Feuerwasser

Vielleicht gehörst Du (wie ich) auch zu der Art von Leser*in, die in Blogbeiträgen und Zeitschriften zuerst alle Bilder anschauen, bevor mit dem Lesen des Textes begonnen wird. Wenn Du das auch so handhabst, dann sind dir meine hier gezeigten Fotos ja bereits bekannt und Du hast dir vielleicht auch schon eine Meinung dazu gebildet.
Ohne über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen, bin ich mir fast sicher, ein paar deiner Gedanken dazu zu kennen, z.B. „Krass! Da hat Steffi aber mächtig in den digitalen Farbtopf gegriffen!“ oder vielleicht eher „Schöner Sonnenuntergang, aber das hätte ich mit dem Handy auch hinbekommen!“. Zum ersten Punkt kann ich nur sagen: Nix da! Ja, alle Fotos sind bearbeitet (wie alle meine Bilder), aber nicht mehr als üblich. Das Licht und die Farben an diesem Abend waren phänomenal und pure Realität! (und zum zweiten Gedanken komme ich später noch).

Der Ort dieses Lichtspektakels war am Rhein, genauer gesagt dort, wo die Wehra in den Rhein mündet, in der Nähe der südbadischen Stadt Wehr. Die Wehramündung ist ein Naturschutzgebiet, das ich gerne besuche, wenn ich Vögel beobachten und fotografieren will. Zusätzlich kann man dort wunderbar am Rhein entlang spazieren und auch baden, was an einem lauen Sommerabend schon fast etwas Urlaubsfeeling aufkommen lässt.

Das Thema Vogelfotografie war an diesem Abend schnell erledigt, da sich im Wasser nur ein paar Schwäne, Gänsesäger und Stockenten tummelten. Außerdem verdunkelten ein paar dicke Wolken den Himmel und das Licht wurde, trotz noch früher Abendstunde, rapide schlechter, aber dafür immer goldener.

Ob es dem Gänsesäger wohl auch so gut gefallen hat?

Ich war natürlich überhaupt nicht auf Landschaftsfotografie bei Dunkelheit eingestellt, sondern hatte nur mein großes Teleobjektiv dabei und Dinge wie z.B. Stativ, Weitwinkel, Filter, d.h. alles was man hier hätte gut brauchen können, lag gemütlich zu Hause herum! Aber ich hatte gar keine Zeit mich zu ärgern, denn das Licht änderte sich innerhalb kürzester Zeit immer wieder. Plötzlich war das Gelb-Goldene verschwunden, und es wurde wieder heller und auch bunter. Erst Rosa-Blau, dann fast Lila.

Und der Gänsesäger schwimmt immer noch unbeeindruckt seine Runden…

Nach etwa einer halben Stunde wurde es zunehmend dunkler, und der Zauber war vorbei.

Dieser schöne Sonnenuntergang ist natürlich auch anderen Spaziergängern nicht verborgen geblieben und man kam ins Plaudern. Oftmals wurde nicht nur das tolle Licht, sondern auch mein (nicht gerade kleines) Objektiv bestaunt, und so ergab sich das ein oder andere nette Gespräch über Fotografie und ob so eine Kamera überhaupt noch zeitgemäß ist, da doch ein Handy genau so tolle Bilder machen würde. Diese Argumentation höre ich in letzter Zeit häufiger, was natürlich auch mit der immer besser werdenden Qualität der Handykameras zu tun hat. Auch ich lasse manchmal die dicke Kamera zu Hause, wohl wissend, dass ich ja noch das Handy dabei habe, um ggf. ein schönes Motiv fotografieren zu können.

Ich könnte jetzt seitenweise über das Thema philosophieren und Pro und Kontra auflisten, aber Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte.

iPhone 13 Pro

Also ich hätte mich geärgert, wenn ich meine Kamera zu Hause gelassen und mich nur auf mein Handy beschränkt hätte! Da ich nicht das klassische Fotoequipment für die Landschaftsfotografie dabei hatte, musste ich improvisieren und interessante Ausschnitte finden, was die Ergebnisse meiner Meinung nach vielleicht sogar eine Spur interessanter machte, als die klassische Postkarten-Weitwinkelaufnahme.

Falls Du Interesse hast dein Wissen über Landschaftsfotografie zu vertiefen und auch mit Gleichgesinnten Neues auszuprobieren, mache ich jetzt kurz Werbung in eigener Sache: Im November biete ich gemeinsam mit Blogkollege Sebastian Schröder-Esch einen zweitägigen Workshop zum Thema Landschaftsfotografie an. „Fokus und Komposition“ und „Variation und Kreativität“ sind die Überschriften dieser zwei Tage, in denen wir uns ausgiebig mit der spätherbstlichen Landschaft des Oberen Wiesentals, den vielfältigen Motiven und den unterschiedlichen fotografischen Ansätzen beschäftigen werden.

Mehr Informationen findet ihr hier: Workshop „Landschaftsfotografie“ 19./20.11.2022

sogesehen – Monatsfoto Juli

Was zeigt dieses Bild? Eine Landschaft mit Schnee und Eis, karg und unwirtlich, davor eine große Wasserfläche. Menschliche Spuren sind nicht zu sehen, also vielleicht eine unberührte Wildnis? Winter?

Weit gefehlt: Die Aufnahme ist auf Spitzbergen (Svalbard) entstanden, dem zwischen Europa und dem Nordpol gelegenen Archipel. Es ist Mitte Juni, also Frühsommer, doch hier in der Arktis sollte jetzt „eigentlich“ noch deutlich mehr Schnee liegen. Das Wasser im Vordergrund ist der große Isfjord im Westen Spitzbergens, der aber schon seit Jahren nicht mehr zufriert und seinen Namen somit inzwischen eigentlich zu Unrecht trägt.

Die menschlichen Spuren und die Auswirkungen unseres Tuns sind hier eben doch allgegenwärtig und tiefgreifend. An keinem anderen Ort auf der Welt ist in jüngster Vergangenheit die Temperatur im Durchschnitt der einzelnen Jahre derart angestiegen wie auf Svalbard, und zwar mit bald schon zweistelligem Zuwachs. Auch das Wasser erwärmt sich, das Eis schmilzt bzw. entsteht gar nicht erst, was wiederum zu einem sich selbst verstärkenden Effekt der weiteren Erwärmung führt. Es gibt wesentlich mehr Niederschläge als früher, inzwischen oftmals als Regen. Der Permafrostboden taut auf (und gibt klimaschädliches Methan frei!), Berghänge geraten ins Rutschen. Die Inselhauptstadt Longyearbyen wurde seit 2015 mehrfach von Lawinen aus Schnee oder Schlamm heimgesucht, in denen Wohnhäuser zerstört wurden und Menschen ihr Leben verloren haben. Im ebenfalls immer wärmer werdenden Meerwasser ändert sich das Gefüge des Nahrungsnetzes, wobei die langfristigen Folgen noch gar nicht bekannt sind.

Gleichzeitig nimmt der Arktis-Tourismus auf Spitzbergen immer mehr zu (von dem auch ich mit meiner kürzlich unternommenen Reise Teil war, klar). Besucher:innen aus aller Welt kommen in von Jahr zu Jahr steigender Anzahl hierher. Das Motto, wenn auch eher implizit, scheint zu sein: „Last chance to see“. Das gilt natürlich allen voran für die emblematischen Eisbären, aber auch allgemein für schneebedeckte Berge und direkt ins Meer kalbende Gletscher. Der CO2-Ausstoß durch diese Reisen ist beträchtlich, zumal im Grunde auch alles an Konsumgütern und an Infrastruktur per Schiff oder Flugzeug nach Spitzbergen importiert wird.

Wie das wohl alles zusammenhängt und zusammenpasst (oder auch nicht)?

1. Juli 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)


PS: Wer sich für die hier nur angerissene Thematik interessiert und viele konkrete Belege erfahren möchte, dem sei das Buch „Meine Welt schmilzt“ einer norwegischen Journalistin ans Herz gelegt. Es ist allerdings keine besonders heitere Lektüre.

Fliegende Schönheiten

Was war das nur für ein herrlicher Samstag am vergangenen Wochenende? Das Thermometer zeigte bereits frühmorgens sommerliche 25 Grad an, der Himmel war wunderschön blau, und die Sonne strahlte mit voller Kraft.

Mein Tag begann bei einer wunderschönen Yogastunde im Freien mit einer sehr engen Freundin. Nach diesem achtsamen Start in den Tag und dem traumhaft schönen Wetter zog es mich wieder raus. Das Schöne dabei war, dass bei mir für diesen Tag absolut nichts mehr auf dem Programm stand. So zog es mich also am Nachmittag zum Verweilen auf das Gelände der Landesgartenschau in Neuenburg am Rhein. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie erholsam es war, am Rheinufer zu sitzen, die Sonne auf der Haut zu spüren und dabei die vorbeiziehenden Kormorane, Graureiher und Schwäne am Rhein zu beobachten.

Nach gut einer Stunde des Verweilens konnte ich einen Graureiher beobachten, der sich am Schilf entlang schleichend auf die Suche nach Fröschen machte. Völlig unbeeindruckt von all den Leuten am Ufer pirschte er sich ganz langsam an seine vermeintliche Beute heran. Leider blieb der Beutezug jedoch ohne Erfolg, und nach einiger Zeit flog er krächzend wieder in weite Ferne. Ich wollte danach auch schon wieder weiterziehen, da schimmerte es bläulich aus dem Schilf heraus.

Ich musste natürlich sofort innehalten und die fliegende Schönheit beobachten: die Gebänderte Prachtlibelle. Diese wunderschöne Libelle mit ihren kräftig blau schimmernden Flügeln war stark damit beschäftigt, von Rastplatz zu Rastplatz zu fliegen, und ich war dabei von ihren feenartigen Flugkünsten völlig begeistert.

Ich saß bereits über eine halbe Stunde am Ufer, als eine weitere Libelle (leider die Art bisher nicht ausfindig machen können) in das Gebiet einflog und mit der gebänderten Prachtlibelle einen auffälligen Schwirrflug begann. Jetzt konnte ich erst recht noch nicht den Heimweg antreten und beobachtete das weitere Geschehen mit meinem Teleobjektiv in rücksichtsvoller Entfernung. Das Männchen hatte sich auf die Flügel des Weibchens gesetzt und sich mit seinen Hinterleibsanhängen in Libellenmanier angekoppelt. Das dabei entstehende „Paarungsrad“ sieht mit etwas Fantasie aus wie ein Herz, welches in dem Moment als Symbol der Paarung nicht passender sein könnte 🙂 Dies aus der Entfernung zu fotografieren, war nicht ganz leicht, und die Aufnahmen sind qualitativ bestimmt nicht zu 100 % gut gelungen, aber die Erinnerung an diesen schönen Moment bleibt mir so stets vorhanden.

Über eine Stunde lang hatte ich die Gebänderte Prachtlibelle inkl. Paarung dann beobachten dürfen. Voller Freude über das schöne Erlebnis und die tollen Aufnahmen zog es mich dann allmählich wieder Richtung Ausgang.

Kaltland

Estland, Mai 2022 – eine besondere Reise in schwierigen Zeiten.

Als mich Blogkollege Sebastian im Januar 2021 fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und ein paar weiteren Naturinteressierten nach Estland zu reisen, war mir schnell klar, dass diese Reise auf unsicheren Beinen stand. Dass wir, über ein Jahr später, nicht mit Corona, sondern mit einem Krieg in Europa konfrontiert werden würden, hätten wir uns in unseren übelsten Träumen niemals vorgestellt. Je näher die Reise rückte, desto bedrohlicher wurde die Lage in der Ukraine, und immer mehr schwand meine Vorfreude auf diese Reise. Wie gelähmt beobachteten wir das Geschehen, und so stand auch die Frage im Raum, ob wir die Reise absagen sollten oder nicht.

Auch ich hatte Zweifel. Es waren aber weniger die Bedenken um meine eigene Sicherheit, denn Estland ist Mitglied der NATO, jedoch fühlte es sich nicht richtig an, zum jetzigen Zeitpunkt eine „vergnügte“ Urlaubsreise in den östlichen Teil Europas anzutreten. Also warteten wir ab, tauschten Argumente aus, und am Schluss entschied sich ein Teil der eigentlichen Gruppe, die Reise doch anzutreten.

Foto: Steffen Biber

Eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus verschiedenen Ländern, aber alle mit einer gemeinsamen Leidenschaft: der Liebe zur Natur und zur Tierwelt (wobei der Schwerpunkt ganz klar auf den gefiederten Freunden lag).

Passend dazu war unsere Unterkunft auch kein hippes Stadthotel, sondern ein Holzhaus mitten im Wald, etwa 6 km zur nächsten Stadt Haapsalu.

Anfänglich war ich sehr gespannt, wie sich diese neun Tage entwickeln würden. Mit acht Personen (von denen ich bisher nur zwei persönlich kannte) zusammen in einem 120m2 Haus, als Selbstversorger und nur einer! Dusche, das hatte Potential für diverse Spannungen. Gleich vorneweg, meine Sorgen waren absolut unbegründet!

Da waren wir also, im Nordwesten Estlands, im Land der Moore und Birkenwälder.

Manche Fotos könnte man durchaus in eine Savanne verorten, jedoch waren die Temperaturen eher nordisch frisch. Während zu Hause das Thermometer zum ersten Mal im Jahr knappe 30°C anzeigte, waren wir froh, unsere Winterklamotten eingepackt zu haben.

Aber die Landschaft war eigentlich nicht der Hauptgrund unserer Reise, sondern die Tier- und hier im Besonderen die Vogelwelt. Und wir wurden nicht enttäuscht!

Unglaublich, was für eine Vielfalt und Vielzahl an Vögeln wir vor das Fernglas und die Linse bekommen haben! Wobei mir mancher „Vogel“ am Himmel dann doch ein mulmiges Gefühl verursachte.

Ich war überaus dankbar, dass (außer mir) fast alle meine Reisebegleiter_innen über ein enormes ornithologisches Wissen verfügten. Die verschiedensten Vogelarten in den richtigen Sprachen zu verstehen, das war für mich nicht immer einfach. In Deutsch, Französisch, Polnisch, Italienisch, einem kleinen Hauch Schwyzerdütsch und Englisch, das nenne ich gelebtes Europa!

Aber wie es in einem fremden Land so ist, man kann noch so viele Reiseführer lesen und das Netz auf Tipps durchsuchen, man ist sich nie sicher, zur richtigen Zeit dann auch am richtigen Ort zu sein. Also hatte Sebastian die geniale Idee, uns ornithologische Unterstützung aus der Region zu buchen. Gesagt getan, und wir trafen unseren Guide früh morgens auf einem Parkplatz im Nirgendwo.

Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber vor meinem geistigen Auge hatte ich eher mit einem gesetzteren Herrn mit Bart und Hut gerechnet….

Kerli

Ich glaube, es dauerte keine zehn Minuten und Kerli hatte uns alle in ihren Bann gezogen. Mich faszinierte ihre Begeisterung für Vögel, egal ob es um das scheue Haselhuhn oder ein gewöhnliches Rotkehlchen ging, ihre Begeisterung steckte an und ihre Fachkompetenz beeindruckte nicht nur mich. (Und fließend Deutsch sprechen konnte sie auch noch!). Sie führte uns frühmorgens zu den balzenden Birkhähnen, wir suchten zusammen das Haselhuhn und lauschten am Abend nach den Eulen. Und so wurden aus einen Tag plötzlich drei und diese hatten es in sich. Sehr wenig Schlaf, viel auf den Beinen und jede Menge Spaß. Danke, Kerli, für die wunderbare Zeit!

Aber wenn ich so zurück blicke, dann sind es wahrscheinlich weniger die schönen Fotos und die Vogelsichtungen, die mir am meisten in Erinnerung bleiben werden, sondern die Menschen, mit denen ich diese wunderbaren Tage verbringen durfte.

Hi Vinciane, Hania, Kerli, Steffen, Martin, Daniel, Davide and Sebastian,
thanks to all of you for a fabulous time in Estonia! I really enjoyed every single bit of it. Thanks for the wonderful evenings, sometimes with too much Vana Tallinn 😉 Thanks for the inspiring conversation and the delicious food. Thanks for your patience with the bird- beginners, and thanks to Sebastian for the organization and much more!

Foto: Sebastian Schröder-Esch




sogesehen – Monatsfoto Juni

Der Begriff „Monatsfoto“ ist dieses Mal vielleicht etwas irreführend, denn eigentlich sind es ja mehrere Fotos. Genauer gesagt fünf Einzelfotos, die zusammengesetzt ein Wort ergeben. Alphabet- Fotografie oder auch Buchstabenfotografie genannt, ist ein netter fotografischer Zeitvertreib und gleichzeitig eine sehr gute Übung, um seinen Blick zu schärfen. Meistens versucht man sich am eigenen Namen, aber in meinem Fall waren mir die 8 Buchstaben (nur der Vorname!) dann doch zu lang 😉

Alle, die das Wort auch nach längerem hinschauen nicht identifizieren können, helfe ich gerne auf die Sprünge: URBAN ist das Titelwort und spiegelt damit auch den Kontext, in dem die Bilder entstanden sind wieder.

Diese Spielerei funktioniert auch wunderbar in der Natur. Probier´s aus, schnapp dir deine Kamera oder dein Smartphone und fange an zu schreiben. Viel Spaß dabei!

In der Kinderstube der Spechte

Flaniert man in diesen Spätfrühlingstagen so durch unsere mitteleuropäischen Wälder, kann man hin und wieder lautes Fiepen und Zwitschern vernehmen. Kein normaler Vogelgesang, sondern die eindringlichen Bettelrufe junger Vögel, die gefälligst ihre hungrigen Mägen gefüllt bekommen wollen. Am lautesten tun das die kleinen Spechte.

Und weil sie bekanntlich in Baumhöhlen (selbstgezimmert!) brüten, die sich oftmals hoch oben an glatten Stämmen befinden, brauchen sie keine Angst für Fressfeinden zu haben und können dementsprechend ungehemmt herumschreien. Da lohnt es sich durchaus, mal genauer hinzuschauen.

Gestern konnte ich nämlich in einem Buchenwald am Kaiserstuhl folgende schöne Szene beobachten:

So ein glatter Buchenstamm ist vermutlich eine unüberwindbare Hürde für Marder und andere potenzielle Nesträuber – erst recht, wenn die Höhle in vielleicht 15 Metern Höhe gezimmert wurde. Eine schöne Aussicht hat man von dort! Wobei dieser junge Buntspecht (erkennbar an seiner noch ganz roten Kopfplatte) vermutlich weniger an dieser interessiert war als vielmehr an Mampf.

Aha, da kommt ja schon der Herr Papa! Aber mit leerem Schnabel?

Auch die Mama (ohne Rot am Hinterkopf) hat irgendwie nichts dabei. Was ist denn hier bitte los?

Jetzt aber:

Aha, na bitte, geht doch!

Wie denn, war das etwa schon alles?

Ich schätze, die kleinen Buntspechte (wobei ich immer nur ein Köpfchen sehen konnte) werden nur noch wenige Tage in ihrer Kinderstube verbringen, bevor sie ausfliegen. Dann fängt der Ernst des Lebens (mit all seinen Herausforderungen und Gefahren) so richtig an, und man wird auch nicht so mehr so laut sein dürfen.

Das kann für uns Naturbegeisterte nur heißen: Jetzt besonders aufmerksam durch die Wälder streifen, und Augen und Ohren weit öffnen!

27. Mai 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

sogesehen – Monatsfoto Mai

Erwachen

Frühling – eine für mich lang ersehnte Jahreszeit nach den grauen und tristen Wintermonaten.

Ein ganz besonderes Highlight im Frühling spielt dabei jedes Jahr die Kirschblüte im Eggenertal. In meinem Artikel „Weiße Blütenpracht im Eggenertal“ hatte ich euch bereits im vergangenen Jahr in diese tolle Blütenwelt eintauchen lassen. Auch dieses Jahr bin ich wieder losgezogen, um die Blütenpracht genießen zu können. Am Ostermontag ging es für mich vom Parkplatz „St. Johannisbreite“ den Panoramaweg entlang an Wald und Wiese zunächst abwärts nach Niedereggenen.

Dort führt der Weg über den Scheibenfeuerplatz, vorbei an den Trockenmauern dann zum Steinenkreuzle (Gemarkung Obereggenen). Auf dem Steinenkreuzle findet man ein paar Sitzbänke vor, welche zum Verweilen und Genießen einladen. Von dort aus geht es direkt nach Obereggenen weiter. Linkerhand ragt unser Hausberg, Hochblauen, empor und rechterhand blüht Kirschbaum für Kirschbaum um die Wette. Das Steinenkreuzle entfernt sich immer mehr, ehe man es nach dem Ortsausgang von Obereggenen Richtung Parkplatz St. Johannisbreite wieder in weiter Ferne sehen kann. Meter für Meter lohnt sich auch hier immer wieder der Blick zurück. Auf der ganzen Wegstrecke entlang hat man stets einen wunderbaren Panoramablick. Nach rund 10 Kilometern komme ich dann wieder am Auto an. Ein wenig wehmütig war ich jedoch, da dieser Tag wieder einmal viel zu schnell vorbei ging. Schade, dass man die Zeit nicht anhalten kann … an diesem Tag hätte ich es definitiv genutzt!

Auch wenn die Kirschblüte vermutlich zwischenzeitlich ihre schönste Blütenzeit hinter sich hat, so lohnt sich eine Wanderung zu jeder Jahreszeit im schönen Eggenertal! Beim Parkplatz St. Johannisbreite gibt es auch Wanderschilder mit weiteren Tourenvorschlägen. Ihr wollt meine Tour selbst einmal entdecken? Gerne darf ich euch hier zu meinem Komootprofil weiterleiten. Viel Spaß im Eggenertal 🙂

Kultur / Landschaft

Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich phasenweise viel Zeit draußen verbringe. Ich laufe oder fahre durch Wiesen, Wälder, Dörfer und manchmal auch Städte oder Gewerbegebiete, immer auf der Suche nach bestimmten Tieren, die ich nachweisen und dokumentieren soll. Nicht immer gibt es viel zu tun, wenn ich so im Lande umherstreife, und so schaue ich mir bisweilen auch einfach so die Landschaft an und komme ins Sinnieren.

Im Moment bin viel in der Feldflur meines schönen Bundeslandes namens Baden-Württemberg unterwegs. Alles sehr schön aufgeräumt da!

Vorurteile kommen unweigerlich hoch über die „ausgeräumte Landschaft“, über Naturferne, über das schädliche Wirken des Menschen, der mal wieder den Bogen überspannt und einfach alles kaputt macht. Doch so einfach ist es nicht.

Die meisten Menschen benutzen im Alltag Begriffe wie „Natur“, „Kultur“, „Umwelt“, „Landschaft“ etc. häufig und ohne größeres Nachdenken. Warum auch, schließlich sind diese Wörter ja vermeintlich eindeutig und selbsterklärend. Dann kommen dazu in der Regel noch Bewertungen ins Spiel, so etwa in dem Sinne: Die Natur ist gut, der Mensch ist böse. Oder Gegensatzpaare werden aufgemacht, wie z.B. die Opposition Natur / Kultur. Auch die Fotografie bevorzugt in ihrem Mainstream eindeutig Ansichten der „Natur“, die irgendwie ursprünglich, rein, erhaben und schön sein sollen, und die die Anwesenheit und das Wirken des Menschen oftmals ganz kunstvoll ausblenden.

Ganz klar: Zu dieser Thematik gibt es ganze Bibliotheken voller Fachbücher und Abhandlungen. Dazu einen neuen, originellen Beitrag zu leisten, maße ich mir gar nicht an. Aber wie gesagt: wenn ich so durch die (vermeintlich) leere Feldflur laufe, entwickeln sich bestimmte Gedanken ganz von alleine. Und den einer oder anderen davon möchte ich an dieser Stelle mit den geneigten Blog-Leser/innen teilen.

Mal ganz grundsätzlich: Wenn die Menschen in Europa nicht vor ein paar (wenigen) Jahrtausenden damit begonnen hätten, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, wäre heute der allergrößte Teil der Landschaft hierzulande reiner Wald. Das allermeiste von dem, was wir heute als „Offenland“ sehen, kennen, erleben und schätzen, ist menschengemacht – also Kulturlandschaft. Das schließt alle Wiesen ein, alle Weiden und natürlich erst recht Ackerland. Von dieser gewaltigen Umgestaltung der Landschaft haben in der Vergangenheit viele Tier- und Pflanzenarten enorm profitiert. Das gilt insbesondere für diejenigen unter ihnen, die sich in den von Natur aus waldfreien Lebensräumen wohlfühlen, z.B. Steppenlandschaften des Osten und Südens. Und auch ich mag sie, diese offene Landschaft!

Und damit komme ich zu meinem „special guest“ dieses Artikels, zur Feldlerche. Die ist allgemein bekannt, oder? Für mich der Inbegriff eines Frühlingstages in einer Ackerlandschaft. Wer mal ein paar Kostproben ihres wunderbaren Gesangs anhören will, kann dies hier tun. Gerade gestern und heute habe ich sie gezielt suchen dürfen (zum Glück mit Erfolg!), und in meinen Ohren klingt ihr außerordentliches Trillern und Pfeifen noch jetzt auf das Schönste nach.

In ganz Deutschland ist die Feldlerche insgesamt noch ein häufiger Vogel, doch nimmt ihr Bestand seit Jahrzehnten drastisch ab. Aus diesem Grund ist sie auf der Roten Liste mittlerweile als „gefährdet“ eingestuft. Und ihr Niedergang ist stellvertretend für den einer ganzen Lebensgemeinschaft des Offenlandes. Um nur mal ein paar Vogelarten zu nennen: Grauammer, Schafstelze, Wiesenpieper, Rebhuhn, Wachtel, Kiebitz, Großer Brachvogel, Wiesenweihe… Diese sind vielerorts völlig verschwunden, und die letzten Restvorkommen (z.B. in Baden-Württemberg) werden mit großem Aufwand geschützt und vor dem endgültigen Verschwinden bewahrt.

Was vielen vermutlich nicht klar ist: Die Feldlerche und ihre genannten Kolleg/innen werden sich niemals in einem Wald ansiedeln, und auch nicht in einer Streuobstwiese oder einem Stadtpark. Sie brauchen in jedem Fall die offene Landschaft, die ganz wesentlich durch das Wirken des Menschen entstanden ist. Auf Weiden, Wiesen und insbesondere Äckern fühlt sie sich ganz besonders wohl – also durchaus in der „ausgeräumten“ Feldflur. Und darum finde ich diese Landschaft auch schön, vermutlich gerade weil sie eine Verbindung aus Natur und Kultur darstellt.

Wenn da nur nicht die fortwährende Intensivierung der Landwirtschaft wäre, die „Bereinigung“ der Flur, die Vergrößerung der Schläge, der starke Einsatz von Düngemitteln und Insektiziden, die Veränderungen im Getreideanbau, die zunehmende Versiegelung der Flächen, die Störung durch Menschen und ihre Vierbeiner… Diese Entwicklung wird den Bewohnern der Feldflur auf längere Sicht den Garaus machen, leider. Letzten Endes machen wir die Natur kaputt, und unsere (ursprüngliche) Kultur gleich mit.

Aber eigentlich wollte ich mit diesem Artikel ja eine Lanze brechen für den ästhetischen Reiz und auch den ökologischen Wert von offenem Ackerland und Grünland, auch wenn diese „Kulturlandschaft“ auf den ersten Blick so „naturfern“ zu sein scheint. Und jetzt wäre fast mal wieder eine miesepetrige Zivilisationskritik dabei herausgekommen… Aber gerade noch rechtzeitig bemerkt und die Kurve bekommen!

Horst würde an dieser Stelle vermutlich schreiben: „bleibt neugierig!“. Ich möchte es etwas anders formulieren und einfach zu einem baldigen Feldspaziergang mit offenen Augen und Ohren animieren. Viel Freude dabei, und hoffentlich gibt es eine Feldlerche zu bestaunen!

21. April 2022
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

sogesehen – Monatsfoto April

Ein Stadtjubiläum + 300 historische Fotos + 5 Fotoenthusiast_innen + 6 winterliche Monate + 100% Online = Fotomagische Momente

Was für ein Unterfangen!
Als ich letzten Herbst von der Dozentin für Fotografie an der VHS Rheinfelden, Petra Böttcher, angesprochen wurde, ob ich nicht Lust hätte an einer Gemeinschaftsausstellung zum 100- jährigen Bestehen der Stadt Rheinfelden (Baden) mitzumachen, sagte ich spontan zu.
Mich reizte die Idee, den Winter über nach einem festen Konzept zu fotografieren, mit dem Ziel (und dem Zeitdruck) im Frühjahr das Ergebnis einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Dieser Ansatz unterschied sich völlig von den bisherigen Ausstellungen, bei denen man sich sonst aus einem Fundus von bestehenden Bildern bediente.
So trafen wir uns also ab November 2021 wöchentlich zu einem Online-Ausstellungskurs, um historische und zeitgenössische Fotografie auf kreative Weise miteinander zu verschmelzen.

Fotomontage VHS-Ausstellungskurs: Tankstelle
Mit freundlicher Genehmigung: Siegfried Fester, Rheinfelden 

Ohne zu sehr in die Details zu gehen, kann ich Euch verraten, dass wir durch einige Tiefs gegangen sind. Sei es das Grau in Grau eines trüben Winters oder die endlos lange Zeit einer weihnachtlich geschmückten Innenstadt. Dies alles waren keine idealen Voraussetzungen für schöne, fotografisch ansprechende Stadtaufnahmen.
Aber das waren dann doch eher kleinere Problemchen.
Dachten wir am Anfang noch, dass z.B. die genaue Perspektive, die richtige Brennweite oder der exakte Bildausschnitt unsere größten Herausforderungen sein würden, stellten wir schnell fest, dass die eigentliche Knacknuss unser eigener Anspruch war.
Einfach nur das alte neben das neue Bild zu hängen schien uns zu simpel. Wir wollten den Betrachter überraschen und manchmal auch (auf)fordern, sich länger mit den Fotos zu beschäftigen.

Fotomontage VHS-Ausstellungskurs: Grenzbefestigung an der Alten Rheinbrücke 1914.
Mit freundlicher Genehmigung: Stadtarchiv, Rheinfelden (Baden)

Also entschieden wir uns für einen innovativen Weg: Wir nahmen das Wort „Gemeinschaftsausstellung“ wörtlich und so entstand jedes der Fotos gemeinsam. Von der ersten Idee über das Fotografieren bis hin zur Bildbearbeitung waren meistens mehrere kreative Hände beteiligt.
Wir entwickelten eine Art „Schwarmintelligenz“, d.h. wir tauchten zusammen ein in die spannende Welt der digitalen Bildeffekte, überlegten uns gemeinsam die beste Idee für das jeweilige Bild und unterstützten uns gegenseitig, wenn mal Not am Mann (bzw. an der Frau) war.

Von oben Links im Uhrzeigersinn:
Martin Dietsche, Petra Böttcher, Ich (Stefanie Röschke), Gabriele Quay, Yvonne Anneke

Jetzt sind wir fertig und 40 Fotos warten darauf, Euch zu überraschen und zu unterhalten. Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Einen herzlichen Dank geht an Petra Böttcher für ihre fachliche Kompetenz, ihre Geduld und ihre Beharrlichkeit.
Ein Dankeschön an die VHS Rheinfelden als Veranstalter und an die Sponsoren Ringfoto Dockhorn , die Sparkasse Rheinfelden, die Stadt Rheinfelden, dem Stadtarchiv Rheinfelden (Baden) und Danke für die Unterstützung der Stadtarchivarin Frau Dr. Diezinger.

Titelbild:
Rheinpanorama mit dem Bau des Wasserkraftwerks Rheinbrücke um 1895
Mit freundlicher Genehmigung: Stadtarchiv Rheinfelden (Baden)




Ein Froschkönig auf Hochzeitsreise

Jetzt sind sie wieder auf Wanderschaft; die Frösche und Kröten kommen aus ihren Winterlagern gekrochen, um in den nahe gelegen Tümpeln und Seelein zu laichen. Vielen von Euch sind sicher die Absperrungen an den Strassen aufgefallen. Freiwillige Helfer sammeln die Frösche und Kröten ein und bringen sie auf die andere Strassenseite, von wo aus sie sicher ihre Gewässer aufspüren können.

Die Amphibien sind gerne Nachts unterwegs, weshalb nicht selten bestimmte Strassenabschnitte in dieser Zeit gesperrt sind.

Ein besonderes Erlebnis bleibt mir jedoch noch lange in Erinnerung:

Letztes Frühjahr fuhren wir über die Ostertage einmal mehr in die Walliser Berge auf unsere Hütte. Jedes Jahr freute ich mich auf das Erwachen der Alpenflora. Bevor ich meine bekannten Blumen-Standorte aufsuchte, machte ich noch einen Abstecher zu dem nahe gelegenen Seelein. Ich wollte mich vergewissern, ob die Frösche bereits auf der „Hochzeitsreise“ waren. Letztes Jahr verpasste ich deren Wanderung zum Laichplatz bedauerlicherweise wohl nur um ein paar Tage. Die Woche zuvor war es recht warm, doch der neuerliche Kälteeinbruch brachte auch wieder Schnee. Nun hatte ich keine Ahnung, was mich bei dem Tümpel erwarten wird.

Bereits aus der Ferne konnte ich erkennen, dass gut ein Viertel der Wasseroberfläche noch zugefroren war – dies eigentlich ein gutes Zeichen. Erwartungsvoll näherte ich mich dem Teich. Die etlichen Wanderer, welche interessiert ins Wasser schauten, liessen mich neugierig werden. Sind etwa alle Frösche schon wieder im Wasser? Bin ich wieder zu spät oder hatte es erst gerade angefangen?
Beim Näherkommen sah ich dunkle Flecken, die sich auf dem Schnee langsam bewegen. Oh bitte lass es Frösche sein!! Ja, perfekt, es waren Frösche die auf dem Weg ins Wasser zu ihren Laichplätzen waren. Sie kamen nicht in Scharen wie ich es mir ausgemalt hatte, aber egal, Hauptsache ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnte die wandernden Frösche beobachten und fotografieren.

Sobald die kalten Nächte vorbei sind, kommen die Grasfrösche aus ihrem Winterquartier gekrochen. Sie verbringen die kalte Jahreszeit in Erdlöchern und Wurzelhöhlen. Glücklicherweise müssen die Frösche hier keine Strassen überqueren und finden den Weg unbeschadet zu ihrem Laichgewässer.

Schnell legte ich meinen Rucksack ab, schnappte die Kamera und näherte mich vorsichtig einem hüpfendem Frosch. Um ihn nicht zu stören, blieb ich auf Abstand. Ich kann mir vorstellen, dass der Weg über den Schnee eine energieraubende Wanderung ist und will die Frösche nicht zusätzlichem Stress aussetzen. So entschied ich mich aus Respekt an Ort und Stelle still zu verharren und hoffte, dass die Frösche an mir vorbei hüpfen würden. Witzigerweise gab es vereinzelt Tiere, die direkt auf mich zu kamen, vor mir sitzen blieben und mich glubschäugig bemusterten. Vor allem ein Frosch blieb eine gefühlte Ewigkeit vor mir sitzen. Ob er wohl auf einen Kuss wartete? Das mit dem Küssen liess ich dann doch bleiben…

Viele Frösche kamen bereits zu zweit daher gehüpft. Kommt ein Weibchen aber allein, wurde es sogleich von den Männchen angesprungen, welche sich regelrecht an ihren Körper klammerten. Nach ein paar Huckpacksprüngen folgte eine längere Pause. Ich kauerte im Schnee, hatte nasse Ellbogen und Knie und wartete geduldig auf die nächste Bewegung. Nach einer nicht unbeträchtlichen Erholungszeit rafften sich die Frösche wieder auf, krabbelten zuerst ein paar Schritte, bevor sie zum grossen Sprung ansetzten. Erstaunlich dabei ist, mit welcher Synchronität das Froschpaar die Beinbewegung vollzieht und mit gestrickten Beinen elegant den Sprung ausführt. Man könnte meinen, sie nehmen an einem Synchronspring-Wettbewerb teil, wobei ich ihnen eine glatte „zehn“ gegeben hätte! Das Hochzeitspaar hatte nur ein Ziel – möglichst schnell ins Wasser zu kommen, wo bereits hunderte Artgenossen warteten.

Nun gesellte sich auch noch eine Dreiergruppe zum Geschehen dazu. Es war sehr unterhaltsam zu beobachten, wie das überzählige Männchen einfach nicht von den beiden anderen ablassen wollte. Da er sich kaum richtig festhalten konnte, war jeder Hüpfer für ihn mit einem ungeheuren Kampf verbunden an den beiden dranzubleiben. Nach einigen erfolglosen Versuchen gelang es dem Paar aber schliesslich den unliebsamen Wedding-Crasher loszuwerden. Die beiden machten sich aus dem Staub und hüpften munter Richtung Wasser. Der Verlassene blieb verdattert zurück und machte sich dann gezwungenermassen allein auf den Weg zu Teich, wo er hoffentlich doch noch eine passende Partnerin finden wird.

Interessant, wie die Männchen erwartungsvoll im Wasser verweilen und Richtung Ufer schauen. Alles was sich bewegt, wird sofort anvisiert – wohl immer in der Hoffnung, die richtige Partnerin hüpft gleich ins Wasser!

Zu hunderten sind sie im Wasser und waren schon sehr fleissig, überall hatte es Laichballen. Das Laichgeschäft muss innerhalb weniger Tage erledigt werden. Das Weibchen kann bis zu 2800 Eier an den Wasserpflanzen ablegen. Das Männchen gibt anschliessend bei der äusseren Befruchtung seinen Samen dazu. Drunter, drüber, ineinander verschlungen, alleine, zu zweit, zu dritt und nicht selten zu viert. Die armen Weibchen müssen einiges aushalten, denn die Männchen schnappen sich alles was sich bewegt. Manchmal kann so ein Kampf für das Weibchen auch tödlich enden. Dann nämlich, wenn es von den Männchen ständig unter Wasser gedrückt wird. Es hat dann keine Möglichkeit mehr Luft zu holen und ertrinkt. Selbst als ein Wanderer die Hand ins Wasser hielt, griff ein Frosch nach seinen Fingern. Der verdutzte Mann zog blitzschnell die Hand wieder aus dem Wasser.

Am nächsten Tag machte ich mich erneut auf den Weg zu dem kleinen Tümpel. Es war aber bereits viel ruhiger geworden. Es schien als seien alle Grasfrösche im Wasser angekommen, denn auf dem gegenüber liegenden Schneehang bewegte sich nichts mehr. Der grosse Hochzeitsmarsch hatte wohl schon am Tag bevor ich da war stattgefunden. Ich konnte mich nun zufrieden meinen Blümchen widmen.

Es ist schwierig abzuschätzen, wenn die Grassfrösche sich erneut auf den Weg machen werden. In den nächsten Tagen wird es wohl wieder soweit sein. Ich werde diese Woche einen Ausflug machen und mit etwas Glück erwarten mich die Grasfrösche auch schon ;).