Mit dem heutigen Gedenktag der heiligen Sophia enden die Eisheiligen, die uns gewöhnlich in der Zeit zwischen dem 11. und dem 15. Mai nochmal ein paar Nachtfröste bescheren. Doch heute ist es fast schon sommerlich warm.
Vielleicht waren sie ja auf Besuch beim heiligen Cajus und seinen Glaubensschwestern und -brüdern: Am 22. April, dem Gedenktag des heiligen Cajus durfte ich bei einer Wanderung am Nonnenmattweiher die beeindruckenden Ergebnisse ihrer Zusammenkunft bestaunen:
Die Frühlingsboten hatten schon ganze Arbeit geleistet und überall kamen zarte Blätter und erste Blüten heraus. Und dann kam nochmal eine richtige Portion Schnee, die den Lebensmut des zarten Grüns auf eine ziemlich harte Probe gestellt hat.
Die Badesaison war noch nicht eröffnet, und auch die kleine Maus hat sich den Tag vielleicht ein bißchen anders vorgestellt.
Mein Vorteil war: Ich war fast alleine an diesem wunderbaren Ort. So hatte ich viel Ruhe, um zu schauen und mich in die verschiedenen Blickwinkel zu vertiefen. Und ich kann nicht am Wasser sein, ohne die Faszination der Spiegelung zu zelebrieren:
Auch aus anderen Blickwinkeln ist dieser kleine See sehr reizvoll…
Und ein paar Tage später bei St. Peter zeigte sich, daß der Frühling trotz erschwerter Bedingungen den längeren Atem hat …
Sie wirken wie Relikte aus vergangenen Zeiten: die bunten Wahlplakate für die kommende Europawahl am 9.Juni 2024. Das große Kleben hat begonnen und mit leuchtenden Farben, Porträts der Politprominenz und kurzen, knackigen Slogans wird um unsere Stimme geworben. Die Wahlen zum Europäischen Parlament fallen in eine schwierige Zeit. Reformstau, Uneinigkeit, Rezession, wachsender Nationalismus und die russische Bedrohung an der EU-Außengrenze – das Bild der EU zeichnet sich düster und die Herausforderungen sind riesig. Leider tritt in diesem ganzen Schlamassel der europäische Gedanke und die Bedeutung der Gemeinschaft in den Hintergrund.
Szenenwechsel: Dieses Jahr Anfang März in einer Kleinstadt im Osten Polens (Titelbild) : Während einer Autofahrt zum Biebrza-Nationalpark bleibt mein Blick an einer Gruppe von Menschen hängen, die sich auf der Gegenfahrbahn auf uns zu bewegt. Zuerst halte ich sie für Wanderer, doch als sie näher kommen, höre ich gleichförmige Schritte auf dem Asphalt, und aus den Wanderern werden Soldaten, die mit ernster Miene dicht an unserem Auto vorbeimarschieren.
Ich bin in der Ära des Kalten Krieges aufgewachsen, einer Zeit, die geprägt war von der Angst vor einem Atomkrieg und der Unsicherheit über die Zukunft. Die Begegnung mit den Soldaten nahe der weißrussischen Grenze hat mir wieder vor Augen geführt, wie wichtig der Zusammenhalt der europäischen Länder für unsere Sicherheit ist. Der Gedanke, dass diese polnischen Soldaten und Soldatinnen im Ernstfall unsere Freiheit und Sicherheit verteidigen müssen und im schlimmsten Fall sogar ihr Leben dafür geben, lässt mich nicht mehr los. Gerade im Hinblick auf die Gräueltaten der Deutschen in Polen während des Zweiten Weltkrieges wird deutlich, welch unglaubliche Entwicklung unser Kontinent in den letzten Jahrzehnten genommen hat.
Jedes Land für sich wird keines der großen globalen Probleme alleine lösen können, auch wenn das manche Parteien vollmundig versprechen. Wir brauchen diesen Zusammenschluss der Länder, denn ein zunehmender Nationalismus wird alles nur noch schlimmer machen. Die EU als Institution macht es uns oft nicht leicht, sie zu verstehen, und es gelingt ihr nur selten, unsere Herzen zu gewinnen. Auch die Parteien haben ihren Anteil daran, dass viele Menschen unentschlossen sind, wo und ob sie überhaupt am 9. Juni ihr Kreuz machen sollen.
Ich denke, Europa sollte es uns wert sein, zur Wahl zu gehen und den demokratischen Parteien eine Stimme zu geben!
Entlang eines kleinen Waldpfades, welchen ich in Gedanken versunken mit der Kamera umhängend durchwanderte, hörte ich es unmittelbar neben mir im Dickicht rascheln.
Die Geräusche und die dazu sichtbar wackelnden Sträucher ließen vermuten, dass es sich hier um ein größeres Tier handeln musste.
War es etwa ein Wildschwein auf Nahrungssuche?
Ganz erschrocken blieb ich stehen, verharrte in dem Moment und mein Herz klopfte wie wild. Innerhalb weniger Sekunden konnte ich dann zwei flauschige Ohren erkennen, und das Reh streckte ganz erschrocken seinen Kopf empor.
Wir standen beide für nur wenige Sekunden wie angewurzelt da und beobachteten uns, bevor sich das Reh mit lautem Schrecken (geben dabei ein „bellen“ von sich, wenn sie eine Gefahr nicht zuordnen können) für den Rückzug entschied.
Jede Rehbegegnung fasziniert mich aufs Neue und ich bin unglaublich dankbar für solch schöne Augenblicke. Sie strahlen für mich eine Feinfühligkeit sowie Sanftheit aus, und gleichzeitig auch so viel Kraft.
Meine Begegnung mit dieser Schönheit werde ich so schnell nicht vergessen.
Könnt ihr auch von solch schönen Begegnungen berichten?
Trujillo, eine spanische Kleinstadt in den Weiten der Extremadura, ungefähr auf halbem Wege zwischen Madrid und Portugal. Unsere Gruppe hat in einem Hotel in der Ortsmitte Quartier bezogen, da hat es neben dicht stehenden Häusern und engen, laut befahrenen Straßen auch einen kleinen Platz.
Recht hübsch liegt er da inmitten der Autos und Gebäude, alle seine vier Kastanienbäume stehen in frühlingshafter Blüte.
Hier wohnt jemand, und zwar nicht im Hotel, außerdem gewiss schon deutlich länger als wir Neuankömmlinge. Wir hören es bereits am ersten Abend. Am nächsten Morgen folgt dann die endgültige Gewissheit.
Eine Eule nennt den winzigen Platz hier in Trujillo ihr Zuhause.
Nein, ich muss es korrekt sagen: zwei Tiere, ein Eulenpaar. Es sind Zwergohreulen (Otus scops), etwa so groß wie Stare und in ganz Südeuropa verbreitet. Sie siedeln gerne in Dörfern und Städten, wo sie nachts auf Insektenjagd gehen. Man hört sie oft, auch wenn viele Menschen den monoton-einsilbigen Ruf vielleicht für den Ton eines technischen Geräts halten. Sie dann auch zu sehen, ist deutlich schwieriger, weil sich die Eulen tagsüber in der Regel sehr gut zu verstecken und unseren Blicken zu entziehen wissen.
Hier der Test: Wer sieht auf den folgenden drei Bildern mindestens eines der beiden Tiere?
Keine Chance, oder? Na gut, gehen wir etwas näher ran.
Jetzt vielleicht? Zumindest das linke Tier?
Jetzt aber doch wohl! Wer das Paar noch immer nicht erkennen kann, möge sich eine (neue) Brille und/oder ein größeres Display besorgen. Aber das ist eigentlich gar nicht mein Thema.
Wer sich für Vögel und allgemein für die Natur interessiert (und das waren ausnahmslos alle Leute in unserer Gruppe), freut sich zunächst mal sehr über die Beobachtung dieser nachtaktiven Eulen. Wir haben richtig Glück, und die geringe Größe des Platzes erleichtert die Suche deutlich. Es sind einfach tolle Tiere, wie sie da mehr oder weniger regungslos im dichten Kastanienlaub hocken und würdevoll auf uns Menschen herunterblinzeln.
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Bei mir kommt bald noch eine zweite Empfindung hinzu, und sie wird mit jedem Tag in Trujillo und jeder ruferfüllten Nacht stärker: Diese Tiere sind hier zuhause. Es ist ihr Platz. Wir sind lediglich zu Besuch, wir dürfen eine Zeitlang als ihre Nachbarn bei ihnen wohnen. Muss man sich da nicht geehrt fühlen?
Neulich war ich seit langem mal wieder mit der Kamera im Wald.
Eigentlich ein völlig unspektakulärer Spaziergang nicht weit von mir zu Hause in einem, trotz der Lage neben dem Autobahnzubringer, schönen und abwechslungsreichen Waldstück. An jenem Tag ist das Grundrauschen der Straße schnell im Hintergrund verschwunden und …
… der Vordergrund meiner Aufmerksamkeit ist erfüllt vom faszinierten Betrachten des überall neu aufbrechenden Lebens.
Hier und da erinnern mich Reste des „alten Lebens“ vom vergangenen Herbst daran, daß wahres Leben ein ewiger Kreislauf ist. Oder, für die Naturwissenschaftler unter uns: Mal abgesehen von den geringfügigen Veränderungen duch ein paar Sternschnuppen oder Meteoriten-Einschläge (Material-Eintrag) oder ins All geschossene Sonden oder auf dem Mars abgestellte Autos (Material-Austrag) entsteht alles, was auf dieser Welt lebt, immer wieder neu zusammengesetzt aus den seit Urzeiten unverändert auf dieser Erde vorhandenen Atomen.
„Der Februar 2024 war der neuntwärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“.
Dieser Satz fiel letzte Woche bei einer Wettervorhersage in der ARD von TV-Meteorologe Sven Plöger. Im ersten Moment stutzte ich, dann musste ich schmunzeln, bevor mir das Lachen im Halse stecken blieb. Seitdem geht mir der Satz nicht mehr aus dem Kopf.
Das Thema Klimaerwärmung ist uns allen bekannt und an die Statistiken über Hitzerekorde haben wir uns (leider) schon fast gewöhnt. Aber dass sich das schon monatsübergreifend auswirkt, hat mich dann doch schockiert. Gerade jetzt im Frühling wird mir immer wieder bewusst, wie wunderbar es ist, in Mitteleuropa und damit in einer gemäßigten Klimazone zu leben. Vor allem den Wechsel der vier Jahreszeiten mit all seinen Veränderungen in der Natur, aber auch im Wetter erleben zu können, sind Erfahrungen, die mich prägen und die ich auf keinen Fall missen möchte.
Eigentlich gehört zu einem Frühling auch ein kalter Winter davor. Aber diese Jahreszeit hat sich hier im Südwesten Deutschlands schon lange heimlich verabschiedet. Von vier Jahreszeiten sind leider nur noch drei übrig geblieben. Was das für die Natur bedeutet, beginnen wir erst langsam zu erforschen und zu verstehen. Die Auswirkungen auf uns Menschen, zum Beispiel als letztes Glied in der Nahrungskette, kann noch niemand abschätzen.
Nichtsdestotrotz ist es nicht wirklich hilfreich, in eine Frühjahrsdepression zu verfallen. Geht hinaus und genießt den Gesang der Vögel und den Anblick der aufblühenden Natur. Hallo April!
Irgendwie ist es doch wunderlich, welchen Dingen um uns herum wir Aufmerksamkeit schenken und welche wir mit Missachtung strafen. An welche Orte wir hochmobile Wesen uns begeben (insbesondere in unserer Freizeit) und welche wir meiden – ob bewusst oder unbewusst. Mal ganz abgesehen von der Frage, was uns im Allgemeinen als schön, interessant und „sehenswert“ gilt, und was nicht. Die Feststellung, dass die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, ist natürlich eine Binsenweisheit. Ihrem Wahrheitsgehalt tut das jedoch keinerlei Abbruch.
Was veranlasst mich wohl zu diesen tiefgründigen Betrachtungen? Die Antwort ist einfach: Es ist meine Arbeit, mein Beruf.
Nicht, dass hier irgendwelche Missverständnisse aufkommen: Ich bin weder Landwirt noch Förster. Aber ich zähle Vögel und andere Tiere, und die leben nun mal in Wald und Feld (und noch weiteren Orten). Und somit verschlägt es mich nicht selten an Orte, die die meisten Menschen (mich selber inbegriffen) eher nicht freiwillig aufsuchen – Hundebesitzer vielleicht mal ausgenommen. An anderer Stelle habe ich bereits darüber berichtet und verschiedene Überlegungen angestellt (hier, hier und auch ein wenig hier).
Diese Woche war es mal wieder so weit.
Keiner dieser Landschaftsanblicke wird je von der UNESCO zum Welterbe der Menschheit deklariert werden, auch auf Instagram wird man sie vergeblich suchen. Sie sind einfach völlig unspektakulär und normal, nach landläufigen Maßstäben sogar langweilig.
Und doch…
Ich finde sie schön, diese beiläufigen Orte. Sie sind Bestandteil unserer Welt, wir formen sie und sie formen uns. Und sie haben – wenn man sich einmal auf sie einlässt – ihren ganz eigenen, unbestreitbaren Reiz. Insbesondere natürlich am frühen Morgen und in der Abenddämmerung, wenn außer mir (mit Fernglas und Tablet behängt) kaum eine Menschenseele unterwegs ist.
Zum Abschluss der Arbeitswoche hatte ich den Auftrag, eine ehemalige Tongrube auf die dort vorkommenden Vögel zu kontrollieren. Ein bemerkenswerter und ungemein interessanter Ort!
Hier kommt ein weiteres Privileg meiner Arbeit zum Tragen: Ich darf Gebiete betreten, die sonst nicht zugänglich sind. Es gibt keine ausgetretenen Pfade (von Wildwechseln einmal abgesehen), keinen Besucherandrang. Dafür jede Menge wilde Ecken, die sich selber überlassen werden, die nicht inszeniert sind, sondern einfach so vor sich hin existieren. Und ich bekomme einfach so, en passant, erstaunliche Anblicke geboten.
Ich bin gespannt, wo es mich noch hinverschlagen wird. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich davon auch in Zukunft berichten werde.
Die Wildtierfotografie und ich – das ist eine eher schwierige Kombination. Obwohl ich mich sehr gerne draußen in der Natur aufhalte, ist meine fotografische Ausbeute von größeren heimischen Wildtieren sehr überschaubar. Das liegt zum einen daran, dass ich mich in der Natur lieber bewege, als stundenlang im Tarnzelt zu liegen (und mich dabei von Zecken aussaugen zu lassen). Aber ehrlich gesagt, liegt es wohl auch daran, dass ich oft im falschen Moment geräuschvoll in einen Apfel beiße oder mein Plappermaul nicht lange genug halten kann. Da das denkbar schlechte Voraussetzungen sind, um die scheuen Waldbewohner vor die Linse zu bekommen, versuche ich mich oft mit dem Argument herauszureden, dass es ja eigentlich schon genug Fotos von Wildtieren gibt (allein auf Instagram 3,8 Millionen Bilder unter #wildlifephotography) und andere das viel besser können als ich. Aber damit versuche ich natürlich nur, mir meine Inkompetenz und Bequemlichkeit schön zu reden, denn in Wahrheit beobachte ich unglaublich gerne wild lebende Tiere, auch über mehrere Stunden hinweg. Doch wo finde ich die Tiere in der weiten Natur? Und wie kann ich sie beobachten, ohne sie zu stören? Ein Dilemma, das viele Fotografinnen und Fotografen kennen und teilen.
Ansitze, speziell für Fotografen, sind dafür eine gute Möglichkeit. Durch ihre verspiegelten Fenster sind sie von außen nicht einsehbar und man kann unbemerkt die Natur beobachten. Manche Hütten müssen vor Sonnenaufgang betreten und dürfen erst nach Sonnenuntergang wieder verlassen werden.
Dieses „Hide“ befindet sich im Białowieża Nationalpark ganz im Osten Polens. Wie so oft, wenn es um eher ungewöhnliche Reiseziele geht, hatte Blogkollege Sebastian die entscheidenden Ideen und organisierte eine abwechslungsreiche Gruppenreise. So ging es Mitte Februar 2024 zunächst nach Warschau und dann in die Nationalparks Białowieża und Biebrza, beide im Osten Polens unweit der Grenze zu Weißrussland gelegen. Die 11-tägige Reise war weit mehr als eine Naturreise, denn sie brachte uns Land und Leute näher, erweiterte unser Wissen und rückte auch die deutsch-polnische Vergangenheit in den Mittelpunkt.
Während dieser Reise hatte ich zweimal die Gelegenheit, ein solches Fotoversteck zu besuchen. Die meisten Wildtiere waren gar nicht so „wild“, und einige Arten sind auch regelmäßige Besucher bei mir zu Hause an der Futterstelle. Aber sie so nah und ungestört beobachten und fotografieren zu können, war schon ein besonderes Erlebnis.
Die Hütte hatte auf zwei Seiten Fenster, d.h. aus dem einen Fenster konnte man die ständig hin und her fliegenden Vögel beobachten, aus dem anderen Fenster blickten wir auf eine unspektakuläre Wiese.
Immer wieder waren wir versucht, uns lieber mit den Vögeln zu beschäftigen, als auf die langweilige Wiese zu starren. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und das Licht wurde immer schlechter. Doch plötzlich bekamen wir Besuch aus dem angrenzenden Wald…
Dass der Fuchs uns fast drei Stunden lang immer wieder besuchte, im Wald verschwand und wieder auftauchte, hatte natürlich einen Grund. Die wenigsten Wildtierfotos entstehen zufällig und ungeplant. Oft werden die Tiere durch Futter angelockt, was hier sowohl bei den Vögeln (Streufutter) als auch beim Fuchs (angefahrener Waschbär und Innereien eines Schweins) der Fall war.
Allerdings werden solche Fotos eher selten gezeigt. Zum einen möchte man seinem Publikum nur „appetitliche“ und schöne Fotos zeigen, zum anderen liegt es wohl auch daran, dass man damit die Bilder ein Stück weit entzaubert. Wilde, gefährliche Abenteuerfotografie wird plötzlich für „Normalos“ zugänglich und der Erfolg in gewisser Weise planbar.
Ist das einzelne Foto dadurch weniger wert? Im Sinne von: weniger schön und weniger spannend? Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr euch die Bilder mit diesem Wissen noch einmal anseht? Hinterlässt das bei euch einen faden Beigeschmack oder zählt am Ende doch „nur“ das Ergebnis und das Erlebnis? Ich selbst hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, den Fuchs zu stören. Natürlich ist mir bewusst, dass man hier durch das Anlocken mit Futter in die Natur eingreift, aber das mache ich mit der Futterstelle in meinem Garten auch. Wo zieht jeder für sich die Grenze, wenn es darum geht, ein besonderes Foto zu machen? Ethik in der Tierfotografie – ein Thema, das viele Fotografinnen und Fotografen beschäftigt.
Seit einigen Tagen singt eine Amsel rund um unser Haus. Der Vogel (da es ein Männchen ist, würde man ihn als Amselhahn bezeichnen) hat verschiedene Singwarten, von denen aus er vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung die Umgebung beschallt. Frühling!
Offenbar ist er noch nicht so ganz routiniert beim Singen. Entweder ist er noch ein junges Männchen (vielleicht vom Vorjahr), oder er ist vom Winter noch etwas „eingerostet“. Jedenfalls ist sein Gesang noch nicht so ausgereift, wie man sich einen typischen Amselgesang vorstellt. Natürlich wunderschön flötend und voller verschiedener, abwechslungsreicher Elemente – aber die einzelnen Strophen sind noch nicht so lang und ausgewogen, teilweise etwas abgehackt. Man hat stellenweise den Eindruck, als übte der Hahn noch ein bisschen oder sei vielleicht auf der Suche nach seinem individuellen Stil. Diese Interpretation ist auch überhaupt nicht weit hergeholt: Das Tier muss ja insbesondere über den Reviergesang in der Konkurrenz mit seinen Rivalen bestehen und zugleich Weibchen anlocken. Und die wissen genau, was sie wollen: einen Mann, der laut und abwechslungsreich singen kann, denn das sind untrügliche Anzeichen für gute Gene.
Heute morgen (ich bin sozusagen im HomeOffice) hat sich der Herr Nachbar auf einen Baum am Straßenrand vor unserem Haus gesetzt und für einige Minuten aus voller Kehle gesungen. Da war es schon hell, und ich war am Schreibtisch zu Gange. Zwischen ihm und mir lagen keine drei Meter Entfernung. Sehr schön saß der Amselhahn im Licht der Morgensonne da und flötete seine Strophen.
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Ich musste nicht lange überlegen – geschwind die Kamera mit dem Teleobjektiv herausgeholt, vorsichtig das Fenster geöffnet und draufgehalten. Der Baum, den er sich als Sitz- und Singwarte ausgesucht hatte, ist zwar infolge einer rabiaten Rückschnittaktion im vergangenen Herbst keine besondere Augenweide. Aber Herr Nachbar hat von dort aus einen guten Überblick und wohl auch eine günstige Akustik, und das sind gewichtigere Argumente als Ästhetik.
Erstaunlich: In der kühlen Morgenluft und vor dem dunklen Hintergrund des gegenüberliegenden Hauses wurde die kondensierte Atemluft sichtbar, die Herr Nachbar beim Singen ausstieß. Da hat er also ordentlich Dampf abgelassen.
Ich hoffe, die Amsel bleibt uns in den kommenden Wochen und Monaten erhalten und singt noch an vielen Morgen und Abenden. Vielleicht findet sich auch eine Partnerin, und es gibt Nachwuchs. Wir drücken die Daumen.
In einem Monat wie dem März erwartet man sicher ein anderes Monatsbild als das, welches ich ausgewählt habe. Gerade erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf. Zaghaft strecken die ersten kleinen Blumen ihre Köpfe aus dem Erdreich, um dem nahenden Frühling ihre Aufwartung zu machen. Die ersten Insekten trauen sich ins Freie, und die Vogelwelt erfreut uns immer mehr mit ihrem Gesang. Keine Frage, der Lenz hält langsam, aber unaufhaltsam seinen Einzug. Ja und dann kommt einer daher und zeigt ein Foto von Pilzen, wo doch lieber Schneeglöckchen, Krokusse und Co das Monatsfoto zieren sollten. Wir sind ja schließlich nicht im Herbst.
Doch diese kleinen Scheißerchen gehören tatsächlich auch in den März. Zumindest in diesen. Die warmen Temperaturen im Februar machen es möglich. Wenn ich mit meinen Hunden im Wald laufe, halte ich trotz tierischer Ablenkung gerne die Augen offen, ob sich nicht das ein oder andere Fotomotiv findet, dem ich zu einem späteren Zeitpunkt mit der Kamera auf die Pelle rücken kann.
Diese kleinen Schleimpilze (wahrscheinlich ist es das „schiefergraue Fadenkügelchen“) hab ich, mehr oder weniger, im Vorbeigehen aus den Augenwinkeln auf einem abgefallenen Ast eines Baumes entdeckt. Nach der Hunderunde bin ich dann mit meinem Equipment angerauscht und habe fotografiert. Die folgenden zwei Fotos sind nochmals als Vergleich, dass ihr erahnen könnt, WIE klein die sind.
Ihr seht, da musste ich schon mit der Makrokavallerie anrücken, um ein paar passable Fotos zu machen. Aber es hat sich gelohnt, mich mal wieder in den Dreck zu schmeißen. Wenn ihr euch fragt, was das für ein Equipment ist, dürft ihr gespannt sein. Ich werde dieses Jahr mal ein oder zwei Artikel zu meiner Gerätschaft und dem Gebrauch ebendieser zusammenbasteln. Natürlich auch mit ein paar Beispielbildern.
In diesem Sinne, immer schön die Augen offen halten und den Frühling genießen. Bis bald.