. Meiner Meinung nach sollten wir ja alle öfters mal abtauchen und die stillen Wunder der Natur genießen, oder was meint ihr?  

Aus zwei mach eins!

Memory: Fisch zu Fisch und Ball zu Ball.
Aus einer Vielzahl verdeckter Karten Bildpaare herauszusuchen, hat mir früher schon jede Menge Spaß gemacht. Da ich aber ein eher ungeduldiger Mensch war und bin, habe ich die Kärtchen eher intuitiv als mit System aufgedeckt und deshalb meistens verloren. Aber das scheint bei mir keinen nachhaltigen Knacks hinterlassen zu haben, denn auch heute spiele ich immer noch gerne Memory, wenn auch in einer abgewandelten Form.

Heute sind die Kärtchen keine Quadrate aus Pappe, sondern digitale Fotodateien. Sie liegen auch nicht ausgebreitet auf einem Holztisch, sondern verstreut in Hunderten von Ordnern auf der Festplatte meines Computers.
Das Spiel, bzw. die Herausforderung besteht nun darin, aus einer großen Menge Bilder ( Zehntausende!) genau die beiden Fotos zu finden, die zusammenpassen und ein stimmiges Bildpaar ergeben. 
Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Vorfeld selten eine genaue Vorstellung davon habe, wonach ich suche. Oft ist es nur eine Idee, mit der das Spiel und damit die Suche beginnt…

Ein XXL- Memory für Fotografen sozusagen 😉

Wer bei der Suche nach geeigneten Einzelbildern einfach „drauflos“ sucht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern, aber unendlich viel Zeit mit dem Durchforsten von Bildverzeichnissen verbringen. Weder eine chronologische noch eine Stichwortsuche sind dabei nützlich, da die Einzelbilder meist an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen wurden.

Was es meiner Meinung nach nur braucht, ist das, was auch eine gute Memory- Spieler*in ausmacht: Ein gutes Bildgedächtnis!

Ich finde es erstaunlich, wie viele Informationen über die eigenen Bilder im Gedächtnis bleiben. Macht euch mal den Spaß, schließt die Augen und lasst für ein paar Minuten euer Bildarchiv vor eurem inneren Auge vorbeiziehen. Vielleicht bleibt ihr bei einem bestimmten Bild hängen? Notiert es und überlegt, was dazu passen könnte. Ähnliches? Gegensätzliches? Oder eher etwas mit Bildwitz?

Sich ohne PC und vielleicht sogar liegend mit geschlossenen Augen mit den eigenen Fotos zu beschäftigen, mag auf den ersten Blick etwas seltsam erscheinen, regt aber (zumindest bei mir) die kreativen Synapsen im Gehirn enorm an!
Wie man sieht, sind Doppelbilder im Gegensatz zur „normalen“, geplanten Fotografie eher spontane Bilder, deren Ideen und Umsetzung nicht beim Fotografieren, sondern erst im Kopf und dann beim Zusammensetzen am Computer entstehen. (Ab hier kommen nun die Schlagworte ins Spiel, sonst wird es mühsam 😉 )

Aber warum überhaupt so viel Aufwand? 
Ist die Montage zweier Fotos überhaupt noch Fotografie? Oder nur digitales Composing? Spielt das denn überhaupt eine Rolle?

Doppelbilder sind meiner Meinung nach viel mehr als nur zwei neben- oder untereinander gestellte Einzelbilder. Sie wirken zusammen in einem neuen Kontext und es entsteht oft eine neue Bildaussage. Das finde ich absolut faszinierend, aber auch herausfordernd. 

Wer hat Lust auf eine Runde Fotografen-Memory?

sogesehen – Monatsfoto Februar 2024

Fragen an einen alten Steinbock

Sagen Sie mal, Herr Steinbock, was machen Sie denn gerade? – Ich gehe meiner Wege, warum?

Naja, so ganz allein? Wieso sind Sie nicht beim Rest der Herde? – Tja, die legen wohl keinen großen Wert auf meine Anwesenheit mehr. Aber mich stört das nicht, denn ich habe auch ganz gern mal meine Ruhe. Und ich weiß, wo es gutes Gras zu futtern gibt, das ich dann mit niemandem teilen muss. Ich ziehe mich sozusagen aufs Altenteil zurück.

Also stört es Sie gar nicht, dass so wenig Schnee liegt? Immerhin haben wir Ende Januar. – Nein, das tut es nicht. Ist doch auch viel bequemer zum Herumlaufen. Gerade in meinem Alter weiß man das immer mehr zu schätzen.

Nochmal zurück zum Thema Alleinsein: Wenn man Sie so sieht, wie Sie am Horizont entlang trotten, ganz allein in der Dämmerstimmung dieses Winterabends… Ehrlich gesagt, packt einen da schon das Mitleid, oder zumindest mal ein tiefes Mitgefühl mit einer gewissen melancholischen Note. – Ach ja? Und warum genau? Typisch Mensch, würde ich sagen. Ihr müsst immer Eure emotionalen Anwandlungen auf uns Tiere projizieren. Ich glaube, irgendeiner von Euch hat dafür mal den Begriff der Anthropomorphisierung erfunden. Spricht sich schwer aus, trifft aber den Sachverhalt meiner Meinung nach ziemlich gut. Also von mir aus könnt Ihr dieses Anthro-Dingsbums auch ruhig bleiben lassen und uns Tiere einfach unser Ding machen lassen.

Einspruch, Euer Ehren! – Wieso?

Ohne menschliches Handeln wären Sie heute Abend nicht hier, an diesem wunderschönen Ort! – Nanu, wie das jetzt?

Sie waren fast ausgerottet (schon klar, durch Menschenhand) und haben nur noch in einem kleinen Gebiet in den italienischen Alpen gelebt. Im Schweizer Jura jedenfalls nicht! Da mussten Sie erst wieder angesiedelt werden. – Das ist mir jetzt zu spekulativ.

Also habe ich Recht. – Schon möglich. Aber was war jetzt nochmal die Frage?

Keine Ahnung, habe ich glatt vergessen. – …

Aber ich wüßte noch eine. Darf ich? – Bitte.

Hier am Creux du Van gibt es ja jede Menge Ausflügler, selbst jetzt im Winter. Und viele davon kommen extra zum Fotografieren der Steinböcke in dieser Traumlandschaft her. Geht einem das nicht irgendwann auf die Nerven? – Das wäre jetzt zu viel gesagt. Wir profitieren nicht wirklich davon, das stimmt schon. Aber abgesehen von freilaufenden Hunden ist es ja nicht wirklich störend oder gar bedrohlich. Und selbst die kriegen sich ganz schnell ein, wenn sie unsere Hörner sehen. Den seltenen Pflanzen hier oben macht das mit den Besuchern mehr aus, was ich so mitkriege.

Wozu Sie mit Ihren Hufen und Ihrem Appetit auf leckere Bergkräuter aber auch einen Beitrag leisten! – Dazu sage ich nichts ohne meine Anwalt.

Das ist auch eine Antwort. Herr Steinbock, ich danke Ihnen für dieses Gespräch! – Bitte, jederzeit wieder.

2. Februar 2024
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

Winternebel

Nicht immer habe ich die Wahl, ob ich bei gedämpftem Licht im Nebel oder unter blauem Himmel mit Sonnenschein rausgehe. Deutlich öfter allerdings habe ich die Wahl, ob ich mich bei Nebel auf dem Sofa verkrieche oder trotzdem rausgehe.

An einem dieser eingetrübten Januartage haben meine Kamera und ich uns gegenseitig zum Rausgehen motiviert. Und tauchten ein in eine ganz spezielle Stimmung am Schönberg vor den Toren von Freiburg.

Es hatte ein bißchen was Kontemplatives, mit der reduzierten Sicht, den schwachen Kontrasten und den eher unspektakulären Motiven zu fotografieren.

Meine Kamera und ich hatten auf jeden Fall eine gute Zeit miteinander und zeigen Euch gerne, was wir gesehen haben und wie wir es gesehen haben.
Und dabei haben wir überhaupt nicht den Anspruch, daß diese Art von Fotografie allen gefällt.

Im Frühtau zu Berge oder, die Bekämpfung des Winterblues

Wer kennt sie nicht, diese Tage an denen der Regen beständig seine Bahnen über die Fensterscheibe zieht und man genau weiß, das mit dem Fotografieren wird heute aber mal sowas von nix. Ein Blick hinaus und der Drang sich wieder ins „Nescht“ zu legen wird übermäßig groß. Stattdessen klappt man den Laptop auf und schaut sich bei einem der aktuellen Streaminganbieter die ein oder andere Serie an, oder setzt sich auf seinen Hintern und ließt ein Buch, nur um den gepackten Fotorucksack im Eck zu vergessen. Kennt ihr, ne? Dann herzlich willkommen im Club.

Ich ertappe mich dann öfter dabei, mehrmals am Tag meine diversen Wetterapps zu checken (man beachte die Mehrzahl) und darauf zu hoffen das ein Funken Licht am Horizont erscheint, in Gestalt einer Schönwetterfront oder eines Allzeithochs oder was auch immer. Wenn genau das mit einem passiert, herzlichen Glückwunsch der Winterblues ist eingezogen und hat beschlossen zu bleiben.

Hat man die Flinte dann ins Korn geworfen und die Hoffnung gleich hinterher, kommt er, der langersehnte Tag . Sonne ist angesagt. So plötzlich ist sie da, wie sie verschwunden war. Was ein Glück. Die Wecker werden gestellt (man beachte wieder die Mehrzahl) und der Fotorucksack zum zehnten mal auf Vollständigkeit überprüft. Es darf ja nix schiefgehen sonst verschwindet der Winterblues nämlich nicht.

Der Morgen naht, raus aus dem Bett, kurz geduscht, Kaffee und dann ab ins Auto. Fünf Minuten später merkt man, Mist die Brille liegt zuhause. Also umdrehen, nochmal nach Hause, Brille auf die Nase und wieder auf die Strasse. Fotokollege eingesammelt und „Zack“ ist man am Ziel des Begehrens angekommen. Kamera auspacken und los geht es, Winterblues vertreiben.

Und das funktioniert bei solchem Anblick ziemlich erfolgreich:

Sogar den Testturm in Rottweil sieht man durch den Nebel, wie man am oberen Bild sehen kann. Kunststück bei seinen 246m

Auf dem Rückweg zum Auto fanden sich noch ein paar weitere Motive die es wert waren den Auslöser der Kamera zu betätigen, wobei die A….kalten Finger lieber nicht bewegt werden wollten, egal zum Aufwärmen gibts später die warme Bude oder viel früher das warme kuschelige Auto, das nach den letzten Aufnahmen, dankbar meinerseits, wartete.

Last but not least, musste ich nochmal anhalten, (man bemerke bitte meinen Willen aufs Neue das warme Auto zu verlassen), denn der Testturm zu Rottweil zeigte sich zum zweiten mal zwischen den Nebelschwaden und das in einem besonderen Licht, wie ich finde.

Nachdem ich dann den Fotokollegen bei sich zu Hause abgesetzt habe und vor meiner eigenen Haustür stand, öffnete ich ganz vorsichtig den Eingang und schaute nach ob ich den Winterblues noch fand, aber Oh Freude er war tasächlich weg.

Ich hoffe euch hat meine kleine Exkursion gefallen und solltet ihr den Winterblues nochmal treffen, ihr dürft ihn gerne behalten. 🙂

In diesem Sinne, bis neulich und bleibt wunderfitzig, wie wir Schwaben sagen.

Sogesehen – Monatsfoto Januar 2024

When nothing goes right, go left…
… dachte ich mir, als ich das erste Mal an diesem Wegweiser vorbeikam. Nachdem ich sowieso etwas lust- und ziellos im Wald spazieren ging, bin ich der Einladung des Wegweisers gerne gefolgt. Denn, wann hat man schon die Gelegenheit, mit einem Umweg von gerade mal 400 Metern direkt nach TROTZDEM zu kommen?
Der Ort selbst ist ruhig gelegen und wenig spektakulär. Dort, wo der Wegweiser steht, laufen die meisten geradeaus weiter.  Viele nehmen nicht mal den Wegweiser wahr, vielleicht, weil sie ja genau wissen, wo sie hinwollen: Zu den „echten“ Zielen, zum Kybfelsen oder weiter zum Schauinsland.  
Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb mag ich den Ort und den Weg dorthin: Der Weg links ab, dann gleich nochmal rechts und durch das Gatter links runter auf den schmalen Pfad fühlt sich ein bißchen an wie der Eingang in die Winkelgasse: Alle können ihn sehen, aber die wenigsten nehmen ihn wahr.

When nothing goes right, go left…
… ist vielleicht auch ein möglicher Einstieg in das nun vor uns liegende Neue Jahr 2024.
Vielleicht sind all die furchtbaren Ereignisse, die uns täglich neu in den Nachrichten erschrecken, nicht die einzige Wahrheit. Mit meiner persönlichen Kraft werde ich weder den Weltfrieden herbeiführen noch den Klimawandel aufhalten. Nicht einmal werde ich meine Mitmenschen davon überzeugen können, daß es intelligentere Formen des Miteinanders gibt, als den öffentlichen Raum mit Pizzakartons, Zigarettenkippen oder anderem Müll zu befüllen. Das ist meiner ganz persönlichen Meinung nach auch nicht meine Aufgabe.
Aber: Kann ich TROTZDEM etwas verändern in dieser Welt?

When nothing goes right, go left…
… ist das bloß ein hübscher Spruch oder hat das eine echte Bedeutung im Alltag?
Oder: Was passiert eigentlich, wenn ich mit einer positiv-trotzigen Grundhaltung den Hauptweg ins Jammertal verlasse und meinen eigenen Weg suche?
Wenn ich mit meinen begrenzten Kräften in meinem direkten Umfeld, in Familie und Verwandtschaft, der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz, in der freien Natur und in der Stadt immer wieder neu versuche, mich als Geschöpf inmitten von anderen Geschöpfen zu verstehen und diesen mit Wertschätzung zu begegnen?
Wenn ich dazu noch den Blick hebe und mich ernsthaft bemühe meinen kleinen Teil an der globalen Verantwortung ernst zu nehmen?
Möglicherweise werde ich dann ein kleiner Teil einer Veränderung zum Positiven.
HOFFNUNGSTROTZIG.

Vielleicht bin ich ja total naiv und ich sehe mit meiner naturgegeben beschränkten Sicht auf die Dinge nicht das, worauf es wirklich ankommt.

Was meint Ihr?

Auf jeden Fall wünsche Euch von Herzen ein trotz- und hoffnungs-volles, lebens- und liebenswertes Neues Jahr 2024.

Wie früher einmal

Der Weihnachtsbaum ist geschmückt, alle Geschenke sind hübsch verpackt, und die Weihnachtsgans liegt im Kühlschrank, bereit für ihre letzte Reise in den Backofen.

Weihnachten fühlt sich an wie immer, oder besser gesagt: wie früher, bevor ein Virus unsere Weihnachtsgewohnheiten auf den Kopf stellte. In diesem Jahr scheint Corona für viele seinen Schrecken verloren zu haben, und so drängen sich die Menschen wieder dicht an dicht auf den Weihnachtsmärkten. Auch Oma und Opa werden wieder mit an der Festtafel sitzen.

Auch um unsere Gasversorgung müssen wir uns in diesem Jahr anscheinend keine Sorgen mehr machen. Während im letzten Jahr bei vielen die Lichterketten dunkel blieben und die Weihnachtsplätzchen eher heimlich und mit schlechtem Gewissen (Strom sparen!) gebacken wurden, ist es in diesem Jahr in der Stube warm und überall leuchtet es festlich. Fast könnte man meinen, dieses Weihnachtsfest sei das erste „normale“ seit Jahren, so wie früher eben.
Nichts ist mehr wie früher, auch dieses Weihnachten nicht!

Hass, die Gier nach Reichtum und Macht haben die Welt fest im Griff und niemand scheint einen Plan zu haben, wie die überlebenswichtigen Probleme unseres Planeten gelöst werden können. Machen wir uns nichts vor, die Probleme sind ohnehin viel zu groß und komplex, als dass sie von einzelnen Politikern gelöst werden könnten. Und wenn man sieht, wie sich die politische (Un-)Ordnung auf der Welt gerade verschiebt und wie sich politische Mehrheiten, auch im eigenen Land, gefährlich verändern, dann wird mir angst und bange.

Weihnachten: Das Fest der Liebe, Hoffnung und Zuversicht?
Ein Fest vor allem für Optimisten?

Vielleicht wächst gerade in Zeiten großer Überforderung und Verunsicherung bei vielen von uns die Sehnsucht nach einer „heilen“ Welt, und sei es nur für ein paar Tage. Auch ich ertappe mich an den Festtagen, wie ich Nachrichtensendungen meide, mich in ein Buch vertiefe und die Krisen der Welt verdränge. Eine Wahl, die leider nicht alle Menschen haben. 

Für mich symbolisiert der Radfahrer auf dem Titelbild etwas Hoffnung. Mit seinem Körpereinsatz bringt er den Weihnachtsbaum zum Leuchten und zeigt uns damit, dass auch kleine Anstrengungen eine große Wirkung haben können.