Marrakesch-FOTOGRAFIE

10 Fotobegeisterte + 1 Fotografin x 5 Tage Marrakesch = ca. 20.000 Bilder!

Mit diesen Fakten starten wir in diesen Blog. Die Reise ist vorbei, der Alltag hat uns wieder und man steht vor einer riesigen Bilderflut. Die ersten unscharfen Bilder sind schnell gelöscht und beim Betrachten der Bilder wechseln sich Freude und Enttäuschung ab. Fotos, an die man sich gar nicht mehr erinnern kann, entpuppen sich als wahre Perlen und was vor Ort als Hammerbild Glücksgefühle auslöste, ist leider verwackelt. Neutral betrachtet bleiben von so einer Reise nicht mehr als 50 richtig gute Bilder übrig.

Peter Heidecker

Und nun? Für einen digitalen Tiefschlaf sind die Fotos viel zu schade, also entscheiden wir uns, eine Ausstellung zu organisieren.
Wer sind „wir“?
Eine Gruppe leidenschaftlicher Fotografen/- innen aus dem tiefen Südwesten Deutschlands. Wir kennen uns alle von vorherigen Fotoreisen bzw. treffen uns einmal im Monat zum gemeinsamen Fotografieren. Der „Nabel“ um den sich unsere Gruppe dreht ist Petra Böttcher, Dozentin für Fotografie. Sie ist unsere Organisatorin, unser kreativer Geist und unsere neutralste und ehrlichste Kritikerin.
Unter ihrer Anleitung und Führung und unter der Schirmherrschaft der VHS Rheinfelden beginnen für uns zwei zeitintensive und emotionale Monate.
Eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, hört sich im ersten Moment recht einfach an. Jeder sucht sich seine 5 Lieblingsbilder aus und für das Plakat und die Flyer wird gemeinschaftlich abgestimmt.
Es gibt sicher viele Ausstellungen, die nach diesem Schema ablaufen. Die Auswahl jedem einzelnen Fotografen zu überlassen könnte aber bedeuten: 10x Sonnenuntergang am gleichen Ort.

Stefanie Röschke

Wir waren uns schnell einig, wir wollten Vielfalt!
Qualitativ hochwertige Bilder in einer großen Bandbreite. Die Ausstellung sollte nicht nur bekannte Motive zeigen, sondern Fotos des täglichen Lebens.
Bei der Vorbereitung der Reise wurde immer wieder darüber diskutiert, ob man Menschen fotografieren darf/ soll. Dies hatte weniger mit den Hemmungen des Fotografen zu tun, als mit dem Umstand, dass religiöse Gründe oder auch das „Posen“ gegen Bezahlung dagegen sprechen könnten.
Viele von uns reisten mit dem Vorsatz nach Marrakesch, sich eher nicht in diesen Konflikt zu begeben. Bei der Sichtung von hunderten von Fotos haben wir schnell festgestellt, dass das Motiv „Mensch“ alle anderen Bilder quantitativ und qualitativ überragte. Eine farbenreiche Auswahl freundlicher Menschen gehörte ebenso dazu, wie düstere Serien in schwarzweiß.

Martin Dietsche
Stefanie Röschke
Petra Böttcher

Uns von den Menschen loszureißen und den Fokus auch auf andere Motive zu lenken, fiel uns nicht leicht. Prunkvolle Gebäude, Graffiti, belebte Plätze, prachtvolle Gärten, Gewusel in den Souks – auch das ist Marrakesch und gehört natürlich unbedingt zu einer Ausstellung mit dazu.

Stephan Männer
Ina Teichert
Ina Teichert
Angelika Ehlers
Markus Becker

Besucht man Marrakesch zum ersten Mal, wird man von den Eindrücken, den Gerüchen und dem Lärm erschlagen. Man nimmt die Kamera in die Hand und fotografiert einfach los. ISO, Blende, Verschlusszeit? Völlig egal!
Die ersten Bilder unterscheiden sich nicht wirklich von Schnappschüssen mit dem Handy. Nach ein paar Stunden, oder sogar erst nach 1-2 Tagen, hat man sich an die Eindrücke gewöhnt und wird gelassener. Jetzt beginnt die Zeit, sich mit den außergewöhnlichen Motiven und besonderen Aufnahmetechniken zu beschäftigen. Ohne diese innere Ruhe und eine gehörige Portion Geduld sind solche Perlen nicht möglich:

Juliane Vier (Polaroid)
Susanne Kirschnek (Mehrfachbelichtung)

Die Auswahl der Bilder für eine Ausstellung ist ein sehr aufwändiger und emotionaler Prozess. Warum emotional?
Jeder Fotograf hat eine persönliche Beziehung zu seinen Bildern. Stolz, Freude und das eigene Erleben des Momentes trüben den objektiven Blick. Plötzlich findet die Auswahl durch eine neutrale Person statt, welche eine klare Vorstellung über die Qualität, Vielfalt und Wirkung der Bilder hat. Dies führt unweigerlich dazu, dass das eigene Lieblingsbild den Kriterien nicht standhält, oder eine ähnliche Aufnahme eines anderen Fotografen gewählt wird, und das Lieblingsfoto dadurch raus fliegt. Das muß man erst mal verkraften!

Birgit Agostini

Am Ende unseres Auswahlprozesses stellten wir fest, dass wir eine unbeschreiblich große Anzahl an wunderschönen Katzenbildern hatten. Diese passten nicht wirklich in die gewählten Serien, aber zeigen wollten wir sie auf jeden Fall. Die Idee einer eigenen Katzenecke entstand 🙂

Stefanie Röschke

Natürlich ist mit Auswahl der Bilder die Arbeit nicht getan. Rahmengröße, Passepartout, Hängeplan bis hin zu Fingerfood an der Vernissage, alles muß organisiert sein.

Ja, es ist viel Arbeit. Die kulinarischen Leckereien zwischendurch und die lockere Atmosphäre erinnerten jedoch eher an einen Fotoabend mit guten Freunden als ein Arbeitswochenende in der VHS. Wir sind uns sicher, dass man diese Stimmung während eines Bummels durch unsere Ausstellung spüren kann.

Petra Böttcher (Plakat)

Ein großes Dankeschön an Petra Böttcher, der VHS Rheinfelden und der Stadt Rheinfelden. Einen besonderen Dank auch an unsere Familien, die auf uns manches Wochenende verzichten mussten.

Nachtrag:
Leider war die Ausstellung wegen der Corona- Pandemie nur für zwei Wochen der Öffentlichkeit zugänglich. Um diese trotzdem einem breiten Publikum zu zeigen, wurde sie mit viel Fleiß von Petra Böttcher und der Unterstützung der VHS Rheinfelden virtuell „nachgebaut“. Viel Spaß beim Bummel durch unser Ausstellung „Marrakesch- FOTOGRAFIE“

Unser Markgräflerland

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass viele es nicht zu schätzen wissen in welch schöner Region sie leben. Jede Stadt, jedes Dorf oder jede noch so kleine Ortschaft hat selbstverständlich seinen ganz eigenen Charme. Für viele ist es unvorstellbar in einer kleinen Stadt oder einem Dorf zu leben und es zieht sie in die großen Stadt oder gar in die weite Welt hinaus.

Ich bin in einem kleinen Dorf im Markgräflerland (ca. 5.000 Einwohner) geboren und aufgewachsen. Auch mir wurde erst nach und nach immer mehr bewusst, wie wunderschön „unser Markgräflerland“ ist. Zum einen gibt es hier das Dreiländereck (Schweiz/Frankreich und Deutschland), zum anderen kann man beispielsweise einem Spaziergang in den Reben (Weinbergen) nachgehen, mit dem Fahrrad am Rhein entlang fahren oder die Natur während einer Wanderung in unseren Wäldern genießen. All diese Optionen liegen von meinem Wohnort beispielsweise gerade einmal wenige Kilometer entfernt bzw. wenn nicht sogar direkt vor der Türe. Mein persönlicher Lieblingsort ist hier ganz klar der Wald. Viele Personen wissen dies jedoch nicht mehr zu schätzen, nehmen unsere Natur als selbstverständlich an und gehen mit ihr auch dementsprechend um.

Mit meinen Bildern und Beiträgen möchte ich zeigen wie schön unsere Heimat ist, wie wir die schöne Landschaft nicht als selbstverständlich annehmen dürfen und wir einfach auch mal dankbar sein können für dieses wunderbare Fleckchen Erde. Seid ihr schon einmal an einem schönen Sommerabend in den Reben gesessen mit einem guten Wein und leckerem Essen im Gepäck und dabei den Sonnenuntergang vor Euch genießen können? Nein? Dann solltet ihr Euch das vielleicht auf die „To-Do-Liste Markgräflerland“ für diesen Sommer setzen. Ich verspreche Euch, dass ihr den Abend definitiv nicht vergessen werdet und den Ausblick auf das Markgräflerland dabei bewundern könnt.

Straßen.szenen

In Zeiten der DSGVO sind spontane Straßenszenen in der Fotografie kaum noch möglich. Damit verschwindet ein Genre der künstlerischen Fotografie aus der Öffentlichkeit.

Die Arbeiten von Henri Cartier-Bresson, Bill Cunningham, Bruce Davidson, Philip-Lorca diCorcia, Robert Doisneau, Elliott Erwitt, Robert Frank, Lee Friedlander und vieler anderer würden es heute nicht mehr in Ausstellungsräume oder Bücher schaffen.

Die Fotografie als alltägliches Massenphänomen hat hier der Kunst das Wasser abgegraben. Wie viele großartige Fotografien, mitten aus dem Leben, werden nun ungezeigt bleiben?

Rolf Nobel, Professor für Fotografie:
„Es ist eine sehr ungeschminkte, authentische Fotografie. Man muss sehr schnell auf Momente reagieren, die wie im Flug vergehen. Der Zeitenlauf lässt sich nicht anhalten, wie es in vielen anderen Feldern der Fotografie ist, wo sich Dinge wiederholen. Aber Konstellationen gibt es in der Street Fotografie immer nur ein Mal. Man muss sehr schnell und spontan agieren. Hinzu kommt: Es reicht nicht aus, nur den einen magischen Moment zu erfassen. Der Fotograf muss alle Elemente, die sich in dem Sucherbild bewegen, im Bruchteil einer Sekunde innerhalb dieses Rahmens so ordnen, dass ein gut gestaltetes Bild entsteht. Es ist eine unglaublich anspruchsvolle Fotografie.

Manchmal passt einfach ganz viel zusammen: Bewegungen, Kontexte, Lichtstimmungen… Straßenfotografen gehen aufmerksamer durch die Welt und greifen oft intuitiv zur Kamera.

Synchronität

Als Alternative bietet sich dann noch der Schnitt an. Manchmal erzählen Bilder auch ihre Geschichte, ohne Gesichter zu zeigen…

DSGVO-gerechter Bildschnitt 😉
…oder so.

Aber wäre es nicht schade, wenn solche Momente ungezeigt blieben?

Alle hier gezeigten Straßenaufnahmen sind vor einigen Jahren und an fernen Orten entstanden. Also lange vor der DSGVO und ich gehe davon aus, dass niemand sich hier wieder erkennen wird. In einigen Fällen habe ich mir zudem die Einwilligung geholt.

Faszination Makrofotografie

Vor einigen Jahren hat es mich erwischt. Mich hat der Makrovirus gepackt. Mein Offenbarungserlebnis hatte ich, als ich einen Artikel über Fotografietechniken las. Dort konnte man unter dem Titel „Makrofotografie“ das Foto einer Raubfliege betrachten. Das Grandiose daran war, man konnte jede einzelne Facette der Fliegenaugen sehen und zwar knackescharf. Ich war gelinde gesagt geflasht

Ich wollte das sofort ausprobieren. Damals hatte ich noch keine Kamera sondern nur mein Smartphone. Die Kamera kam erst zwei Monate später. Ich also raus ins nahegelegene Naturschutzgebiet und losgeknipst. Wer schon mal versucht hat mit dem Smartphone Makroaufnahmen zu machen wird schnell festgestellt haben, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist, um nicht zu sagen die Fotos waren eher für die Tonne. Zumindest wenn man mit den Ansprüchen an die Sache rangegangen ist wie ich. Ihr wisst ja, die Fliegenaugen! Also musste ich wohl geduldig sein und darauf warten, dass ich das richtige Equipment in den Fingern hielt.

Als ich nun die Kamera und das dazugehörige Makroobjektiv hatte, konnte es losgehen. Ich war voller Enthusiasmus. Endlich konnte ich auch solche Fotos schießen wie ich in dem Artikel und folgend in einigen Foren sah.

Denkste!! Trotz Kamera und Makroobjektiv waren die ersten Versuche eher bescheiden. Nun, woran lag es? Ganz einfach. Ich wollte mal wieder zu viel und machte alles falsch, was man falsch machen kann. Sprich: Belichtung, Blende usw. waren für die Ablage P.

Ich bin ja zum Glück jemand der nicht so schnell aufgibt. Nein, denn wenn mich etwas gepackt hat, spornen mich anfängliche Misserfolge eher an. Also, anstatt die Ausrüstung gegen die Wand zu pfeffern, habe ich mich hingesetzt, gelesen und diverse Videos geschaut. Meine Makroskills quasi aufgelevelt

Mit neuem Wissen ausgestattet und mit einigen zusätzlichen Utensilien wie Zwischenringen und Vorsatzlinse, hab ich mich wieder auf die Socken gemacht.

Die Ergebnisse wurden definitiv besser und die Sache begann jetzt Spaß zu machen. Ich habe fast täglich mein bevorzugtes Makrorevier aufgesucht und fotografiert.

Nun stellte sich bei mir ein Effekt ein, der mich selbst ein wenig überraschte. Meine Fotos wurden zwar besser und ich war damit fürs Erste glücklich, doch in vielen Fällen wusste ich nicht was ich da vor der Linse hatte. Insekt. Ja. Aber welches?

Mein Interesse wurde geweckt und so besorgte ich mir Bücher und stöberte auf einigen Seiten zur Insektenbestimmung.

Das war quasi die zweite Erleuchtung. Denn es machte mir tasächlich unheimlich viel Spaß, die Insekten die ich auf Foto bannte im nachhinein zu bestimmen.

Je mehr ich mich nun mit diesem Thema beschäftigte, Fotografie und Bestimmung der Insekten, umso mehr wurde es zur Leidenschaft. Der Blick auf die Details, also auf Dinge die man beim vorbeilaufen nicht sieht, sondern nur wenn man innehält, sind zu einer Passion geworden.

Wenn das Auge erst mal geschult ist, sieht man viel mehr als man das vorher getan hat. Ich meine damit, dass ich Dinge im vorbeilaufen wahrnehme, die mir früher verborgen geblieben sind. Ein schöner „Nebeneffekt“ wie ich meine.

Da ich schon immer naturverbunden war, hat das meine Faszination verstärkt. Ich liebe es an verschiedenen Habitaten meinem Hobby zu frönen. Ob hier im Schwarzwald, oder im Kaiserstuhl, oder an vielen anderen Orten. Es gibt immer etwas zu bestaunen. Man trifft sogar relativ schnell Gleichgesinnte und dann ist man gar nicht selten in einer kleinen Gruppe unterwegs, macht Fotos und tauscht Erfahrungen aus. Sogar Freundschaften sind enstanden und man trifft sich regelmäßig. Sehr genial.

Doch dazu ein anderes mal. Denn die Makrofotografie hält noch viele Geschichten bereit. Wenn man erst mal Feuer und Flamme ist, gibt es kein Zurück mehr. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Bis dahin. Bleibt neugierig und erfreut euch an den Kleinigkeiten, auch wenn sie noch so unscheinbar wirken. Im Detail sind sie faszinierend!

Ostsee, die zweite (Nienhagen)

Die Ostsee, ja die wunderbare Ostsee – wenn sie nur nicht so weit weg wäre! Einmal quer durch die Republik reist man ja nicht mal eben. Vom Südschwarzwald aus ist das Mittelmeer näher als die Baltische See – wenn das mal keine starke Konkurrenz ist… Aber ich sollte mich eigentlich nicht beklagen. Schließlich war es mir vergönnt, nach meinem Besuch auf Zingst und Darß im November 2017 knapp zwei Jahre später wieder hinzufahren.

Es ist also Ende Oktober 2019, und ich bin mit Steffen, Michael und Peter verabredet, um ein paar Tage zum Fotografieren auf Rügen zu verbringen. Steffen und Michael habe ich (sicher kein Zufall!) zuvor auf dem Darß kennengelernt, wir alle teilen die Leidenschaft für die Landschaftsfotografie. Schon damals „geistert“ das Wort vom Gespensterwald durch die Gespräche. Dort müsste man auch mal hin, da ist es so toll, da gibt es einzigartige Fotomotive etc. Ich habe keinerlei Vorstellung davon, wo er liegt, dieser Gespensterwald. Auch auf Rügen? Egal, wofür hat man ortskundige Freunde!

Also treffe ich mich mit Steffen in einem schönen Café in der Lübecker Altstadt, wo wir ein herzhaftes Frühstück zu uns nehmen. Mit seinem Auto fahren wir weiter bis kurz vor Rostock, dann links weg über Bad Doberan in Richtung Küste. Der Gespensterwald, so lerne ich jetzt, liegt nämlich bei Nienhagen, und er hat mit Rügen rein gar nichts zu tun. Aber sehr wohl mit der Ostsee!

Ja, und so laufen wir nun schnurstracks vom geparkten Auto ans Meer vor, Stative geschultert und unsere Fotoapparate schussbereit umgehängt. Die Sonne steht schon recht tief, es ist eine wunderbare frühabendliche Stimmung. Sicherlich hat der Gespensterwald seinen Namen an einem nebligen Tag erhalten, und nicht bei so klarer Sicht wie heute. Aber das stört nicht weiter.

Viele, viele Baumstämme, überwiegend Buchen. Sie stehen in Reih und Glied und sind doch alle irgendwie individuell in ihrer Erscheinung. Je näher sie an der Abbruchkante der Steilküste und damit im Wind stehen (der heute nicht weht), desto bizarrer sind ihre Kronen und Äste geformt.

Und wie so oft, so fällt mir auch hier auf: bunt ist relativ. Man braucht keine jungen Blätter im Mai oder frisches Herbstlaub im Oktober, um Farben im Wald zu entdecken. Lässt man sich darauf ein und wirft Sehgewohnheiten über Bord, so entdeckt man mit einem Mal eine ganz andere Farbigkeit, etwa im sattgrünen Moospolster, das den Waldboden an vielen Stellen bedeckt.

Eigentlich weiß man gar nicht, wo man hinschauen soll und was die besten Fotomotive sind. Es gibt so viel zu sehen und aufzunehmen. Wir sind schätzungsweise zwei Stunden dort, während das Abendlicht immer mehr schwindet. Viel zu kurz eigentlich! Und es ist (mal wieder) faszinierend zu sehen, wie die Farben des Himmels binnen Minuten wechseln, wie sie von den Stämmen der Buchen und anderer Bäume aufgenommen und reflektiert werden und wie sich überhaupt die Stimmung von einer Minute auf die nächste verändert.

Es ist nur eine Stippvisite im Gespensterwald bei Nienhagen, lediglich ein „Stop-over“ auf dem Weg nach Rügen. Aber sie hinterlässt einen starken, bleibenden Eindruck – und macht definitiv Lust auf mehr.

Als die Sonne endgültig verschwunden ist, machen Steffen und ich uns klar, wie weit es noch bis Rügen ist. Schweren Herzens packen wir unsere Siebensachen, steigen ins Auto und verabschieden uns für dieses Mal vom Gespensterwald. Ich bin angefixt und zugleich gespannt, ob Rügen da so ohne weiteres mithalten kann!

sogesehen – Karneval 2020

Morgen am Aschermittwoch ist alles wieder vorbei, das bunte Treiben. Am Karneval scheiden sich bekanntlich die Geister. Manche sehen darin nur alkoholisierte Menschen, die sich auf Knopfdruck in feierwütige Clowns verwandeln.

Für mich steht der Karneval für Lebensfreude, gesellschaftliche Zwänge werden für einen kurzen Moment beiseite gelegt, Kinderaugen leuchten, wenn die Kamelle fliegen und der Karneval bringt Farbe in die oftmals noch düstere Jahreszeit.

Die Bilder habe ich mit meiner Handykamera aufgenommen. Sie sind daher nicht besonders scharf, aber das müssen sie aus meiner Sicht auch gar nicht sein. Im Gegenteil, es handelt sich lediglich um Momentaufnahmen, die ich „sogesehen“ habe.

Zum Abschluss noch eine leckere Bratwurst und dann geht es mit vielen Eindrücken zurück nach Hause. Bis zum nächsten Karneval!

Carros eléctricos …

An den Portas do Sol in Lissabon treffen sich tagsüber Einheimische und vor allem viele Touristen. Am frühen Abend trinken erstere dort einen Aperitif und letztere genießen die Aussicht über die Dächer der Altstadt und den Tejo, der an sonnigen Spätnachmittagen glanzvoll die Stadt begrenzt. Wird es aber dunkel und die Cafés und Läden schließen, dann verläuft sich die Menge und Ruhe kehrt ein. Das Viertel mit seinen engen Gassen und steilen Straßen wird mit Einbruch der Nacht nur von spärlichen Lampen beleuchtet. Kaum ein Mensch begegnet einem Fotografen auf seinem Weg durch diese romanhaft anmutende Szenerie. Nur die Carros eléctricos, die historische Straßenbahn Lissabons, klettert manchmal quietschend den Hügel hinauf. In S/W wirkt die Szene noch mehr, als ob sie aus einem alten Film stammen würde.

Das karge Licht zaubert zahllose, manchmal verstörende Schatten und gibt dem alten Pflaster eine schöne und glänzende Struktur. Allerdings bedeutet das auch eine Herausforderung für den Fotografen, mit diesem Wechselspiel von Licht und Dunkelheit umzugehen.

Aber auch in Farbe bietet die Nacht in der Altstadt von Lissabon viele Reize: Ein kräftiger Bronzeton bestimmt die Atmosphäre. Immer glänzt das alte Pflaster und die Schienen der Carros eléctricos werden zu reflektierenden Linien…

Ostsee, die erste (Darß)

Über die wundersame, ja geradezu mystische Wirkung von Langzeitbelichtungen in der Fotografie ist an dieser Stelle schon vor einigen Tagen geschrieben worden. Die Beispiele, die Horst in seinem Artikel gezeigt hat, waren Aufnahmen von verwunschenen Gebirgsbächen im Schwarzwald. Und seine Bilder zeigen sehr eindrücklich, wie die Bewegung fließenden Wassers durch längere Belichtungszeiten sichtbar gemacht werden kann – und wie stark das aussieht.

Und wisst Ihr was? Das geht auch mit Meereswellen!

Vor etwas mehr als zwei Jahren, genauer gesagt: im November 2017, bin ich für einen Foto-Trip an die Ostsee gereist. Einmal mit dem Zug quer durch Deutschland bis nach Zingst (okay, das letzte Stück ab Barth dann mit dem Bus), um bei Hans-Peter Schaub einen Workshop zur Landschaftsfotografie zu belegen.

Ich hatte im Vorfeld schon ein bisschen gegrübelt, ob das ein gutes Verhältnis von Aufwand (zeitlich und finanziell) und Ertrag sein würde… Aber im Nachhinein fällt meine Antwort uneingeschränkt positiv aus: Der Kurs war klasse (wenn auch leider ein bisschen kurz), die Ostsee ist ein wunderbares Foto-Revier, und neue tolle Freunde habe ich auch noch kennengelernt. Was will man mehr?

Horst hat bereits die Problematik angesprochen, dass manchen Leuten Aufnahmen mit Langzeitbelichtung (LZB) nicht „natürlich“ vorkommen und sie sie deshalb ablehnen. Mal abgesehen davon, dass man über Geschmacksdinge sicherlich immer streiten kann (wenn auch meist ergebnislos), so würde ich dieses Argument der „Unnatürlichkeit“ hier doch gerne entkräften wollen.

Unser menschliches Auge ist immer nur zu einer Momentaufnahme in der Lage, das heißt wir nehmen im Grunde keine Dynamik der Bewegung wahr. Bei LZB ist das anders: Objekte, die sich innerhalb des Bildausschnitts relativ zur Kamera bewegen (egal, ob Wasser, Wolken, fliegende Vögel, Pflanzen, Menschen, Fahrräder etc.), erscheinen mehr oder weniger unscharf. Die eigentlich statische Aufnahme macht so die Bewegung sichtbar! Und das ist per se eine tolle Sache, wie ich finde. Natürlich ist die Grenze zum Kitsch ganz schnell erreicht oder sogar überschritten – aber das muss ja erst einmal nicht gegen die Aufnahmetechnik an sich sprechen.

Für mich ist LZB (ob mit oder ohne Einsatz eines lichtschluckenden Filters vor der Linse) etwas ganz anderes als diese dämlichen digitalen Effekt“filter“, wie sie uns von Bildbearbeitungsprogrammen oder z. B. auch von Instagram angeboten werden.

Außerdem hat LZB noch eine andere Auswirkung, die man sich gezielt zunutze machen kann: Wasserflächen, etwa die Oberfläche des Meeres, können nämlich ganz gezielt „beruhigt“ werden. Der Blick der Betrachterin oder des Betrachters wird dann nicht mehr von kleinen Strukturen wie Wellen abgelenkt, sondern es werden stattdessen große Linien sichtbar oder auch Farben im Bildausschnitt. Gerade im Falle von Wasser kann das dann auch noch mit dem Einsatz eines Polfilters kombiniert werden, so dass man plötzlich auf den Grund des Gewässers schaut…

Natürlich hat LZB auch ihre Tücken. Wie der Name schon besagt, wird für eine lange Zeit belichtet. Das heißt, zum einen muss erst einmal (zumindest tagsüber) Licht reduziert werden, um die Aufnahme nicht überzubelichten – hierfür hat man dann hoffentlich einen Graufilter (ND) zur Hand… Und zum anderen muss die Kamera natürlich stabil fixiert werden. Das Wasser soll ruhig „verwischt“ erscheinen (= Bewegungsunschärfe), nicht aber der gesamte Bildausschnitt. Deshalb geht so eine Aufnahme in der Regel auch nur mit Stativ – es sei denn, man nimmt allgemeine Unschärfe in Kauf, was ja vertretbar ist und auch zu ansprechenden Ergebnissen führen kann. Beispiel gefällig? Die beiden Sonnenuntergänge ganz oben, die wirklich alles andere als „knackscharf“ sind…

Ja, sowas lernt man an der Ostsee! Mit dem Kurs waren wir insbesondere am atemberaubend schönen Darßer Weststrand, der uns mit toller Abendsonne und einem wolkenreichen Himmel begeistert hat. Privat habe ich dann noch den Sonntag angehängt und mich rund um den Strand von Zingst verlustiert. Der Himmel war dann zwar komplett bedeckt, aber dennoch nicht ohne Reiz.

Das Schöne an einem bedeckten Himmel ist ja, dass die Farben in der Landschaft oftmals viel besser sichtbar werden als bei Sonnenschein.

Ach ja: Falls sich jemand über den Titel dieses Blogartikels wundern sollte (warum „die Erste“?) – bitte einfach ein bisschen gedulden. Seit November 2017 ist ja auch schon wieder ein bisschen Zeit vergangen, da konnte man (= ich) durchaus noch einmal die weite Reise in den Nordosten unternehmen. Zumal man ja jetzt neue Freunde bei den Nordlichtern hat…

Der perfekte Tag fürs perfekte Foto

Es ist wieder einer Der Tage an denen man weiß, Morgen, ja Morgen ist Der perfekte Tag um Das perfekte Foto zu schießen. Die Wetterapp auf dem Smartphone verspricht Das ideale Wetter für den nächsten Morgen oder auch Abend.

Jetzt heißt es flugs die Fotoausrüstung zusammenpacken. Doch was nehme ich mit? Schließlich wird morgen Der perfekte Tag an dem Das Traumwetter zum Fotografieren herrschen soll. Am Besten alles. den Standartzoom, das Weitwinkelobjektiv, das große Teleobjektiv, denn man weiß ja nie, natürlich darf das Makroobjektiv nicht fehlen. Es könnte einem ja „Das Insekt“ oder „Die Pflanze“ über den Weg laufen nach dem/ der man schon ewig auf der Suche ist. Alles drin? Ok. Puhh fertig .

Der Abend kommt und die Vorfreude steigt. Der Wecker wird auf Drei Uhr gestellt. Man will ja nix verpassen. Schnell nochmal die Ausrüstung kontrolliert. Alles dabei? Akkus voll? Blitz? Neeein, der muss auch noch mit. Speicherkarten? Gut! Alles da. Ahh der Fernauslöser der darf nicht fehlen.

Nachdem man durch die ständige zwanghafte Kontrolle des Fotorucksacks vor lauter Erschöpfung ins Bett und fast augenblicklich ins Koma fällt, kann Der Perfekte Tag kommen und er wird kommen, ohne Zweifel. Ich weiß das!!!

Der Wecker klingelt und man fällt vor Schreck fast aus dem Bett. Ist die Nacht schon rum? Hab ich verpennt? Nein. Alles gut. Der Tag wird der absolute Höhepunkt, ich spüre das.

Schnell duschen, frühstücken und dann ins Auto und los. Stop!!! Hab ich auch alles für Den perfekten Tag? Lieber nochmal kontrollieren denn man weiß ja nie. Ok. Alles da und los. Nach gefühlten Stunden Autofahrt ist man am Ziel . Der See, der Berg im Schwarzwald oder sonstwo, der wunderschöne Waldfluss, alles erstrahlt im goldenen Licht des beginnenden Tages. Jetzt heisst es Gas geben. Den 15kg schweren Fotrucksack geschultert ab zur Location, Fotos machen auf Teufel komm raus. Denn schließlich ist das Licht gerade DER Hammer.

Ist man nach einem solchen Tag dann hundemüde zuhause, wird man in den meisten Fällen enttäuscht feststellen, das Der perfekte Tag, gar nicht so perfekt war.

Die Schultern schmerzen da der Fotorucksack irgendwann wie Blei auf ihnen lag. Die Hektik die man veranstaltete hat einen komplett fertig gemacht und die Fotos dieses schönen Tages kann man alle wie sie sind in die Tonne kloppen.

Ihr werdet sicher denken ich übertreibe, oder? Mitnichten. Ist mir Anfangs tatsächlich mal so gegangen. Anstatt mich auf das wesentliche zu konzentrieren, nämlich die Fotografie und das was sie ausmacht, hab ich eine Materialschlacht sondersgleichen abgeliefert und folgedessen konnte ich den wirklich schönen Tag, nicht genießen. Ich habe mir so viel unnötigen Stress bereitet, das der Tag eigentlich schon gelaufen war bevor er angefangen hat. Anfängerfehler? Vielleicht.

Mittlerweile und mit einigen Jährchen diverser Erfahrungen, mache ich mir Gedanken was und wie ich fotografieren möchte und beschränke mich aufs Wesentliche. Das hat den Vorteil das der Rucksack bedeutend leichter ist und ich tatsächlich, durch den „Minimalismus“, meinen Focus auf die Fotografie legen kann und die Bilder dadurch, Oh Wunder, besser werden. Dadurch ergibt sich automatisch auch folgendes.

Es gibt immer wieder perfekte Tage und ich werde sie genießen können. Ohne Druck. Ohne Hektik und definitiv ohne Muskelkater.

Bis auf eine Sache. Wenn ich zum Fotografieren in den Urlaub fahre. Aber das ist eine andere Geschichte.

In diesem Sinne. Bleibt neugierig und „Carpe diem“

Kraftort Wald

Wenn man mich fragen würde, wie man mit schlechten Tagen/schlechter Stimmung am besten umgehen kann, dann wäre meine Antwort ganz klar: Laufschuhe anziehen, Vesper einpacken und eine Runde im Wald spazieren gehen. Für mich bedeutet der Wald ein Ort der Ruhe, Erholung und gibt mir wieder neue positive Energien. Meistens helfen auch schon wenige Minuten und die Sorgen rücken in weite Ferne. Die Natur auf sich wirken lassen, den Gedanken freien Lauf geben und beobachten was um einen herum so alles passiert – einen besseren Kummerkasten kann es nicht geben. Auf dem Heimweg erwischt man sich dann mit einem Lächeln im Gesicht und ist der Natur einfach sehr dankbar für diesen Moment. Hallo Wald – Tschüß Sorgen!