Malen mit Licht (Teil 6)

Der letzte Beitrag der Serie „Malen mit Licht“ ist mehr als zwei Jahre her, und eigentlich war sie mit Teil 5 zu Ende. Aber wie das in Serien so ist: Solange das Happy End noch offen und der Held noch nicht gestorben ist, reiht sich eine Fortsetzung an die andere.

Frei nach Adenauer: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Nichts hindert mich daran, klüger kreativer zu werden“ geht auch diese Serie in die Verlängerung, und deshalb schiebe ich (mindestens) noch einen Beitrag nach.

Diesmal möchte ich mit euch Mandalas „malen“!

Zwar ohne Papier und Buntstifte, aber auch mit einer ruhigen Hand, Konzentration und Ausdauer.

Wie bei den gemalten Mandalas wiederholen sich auch hier Formen und Muster, und trotz vieler unruhiger Details wirken die Ergebnisse insgesamt beruhigend.

Auf diesen Kaleidoskop-Effekt bin ich durch einen Zeitschriftenartikel des schottischen Fotografen Niall Benvie gekommen. Die Technik dahinter ist eigentlich recht einfach und leicht nachzumachen. Viele Kameras verfügen über die Funktion, Mehrfachbelichtungen aufzunehmen. Diese wird oft genutzt, um Doppelbelichtungen zu erzeugen, d.h. man macht zwei Aufnahmen von verschiedenen Motiven und die Kamera fügt diese zu einer Datei zusammen. Für den „Mandala-Effekt“ habe ich die Anzahl der Aufnahmen auf acht erhöht und die Kamera um die Bildmitte gedreht. Wenn man das aus der Hand und nicht vom Stativ macht, ist das schon fast eine Turnübung 😉 .
Lustig wird es, wenn man in den Himmel fotografiert und sich dabei um die eigene Achse drehen muss, denn das bringt (zumindest mein) Gleichgewicht ganz schön ins Wanken.

Das glaubt ihr nicht? Probiert es aus!

Alle bisherigen Beiträge zur Serie „Malen mit Licht“ findet ihr hier.


sogesehen – Monatsfoto Mai 2023

Das Leben ist eine Baustelle…

Heute, am Tag der Arbeit, habe ich einen Spaziergang an unserer Stadtteilschule vorbei gemacht. Die wird gerade im laufenden Betrieb stückweise abgerissen und neu aufgebaut. Für Schülerinnen und Lehrerinnen, Bauarbeiterinnen und Nachbarinnen – alle in allen Geschlechtern – mit Sicherheit eine sehr große Herausforderung.

In der sorglosen Ruhe eines Feiertag-Nachmittags mit der Kamera in der Hand eine sehr anregende Sache. In den neuen Fenstern spiegelt sich die Baustelle und tritt in einen spannenden Dialog mit der Einrichtung der Räume. Besonders der Tischkicker, durch die Spiegelung scheinbar mitten in der Baustelle platziert, hat mich fotografisch fasziniert und dadurch auch zum Nachdenken gebracht:

Was würde passieren, wenn wir ein Stück spielerische Leichtigkeit in die Arbeit, die morgen wieder auf uns wartet, hineintragen?

Ist alles immer so ernst und wichtig, wie es auf den ersten Blick erscheint?

Was könnte sich verändern, wenn wir versuchen, in unseren Kolleginnen, Mitarbeiterinnen, Lieferantinnen, Chefinnen, Kundinnen, Putzmännern – alle in allen Geschlechtern – Menschen zu sehen mit Wünschen und Träumen, Bedürfnissen und Ängsten, Charismen und Grenzen … ?

Sollte ein Arbeitsplatz natürlich ein Ort sein, von dem aus man/frau gerne nach Hause geht, aber genauso wichtig auch ein Ort, wo man/frau gerne hingeht? Ein Ort, wo Leben stattfindet?

Jagd – (k)eine Polemik

Früher war so vieles einfacher. Es gab die Guten und die Bösen, klare Feindbilder, keine umständlichen Differenzierungen beim Bilden und Vertreten von Meinungen. Man verortete sich selber politisch links und natürlich progressiv, vorwärtsgewandt und weltoffen, jede Heimattümelei, oder schlimmer: Deutschtümelei war ein Graus und so etwas wie der Inbegriff des Bösen.

Mein früheres Ich hätte gesagt: Kaum etwas bringt alles das besser (also schlimmer) zum Ausdruck als die Jagd.

Nun sind zwischen meinem früheren und meinem heutigen Ich ein paar Jährchen ins Land gegangen, es haben ein paar Begegnungen und Gespräche mit anderen Menschen stattgefunden, ein paar mehr Informationen und Überlegungen haben Eingang in meinen (natürlich noch immer beschränkten) geistigen Horizont gefunden. Und dieses lästige Differenzieren, diese zunehmende Abneigung gegen Schwarz-Weiß-Betrachtungen und vorgefertigte Urteile, auch die Bereitschaft, neue und ungewohnte Perspektiven einzunehmen – sie alle haben sich immer mehr Raum verschafft. Das ist natürlich anstrengend und macht es zunehmend schwerer, liebgewonnene Feindbilder aufrecht zu erhalten.

Und so geht es mir auch mit der Jagd. Wenn ich, wie zurzeit wieder mal sehr regelmäßig, durch unsere Wälder und die Feldflur streife, sieht man so allerlei und stellt so seine Gedanken an.

Noch immer bin ich kein Experte zum Thema „Waidhandwerk“ und kenne viele Details und Zusammenhänge kaum oder gar nicht. Und um es klar zu sagen: Jagdliche Folklore und alle möglichen Rituale und Traditionen (Stichwort: Trophäenjagd) in diesem Bereich sind mir noch immer höchst suspekt, und ich kann ihnen nicht das Geringste abgewinnen. Jedoch leuchten mir immer mehr Gründe dafür ein, warum Menschen Waffen in die Hand nehmen und Tiere wie Rehe, Rothirsche oder Wildschweine erlegen.

Ich selber werde sicherlich nie zum „Waidmann“ werden. Aber ich kenne (und schätze) inzwischen doch eine ganze Reihe von Menschen mit klugen und reflektierten Ansichten, die selbst aktive Jägerinnen oder Jäger sind und dies auch nicht verheimlichen. Und das bleibt nicht ohne Folgen für mein Weltbild und die Meinungen, die sich aus ihm ergeben.

Wie ich inzwischen weiß, gibt es gute ökologische, also naturschutzfachliche Gründe für die Bejagung bestimmter Tierarten. Solange die sogenannten Top-Prädatoren wie Wolf und Luchs (noch) nicht flächendeckend in Deutschland vorkommen, müssen Tierbestände eben durch uns Menschen reguliert werden. Das ist ein gewichtiges Argument für die aktive Ausübung von Jagd. Daneben gibt es aber auch forstliche bzw. forstwirtschaftliche Gründe und sogar solche, die das Tierwohl oder auch ethische und gesundheitliche Aspekte von Fleischkonsum betreffen, und die ich mir ebenfalls immer mehr zu eigen mache. Ich staune inzwischen selber manchmal darüber, wie weit ich mich vom Freund-Feind-Denkschema früherer Jahre entfernt habe…

Und ein Verdacht, den ich schon seit längerer Zeit hege, erhärtet sich immer mehr. Ich unterstelle nämlich, dass ein nicht geringer Teil von Jägerinnen und Jägern einfach den Aufenthalt in der Natur genießt und die Jagd als „Vorwand“ braucht, um stundenlanges Ansitzen draußen zu rechtfertigen… Wer möchte es ihnen verdenken?

29. April 2023
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

PS: Ich habe den Hochsitz auf den Fotos nicht umgeschmissen – der lag da schon…

Im Wald Regen

Ein trüber, naßkalter Samstagnachmittag zwischen Winter und Frühling. Ohne konkrete Vorstellung, was wir zusammen unternehmen wollen, kommen meine Kamera und ich am Notschrei an.

Und da oben ist nichts los. Gar nichts. Kein Wind, keine Sicht, kein Sonnenschein, kein Schnee, keine Menschen, keine Tiere, einfach gar nichts. Nicht mal der Regen hat genug Elan, sich für irgendwas zu entscheiden und tröpfelt lustlos mal mehr, mal weniger stark vor sich hin.

Bäume spiegeln sich in einer Pfütze mit Wassertropfen

Nach einer ziemlich anstrengenden Woche bin auch ich nicht viel besser motiviert. Einzig meine Kamera ist ausgeschlafen und schaut mich aufmunternd und tatendurstig an.
So ziehen wir zwei zusammen einfach mal los.

Waldweg im Schwarzwald bei Regen

Nach ein paar Schritten liegt die Straße hinter und wir kommen ins idyllische Langenbachtal, das wir heute fast komplett für uns haben. Mein Blick bleibt an ein paar Weidenkätzchen hängen, die wunderschön mit Regentropfen dekoriert sind.

Weidenkätzchen mit Wassertropfen

Meine Kamera freut sich auch und so haben wir zusammen viel Spaß an dieser kleinen, feinen Installation.  Ab da kommen wir nur noch langsam voran, denn überall finden wir hübsche Wassertropfen, äußerst dekorativ an Zweigen, Knospen und Blättern drapiert. Unmissverständlich macht mir meine Kamera klar, daß es ausgeschlossen ist, da achtlos dran vorbeizulaufen:

Manchmal findet eben nicht der Fotograf das Thema, sondern das Thema findet den Fotografen.
Fast habe ich den Eindruck, daß auch unser Thema sich freut, daß endlich ein Typ mit Kamera vorbeikommt, der Freude an all den sorgsam polierten Tropfen hat, die es überall aufgehängt hat. Und so führt es mich sanft durchs Tal und den angrenzenden Wald, immer ein paar Schritte voraus und schmückt alles mit glitzernden Tropfen.

Regen fällt in eine Pfütze im Schwarzwald

Im Wald Regen
Regen im Wald
Wald im Regen
Im Regen Wald

1 m² (der Fünfte)

Es regnet, es ist kalt, ich bin genervt und müde, und als ich über die abendlich beleuchtete Dreiländerbrücke in Weil am Rhein gehe, frage ich mich, warum ich nicht zu Hause geblieben bin.

Aber ich bin ja mit ein paar Leuten zum Fotografieren verabredet, und so quäle ich mich durch den Feierabendverkehr und erreiche gehetzt unseren Treffpunkt auf der französischen Seite des Rheins. Keine guten Voraussetzungen für einen gelungenen Fotoabend 😦

Meine schlechte Laune überträgt sich direkt auf meine Lust zu fotografieren, und obwohl die abendlich erleuchtete Stadt mit ihrem Hafen und der beleuchteten Brücke regional bekannte Fotospots sind, kann mich nichts davon in seinen Bann ziehen. So schlendere ich unmotiviert am Rhein entlang, und nach über einer Stunde beschränkt sich meine Ausbeute auf eine Handvoll Fotos von Schwänen, die geisterhaft ihre abendlichen Runden ziehen, und unwirklich anmutende Bäume.

Auch der Himmel hat kein Erbarmen, denn der Regen wird immer stärker. Als dann auch noch ein eisiger Wind dazu kommt, habe ich die Nase voll und beschließe einzupacken. Um meinen Rucksack nicht auf den dreckigen Boden stellen zu müssen, steuere ich die nächstbeste Bank an – und das war meine beste Entscheidung des ganzen Abends!

Darf ich vorstellen – meine fotografische Oase, meine Retterin des Abends, mein Highlight des Tages:

Nach verschwommenen Schwänen und knallroten Bäumen jetzt auch noch eine hässliche Bank?

Bevor nun die ersten Zweifel an meinem Geisteszustand aufkommen – meine Begeisterung gilt natürlich weniger dieser eher unscheinbaren Parkbank aus Beton und Holz, sondern vielmehr dem, was der Regen und das Licht der Straßenlaterne auf die Holzoberfläche zaubern. Je nachdem, wie das Licht die Regentropfen bricht, entstehen neue Formen und Farben, die mich manchmal sogar an Fabelwesen erinnern. 

Mit einem Schlag sind meine schlechte Laune und meine Müdigkeit wie weggeblasen, und ich bin völlig überwältigt von der Vielfalt dieses ungewöhnlichen Motivs. Ich klopfe mir in Gedanken auf die Schulter, dass ich meinen inneren Schweinehund überwunden und meiner Unlust getrotzt habe.

Vor allem aber bin ich froh, dass ich meinem Bauchgefühl gefolgt bin und nicht zu früh aufgegeben habe. Ich hoffe, das klappt auch beim nächsten Mal, wenn ich mir wieder die eher rhetorische Frage stelle: „Warum bin ich nicht lieber zu Hause geblieben?“

Mit der Reihe 1 m² nehmen wir euch mit auf eine Reise in eine kleine, räumlich begrenzte Welt, welche wir aber mindestens genauso spannend finden wie die große.
Hier findet ihr unsere bisherigen Beiträge zur Serie 1 m²

Zurück zum Anfang

Es ist gar nicht so lange her, da habe ich einige Bilder gesichtet und dabei überlegt, wie ich eigentlich angefangen habe mit dem Fotografieren. Klar, mit dem Smartphone. Aber wie ging es weiter? Was für eine Kamera war es und was für Equipment?

Da fielen mir meine ersten Gehversuche in der Makrofotografie ein. Ich zog damals mit einem Objektiv los, das eigentlich ein kleines Teleobjektiv ist. Die Brennweite ist 70-300mm, ohne Bildstabilisator, aber mit einer Makrofunktion 🙂 Zwischen 180 und 300mm kann man an diesem Teil die „Makrofunktion“ einstellen.

Heute krieg ich das große Schmunzeln wenn ich darüber nachdenke, denn so wirklich Makro war das natürlich nicht. Also zumindest wenn man Insekten super scharf ablichten möchte. Von Fokusstacking brauchen wir gar nicht zu reden.

Dennoch habe ich das Teil noch, und ich habe mir damit eine kleine Aufgabe gestellt. Ich schnappte mir meine APSC-Kamera, mit der ich anfing zu fotografieren, montierte das Objektiv drauf und ging in den Wald, um Schlüsselblumen abzulichten. Der Kern der Aufgabe war, mit diesem Equipment brauchbare Fotos zu machen und für mich die Frage zu beantworten, ob ich in meiner Anfängereuphorie mit der Gerätewahl komplett daneben lag. Seht nun selbst und macht euch ein Bild. 🙂

Also ich finde, die Fotos können sich sehen lassen. Klar, die Qualität ist jetzt nicht weltbewegend, aber durchaus in Ordnung. Heute fotografiere ich mit einem Makroobjektiv, Blitz, Diffusor und noch ein paar Kleinigkeiten mehr und finde das natürlich toll, aber diese Fototour hat mir gezeigt, dass man ruhigen Gewissens, ab und zu, an den Anfang spulen darf. Das macht Spaß, und die Ergebnisse sprechen für sich.

Ich werde dieses Objektiv definitv behalten, da es mich immer an meine Anfangszeit denken lässt und ich leichten Herzens behaupten kann, dass in meiner Anfängereuphorie die Fehler nicht ganz so groß waren wie befürchtet 🙂

Ich wünsche euch nun frohe Ostern, viel schöne Zeit mit euren Lieben und immer gutes Licht, oder was auch immer ihr bei eurem Hobby so braucht 🙂 Bleibt neugierig!

sogesehen – Monatsfoto April 2023

Gerne erinnere ich mich zurück an diesen unfassbar schönen Sonnenaufgang im Frühjahr letzten Jahres. Zunächst war nur eine zarte Morgenröte zu sehen, bevor ein roter, brennender Feuerball kurz darauf hinter den Bergsilhouetten Richtung Himmel empor stieg.

Wir durften das Spektakel von unserem Hausberg aus, dem Hochblauen (1.165 m), beobachten.

Künstlerin Mutter Natur:

Es wirkte in diesem Augenblick so, als ob sich der Winter verabschiedete und die Natur mit solch einem phänomenalen Sonnenaufgang endgültig aus ihrem langen Winterschlaf geweckt wurde. Die intensiven Farben am Himmel waren einfach magisch und zeigten einmal mehr deutlich, dass Mutter Natur die kreativste Künstlerin ist und ihre Gemälde unbeschreiblich schön sowie einzigartig sind. 

Vielleicht werden wir ja in den nächsten Tagen auch durch solch einen fantastischen Sonnenaufgang von dem derzeit tristen Wetter erlöst. Wünsche darf man ja haben 🙂

Ich mache mit!

„Macht ihr mit?“ – Vielleicht kommen euch diese Worte bekannt vor. Richtig, das war der Schlusssatz von Sebastians Beitrag zum Monatsfoto März (hier nachzulesen).

Bei so einer Aufforderung muss ich nicht lange überlegen, natürlich mache ich mit! Zwar sind die Vögel in meinem Beitrag keine Flamingos, sondern Reiher, aber trotzdem haben die Fotos mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Das fängt schon damit an, dass beide Fotoserien exakt am selben Tag und auch am selben Ort entstanden sind, nämlich Mitte Februar während einer Gruppenreise durch Südfrankreich (mehr dazu hier).

Neben einer gewissen Ähnlichkeit der Titelbilder (fliegender Vogel von rechts nach links) gibt es natürlich noch eine weitere fotografische Gemeinsamkeit: In beiden Serien spielen wir mit dem Weglassen charakteristischer Merkmale unserer Motive. Mal verschwinden sie in einer kunstvollen Unschärfe, mal werden sie von einem tiefen Schwarz verschluckt, und trotz der Reduktion bleiben sowohl die Flamingos als auch die Reiher doch klar erkennbar. 

Hätte man allerdings den Anspruch, die genaue Art bestimmen zu wollen, würden viele Vogelapps hier wohl an ihre Grenzen stoßen – d.h. die Frage von Sebastian in seinem Beitrag, wie viele charakteristische Merkmale ein Motiv haben muss, damit man es noch erkennen kann, hängt meiner Meinung nach auch davon ab, was ich genau erkennen will. Puh, ganz schön knifflig!

Da ich mit meinen Reiherbildern aber überhaupt keine dokumentarischen Absichten verfolge, ist es mir erst einmal egal, um welche der 68 Reiherarten es sich hier handelt (ich tippe auf den Graureiher).

Die Hauptmotive sind für mich aber ganz klar die Silhouetten vor dem wunderschönen Abendlicht und weniger die Reiher selbst. Ich finde diese schwarzen Umrisse sind stets ein lohnendes Fotomotiv. Es muss auch nicht immer der stimmungsvolle Sonnenuntergang sein, auch ein grauer Himmel zur Mittagszeit eignet sich hervorragend.

Das Experiment geht also weiter.

Macht ihr mit?

Zwischen Winter und Frühling

An den letzten beiden Sonntagen war ich in Kaiserstuhl, Tuniberg und Mooswald unterwegs. Die Natur hat mich eingeladen, den Übergang vom Winter zum Frühling mitzuerleben.
(für alle Nicht-FreiburgerInnen: Der Kaiserstuhl ist ein mittlerweile überwiegend für den Weinbau genutzer, erloschener Vulkan westlich von Freiburg. Der Tuniberg – auch voller Wein – liegt östlich davon und von da aus Richtung Freiburg im Breisgau fängt dann bald der Mooswald an)

Während ich also erst von oben runterschaue, dann hinkniee, schließlich auf dem Bauch liege und immer tiefer in das Leben um mich herum eintauche, bin ich zunehmend fasziniert von den Wundern, die ich wieder mal hautnah miterleben darf.

Zwischen Schneeflocken und vertrockneten Pflanzen taucht mit frischem Grün ganz sachte neues Leben auf. Schneeglöckchen blühen mutig gegen die Kälte an und motivieren die Narzissen, sich auch startklar zu machen. Neben einem trockenen Blatt vom letzten Jahr blinzeln vorsichtig neue Blattspitzen aus ihren Knospen. Erste Blüten an den Büschen hoffen darauf, daß auch die Bienen bald wieder unterwegs sind. Aus kleinen Knospen explodieren förmlich neue Blätter und ich frage mich, wie die vorher eigentlich in die Knospe gepaßt haben.

Was da auf den ersten Blick so selbstverständlich daherkommt (Schneeglöckchen? Ja natürlich, es ist ja schließlich März), erscheint mir, je tiefer ich eintauche und zu verstehen versuche, immer unbegreiflicher und Wunder-voller.

Und während ich so staunend berührt werde vom neu erwachenden Leben um mich herum, steigen Fragen in mir auf:

Warum fühle ich mich eigentlich immer als Betrachter, der von außen auf die Natur schaut? Durchaus erfreut, bewegt und dankbar. Aber immer getrennt und von außen. Als wäre die Natur eine Welt für sich und ich gehörte einer anderen Welt an.

Liegt darin nicht ein großer Teil der Probleme, die wir uns und der ganzen Welt gerade machen?

Was passiert, wenn ich endlich verstehe, daß ich zuallererst ein Stück Natur bin? Ein Tier wie die anderen Tiere auch? Und daß ich als Mensch auf die anderen Lebewesen um mich herum dringend angewiesen bin?

Umgekehrt allerdings kämen die anderen Lebewesen auf dieser Welt sehr wahrscheinlich auch ohne den Menschen ziemlich gut zurecht. Mindestens …

sogesehen – Monatsfoto März 2023

Schema F.

F wie Flamingo.

Hier einige Bilder, entstanden vor vierzehn Tagen auf einer Reise nach Südfrankreich. Frage: Sind das Flamingos, die dort abgebildet sind? Aber natürlich! Sie haben doch sämtliche Features, die einen (Rosa-)Flamingo bekanntlich ausmachen: die enorme Größe und grotesken Körperproportionen, das unverwechselbare Kopfprofil, die irre Farbkombination aus Rosa, Schwarz und Weiß. (Die unglaubliche Geräuschkulisse muss man sich jetzt dazudenken).

Meiner Faszination für diese wunderbaren Vögel habe ich an dieser Stelle schon einmal gebührend Ausdruck verliehen.

Was soll denn diese Frage überhaupt?

Also ich finde schon, dass man dem Gedanken nachgehen sollte: Was zeichnet den Flamingo eigentlich wirklich aus?

Anders formuliert: Was ist sein Wesen, seine Essenz? Wieviel Flamingo braucht es, damit er identifizierbar ist und bleibt? Oder auch: Wieviele seiner Charakteristika kann ich als Fotograf „unterschlagen“, ohne dass er (für uns) unkenntlich wird?

Ich finde das schon eine zentrale Thematik für die Fotografie. Schließlich reden wir so viel von Motiven und Abbildung(en), von Realismus, Abstraktion, Stimmungen, Andeutungen etc., davon, dass wir etwas „einfangen“ oder „in Szene setzen“ wollen. Aber wo liegen denn dort die Grenzen? Gibt es ein Schema (oder Schemen / Schemata – sucht Euch was aus…), auf das sich alles Gezeigte reduzieren lässt, ohne seine Individualität und Prägung zu verlieren? Was ist relevant, was verzichtbar?

Also mich beschäftigt diese Frage (und alles, was damit zusammenhängt) immer mehr, und ich finde, dass die Auseinandersetzung mit ihr auch ästethisch reizvoll ist. Das liegt natürlich ganz maßgeblich an den Flamingos selber, aber dennoch…

Man kann das Spiel immer weiter treiben, da gibt es keine Grenzen:

Und dabei habe ich noch nicht einmal die Farbe aus den Bildern genommen. Das Experiment geht also weiter.

Macht Ihr mit?

1. März 2023
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)