Was der Schwan im Windebyer Noor sah, hat er nicht verraten. Er ist schweigend weitergeschwommen. Also habe ich selber die Augen aufgemacht. Zeit hatte ich genug, denn ich war zu Fuß unterwegs, so gut wie möglich auf dem europäischen Fernwanderweg E6 im Norden Deutschlands. Wasser gibt es genug dort und dementsprechend viele Möglichkeiten, die Welt auch mal aus ungewöhnlichen Blickwinkeln zu betrachten. Spiegelungen finde ich immer faszinierend. Besonders da, wo nicht sofort klar ist, wo die sogenannte Realität aufhört und wo der Schein beginnt:
Oder, auch spannend, wenn nur noch die Spiegelung übrig bleibt und uns die Realität auf eine ganz eigene Weise präsentiert:
Unser schönes Markgräflerland liegt im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz. Von meinem Wohnort aus dauert es mit dem Auto gerade einmal dreißig Minuten bis an die Schweizer Grenze. Über die Rheinbrücke ist es ein Katzensprung bis ins Nachbarland Frankreich.
Eine gute Autostunde von uns entfernt liegen einige schöne Wanderparkplätze im französischen „Département des Vosges“, welche sich ideal als Ausgangspunkte für Wanderungen eignen wie beispielsweise „Le Markstein“. Die Vogesen mit ihren schroffen und teilweise alpinen Felsformationen, urigen Waldpfaden, Berg- und Badeseen, offenen Wiesenflächen, einigen Aussichtspunkten mit herrlichem Blick bis in den Schwarzwald, urigen und leckeren „Fermes“, welche zur Einkehr einladen, sind für WanderliebhaberInnen und Naturbegeisterte definitiv eine Reise wert.
Leider war ich selbst bislang auch noch nicht allzu oft in dieser schönen Region im Nachbarland. Vor gut zwei Wochen war es wieder einmal soweit. Am Abend auf dem heimischen Balkon war ich erneut davon überzeugt, dass ich künftig noch mehr von dieser schönen Region im Nachbarland erleben möchte.
Seid ihr auch schon dort gewesen und könnt es ebenfalls empfehlen? 🙂
Das höre auch ich gelegentlich. Erstaunlicherweise meistens von Menschen, die gerade nicht im Wald stehen.
Diese Erkenntnis regt mich an, darüber nachzudenken wie es mir eigentlich geht, wenn ich wirklich im Wald stehe.
Im Wald angekommen, atme ich oft erst mal tief durch. Es ist frischer, es riecht besser, es ist ruhiger als draußen. Eine Welt für sich.
Wenn ich dann wirklich angekommen bin im Wald, erkenne ich, daß all diese Bäume um mich herum nicht bloß irgendwelche Dinger sind, die man zu Tischen oder Bänken, Betten oder Särgen, Streichhölzern oder Brennholz, Geldscheinen, Klopapier oder was auch immer verarbeiten kann. Oder in die man Initialen und Herzen schnitzen darf. Mir wird klar, daß jeder einzelne Baum ein eigenständiges Lebewesen ist. Mit seinem ganz eigenen Recht aufs Leben und seinem ganz eigenen Willen zu leben. Einfach deshalb, weil er da ist. Wenn ich dann eine Weile im Wald stehe, schaue, höre, spüre, erlebe ich manchmal eine Verbindung. Von mir zu den Bäumen? Von den Bäumen zu mir? Laden sie mich ein, sie zu berühren, ihre Rinde zu spüren, mich an sie anzulehnen, ihre Ruhe und Stärke zu spüren, an ihnen empor zu schauen? Oder ist das alles nur sentimentale Gefühlsduselei?
Aber, wenn ich mich mal wirklich darauf einlasse, im Wald zu stehen, erkenne ich, daß die Bäume uns Menschen einiges zu zeigen haben. Als Baum kann man zum Beispiel nicht mal eben kündigen oder umziehen, wenn das Umfeld nicht stimmt. Sondern man muß schauen, was man an Kraft, Energie und Lebensfreude aus dem ziehen kann, was man hat und wo man ist. Ich finde es faszinierend und auf ganz eigene Weise tröstlich zu sehen, auf was für widrigen Untergründen Bäume Wurzeln schlagen, wachsen und leben können. Noch beeindruckender: Wie viele Bäume habe ich schon gesehen, die mit schwersten Verletzungen trotzig weiterleben, vielleicht nach dem Motto: „Es ist, wie es ist. Jetzt mache ich erst mal weiter. Sterben kann ich immer noch, wenn es so weit ist.“
Bevor jetzt alles zu philosophisch wird, lauert hinter dem nächsten dicken Stamm gleich wieder die harte Wirklichkeit mit der unbequemen Frage: „Wie fühlt sich eigentlich der Baum, wenn am Sonntag der Schreiner freundschaftlich neben ihm steht, und am Montag seine Freunde über die Kreissäge schiebt??“
Unvermeidbar ist das Leben ziemlich vielschichtig und widersprüchlich…
P.S.: Für alle, die es nicht wissen: Im Hauptberuf bin ich Schreiner.
Diese Frage stell ich mir tatsächlich öfters. Wann ist denn nun das Licht, das wir Fotografen so lieben, am Besten? Ist es am frühen Morgen, wenn die meisten Leute noch im Bett liegen und den Schlaf der Gerechten schlafen und nur die besonders frühen Vögel unterwegs sind? Oder ist es das Licht am Abend, kurz vor oder nach Sonnenuntergang, wenn die Schatten länger werden und es die „Gerechten“ wieder in die Koje zieht?
Ich kann mich einfach nicht entscheiden, aber ich weiß zumindest eines, es gibt fast immer tolle Fotos.
Da ist der Farn der noch ganz zart von der Sonne beschienen wird und sein Grün zauberhaft schimmernd zeigt. Oder das lächelnde Gesicht meiner Fotokollegin Jasmin, aka Heimatfotogräfin, im letzen Abendlicht, als wir gemeinsam den Schliffkopf im Nordschwarzwald unsicher gemacht haben. Auch die Bergspitzen der Vogesen und des Schwarzwaldes profitieren von diesem sanften Leuchten. Diese ganz besondere Stimmung eben, die Uns morgens aufstehen, oder Abends den letzten Glanz genießen lässt.
Müsste ich mich nun enscheiden, so könnt ich es nicht, denn das Licht ob Morgens oder Abends mag ich zu gleichen Teilen, nur manchmal vielleicht, nach dem Schlaf der Gerechten, das Aufstehen nicht.
Bis bald mal wieder und immer schön neugierig bleiben.
Neulich erzählte mir ein Bekannter, dass er Ärger mit einer Hundebesitzerin bekam, als er im Vorbeigehen ihren Hund fotografieren wollte. Die Begründung war, dass der Hund schließlich auch ein Recht am eigenen Bild habe. Abgesehen davon, dass das Persönlichkeitsrecht für Hunde nicht gilt, zeigt sich hier eine Entwicklung, die in den letzten Jahren immer mehr zu einer Herausforderung für alle Fotografinnen und Fotografen geworden ist: das Fotografieren fremder Menschen und das Zeigen dieser Bilder in der Öffentlichkeit.
Natürlich kann man sich fragen, warum man überhaupt fremde Menschen fotografieren muss. Warum fotografiert man nicht seinen eigenen Hund, seine Familie oder perfektioniert sein Selfie? Warum riskiert man einen Konflikt mit einer fremden Person, wird im schlimmsten Fall sogar angezeigt und muss unter Umständen eine saftige Strafe zahlen? Vielleicht sind es gerade diese Herausforderungen, die das Fotografieren auf der Straße so spannend und aufregend machen. Den Mut, den es braucht, eben nicht aus einem Versteck heraus zu fotografieren, sondern sich den Menschen und der Szene zu stellen und plötzlich mittendrin zu sein. Oft nur mit einem Lächeln oder einer kleinen Geste zu kommunizieren, aber auch die Reaktionen des Gegenübers zu deuten und zu respektieren.
Obwohl es uns die Technik heute immer leichter macht, gute Fotos zu machen und die Anzahl der aufgenommenen Bilder in den letzten Jahren enorm gestiegen ist, scheint es immer schwieriger zu werden, Datenschutz und künstlerische Freiheit in Einklang zu bringen.
Eine Variante bestünde darin, mittels künstlicher Intelligenz ein Bild generieren zu lassen, das nur aus synthetischen, also nicht realen Gesichtern besteht. Die Qualität dieser Ergebnisse ist absolut verblüffend (und zugleich erschreckend) und kaum von einer Fotografie zu unterscheiden. Damit wäre man datenschutzrechtlich auf der sicheren Seite, aber kann man hier noch von Fotografie sprechen? Dieses Thema wird uns Fotografinnen und Fotografen, aber auch alle Medienkonsumenten in den nächsten Jahren sicher noch viele Überraschungen und wahrscheinlich auch ziemliche Kopfzerbrechen bereiten.
Eine andere Möglichkeit ist, tief in die fotografische Trickkiste zu greifen und mit einer künstlerischen Unschärfe zu arbeiten. Die Konturen und damit auch die individuellen Merkmale verschwimmen und trotzdem erkennt man schemenhaft die Umgebung und auch den Menschen.
Sich mit einem solchen Thema auseinanderzusetzen um es dann fotografisch umzusetzen, auf so eine Idee kommt man selten allein. Meine hier gezeigten Fotos sind das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit der Fototechnik der kroatischen Fotografin Olga Karlovac während einer Seminarreihe der Fotodozentin Petra Böttcher.
Wir wandern im Schwarzwald, es geht bergab auf einem asphaltierten Wirtschaftsweg. Ich, vorausgehend, nehme aus dem Augenwinkel einen länglichen Gegenstand auf dem Weg war. Ohne mich bewusst zu fragen, was das überhaupt sein könnte, lenke ich meine Schritte instinktiv ein Stück in eine andere Richtung und bin im Grunde auch schon vorbei gelaufen. Dann die Frage von hinten: Was ist denn das für ein Tier, was da auf dem Weg liegt? Eine Blindschleiche?
Ähm, nein. Eine Blindschleiche käme von der Größe zwar hin, aber die hat sicher kein Zickzack-Muster auf dem Rücken… Mal genauer hinschauen.
Oha, eine Schlange. Und noch dazu eine mit geschlitzten Pupillen. Nattern (die ungiftig sind) haben runde, soviel weiß ich… Ich mache mal lieber ein paar Belegfotos mit der großen Kamera. Zum Glück ist gerade kein Verkehr auf dem Weg.
Jetzt ist der Fall klar: eine Kreuzotter! Winzig klein noch, vielleicht fünfundzwanzig Zentimeter lang und nicht mal einen Zentimer dick, aber doch Vipera berus. Man hat schon öfters gehört, dass diese Schlangenart rund um den Ort hier im Südschwarzwald vorkommt, aber noch nie eine zu Gesicht bekommen. Wie stark!
Das Tier bewegt sich langsam, aber stetig zum Rand des Weges (ist auch besser so!) und begibt sich dort in die niedrige Vegetation. Das ist keine Flucht, so scheint es, sondern eher ein halb gelangweiltes Sich-den-neugierigen-Blicken-Entziehen. Und zu meiner großen Freude verweilt sie sogar noch ein bisschen in der Nähe und verschwindet nicht gleich.
Wer weiß, vielleicht ist sie ja selber auch ein bisschen neugierig?
Fest steht für mich: ein fantastisch schönes Tier. Vielleicht begegnen wir uns noch einmal, wenn sie größer ist? Ich hoffe es sehr.
Welche Emotionen sind hier zu sehen? Neugier? Furcht? Abwehrbereitschaft? Gespieltes Desinteresse? Oder eine Mischung von alledem? (Und was davon ist eine Projektion meiner eigenen Gedanken auf das abgebildete Tier?)
Wir werden es leider nie erfahren. Der klitzekleine Sperlingskauz hat diese an einem Aprilnachmittag von mir zufällig im Hochschwarzwald entdeckte Höhle leider nicht zu seinem Brutplatz auserkoren. Er (also das Paar) brütet nun irgendwo in den Weiten des Waldes, so leicht zu finden wie die Nadel im Heuhaufen… Der Buntspecht als ursprünglicher Zimmermann ist ja immer sehr fleißig und sorgt für ein breites Angebot an Höhlen für seine Nachmieter.
So freue ich mich umso mehr nachträglich über diese sagenhafte Begegnung mit Europas kleinster Eule und wünsche ihr ganz viel Glück bei der Brut und Aufzucht ihrer Nachkommen. Juni ist nämlich der Monat, in dem diese üblicherweise flügge werden und in die große weite Welt ausschwärmen. Und wer weiß, vielleicht wird mir das Glück irgendwann auch wieder hold sein…
Neben Asphalt und Beton wird unsere Landschaft sehr wesentlich von der Landwirtschaft geprägt. Wo und wie unsere Nahrungsmittel produziert werden, hat großen Einfluß darauf, wie unsere Landschaft aussieht und wie es ihr geht. Jede Kaufentscheidung hat eine Auswirkung, die weit über unseren Tellerrand hinaus geht.
Doch wie frei sind wir in unseren Entscheidungen? Was ist im Alltag umsetzbar?
Wir alle, Verbraucher, Landwirte, Händler … sind Teil eines großen Räderwerks, und jede Entscheidung, die wir treffen, hat Auswirkungen. Positive und negative Auswirkungen, und diese dummerweise meistens gleichzeitig. Fast nichts ist einfach nur gut oder nur schlecht. So bleibt uns oft nur der frustrierende Versuch, nach bestem Wissen und Gewissen die am wenigsten schlechte Entscheidung zu treffen.
So, und was hat das jetzt mit Fotografie zu tun? Wie in der Fotografie, so hilft es auch im wirklichen Leben, die Aufmerksamkeit zu trainieren und den Blick zu schärfen für die kleinen Dinge am Wegesrand.
Weil auch die großen Dinge meist klein anfangen, seht Ihr hier die Anfänge vom leckeren Gemüse der Solidarischen Landwirtschaft am Hof der Vielfalt in Gottenheim bei Freiburg.
Und was ist SoLaWi? Kurz gesagt, finanziert hier eine Gruppe interessierter Menschen mit ihrem regelmäßigen Monatsbeitrag den landwirtschaftlichen Betrieb. Im Gegenzug erhalten die Mitglieder hochwertige biologische Nahrungsmittel aus regionalem Anbau und der Landwirt hat Planungs- und Ertragssicherheit (und ein paar schöne Fotomotive springen auch noch dabei raus 😉 Gut gemacht, ist das eine win-win-win-Situation für Erzeugende, Verbrauchende und für die Natur, deren Teil wir selber sind.
Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie schön die Welt ist und wieviel Pracht in den kleinsten Dingen, in einer Blume, einem Stein, einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.
(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)
In letzter Zeit kann man das „grau in grau Wetter“ kaum mehr ertragen. Jeder Tag beginnt gefühlt mit der gleichen Wetterlage: grau und nicht unbedingt einladend. Nur an wenigen Tagen zeigt sich die Sonne.
Mein lieber Kollege @horstmaier hatte in der vergangenen Woche dem Wetter zum Trotz seine Kamera geschnappt und einen schönen Artikel dazu herausgebracht. Wenn man jedoch nicht die Möglichkeit hat wie Horst sich ein kleines Bächlein zu suchen, so können einen auch die blühenden Schönheiten auf den Wiesen in ihren Bann ziehen und aufmuntern.
Die bunten Farben im satten Grün der Wiesen lassen einen auch ganz ohne Sonnenschein das Herz vor Freude höherschlagen und spiegeln einem dabei auch vielleicht ein bisschen das Leben wider: Selbst wenn es als mal grau und trist ist, gibt es dennoch immer wieder kleine bedeutende Farbtupfer im Alltag.
Begibt man sich mit den blühenden Schönheiten auf Augenhöhe, so fühlt es sich an wie abtauchen in eine Zauberwelt. Die zarten Blumen wirken dann nahezu magisch.
Wann lasst ihr euch in den Bann dieser bezaubernden Fantasiewelt ziehen?
Wenn man gerade aus dem Fenster sieht, sieht man nichts außer Regen. Zumindest hier in Süddeutschland. Regentropfen rinnen von den Fensterscheiben, und der Himmel ist mit tiefem Grau verhangen. Tage zum Vergessen halt. Oder?
Mitnichten. Was macht man an Tagen, an denen es regnet? Ganz einfach: Man sucht sich ein kleines Bächlein irgendwo im Schwarzwald und fotografiert Wasser. Was sonst. Ach ja, und um die Stimmung etwas aufzuhellen, sucht man sich ein Bächlein, an dem es viele kleine Steine und Felsen hat, die dicht mit sattem grünen Moos bewachsen sind – und schon steigt die Laune.
Also meine Laune wurde nach der kleinen Fototour tatsächlich um einiges besser. Ich liebe dieses intensive Grün, und Wasser ist sowieso meins. Ich hoffe, ich konnte eure Laune auch etwas heben und euch haben meine Bilder gefallen. Wenn ja, raus in den Regen, und sucht euch ein kleines Bächlein. Bis bald mal wieder und bleibt neugierig.