Was für ein Frühling!

Wochenlanger Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen, aber auch stay home und Abstand halten, sind nur einige Facetten dieses besonderen Frühlings. Um nicht in einen Strudel aus schlechtem Gewissen und Freude an der Natur zu geraden, habe ich für mich einen Kompromiss gefunden. Ich gehe raus, wenn niemand unterwegs und das Licht am schönsten ist. Früh morgens und zur Abenddämmerung.

Dann werden touristische Hotspots, wie das Eggenertal zur Kirschblütenzeit, zu ruhigen Oasen der Erholung.

Beim Anblick tausender blühender Kirschbäume vergisst man für einen kurzen Moment den Ärger über ausgefallene Urlaubsreisen. Das warme Abendlicht lässt die Bäume buchstäblich erleuchten, und es legt sich eine ruhige, friedliche Stimmung über das Tal. Nur noch wenige Menschen sind unterwegs, und jene, die bleiben, genießen die besondere Atmosphäre.

Für mich war die ganze Situation irgendwie unwirklich. Dieses Blütenspektakel, das emsige Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel verströmten eine unglaubliche Freude am Leben. Ich kam mir vor wie unter einer Glasglocke. Ein Stück heile Welt, über der eine dunkle Wolke schwebte. Ich wünsche mir, dass wir den Kirschkuchen, gebacken von den ersten saftigen Kirschen des Markgräflerlandes, wieder gemeinsam mit unseren Lieben und unseren Freunden genießen können.

Wunschdenken? Unrealistisch? Ja, vielleicht. Aber wenn mir jemand gesagt hätte, dass es dieses Jahr im April nochmals schneit, hätte ich ihn auch für einen Fantasten gehalten 😉

Lust auf eine weitere kleine Geschichte übers Markgräflerland? Dann möchte ich Euch den Blog Unser Markgräflerland von unserer Heimatfotogräfin Jasmin empfehlen.

sogesehen-Monatsfoto Mai

Ich öffne die Tür und gehe einige Schritte. Vor mir liegt der Wald, und er lädt mich ein unter seinem Blätterdach zu wandeln. Die Luft ist klar und frisch, und alles erstrahlt in satten Farben. Hier bin ich. Genau an diesem Ort. Meine Gedanken gehen auf Reisen, und ich tanke Kraft für den Alltag

Man muss nicht weit gehen, um Orte zu finden, die zum Pause machen oder Seele baumeln lassen einladen. Oft liegen sie direkt vor der Haustür, man muss sie nur entdecken. Ob im Schwarzwald oder anderswo in Deutschland, es gibt sie überall.

Ich habe das Glück, dass es rund um meinen Wohnort sehr viele solcher tollen Plätze zu finden gibt. Dort kann ich hingehen, oft ohne eine Menschenseele zu treffen. Diese, meine „Geheimen Orte“, liegen mir sehr am Herzen. Hier kann ich abschalten und neue Energie tanken.

Dieses Foto ist an einem solchen „Lieblingsort“ enstanden. Ein geheimer Ort auf Foto gebannt sozusagen. Ich hoffe, ihr könnt euch genauso daran erfreuen wie ich. Aber noch besser ist, ihr geht selbst auf die Suche danach.

In diesem Sinne, möge der Monat Mai euch viele schöne Erlebnisse bringen, trotz der aktuellen Situation. Bleibt neugierig und vor allem gesund.


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Ein nutzloser Fund

Ein paar Tage ist es her, ich laufe einen Bahndamm in einer Stadt entlang, oberhalb der hier sehr hohen Böschungen zu beiden Seiten stehen große Wohnhäuser, dazwischen liegen Schulgebäude und auch der eine oder andere Spielplatz. Der Bahndamm und das geschotterte Gleisbett sehen gepflegt aus, tags zuvor habe ich hier ein Grüppchen orangegekleideter Männer mit verschiedensten Maschinen gesehen, ein Pflegetrupp der Bahn.

Und dann plötzlich dieser ungewöhnliche Haufen vor mir. Zuerst erkenne ich gar nicht richtig, worum es sich handelt. Müll? Dann machen meine Augen endlich einen Ball aus, dann noch einen, schließlich immer mehr.

Und sofort geht das Kopfkino los: große Pause zwischen den Schulstunden, oder auch ein langer Nachmittag in der Großwohnsiedlung. Es wird wild gekickt, im Eifer des Gefechts geraten die Schüsse immer mal zu feste und unkontrolliert. Peng, wieder ein Ball weg, die Böschung runtergekullert auf die Schienen tief unten. Och Mann, der war doch noch fast neu.

Gut, nicht alle Mitglieder dieses Ensembles sehen aus, als seien sie gerade erst aus dem Verpackungsnetz gewickelt worden. Aber alle erzählen sie doch irgendwelche Geschichten, wenn man sie nur lange genug betrachtet.

Und nun liegen sie da, fein säuberlich arrangiert und sogar der Größe nach angeordnet. (Wir sind in Baden-Württemberg.)

Wie mag ihre Geschichte bloß weitergehen?

Der frühe Vogel

Bericht eines Fotoausflugs vom 7. April 2020:

In den besonderen Zeiten der C-Krise ist mir in den letzten Tagen schon öfter der extrem klare Himmel aufgefallen. Wunderschöne klare Sonnenaufgänge in allen Farben habe ich auf dem Weg zur Arbeit beobachten können. Das lässt das Herz eines Naturfotografen natürlich höher schlagen. Insbesondere die fehlenden Kondensstreifen am Himmel.

Dazu kam gestern ein wahnsinnig farbenfroher nahezu voller Mond, eben über dem Horizont gen Westen.

Das hatte Steffen offenbar auch gesehen, denn er schrieb mir, dass er für heute Morgen einen Ausflug zum Westerheversand bzw. Westerhever Leuchtturm plante. Aufgrund des „bösen C“ haben wir uns schon vier Wochen nicht gesehen, und unsere geplante Fotoreise auf den Darß fiel samt noch einer weiteren Verabredung ins Wasser.

Heute Nacht ist bzw. war einen Tag vor Vollmond. Für die Fotografie ist das ja bekanntlich immer ein guter Zeitpunkt, da man nicht in die Dunkelheit fotografiert, sondern bei Mondauf- bzw. untergang schon/noch ein wenig Tageslicht dabei hat.

Die Wettervorhersage meinte es gut mit uns, und von dem Brötchenerwerb konnte ich mir morgens ein bis zwei Stunden Arbeitszeit abknappsen.

Sodann fuhren wir heute mit getrennten Autos kurz nach fünf Uhr auf Richtung Westerhever. Auch wenn es schon ein wenig schmerzte, als der Wecker klingelte, so entschädigt die einmalige Ruhe morgens immer wieder – dann, wenn das Leben so langsam erwacht.

Nebenbei: Wir haben alle unterwegs getroffenen (Oster-)Hasen ganz gelassen – auch wenn es einmal ganz schön knapp war.

Ich war ein wenig vor Steffen am vereinbarten Parkplatz und merkte schon, dass es im Vergleich zum Vortag ganz schön diesig war. Somit rückte das geplante Vollmondbild am Leuchtturm etwas in die Ferne. Der Vorteil war jedoch, dass durch die hohe Luftfeuchtigkeit die Strahlen des Leuchtturms ein wenig zu sehen waren. So bin ich schell den Deich hochgehuscht und habe meine ersten Aufnahmen gemacht.

Hiermit möchte ich mich nochmal in aller Form bei den seeseitig schlafenden Schafen entschuldigen, die ich unsanft aus dem Schlaf gerissen habe!

Zwischenzeitlich ist Steffen angekommen. Mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand haben wir uns begrüßt.

Wir sind bei unserem Vorhaben geblieben, untergehenden Mond und Leuchtturm zusammen abbilden zu wollen. Dafür hatten wir schon im Vorweg geprüft, an welchem Standort wir das in etwa erreichen. Hierfür mussten wir noch ein paar hundert Meter durchs Vorland gehen und erreichten dann zügig die geplante Stelle. Das Wetter veränderte sich leider nicht.

Wir bauten uns zuerst in der Nähe eine Priels auf, hatten die Sonne im Rücken und konnten dort schon ein paar tolle weitere Aufnahmen machen.

Wenn der Mond sich weiter Richtung Horizont bewegt, hat man immer das Gefühl, dass er das mit zunehmender Geschwindigkeit tut. Relativ schnell war dann klar, dass der Standort doch nicht ganz optimal war. Der Mond könnte sich direkt hinter den Leutturmwärterhäusern in den Horizont verabschieden. Die AR-Funktion (= Augmented Reality) unserer App bestätigte das. Da der Mond ja nicht auf uns warten wollte, war kurzerhand noch ein Umzug in Eile angesagt.

100-200 m weiter gen Norden war der Verlauf optimal, aber leider verschwand der Mond im Gegensatz zu gestern im Dunst, bevor er den Horizont erreichte.

Die Erfahrung lehrte uns, dass man nicht den Blick zurück vergessen soll. Im Gegenlicht konnten wir dann noch ein paar Aufnahmen des Priels ergattern.

Den gewünschten klaren, farbenfrohen Sonnenaufgang, hatten wir zwar nicht; es gab heute auch nicht die große Ausbeute an neuen TOP-Fotos. Es war aber trotzdem wieder ein unbeschreibliches Gefühl, morgens alleine an der Nordsee zu sein, wenn langsam die Sonne hoch kommt und so der Tag beginnt.

Ich war froh, dass wir uns aufgemacht haben…

Grüße aus dem Norden Deutschlands an die Leserschaft!

Michael Hoff

www.michaelhoff.de

Zauberhaftes Grün

Warum Grün und warum zauberhaft?

Ganz einfach. Ich liebe diese Farbe und zwar in all ihren Facetten.

Ich liebe das intensive Grün des Waldes, dieses geheimnissvolle tiefe dunkle Grün, das sich zeigt, kurz nachdem die Sonne untergegangen ist und der Wald ins Zwielicht taucht.

Das strahlende Grün am frühen Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen, Streiflichtern gleich, die Blätter zum Leuchten bringen und man meinen könnte direkt in eine Märchenwald zu treten um mit Fabelwesen im ersten Licht des Tages zu tanzen.

Das zarte Grün des Frühlings, das sich hell schimmernd auf den Blättern der Buchen zeigt und von einem nahenden Sommer kündet.

Das satte Grün, das nach einem warmen Regen erscheint, wenn die Blätter Tropfenschwer im Licht der Sonne glitzern als wären sie kleine Diamanten.

All diese Facetten von Grün liebe ich und ich liebe es loszuziehen, um diese Farbe auf Bildern festzuhalten. Ihr werdet es bei mir oft sehen, das Grün, auch schon deshalb weil es mich überall umgibt und ich dieser, Meiner Farbe, auf Schritt und Tritt begegne.

Jaaa. Ich schwärme gerade. Aber warum auch nicht? Es geht ja schließlich um „Meine“ Lieblingsfarbe

Kommen wir nun von der Schwärmerei noch kurz zum fotografischen Teil. Ich weiß, etwas plötzlich vielleicht, aber ihr werdet mir sicherlich verzeihen.

Um all das, was ich vorher so ausschweifend beschrieben habe festzuhalten, setzte ich oft Langzeitbelichtungen ein, die in Verbindung mit dem Wasser der Bäche eine tolle Atmosphäre schaffen, wie ich finde. Ich wähle oft Locations aus die Beides beinhalten, die farblichen Akzente und eben das Wasser, da ich ja gerne damit in meinen Fotografien spiele. Für mich eine perfekte Verbindung.

Aber seht selbst. Die folgenden Bilder sind alle im nördlichen Schwarzwald enstanden, der für mich ein bevorzugtes Gebiet für meine Unternehmungen geworden ist.

Ich hoffe euch hat mein kleiner Ausflug ins Grün der Natur gefallen. Tut euch also keinen Zwang an und wenn ihr wollt, macht es mir einfach nach. Seid Farbenfroh und bleibt vor allem neugierig.

Ziemlich beste Freunde

„Fotografierst Du mal mein Motorrad?“ Auf so eine einfache Frage gibt es von mir eine einfache Antwort: „Ja, irgendwann.“ Meine Begeisterung zu dieser Anfrage hält sich in Grenzen, und ich beschließe den Wunsch zu ignorieren und auszusitzen.

Die Fotografie ist meine große Leidenschaft. Von kitschigen Landschaftsaufnahmen bis zu kühlen Schwarz-Weiß-Portraits, die Bandbreite meiner fotografischen Interessen ist riesig. Nur Fahrzeuge, egal mit wie vielen Rädern oder auch auf Schienen, haben mich noch nie interessiert.

„Schatz! Wann fotografierst Du jetzt endlich mal mein Motorrad?“
Spätestens jetzt wird klar, dass das mit dem Ignorieren nicht so einfach ist, wenn der potentielle Foto-Kunde die eigene bessere Hälfte ist. Jetzt muss man vielleicht wissen, dass mein Mann eine besondere Beziehung zu Motorrädern hat. Sie begleiten ihn schon fast sein ganzes Leben lang. Während andere Teenager in die Disco trampten, stand er mit 14 Jahren an der Straße, mit einem Helm unterm Arm und hoffte darauf, von einem vorbeifahrenden Motorradfahrer mitgenommen zu werden.

Über Motorradfotografie gibt es unzählige Bücher, und ich habe keines davon gelesen (und ich habe viele Bücher über Fotografie). Die Inhalte beschränken sich oft auf Fotos von Rennmaschinen in extremer Schräglage, coolen Typen und halbnackten Mädels. Ich wollte jedoch authentische Bilder in einer Umgebung, die zu meinem Mann und dem Motorrad passen.

Der Mythos besagt, dass der Motor einer Moto Guzzi ursprünglich für einen Betonmischer entwickelt wurde. Was passt da besser für eine Kulisse als ein Steinbruch? Lautes Getöse und grobe Technik, das passt zur Guzzi und auch zur Umgebung.

Meine Einwilligung zu dem Fotoshooting war an Bedingungen geknüpft. Mein Mann bestimmt die Location, und ich gestalte die Fotos.

Die Suche nach einer geeigneten Kulisse ist nur ein Teil der Vorbereitungen. Als Fotograf sollte man vor dem Start eine Vorstellung vom Endergebnis haben. Motorrad in Bewegung? Technische Einzelheiten? Bildlook? usw. Zu meinem Leidwesen (hier allerdings ein Glücksfall) stapeln sich bei uns zu Hause alle Varianten von Motorradzeitschriften. Wie auch bei vielen Fotomagazinen beinhalten diese meistens Berichte über Technik oder Kaufempfehlungen. Ein Heft jedoch hebt sich davon ab, da es Geschichten erzählt und die Farben der Fotos oft entsättigt sind (Magazin MOTORRAD-FUEL). Dies hat mir gefallen, und ich habe mich davon inspirieren lassen.

Ein Blog über ein Motorrad funktioniert natürlich nur, wenn dann doch noch das Klischee von Detailaufnahmen, Fahrtwind, Kurvenlage und coolem Typ bedient wird. (Das halbnackte Mädel lasse ich mal außen vor 😉 )

Unerwarteterweise hat mir die ganze Aktion großen Spaß gemacht. Es war fototechnisch recht anspruchsvoll und zeitaufwändig (ca. 6h ), aber es hat sich gelohnt. Vor Corona hätte ich mir diese Zeit nicht genommen, aber jetzt sind solche gemeinsamen Geschichten eine willkommene Abwechslung.

Ich hoffe nur, dass die Ausnahmesituation nicht mehr all zu lange anhält, denn der rote Flitzer ist nicht das einzige Zweirad, das bei uns in der Garage steht. Kehrt nicht bald wieder Normalität ein, fürchte ich, dass es schon bald wieder heißt:
“ Schatz, könntest Du….?“

Orchideenzauber im Kaiserstuhl

Letzten Mai haben wir den Entschluss gefasst, mal wieder in den Kaiserstuhl zu fahren. Unser Ziel war das Liliental bei Ihringen. Ein wunderschönes Fleckchen Erde. Dieser kleine Ausflug hatte natürlich eine bestimmten Grund, und der ließ unsere Vorfreude ins Unermessliche steigen.

Wir wollten Orchideen fotografieren.

Diese Pflanzen haben eine ganz eigene, besondere Schönheit. Ihre Formen und Farben sind einfach faszinierend. Dass sie noch wild vorkommen, ist ein großes Glück, und wir sollten alles dafür tun diese seltenen und schönen Blumen zu schützen.

Wir sind an diesem Tag sehr zeitig von Loßburg im Nordschwarzwald gestartet, um am frühen Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, am Zielort einzutreffen. Die Fahrt durch den Schwarzwald ist immer wieder wunderschön, und obwohl ich dort lebe, kann ich mich nie daran satt sehen. Heimatliebe eben.

Allerdings haben mir es auch die kleinen Dörfer im Kaiserstuhl angetan. Sie versprühen einen ganz eigenen Charme. Der Weinanbau hat die Gegend geprägt und ist allgegenwärtig. Das verleiht den Örtchen einen besonderen Flair. Wer dort schon mal war, kann mir da sicher beipflichten. Jedesmal, wenn ich dort durchfahre, nehme ich mir vor anzuhalten, um eine dieser kleinen Ortschaften zu erkunden. Dieses Jahr klappt es sicher und ich werde bestimmt auch die Kamera dabeihaben.

Aber genug der Schwärmerei. Wir hatten ja was anderes vor. Das Liliental.

Als wir nun dort ankamen, waren wir die einzigsten Besucher, zumindest um diese Uhrzeit. Der erste Eindruck, aus dem Auto heraus, war vielversprechend und ich konnte es kaum erwarten auszusteigen und loszulegen. Aus dem Auto draußen, empfing mich ein Vogelkonzert, das mich innehalten ließ. Nein! Nicht innehalten, das ist das falsche Wort. Vor Ehrfurcht erstarren trifft es wohl eher. Das war sooo laut, mich hat es fast umgehauen. In dieser Vielfalt und Lautstärke habe ich das noch nie erlebt. Ich war echt überwältigt und hatte fast Pipi in den Augen.

Begleitet vom Gesang der Vögel und schon ganz gespannt was kommen mag, sind wir dann los. Durch verschiedene Baumgruppen, zum Beispiel auch durch einen kleinen Wald voller Mammutbäume, noch eine Besonderheit im Liliental, sind wir an den ersten blühenden Wiesen angekommen. Die ersten Orchideen waren auch schon in Sicht. Ich wurde schon ganz elektrisch.

Hier zu fotografieren war echt ein Erlebnis. Die Wiesen im Liliental weisen eine so große Vielfalt an Pflanzen und Insekten auf, wie ich sie nur selten gesehen habe. Verschiedene Knabenkräuter, Hummelragwurz und andere Orchideen wachsen dort, einfach wunderschön. Ich habe mich zwischendurch mal hingesetzt und habe das ganze auf mich wirken lassen. Das Summen der Insekten, der Duft, den die blühenden Wiesen verströmten, es war traumhaft. Ein Fest für die Sinne.

Zwischendurch konnte ich dann noch die ein oder andere Makroaufnahme machen, so dass dieser Tag zu einem richtigen Highlight wurde und wir glücklich die Heimreise antraten. Wir hatten viele schöne Fotos im Kasten und wussten schon, dass dieser Besuch nicht unser letzter dort war.

Solltet ihr mal im Kaiserstuhl sein, so besucht das Liliental. Ihr werdet sicher auch so begeistert sein wie ich.

In diesem Sinne. Bleibt neugierig.

Bis zum (Super-)Mond und wieder zurück

Anfang April zauberte der sogenannte „Supermond“ einigen Mond- bzw. Astrobegeisterten ein Strahlen ins Gesicht. 

Für meinen Freund war dieses Naturschauspiel der perfekte Moment, um sein Teleskop testen zu können. Gleichzeitig konnte ich natürlich versuchen, diesen Augenblick mit meiner Kamera festzuhalten. 

Vollbepackt mit Vesper, Teleskop und Kamera ging es also nach Feierabend los auf den Hochblauen (1.165 m), unseren Hausberg. Oben angekommen, zelebrierten wir den Abend erst einmal mit einem guten Vesper. Die Sonne neigte sich allmählich immer mehr Richtung Horizont und ließ die Vogesen dabei in einem schönen Ton aufhellen. Auch dieser Sonnenuntergang war ganz besonders und wirkte magisch.

Mit Spannung und Neugier blickten wir sodann auf die gegenüberliegende Seite und warteten gespannt auf den Mondaufgang. Nach einer guten halben Stunde war dieser nun endlich leicht am Horizont zu sehen. Je mehr Minuten vergingen, desto besser konnte man ihn wahrnehmen. 

Das Teleskop war schon lange aufgestellt, und der Mond wurde im Detail immer sichtbarer. Einige Personen, welche sich dieses Spektakel ebenfalls nicht entgehen lassen wollten, wurden auf das Teleskop neugierig. Vorsichtig wurde dann bei meinem Freund angefragt, ob sie denn auch mal durchschauen dürfen (natürlich mit dem notwendigen Abstand aufgrund der Coronapandemie). Der Supermond war mittlerweile kräftig am leuchten. Leider haben wir für genaue Aufnahmen durch das Teleskop keine Verbindung für meine Kamera. Wir sind jedoch auf die Idee gekommen, mein Makroobjektiv zu verwenden und mit diesem durch das Okular zu fotografieren. In dieser Hinsicht also noch blutige Anfänger – die Freude über die Mondaufnahmen waren aber dennoch sehr groß bei uns. 

Nach einiger Zeit wurde es immer stürmischer, und für uns war es an der Zeit, unsere sieben Sachen wieder einzupacken und den Heimweg anzutreten. 

Ein schöner Abend auf unserem Hausberg ging also zu Ende. 

Gespiegelt – Eine Perle der Highlands

Schottland ist ein wundervolles Land. Das Wetter ist oft wechselhaft und man sollte sich darauf einstellen, dass nicht jeden Tag die Sonne lacht. Die Highlands sind rau und geheimnisvoll. Im Rahmen einer Rundreise durften wir eine kleine Perle dieser Region entdecken. Plockton, ein winziger Ort mit nur 460 Einwohnern, liegt geschützt in einer Landfalte des Loch Carron. Wir hatten von einem Freund den Tip erhalten, auf dem Weg von Ullapool zur Isle of Skye hier einen kleinen Zwischenstopp einzulegen.

Was sind die Besonderheiten dieses eigentlich unscheinbaren Fischerdorfes? Eine zeigt das Titelbild. Loch Carron ist direkt mit dem Meer verbunden, wodurch die Kulisse des Ortes von Ebbe und Flut beeinflusst ist.

Eine weitere ist die Tatsache, dass bedingt durch die geschützte Lage und das milde Klima in Plockton subtropische Pflanzen gedeihen.

Der eigentliche Grund, warum ich von diesem Ort berichte, ergab sich aus einem Zufall, den man nicht planen kann. Von jetzt auf gleich ließ der Wind nach, und mit Blick auf den Loch Carron ergab sich ein Bild, das mich beim Fotografieren begeistert.

Die Landschaft, Boote, Häuser spiegelten sich im Wasser und je stärker der Wind nachließ, desto klarer zeichnete sich die Szenerie im Wasser ab.

Für einen Moment ergab sich so trotz des bewölkten grauen Himmels eine faszinierende Kulisse.

Die klare Symmetrie erzeugt ein Bild, das mich immer wieder neu in den Bann zieht. Klar, man kann diesen Effekt in Zeiten der digitalen Fotografie auch am Computer erzeugen, aber das schafft die Natur auch ganz alleine.

Kurz nachdem ich die Fotos in der Kamera hatte, nahm der Wind wieder zu und das Schauspiel war vorbei. Es gehört beim Fotografieren immer auch das Glück dazu, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Die Welt steht kopf

Als Kind hatte ich meinen Spaß dabei, die Welt verkehrt herum anzuschauen. Kopfüber, an einer Turnstange baumelnd, betrachtete ich meine kleine Welt. Das Raumgefühl veränderte sich und aus einem lachenden Gesicht wurde plötzlich eine seltsam traurige Grimasse.
Vielleicht sind diese Kindheitserinnerungen der Grund dafür, dass mir das Fotografieren mit der Glaskugel so viel Freude bereitet. Für die meisten Fotografen ist diese Technik, nach einem kurzen Hype, schon wieder out, aber mich begleitet dieses kleine Schwergewicht sogar auf meinen Reisen.

MAAT – Museum of Art, Architecture and Technology in Lissabon

Auch bei einer Marrakesh- Reise hatte ich die Kristallkugel im Gepäck, was bei der Ausreise zu einem kleinen Tumult am marokkanischen Zoll führte. Die Zöllner scannten routinemäßig mein Gepäck, stutzten über den großen weißen Fleck auf dem Monitor und ich musste unter strengem Blick den Koffer öffnen. Als die, zwischen Socken und Pullovern, gut eingepackte Kugel zum Vorschein kam, war die Überraschung groß und jeder wollte sie in die Hand nehmen. (Einer wollte sie mir sogar abkaufen)

Bahia- Palast Marrakesh

Wenn man mit der Kugel unterwegs ist, hat man mit den unterschiedlichsten Problemchen zu kämpfen. Die Kugel rollt weg, man ist permanent damit beschäftigt die Fingerabdrücke zu entfernen oder man hat anstelle eines schönen Motivs sich selbst im Spiegelbild. Zusätzlich kommt hinzu, dass so eine Kugel die Aufmerksamkeit der Passanten erregt, d.h. ich selbst bin (meist auf dem Boden liegend) plötzlich Teil eines Fotomotivs. Witzige Sache.
Eine Schwierigkeit bei der Kugelfotografie ist, dass das Motiv in der Kugel auf dem Kopf steht. Dies macht die Motivsuche nicht einfacher und ist der Grund, warum viele das Spiegelbild bei der Bildbearbeitung digital drehen. Für mich macht gerade dieser „Kopfstand“ den Reiz aus.

Fotomarathon Rheinfelden 2018

Die schwarzen Handschuhe auf dem Foto sehen nicht nur schick aus, sondern sind ein „must have“ bei sonnigem Wetter. So eine Kugel ist ein riesiges Brennglas und man glaubt gar nicht, wie schnell man sich hier die Hände verbrennen kann.

Fotomarathon Rheinfelden 2018
Fotomarathon Rheinfelden 2018

Falls ihr Euch gerade in einem fotografisch- kreativen Tief befindet und mal einen Perspektivwechsel braucht, dann kauft euch eine Kugel! Gebt nicht gleich auf, es erfordert Geduld und Übung, aber das Ergebnis lohnt sich.