sogesehen – Monatsfoto Februar

Die Liebe zum Hausberg

In meiner Bildergalerie sticht ein Motiv ganz klar heraus: Unser 1.165 Meter hoher Hausberg „Hochblauen“. Der Berg bedeutet für mich als Markgräflerin der Inbegriff von Heimat.

Der unverkennbare Gipfel des Berges mit seinem „Berghaus Hochblauen“ sowie Aussichts- und Sendeturm ist in der ganzen Region – bestimmt auch darüber hinaus – bekannt.  Die meiste Zeit über sehe ich seine schöne Bergsilhouette von der Rheinebene aus. Es gibt aber auch Tage, da zieht es mich auf seinen Gipfel. Egal wie oft ich dann hochfahre und oben verweile, es fühlt sich einfach jedes Mal aufs Neue besonders an. Bereits auf dem Hinweg, kurz unterhalb des Gipfels, ist dann eine gewisse Aufregung in mir: zeigen sich heute wieder die eindrucksvollen Alpen in weiter Ferne? Bei guter Wetterlage präsentieren sie sich einem majestätisch und es wirkt, als könne man deren Gipfel durchaus greifen. Der Panoramablick auf die Vogesen, die Schweiz, die Rheinebene und den Schwarzwald ist einfach wunderschön.

Auch in der kalten Jahreszeit wird man auf dem Hochblauen von der Magie der Inversionswetterlage in den Bann gezogen. Auf dem Gipfel scheint die Sonne in voller Kraft, und unten im Tal legt sich der Nebel nieder:

Zu einem meiner Lieblingsmomente auf dem Berg gehört jedoch definitiv der Sonnenaufgang im Sommer. Die Natur erwacht allmählich aus dem Schlaf, Vögel beginnen kräftig zu zwitschern, hinter den Gipfeln des Schwarzwaldes steigt der riesige Sonnenball empor und die Sonnenstrahlen kitzeln einem in der Nase. Durch unseren mitgebrachten Kaffeekocher riecht es nach frischem Kaffee und es wird einem dabei ganz warm ums Herz. In meinem Blogeintrag „Die ersten Sonnenstrahlen“ hatte ich euch bereits von einem besonderen Start in den Tag auf dem Hochblauen erzählt und kann euch diese Erfahrung nur ans Herz legen.

Auch wenn wir jetzt erst den Februar einläuten und uns sicherlich noch ein kleines „Winter-Comeback“ willkommen heißen wird, so freue ich mich schon auf die warmen Sommertage und auf solch schöne Stunden auf unserem Hausberg. Derweil genieße ich weiterhin den Anblick des Gipfels von der Rheinebene aus. Vielleicht fühlt ihr ja auch meine besondere Freude und Verbindung zum Hausberg und er steht für euch ebenfalls an ganz besonderer Stelle?

In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Reif.

Frankreich. Osten. Jura. Durchreise.

Januar. Winter. Morgen. Kalt.

Ebene. Feucht. Kalt. Lange. Trüb. Windstill. Starr.

Frost. Dauer. Reif. Rauh. Düster.

Höher. Heller. Wandlung. Graduell. Pastell. Gedämpft.

Schicht. Decke. Unter. Watte.

Perspektive. Ahnung. Verheißung.

Hell. Blau. Heller. Weißer. Blauer. Ausblick.

Konturen. Minimal. Markant. Sichtbar.

Überzug. Weiß. Hell. Nadeln. Gefroren. Eis. Kristalle.

Grafisch.

Hell.

Märchenhaft.

Unwirklich.

Fein. Ziseliert.

Gegenwärtig.

Hyperreal.

Tiefenlos.

Oben. Sonne. Gleißend.

Langweilig.

Pustekuchen!

Gefrorene Seifenblasen? Nein, danke!

Viele Fotografen und Fotografinnen verdrehen bei dem Thema die Augen. Ähnlich wie bei der Glaskugelfotografie werden diese kleinen Kugeln aus Eis oft belächelt, und es herrscht die Meinung vor, dass das mit „anspruchsvoller“ Fotografie nicht viel zu tun habe. Pustekuchen! Die technische Umsetzung ist alles andere als einfach, und zu einer ordentlichen Portion Glück benötigt es noch jede Menge Ausdauer.

Wenn ich ehrlich bin, wäre es auch mir nicht in den Sinn gekommen, anstelle einer tollen Winterlandschaft diese kleinen Kugeln zu fotografieren. Aber manchmal hilft ein Impuls von außen, dass man auch mal Neues ausprobiert. In diesem Fall war es eine kleine Seifenblasen-Challenge, organisiert von Petra Böttcher, Fotodozentin an der VHS Rheinfelden. Und so meldete ich mich also bei diesem Wettbewerb an, mit Vorsatz, „mal schnell“ ein paar Fotos von gefrierenden Kugeln zu machen.

Schon wieder: Pustekuchen!

Eine besondere Herausforderung bei dieser Geschichte sind die äußeren Umstände. Natürlich benötigt es zuallererst Minusgrade (logisch), was in unseren Breitengraden schon keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Hat es dann endlich mal – 1° C oder weniger, dann geht dies oft mit einem üblen Wind einher. Das Aus für jede Seifenblase!

Sind die Bedingungen dann endlich perfekt, gehen die Probleme weiter:
PUSTEN – Platz ; PUSTEN – Platz ; PUSTEN – „Oh! Wo fliegt sie hin?!? ; PUSTEN – Platz ; PUSTEN – „Mist, jetzt fliegt sie zum Nachbarn!“

Hat man es irgendwann geschafft, eine Blase zu bändigen, dann muss es schnell gehen:
1. Das fragile Teil auf einen passenden Untergrund stellen (wo diese dann meistens platzt)
2. Runter auf „Augenhöhe“ (am besten bäuchlings auf den kalten! Boden)
3. Mit der Kamera im Anschlag warten, bis die durchsichtige Schönheit anfängt zu gefrieren (wobei diese dann wieder meistens… ihr ahnt es sicher schon).
4. Dann das ganze Spiel von vorne: PUSTEN – Platz

Viel Aufwand für eine bescheidene Ausbeute, und ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Zeit in Anspruch nimmt und fotografisch durchaus anspruchsvoll ist. Seitdem betrachte ich Fotos von perfekt gefrorenen Seifenblasen, eingebettet in eine tolle Bildkomposition, mit anderen Augen. Hut ab!

Zurück zur Challenge: So ganz um sonst waren meine Bemühungen dann doch nicht. Die Seifenblase im Titelbild machte das Rennen 🙂

Winterliches Ried

Vor wenigenTage hatten ein Fotokollege und ich den Plan, mal wieder auf Fototour zu gehen. Unser Ziel war die Halbinsel Mettnau am Bodensee. Diese Insel ist, zum großen Teil, ein Naturschutzgebiet und bekannt dafür, dass dort viele Vögel brüten. Daher ist das Schutzgebiet in der Brutzeit gesperrt (zum Glück). In den Wintermonaten ist es allerdings für jedermann zugänglich, und man kann dann bis zur „Mettnauspitze“ wandern.

Das Wetter versprach laut Wetterapp ganz passabel zu werden, und wir freuten uns auf einige tolle Fotos.

Nun. Wetterapps zu vertrauen ist ja so ne Sache. Als wir nämlich dort ankamen und uns auf den Weg zur Spitze der Halbinsel machten, war es eher trüb und winterlich frisch.

Die Wanderung durch den verschneiten Schilfgürtel war dennoch ein Erlebnis, vor allem wenn man sonst fast ausschließlich im Wald umherstreift und „nur“ Nadelbäume um sich hat. Kurz zeigte sich schemenhaft die Sonne hinter den blassen Wolken und tauchte das Schilf in ein diffuses Licht. Das war schon eine sehr tolle Stimmung, die wir genießen konnten. Allerdings war das Sonnenintermezzo nur von kurzer Dauer, denn für den Rest des Tages sollte es trüb und duster bleiben.

An der Spitze angekommen, sahen wir weit draußen im Wasser einige Schwäne und Enten. Im Dunst zeigte sich die Allee des Damms zur Insel Reichenau, aber das war es dann auch schon. Schöner Mist. Wir hatten uns etwas mehr erhofft.

Etwas frustriert beschlossen wir, der Mettnau den Rücken zu kehren und dem Wollmatinger Ried, das in der Nähe liegt, noch einen Besuch abzustatten. Vielleicht gab es ja dort noch Futter für unsere Speicherkarten.

Wir hatten dann tatsächlich noch das Glück einige Wildtiere beobachten zu können, und auch das ein oder andere Foto fand den Weg auf unsere Speicherkarte.

Die Landschaft hier zeigte sich im stillen Winterkleid. Die Ruhe und das leicht schneebedeckte Ried lassen auf den ersten Blick das Leben, das sich im Frühjahr und Sommer hier zeigt, vermissen. Doch lässt man den Blick über die weiß gezuckerten Flächen streifen, sieht man ein großes Rudel Rehe, das am jetzt spärlichen Riedgras knabbert. Dort am Wassergraben sieht man die Nagespuren des Bibers. Was für ein fleißiges Kerlchen. Krickenten flitzen vorbei, zu scheu und zu schnell für den Fotografen. Im Wasser gönnt sich der Haubentaucher ein Nickerchen. Wohlverdient. Nebenan steht der Silbereiher im Schilf und will partout nicht als Model herhalten. Lieber aus sicherer Entfernung den komischen Typen mit der Kamera beobachten. Doch ein Rotkehlchen erbarmt sich und tanzt frech vor unserer Linse, wenig scheu und eher neugierig, als will es sagen “ Hier, mach doch von mir ein Foto“. Gerne tun wir ihm den Gefallen.

Für mich hat das Ried zu jeder Jahreszeit einen besonderen Reiz. Jetzt im Winter, wenn man sich die Zeit nimmt in die weiße Stille einzutauchen und zu beobachten, findet man immer etwas Sehenswertes. Sagt zumindest das freche Rotkehlchen.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Zeit. Genießt den Winter in all seinen Facetten und bleibt neugierig.

sogesehen – Monatsfoto Januar

Die Zeit zwischen den Jahren nutze ich gerne für eine digitale Putzaktion. Da wird fototechnisch kräftig ausgemistet, um Platz fürs neue Jahr zu schaffen. Im Gegensatz zum „analogen“ Putzen macht mir die digitale Aufräumaktion mehr Freude.

Jedes Jahr hat seine eigenen, besonderen Momente, und beim Klicken durch das Jahr 2021 bin ich auf dieses Vogelfoto gestoßen.

Einen still sitzenden Vogel schräg von unten abzulichten, ist keine hohe Fotografenkunst. Aber ausnahmsweise geht es heute mal nicht um das Foto, sondern um den Vogel, genauer gesagt um Vögel im Allgemeinen.
Ich würde mich als ornithologische Flachpfeife bezeichnen. Jahrelang kannte ich nur „Blaumeise“ oder „keine Blaumeise“, und es hat mich auch nicht wirklich interessiert, welche unterschiedlichen Vogelarten sich um unser Vogelhäuschen tummeln.

Das hat sich letztes Jahr gravierend geändert! Vorneweg möchte ich noch erwähnen, dass ich keine Freundin von guten Vorsätzen oder von Jahreszielen bin, d.h. ich mache mir keine Liste von Themen, die ich das Jahr über abarbeiten möchte, um diese dann auch konsequent zu verfolgen. Deshalb war es für mich erst etwas befremdlich, als mir Blogkollege Sebastian (unser ornithologischer Experte) aus einer (Vogel-)Laune heraus die Hausaufgabe mitgab, in meiner Gegend nach der Heidelerche Ausschau zu halten. Heidelerche?! Noch nie gehört!

Ich muss wahrscheinlich nicht erwähnen, dass ich diesen hübschen Vogel, trotz intensiver Suche, nie zu hören oder zu sehen bekommen habe. Aber das war nicht wirklich tragisch, denn ich habe etwas anderes entdeckt: Die Freude am Beobachten von Vögeln!

Auch wenn ich heute noch eine singende Amsel mit einer Nachtigall verwechsle, ich auch nicht genau weiß, ob der Vogel auf dem Titelbild nun ein Erlenzeisig oder ein Girlitz ist und ich mir weder Vogelarten noch Rufe merken kann – eine neue unbekannte Welt zu erforschen, sich einzulesen, Augen und Ohren zu sensibilisieren und sich auszutauschen, das macht extrem viel Freude.

In diesem Sinnewünsche ich allen Sogesehen-Lesern ein gesundes, gutes neues Jahr voller neuer Eindrücke, Erfahrungen und schöner Erlebnisse!

P.S. Aus fotografischer Sicht finde ich die unscharfe Variante ja viel interessanter 😉

Hier noch eine kleine Auswahl unserer bisherigen Beiträge rund um die Vogelwelt:

Gänsesägerfamilie ; Tannenhäher ; Flamingos ; Gänse ; Stieglitz ; Graureiher ; Vogelexkursion ; Teichgeschichten

Auszeit für die Seele

Es fühlt sich so an, als ob das Jahr 2021 wie ein ICE mit Vollgas ohne jeglichen Zwischenstopp an uns vorbeigerauscht ist. Nur noch wenige Tage bis zum Jahreswechsel, und schon erwarten uns wieder 365 ungewisse oder sogar herausfordernde Tage.

Wenn ich auf das Jahr zurückblicke, dann denke ich am liebsten an all die erlebten Momente in der Natur. Ich bin froh, dass uns diese dauerhaft umgibt und es mit keinem großen Aufwand verbunden ist, sich eine Auszeit für die Seele zu nehmen. Manchmal genügen schon fünf Minuten vor der Haustüre, und die Welt sieht danach gleich ganz anders aus. Der Wald ist nach wie vor für mich der größte Kraftort!

Das Jahr war für mich wieder stark geprägt von unzähligen, wunderschönen Erlebnissen in unserer Heimat. Bei einigen Touren bin ich auch ganz alleine unterwegs gewesen und kann es jedem ans Herz legen, der sich und die Natur um sich herum mehr wahrnehmen möchte. Ich habe es dieses Jahr auch besonders genießen können, wie sich die Jahreszeiten verändert haben. Die Herbstfarben und die mystische Herbststimmung sind mir besonders intensiv in Erinnerung geblieben. Ob es vielleicht an dem doch ziemlich verregneten Sommer lag?

Unseren Sommerurlaub konnten wir wieder in Südtirol und Österreich verbringen und was soll ich dazu noch groß sagen? Ich liebe die Berge dort, die herausfordernden Wandertouren, das herrliche Essen, die sympathischen Einwohner und die unfassbar schöne Natur. Doch all das hatte ich schon in meinen vorigen Beiträgen „Dem Himmel so nah – Bergtour zum Seekofel in Südtirol“ und „Vier-Gipfel-Tour in Hochfügen“ beschrieben.

Am Anfang eines neuen Jahres nimmt man sich meistens bestimmte Ziele vor oder möchte einen lang ersehnten Traum endlich wahr werden lassen. Die Enttäuschung, wenn sich das Ziel oder der Wunsch nicht umsetzen lässt, ist dann meist jedoch nach kurzer Zeit groß und wenig motivierend. Ich habe mir für das kommende Jahr deshalb vorgenommen, weiterhin meiner Auszeit für die Seele nachzugehen und so oft es geht in die Natur raus zu gehen. Generell bin ich ja schon in diesem Jahr viel zu Fuß unterwegs gewesen, aber es gibt noch so vieles mehr in unserer Heimat zu entdecken. Ich freue mich jedenfalls auf das kommende Jahr und die noch zu erlebenden Wanderungen! Wie sieht es bei euch aus? Gibt es bei euch Vorsätze? Egal was ihr euch vornehmt oder welches Ziel ihr auch verfolgt, ich wünsche euch von Herzen alles Gute für das Jahr 2022 und viele, unzählige Erlebnisse!

1 m² (der Zweite)

Gleich vorneweg: Ja, das Titelfoto gehört so, und nein, ihr braucht keine (neue) Brille! Auch wenn man das Motiv vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen kann – gemach, gemach, und alles der Reihe nach.

Zuerst möchte ich euch zum zweiten Teil meiner Serie 1 m2 begrüßen. In dieser kleinen Serie versuche ich, verschiedene fotografische Stilrichtungen auf kleinstem Raum darzustellen. Machte die (Mini-)Landschaftsfotografie im Teil 1 den Anfang, stehen nun Langzeitbelichtungen auf kleiner Fläche im Fokus. Genauer gesagt: auf exakt 0,222m2.

Dies entspricht dem Flächeninhalt meines PC- Monitors (27″) und die Fotos zeigen Aufnahmen von sekundenlangen Filmsequenzen. Auf die Idee brachte mich ein Artikel über den Fotografen J. Shulman. Seine Fotos tragen Titel wie „Rocky“ oder „Alice in Wonderland“ und zeigen auf einem einzigen Foto eine komplette Spielfilmlänge. Obwohl man auf den Fotos nichts Gegenständliches mehr erkennen kann, hat mich diese Idee fasziniert, und anstelle eines Kinos musste nun mein Bildschirm herhalten.

Meine ersten Versuche mit Biene Maja, Tatort und Dalli Dalli haben mich nicht wirklich überzeugt, aber Naturdokumentationen (s.o.) und Motorradrennen gefielen mir da schon besser.

Moto GP

Am besten funktionieren schnell wechselnde Bildsequenzen und nicht allzu kräftige Farben. Selten hat mir ein verregneter Sonntagnachmittag so viel Spaß gemacht, und so konnte ich natürlich auch der Versuchung nicht widerstehen, den SWR-Beitrag „Der Natur-Fotograf am Feldberg“ abzulichten.

Quizfrage 1: Findet den Fotografen
Quizfrage 2: Findet beide Fotograf*innen

Jetzt seid ihr an der Reihe: Bald kommen ein paar ruhigere Tage, und wie wäre es mit ein paar Fotos von „Der kleine Lord“, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ oder „Dinner for one“? Ich wünsche Euch allen schöne und kreative Weihnachten!

P.S.: Das Titelbild zeigt ein Radrennen der Tour de France 😉

Mein Dezember-Schwarm

Welche Zeit des Jahres ist die trübste, dunkelste, freudloseste? Allgemein sagt man ja, das seien der November und der Dezember. Die Tage sind kurz, das Wetter oft nass und grau. Das volle Depri-Programm. Noch bis vor ganz kurzem hätte ich mich dieser Meinung ohne Umschweife angeschlossen, ganz klar.

Und dann plötzlich der Sinneswandel.

Wie es dazu kam: Vor ein paar Tagen habe ich eine kleine Exkursion in ein bekanntes Naturschutzgebiet im Oberrheintal unternommen (die Wagbachniederung). Ich war ohnehin in der Nähe und dachte mir, ich schaue mir mal die Teiche an und fotografiere vielleicht den einen oder anderen Vogel. Aber kaum laufe ich über den ziemlich vermatschten Hauptweg ins Gebiet rein, wird der Regen stärker, und dann verwandelt er sich auch noch in Schneegraupel. Ich so: Was mache ich hier überhaupt? Was soll der Quatsch?

Aber gut, so oft bin ich nicht in diesem an sich schönen Gebiet, also schaue ich mich nochmal ein bisschen um. Wenigstens eine symbolische halbe Stunde möchte ich hier schon verbringen, und wenn es nur aus Höflichkeit ist.

Da, ein Fuchs!

Den sehe ich nicht alle Tage. Er ist natürlich weit weg, aber immerhin. Dann raschelt es dicht hinter mir im Schilf – vielleicht ein Wildschwein?

Nicht ganz. Aber auch ein Reh sehe ich natürlich nicht alltäglich, geschweige denn in Foto-Entfernung. Also hat es sich doch ein bisschen gelohnt. Ich bin versöhnt. Und da mir Feuchtigkeit und Kälte jetzt doch spürbar in die Glieder kriechen, mache ich mich innerlich abmarschbereit, um den geordneten Rückzug anzutreten.

Da nehme ich im Augenwinkel eine diffuse Bewegung wahr. Etwas hektisch und chaotisch, aber zugleich auch irgendwie strukturiert. Sicher hundert Meter entfernt von mir am Rand des Weges. Ich sehe (und höre) genauer hin. Ich wollte sowieso in dieser Richtung zurücklaufen.

Aha, ein Vogelschwarm. Finken sind es, und zwar ganz überwiegend Stieglitze. Alles in allem vielleicht fünfzig oder sechzig Tiere. Schwer zu sagen, denn sie teilen sich immer wieder auf. Schön, die haben sich also hier zu einem größeren Trupp zusammengeschlossen. Mal näher hingehen und gucken, was sie so treiben.

Hin- und herfliegen, das tun sie. Immer wieder setzen sie sich in einem der Bäume am Weg ab, ruhen kurz aus, checken die Lage. Dann schwingen sie sich erneut in die Lüfte und fliegen hektisch ins Röhricht, wo es offenbar an der einen oder anderen Distel noch etwas zu holen gibt.

Diese Kerlchen sind fast immer in Bewegung. Sie sitzen längstens einmal zwanzig Sekunden in den vertrockneten Stauden, schon geht es wieder hoch in die Luft, wo eine Runde gedreht und nach der nächsten lohnenden Sitzgelegenheit Ausschau gehalten wird. Einigermaßen synchron sind die Abläufe, aber bei weitem nicht so streng koordiniert wie in einem Starenschwarm. Irgendwie auf sympathische Art ungeordnet.

Ich weiß nicht, inwieweit die hier gezeigten Aufnahmen die Stimmung in dieser Situation zu vermitteln vermögen. Vor allem nämlich, was das für ein wunderbar quirliger, bunter Haufen Tiere war, die pausenlos in Bewegung blieben (sich aber von meiner Anwesenheit gar nicht weiter stören ließen) und dabei so viel Lebendigkeit und Vitalität ausstrahlten. Und das bei plus zwei Grad und Nieselregen in der Nachmittagsdämmerung. Großartig!

Wie war das jetzt nochmal mit dieser Jahreszeit: trüb, dunkel, freudlos? Völlige Fehlanzeige! Hier war das pralle Leben zu beobachten, in bunten Farben und mit so viel Energie und Schwung, dass jegliche Trübsal chancenlos blieb. Der reinste Stimmungsbooster war das.

Dezember, Du bist mein neuer Schwarm!

12. Dezember 2021
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)

sogesehen – Monatsfoto Dezember

„Zack“ – so schnell ist es wieder soweit. Der heimelige und festliche Monat Dezember ist angebrochen. Das letzte Aufbäumen des Jahres, bevor auch 2021 Geschichte sein wird.

Sogar das Wetter hat sich offenbar vorgenommen, dies allen deutlich zu zeigen. Nahezu pünktlich zum Monatswechsel  fallen die Temperaturen und erster nennenswerter Schnee ist im Süden gefallen.

Nun ist es an der Zeit, es sich gemütlich zu machen und zusammenzurücken. Das Bild zeigt den Heverstrom durch das nordfriesische UNESCO Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer im letzten Winter.

sogesehen.blog wünscht allen eine schöne Weihnachtszeit!

Dorfreiher

Einen grauen und kühlen Sonntagvormittag Ende November nutzt man doch am besten, indem man draußen eine Spazierrunde an der frischen Luft dreht. Einfach so zu Fuß direkt von der Haustür weg, ohne größeren Aufwand. Das tut gut. Und dann nähert man sich dem Ende von besagter Runde und steckt in Gedanken schon fast den Türschlüssel ins Schloss. Vorher aber noch übers kleine Brückchen an der historischen Schmiede am Bach, keine zweihundert Meter mehr bis nach Hause. Da fällt der Blick eher zufällig ins Bachbett direkt neben der Brücke.

Huch, wen haben wir denn da?

Ein schöner Graureiher steht dort, wie wir ihn hier ganz regelmäßig sehen. Im Nachbarörtchen gibt es sogar eine kleine Brutkolonie. Aber so nah am Weg? Ist der denn gar nicht scheu?

Also gut: Im Laufschritt die wenigen restlichen Meter zur Wohnung zurückgelegt, Kamera mit Teleobjektiv gezückt (zum Glück nicht weggeräumt seit dem letzten Einsatz vor fast einer Woche…), zurück zur Schmiede gejoggt und vorsichtig bachauf, bachab geschaut. Ist er noch da?

Und ob er das ist! Die ganzen anderen Sonntagsspaziergänger scheinen ihn nicht großartig zu stören. Vielleicht gibt es ja besonders leckere Fischlein in unserem Bach?

Dann wechselt er doch mal den Ort. Da sitzt er nun auf dem hölzernen Wehr der alten Schmiede mit ihrem Mühlrad am Bach. Sehr anmutig! Er schaut mal nach rechts…

…und mal nach links…

Einen schönen Platz hat er sich dort ausgesucht. Und ich bin ihm dankbar für das leichte Gegenlicht und die „Auge-in-Auge“-Perspektive, die er mir mit seinem Ortswechsel beschert hat.

Irgendwann frage ich mich, wie es eigentlich um seine Eitelkeit bestellt ist. Posiert der etwa extra für mich?

Ich würde ihm (oder ihr) das nicht einmal verübeln, denn ich finde Graureiher mit die schönsten Vögel, die wir in Mitteleuropa beobachten können. Noch dazu von beeindruckender Größe!

Irgendwann wird es dem Reiher vielleicht doch zu trubelig so nah am Weg. Ich bin nämlich nicht der einzige, der sich dort aufhält, schaut und Fotos macht. Mit zwei, drei lockeren Flügelschlägen schwingt er sich auf den nächstgelegenen Dachfirst.

Doch gibt es dort oben weder Fische noch Mäuse oder andere Nahrung. Also fliegt er endgültig ab und ist nicht mehr zu sehen. Bei Reihers ist auch der Sonntag eben ein ganz normaler Arbeitstag.

28. November 2021
Sebastian Schröder-Esch
(www.schroeder-esch.de)