Momentum

Alles wahre Leben ist Begegnung. Dieser berühmte Satz von Martin Buber lässt sich für die Streetphotography abwandeln: Jedes wahre Straßenfoto erzählt etwas von einer Begegnung… und lädt die Betrachtenden wiederum zu einer Begegnung ein.

Straßenszene in Ostjerusalem

Jeder Moment ist einmalig. Mensch, Licht, Konstellation vereinen sich und werden im Auge des Fotografen zum Momentum.

Welche Geschichte wird hier erzählt?

Die Betrachtenden ergänzen im besten Fall die Geschichten im Kopf: Was passiert hier? Wer ist das? Was fühlen die Menschen auf dem Bild? Was geschieht außerhalb des Gesichtsfeldes? Aus der Tiefe wirkt dazu die Ästhetik der Aufnahme. Sie hält die Betrachtenden fest. Bei einem guten Foto länger als der eigentliche Moment der Aufnahme.

Ist das nicht aus einem Nouvelle Vague Film?

In B/W wird die Konzentration auf das Wesentliche noch verstärkt. Mensch, Formen, Kontraste. Die Reduktion führt das Auge tiefer ins Bild hinein…

Die Reduktion von S/W-Fotografie fällt noch mehr ins Auge, wenn nur wenig Licht zur Verfügung steht oder das Gegenlicht leuchtende Rahmen in die Dunkelheit zaubert.

Das Licht modelliert durch die Kamera aus der Dunkelheit kleine Kunstwerke des Alltäglichen und erhöht sie so zum Besonderen.

Jahrmarkt.stille

Jahrmarkt, Rummel, Volksfest – bei diesem Gedanken fängt es an zu klingeln, zu blinken und zu lärmen. Diese Ereignisse stehen für Trubel und sich in einander verwebende Geräusche, eine Kakophonie aus verschiedenen Musiken, Rufen und Lachen und die Klänge der Fahrgeschäfte. „Wer will noch mal, wer hat noch nicht…!“

Wie ist es eigentlich auf Rummelplätzen, wenn sie geschlossen haben, wenn sie Pause machen, sozusagen überwintern? Es sind wunderbar eigenartige Orte. Ganz still und in ihrer Farbenpracht von mitunter widersprüchlicher Schönheit.

Sie sind Zwischenräume, in Erwartung und zugleich Erinnerungsorte. Der Kopf ergänzt die Geräusche…

Diese vollkommene, menschenleere Ruhe steht dem eigentlichen Zweck des Ortes so diametral gegenüber, dass man förmlich darüber stolpert.

Nach und nach entdeckt man die Ästhetik in dieser Welt der starken Farben und der schweigenden schreienden Einladung in ein Vergnügen, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

Eigenartig, dass sich bei den Angeboten, den Buden und Fahrgeschäften im Laufe der Zeit so wenig verändert hat. Vielleicht ist das ja auch ein Teil des Geheimnisses, warum das noch immer funktioniert: da ist eine gehörige Portion Nostalgie im Preis inbegriffen.

Rummelplätze erzählen Geschichten, immer wieder ähnliche, immer ein bisschen derb, mit einem Hauch des „billigen Vergnügens“, ein wenig versoffen und so herrlich zeitlos.

Ohne den Betrieb und die Menschen treten Farben und Formen noch einmal neu in den Mittelpunkt. Eine eigenartige Ästhetik tritt zutage…

Willkommen auf dem Rummelplatz. Genießen Sie die Stille!

sogesehen-Monatsfoto Februar

Ich für meinen Teil stelle immer mehr fest, dass ich einen reduzierten Stil in der Fotografie mag. Es muss nicht alles gegenständlich oder auch nur scharf sein, Linien oder andere Elemente im Bildausschnitt dürfen gerne mal nur angedeutet sein – weniger ist aus meiner Sicht oftmals mehr. Und bekommen vermeintlich „leere Flecken“ manchmal nicht vielleicht gerade dadurch eine Bedeutung, dass sie nichts zeigen und somit dem Betrachter Rätsel aufgeben?

Das hier gezeigte Foto von der Brücke über die Narew in Polen ist für mich so ein Fall, aufgenommen 2017 bei Strękowa Góra im wunderschönen Nordosten des Landes. Mir war frühmorgens der Job zugeteilt worden, Milch, Eier und Brot fürs Frühstück beim kleinen Lebensmittelladen im Nachbarort zu holen. Ich war zeitig hingefahren, nur um festzustellen, dass das Geschäft erst später öffnete und ich noch etwas warten musste. Was tun? Naja, ein bisschen rumspaziert, Vögel beobachtet, auf die träge dahinfließende Narew geschaut. Was man halt so macht, wenn man Zeit zu überbrücken hat. Einen Fotoapparat hatte ich nicht dabei, sondern nur mein einfaches Handy. Die Brücke war kaum befahren an dem Morgen, dort ist auch wirklich tiefste podlassische Provinz.

Ich schaue also ein bisschen in der spätwinterlichen Gegend herum und werde dabei zunehmend melancholisch. Irgendwie überträgt sich die leicht trostlose Stimmung dieses Ortes auf mich, was mich aber auch nicht weiter stört. Ist halt einfach so. Dann zieht auch noch diese Nebelbank über dem Fluss auf. Alles wird plötzlich so milchig und ohne Konturen, man sieht nicht mal mehr das andere Narew-Ufer. Aber zugleich ist irgendwie doch alles stimmig. Eine Brücke, die ins Nichts führt, ist natürlich ein Unsinn, aber sie lässt einen auch über vieles sinnieren. Also am Ende doch kein Nichts?

Mir kommt sogar der Gedanke, dass diese Szenerie ein Sinnbild für die politische und gesellschaftliche Situation in Polen ist. Es gibt eine Bewegung in einer bestimmten Richtung, den Versuch eines Umbruchs, irgendetwas soll überwunden werden. Doch das Ziel ist vollkommen vernebelt, und niemand weiß, was einen dort erwartet.

Irgendwann sehe ich aus dem Augenwinkel, dass es rund um das Lebensmittelgeschäft geschäftig wird. Einige Männer, die geduldig vor verschlossener Türe gewartet hatten, gehen jetzt hinein und besorgen sich ein paar Biere für den Start in den Tag. Ich lasse ihnen den Vortritt und arbeite dann selber meinen Einkaufszettel ab. Das Frühstück später wird wunderbar schmecken.


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Schottische Weit.sichten

Manchmal reicht ein einfaches Foto nicht für eine Landschaft. Erst ein Panorama bringt sie auf den Punkt. Das Auge umarmt die Landschaft im Panorama gleichermaßen. Auf dem Weg nach Schottland öffnete sich am Abend vor uns diese wunderbare stimmungsvolle Landschaft im Lake District.

Schottland ist reich an solchen Orten, wo das Auge am liebsten gleichzeitig in alle Richtungen blicken würde. Talisker Bay assoziieren die meisten Whisky-Freunde sicher mit der gleichnamigen Distillery einige Kilometer entfernt. Die Bay wird aber von viel weniger Menschen besucht, obwohl sie landschaftlich wunderschön ist.

Zu den vielen landschaftlichen Höhepunkten auf der Isle of Skye gehört unzweifelhaft Neist Point Lighthouse. Von hier fällt der Blick auf die Inseln der Äußeren Hebriden.

Die Landschaft zeigt sich als Komposition. Tucholsky würde sagen: „Es ist wie erstarrte Musik in diesen Höhenzügen.“ Das Spiel der Formen auf der Isle of Skye, die unendlich vielen Grüntöne, die stete Präsenz des Meeres bestimmen die Blicke in immer neuen Variationen.

Gleichzeitig wird im Bild die Landschaft zur Miniatur. Die Weite wird überschaubar. So einen weiten Blick lassen unsere Augen in der Natur nicht zu. Das Panorama setzt alles ins Verhältnis. Der Blick fällt hier von Rhuba Hunnish auf den nördlichsten Zipfel der Isle of Skye. Kaum ein Tourist verläuft sich hier her.

Im Panorama öffnen sich weite Räume, Stimmungen und Perspektiven. Das Gefühl wächst mit der Weit.sicht mit. In den Highlands wechselt das Wetter und die Stimmungen manchmal innerhalb von wenigen Stunden. Der immer wieder aufziehende, tiefhängende Nebel gibt der Landschaft etwas mystisches. Aber genau das erwartet man ja von Schottland…

Marrakesch-FOTOGRAFIE

10 Fotobegeisterte + 1 Fotografin x 5 Tage Marrakesch = ca. 20.000 Bilder!

Mit diesen Fakten starten wir in diesen Blog. Die Reise ist vorbei, der Alltag hat uns wieder und man steht vor einer riesigen Bilderflut. Die ersten unscharfen Bilder sind schnell gelöscht und beim Betrachten der Bilder wechseln sich Freude und Enttäuschung ab. Fotos, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann, entpuppen sich als wahre Perlen und was vor Ort als Hammerbild Glücksgefühle auslöste, ist leider verwackelt. Neutral betrachtet bleiben von so einer Reise nicht mehr als 50 richtig gute Bilder übrig.

Peter Heidecker

Und nun? Für einen digitalen Tiefschlaf sind die Fotos viel zu schade, also entscheiden wir uns, eine Ausstellung zu organisieren.
Wer sind „wir“?
Eine Gruppe leidenschaftlicher Fotografen/- innen aus dem tiefen Südwesten Deutschlands. Wir kennen uns alle von vorherigen Fotoreisen bzw. treffen uns einmal im Monat zum gemeinsamen Fotografieren. Der „Nabel“ um den sich unsere Gruppe dreht ist Petra Böttcher, Dozentin für Fotografie. Sie ist unsere Organisatorin, unser kreativer Geist und unsere neutralste und ehrlichste Kritikerin.
Unter ihrer Anleitung und Führung und unter der Schirmherrschaft der VHS Rheinfelden beginnen für uns zwei zeitintensive und emotionale Monate.
Eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, hört sich im ersten Moment recht einfach an. Jeder sucht sich seine 5 Lieblingsbilder aus und für das Plakat und die Flyer wird gemeinschaftlich abgestimmt.
Es gibt sicher viele Ausstellungen, die nach diesem Schema ablaufen. Die Auswahl jedem einzelnen Fotografen zu überlassen könnte aber bedeuten: 10x Sonnenuntergang am gleichen Ort.

Stefanie Röschke

Wir waren uns schnell einig, wir wollten Vielfalt!
Qualitativ hochwertige Bilder in einer großen Bandbreite. Die Ausstellung sollte nicht nur bekannte Motive zeigen, sondern Fotos des täglichen Lebens.
Bei der Vorbereitung der Reise wurde immer wieder darüber diskutiert, ob man Menschen fotografieren darf/ soll. Dies hatte weniger mit den Hemmungen des Fotografen zu tun, als mit dem Umstand, dass religiöse Gründe oder auch das „Posen“ gegen Bezahlung dagegen sprechen könnten.
Viele von uns reisten mit dem Vorsatz nach Marrakesch, sich eher nicht in diesen Konflikt zu begeben. Bei der Sichtung von hunderten von Fotos haben wir schnell festgestellt, dass das Motiv „Mensch“ alle anderen Bilder quantitativ und qualitativ überragte. Eine farbenreiche Auswahl freundlicher Menschen gehörte ebenso dazu, wie düstere Serien in schwarzweiß.

Martin Dietsche
Stefanie Röschke
Petra Böttcher

Uns von den Menschen loszureißen und den Fokus auch auf andere Motive zu lenken, fiel uns nicht leicht. Prunkvolle Gebäude, Graffiti, belebte Plätze, prachtvolle Gärten, Gewusel in den Souks – auch das ist Marrakesch und gehört natürlich unbedingt zu einer Ausstellung mit dazu.

Stephan Männer
Ina Teichert
Ina Teichert
Angelika Ehlers
Markus Becker

Besucht man Marrakesch zum ersten Mal, wird man von den Eindrücken, den Gerüchen und dem Lärm erschlagen. Man nimmt die Kamera in die Hand und fotografiert einfach los. ISO, Blende, Verschlusszeit? Völlig egal!
Die ersten Bilder unterscheiden sich nicht wirklich von Schnappschüssen mit dem Handy. Nach ein paar Stunden, oder sogar erst nach 1-2 Tagen, hat man sich an die Eindrücke gewöhnt und wird gelassener. Jetzt beginnt die Zeit, sich mit den außergewöhnlichen Motiven und besonderen Aufnahmetechniken zu beschäftigen. Ohne diese innere Ruhe und eine gehörige Portion Geduld sind solche Perlen nicht möglich:

Juliane Vier (Polaroid)
Susanne Kirschnek (Mehrfachbelichtung)

Die Auswahl der Bilder für eine Ausstellung ist ein sehr aufwändiger und emotionaler Prozess. Warum emotional?
Jeder Fotograf hat eine persönliche Beziehung zu seinen Bildern. Stolz, Freude und das eigene Erleben des Momentes trüben den objektiven Blick. Plötzlich findet die Auswahl durch eine neutrale Person statt, welche eine klare Vorstellung über die Qualität, Vielfalt und Wirkung der Bilder hat. Dies führt unweigerlich dazu, dass das eigene Lieblingsbild den Kriterien nicht standhält, oder eine ähnliche Aufnahme eines anderen Fotografen gewählt wird, und das Lieblingsfoto dadurch raus fliegt. Das muß man erst mal verkraften!

Birgit Agostini

Am Ende unseres Auswahlprozesses stellten wir fest, dass wir eine unbeschreiblich große Anzahl an wunderschönen Katzenbildern hatten. Diese passten nicht wirklich in die gewählten Serien, aber zeigen wollten wir sie auf jeden Fall. Die Idee einer eigenen Katzenecke entstand 🙂

Stefanie Röschke

Natürlich ist mit Auswahl der Bilder die Arbeit nicht getan. Rahmengröße, Passepartout, Hängeplan bis hin zu Fingerfood an der Vernissage, alles muß organisiert sein.

Ja, es ist viel Arbeit. Die kulinarischen Leckereien zwischendurch und die lockere Atmosphäre erinnerten jedoch eher an einen Fotoabend mit guten Freunden als ein Arbeitswochenende in der VHS. Wir sind uns sicher, dass man diese Stimmung während eines Bummels durch unsere Ausstellung spüren kann.

Petra Böttcher (Plakat)

Ein großes Dankeschön an Petra Böttcher, der VHS Rheinfelden und der Stadt Rheinfelden. Einen besonderen Dank auch an unsere Familien, die auf uns manches Wochenende verzichten mussten.

Nachtrag:
Leider war die Ausstellung wegen der Corona- Pandemie nur für zwei Wochen der Öffentlichkeit zugänglich. Um diese trotzdem einem breiten Publikum zu zeigen, wurde sie mit viel Fleiß von Petra Böttcher und der Unterstützung der VHS Rheinfelden virtuell „nachgebaut“. Viel Spaß beim Bummel durch unser Ausstellung „Marrakesch- FOTOGRAFIE“

Unser Markgräflerland

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass viele es nicht zu schätzen wissen in welch schöner Region sie leben. Jede Stadt, jedes Dorf oder jede noch so kleine Ortschaft hat selbstverständlich seinen ganz eigenen Charme. Für viele ist es unvorstellbar in einer kleinen Stadt oder einem Dorf zu leben und es zieht sie in die großen Stadt oder gar in die weite Welt hinaus.

Ich bin in einem kleinen Dorf im Markgräflerland (ca. 5.000 Einwohner) geboren und aufgewachsen. Auch mir wurde erst nach und nach immer mehr bewusst, wie wunderschön „unser Markgräflerland“ ist. Zum einen gibt es hier das Dreiländereck (Schweiz/Frankreich und Deutschland), zum anderen kann man beispielsweise einem Spaziergang in den Reben (Weinbergen) nachgehen, mit dem Fahrrad am Rhein entlang fahren oder die Natur während einer Wanderung in unseren Wäldern genießen. All diese Optionen liegen von meinem Wohnort beispielsweise gerade einmal wenige Kilometer entfernt bzw. wenn nicht sogar direkt vor der Türe. Mein persönlicher Lieblingsort ist hier ganz klar der Wald. Viele Personen wissen dies jedoch nicht mehr zu schätzen, nehmen unsere Natur als selbstverständlich an und gehen mit ihr auch dementsprechend um.

Mit meinen Bildern und Beiträgen möchte ich zeigen wie schön unsere Heimat ist, wie wir die schöne Landschaft nicht als selbstverständlich annehmen dürfen und wir einfach auch mal dankbar sein können für dieses wunderbare Fleckchen Erde. Seid ihr schon einmal an einem schönen Sommerabend in den Reben gesessen mit einem guten Wein und leckerem Essen im Gepäck und dabei den Sonnenuntergang vor Euch genießen können? Nein? Dann solltet ihr Euch das vielleicht auf die „To-Do-Liste Markgräflerland“ für diesen Sommer setzen. Ich verspreche Euch, dass ihr den Abend definitiv nicht vergessen werdet und den Ausblick auf das Markgräflerland dabei bewundern könnt.

Straßen.szenen

In Zeiten der DSGVO sind spontane Straßenszenen in der Fotografie kaum noch möglich. Damit verschwindet ein Genre der künstlerischen Fotografie aus der Öffentlichkeit.

Die Arbeiten von Henri Cartier-Bresson, Bill Cunningham, Bruce Davidson, Philip-Lorca diCorcia, Robert Doisneau, Elliott Erwitt, Robert Frank, Lee Friedlander und vieler anderer würden es heute nicht mehr in Ausstellungsräume oder Bücher schaffen.

Die Fotografie als alltägliches Massenphänomen hat hier der Kunst das Wasser abgegraben. Wie viele großartige Fotografien, mitten aus dem Leben, werden nun ungezeigt bleiben?

Rolf Nobel, Professor für Fotografie:
„Es ist eine sehr ungeschminkte, authentische Fotografie. Man muss sehr schnell auf Momente reagieren, die wie im Flug vergehen. Der Zeitenlauf lässt sich nicht anhalten, wie es in vielen anderen Feldern der Fotografie ist, wo sich Dinge wiederholen. Aber Konstellationen gibt es in der Street Fotografie immer nur ein Mal. Man muss sehr schnell und spontan agieren. Hinzu kommt: Es reicht nicht aus, nur den einen magischen Moment zu erfassen. Der Fotograf muss alle Elemente, die sich in dem Sucherbild bewegen, im Bruchteil einer Sekunde innerhalb dieses Rahmens so ordnen, dass ein gut gestaltetes Bild entsteht. Es ist eine unglaublich anspruchsvolle Fotografie.

Manchmal passt einfach ganz viel zusammen: Bewegungen, Kontexte, Lichtstimmungen… Straßenfotografen gehen aufmerksamer durch die Welt und greifen oft intuitiv zur Kamera.

Synchronität

Als Alternative bietet sich dann noch der Schnitt an. Manchmal erzählen Bilder auch ihre Geschichte, ohne Gesichter zu zeigen…

DSGVO-gerechter Bildschnitt 😉
…oder so.

Aber wäre es nicht schade, wenn solche Momente ungezeigt blieben?

Alle hier gezeigten Straßenaufnahmen sind vor einigen Jahren und an fernen Orten entstanden. Also lange vor der DSGVO und ich gehe davon aus, dass niemand sich hier wieder erkennen wird. In einigen Fällen habe ich mir zudem die Einwilligung geholt.

Faszination Makrofotografie

Vor einigen Jahren hat es mich erwischt. Mich hat der Makrovirus gepackt. Mein Offenbarungserlebnis hatte ich, als ich einen Artikel über Fotografietechniken las. Dort konnte man unter dem Titel „Makrofotografie“ das Foto einer Raubfliege betrachten. Das Grandiose daran war, man konnte jede einzelne Facette der Fliegenaugen sehen und zwar knackescharf. Ich war gelinde gesagt geflasht

Ich wollte das sofort ausprobieren. Damals hatte ich noch keine Kamera sondern nur mein Smartphone. Die Kamera kam erst zwei Monate später. Ich also raus ins nahegelegene Naturschutzgebiet und losgeknipst. Wer schon mal versucht hat mit dem Smartphone Makroaufnahmen zu machen wird schnell festgestellt haben, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist, um nicht zu sagen die Fotos waren eher für die Tonne. Zumindest wenn man mit den Ansprüchen an die Sache rangegangen ist wie ich. Ihr wisst ja, die Fliegenaugen! Also musste ich wohl geduldig sein und darauf warten, dass ich das richtige Equipment in den Fingern hielt.

Als ich nun die Kamera und das dazugehörige Makroobjektiv hatte, konnte es losgehen. Ich war voller Enthusiasmus. Endlich konnte ich auch solche Fotos schießen wie ich in dem Artikel und folgend in einigen Foren sah.

Denkste!! Trotz Kamera und Makroobjektiv waren die ersten Versuche eher bescheiden. Nun, woran lag es? Ganz einfach. Ich wollte mal wieder zu viel und machte alles falsch, was man falsch machen kann. Sprich: Belichtung, Blende usw. waren für die Ablage P.

Ich bin ja zum Glück jemand der nicht so schnell aufgibt. Nein, denn wenn mich etwas gepackt hat, spornen mich anfängliche Misserfolge eher an. Also, anstatt die Ausrüstung gegen die Wand zu pfeffern, habe ich mich hingesetzt, gelesen und diverse Videos geschaut. Meine Makroskills quasi aufgelevelt

Mit neuem Wissen ausgestattet und mit einigen zusätzlichen Utensilien wie Zwischenringen und Vorsatzlinse, hab ich mich wieder auf die Socken gemacht.

Die Ergebnisse wurden definitiv besser und die Sache begann jetzt Spaß zu machen. Ich habe fast täglich mein bevorzugtes Makrorevier aufgesucht und fotografiert.

Nun stellte sich bei mir ein Effekt ein, der mich selbst ein wenig überraschte. Meine Fotos wurden zwar besser und ich war damit fürs Erste glücklich, doch in vielen Fällen wusste ich nicht was ich da vor der Linse hatte. Insekt. Ja. Aber welches?

Mein Interesse wurde geweckt und so besorgte ich mir Bücher und stöberte auf einigen Seiten zur Insektenbestimmung.

Das war quasi die zweite Erleuchtung. Denn es machte mir tasächlich unheimlich viel Spaß, die Insekten die ich auf Foto bannte im nachhinein zu bestimmen.

Je mehr ich mich nun mit diesem Thema beschäftigte, Fotografie und Bestimmung der Insekten, umso mehr wurde es zur Leidenschaft. Der Blick auf die Details, also auf Dinge die man beim vorbeilaufen nicht sieht, sondern nur wenn man innehält, sind zu einer Passion geworden.

Wenn das Auge erst mal geschult ist, sieht man viel mehr als man das vorher getan hat. Ich meine damit, dass ich Dinge im vorbeilaufen wahrnehme, die mir früher verborgen geblieben sind. Ein schöner „Nebeneffekt“ wie ich meine.

Da ich schon immer naturverbunden war, hat das meine Faszination verstärkt. Ich liebe es an verschiedenen Habitaten meinem Hobby zu frönen. Ob hier im Schwarzwald, oder im Kaiserstuhl, oder an vielen anderen Orten. Es gibt immer etwas zu bestaunen. Man trifft sogar relativ schnell Gleichgesinnte und dann ist man gar nicht selten in einer kleinen Gruppe unterwegs, macht Fotos und tauscht Erfahrungen aus. Sogar Freundschaften sind enstanden und man trifft sich regelmäßig. Sehr genial.

Doch dazu ein anderes mal. Denn die Makrofotografie hält noch viele Geschichten bereit. Wenn man erst mal Feuer und Flamme ist, gibt es kein Zurück mehr. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Bis dahin. Bleibt neugierig und erfreut euch an den Kleinigkeiten, auch wenn sie noch so unscheinbar wirken. Im Detail sind sie faszinierend!

Ostsee, die zweite (Nienhagen)

Die Ostsee, ja die wunderbare Ostsee – wenn sie nur nicht so weit weg wäre! Einmal quer durch die Republik reist man ja nicht mal eben. Vom Südschwarzwald aus ist das Mittelmeer näher als die Baltische See – wenn das mal keine starke Konkurrenz ist… Aber ich sollte mich eigentlich nicht beklagen. Schließlich war es mir vergönnt, nach meinem Besuch auf Zingst und Darß im November 2017 knapp zwei Jahre später wieder hinzufahren.

Es ist also Ende Oktober 2019, und ich bin mit Steffen, Michael und Peter verabredet, um ein paar Tage zum Fotografieren auf Rügen zu verbringen. Steffen und Michael habe ich (sicher kein Zufall!) zuvor auf dem Darß kennengelernt, wir alle teilen die Leidenschaft für die Landschaftsfotografie. Schon damals „geistert“ das Wort vom Gespensterwald durch die Gespräche. Dort müsste man auch mal hin, da ist es so toll, da gibt es einzigartige Fotomotive etc. Ich habe keinerlei Vorstellung davon, wo er liegt, dieser Gespensterwald. Auch auf Rügen? Egal, wofür hat man ortskundige Freunde!

Also treffe ich mich mit Steffen in einem schönen Café in der Lübecker Altstadt, wo wir ein herzhaftes Frühstück zu uns nehmen. Mit seinem Auto fahren wir weiter bis kurz vor Rostock, dann links weg über Bad Doberan in Richtung Küste. Der Gespensterwald, so lerne ich jetzt, liegt nämlich bei Nienhagen, und er hat mit Rügen rein gar nichts zu tun. Aber sehr wohl mit der Ostsee!

Ja, und so laufen wir nun schnurstracks vom geparkten Auto ans Meer vor, Stative geschultert und unsere Fotoapparate schussbereit umgehängt. Die Sonne steht schon recht tief, es ist eine wunderbare frühabendliche Stimmung. Sicherlich hat der Gespensterwald seinen Namen an einem nebligen Tag erhalten, und nicht bei so klarer Sicht wie heute. Aber das stört nicht weiter.

Viele, viele Baumstämme, überwiegend Buchen. Sie stehen in Reih und Glied und sind doch alle irgendwie individuell in ihrer Erscheinung. Je näher sie an der Abbruchkante der Steilküste und damit im Wind stehen (der heute nicht weht), desto bizarrer sind ihre Kronen und Äste geformt.

Und wie so oft, so fällt mir auch hier auf: bunt ist relativ. Man braucht keine jungen Blätter im Mai oder frisches Herbstlaub im Oktober, um Farben im Wald zu entdecken. Lässt man sich darauf ein und wirft Sehgewohnheiten über Bord, so entdeckt man mit einem Mal eine ganz andere Farbigkeit, etwa im sattgrünen Moospolster, das den Waldboden an vielen Stellen bedeckt.

Eigentlich weiß man gar nicht, wo man hinschauen soll und was die besten Fotomotive sind. Es gibt so viel zu sehen und aufzunehmen. Wir sind schätzungsweise zwei Stunden dort, während das Abendlicht immer mehr schwindet. Viel zu kurz eigentlich! Und es ist (mal wieder) faszinierend zu sehen, wie die Farben des Himmels binnen Minuten wechseln, wie sie von den Stämmen der Buchen und anderer Bäume aufgenommen und reflektiert werden und wie sich überhaupt die Stimmung von einer Minute auf die nächste verändert.

Es ist nur eine Stippvisite im Gespensterwald bei Nienhagen, lediglich ein „Stop-over“ auf dem Weg nach Rügen. Aber sie hinterlässt einen starken, bleibenden Eindruck – und macht definitiv Lust auf mehr.

Als die Sonne endgültig verschwunden ist, machen Steffen und ich uns klar, wie weit es noch bis Rügen ist. Schweren Herzens packen wir unsere Siebensachen, steigen ins Auto und verabschieden uns für dieses Mal vom Gespensterwald. Ich bin angefixt und zugleich gespannt, ob Rügen da so ohne weiteres mithalten kann!

sogesehen – Karneval 2020

Morgen am Aschermittwoch ist alles wieder vorbei, das bunte Treiben. Am Karneval scheiden sich bekanntlich die Geister. Manche sehen darin nur alkoholisierte Menschen, die sich auf Knopfdruck in feierwütige Clowns verwandeln.

Für mich steht der Karneval für Lebensfreude, gesellschaftliche Zwänge werden für einen kurzen Moment beiseite gelegt, Kinderaugen leuchten, wenn die Kamelle fliegen und der Karneval bringt Farbe in die oftmals noch düstere Jahreszeit.

Die Bilder habe ich mit meiner Handykamera aufgenommen. Sie sind daher nicht besonders scharf, aber das müssen sie aus meiner Sicht auch gar nicht sein. Im Gegenteil, es handelt sich lediglich um Momentaufnahmen, die ich „sogesehen“ habe.

Zum Abschluss noch eine leckere Bratwurst und dann geht es mit vielen Eindrücken zurück nach Hause. Bis zum nächsten Karneval!