Zugegeben, ein Foto, das hier über vier Wochen den Monat November repräsentieren soll, sieht normalerweise anders aus. Man rechnet als Leser dieses Blogs wahrscheinlich eher mit einem schönen Landschaftsbild in spätherbstlicher oder frühwinterlicher Stimmung, als mit einer frühmorgendlichen Aufnahme eines Industriegebiets.
Von der Jahreszeit her passt dieses Foto sogar, denn es wurde letztes Jahr Ende Oktober aufgenommen, und ein Landschaftsbild ist es definitiv auch. Aber das soll hier eigentlich gar nicht das Thema sein.
Auf dem Foto abgebildet ist das Großkraftwerk Mannheim (GKM), ein Steinkohlekraftwerk und einer der größten Energiestandorte Baden- Württembergs. Gerade in diesem speziellen November 2022, der den Start in einen unsicheren Winter einläutet, steht dieses Foto für mich symbolisch für viele Themen, die uns gerade beschäftigen und in uns Ängste, Unsicherheit, Wut und Hilflosigkeit auslösen.
Erderwärmung, Ukrainekrieg, Lieferengpässe, Rezession, Inflation und leider immer noch Corona! Jedes Thema für sich reicht schon, um eine Volkswirtschaft ins Wanken zu bringen, und die Lösungsansätze für das eine Problem fahren dem anderen oftmals frontal an den Karren (siehe die Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken).
Nicht nur ich frage mich da, wie man als einzelnes Individuum mit solchen Dauerkrisen umgehen soll. Ich selbst kann am Anfang jeder neuen Krise gar nicht genügend Informationen aufsaugen, komme aber irgendwann ermüdet an einen Punkt, an dem ich kurz der Versuchung erliege, dem Drei-Affenprinzip (nichts hören – nichts sehen – nichts reden) zu folgen.
Keine Nachrichten mehr zu lesen oder zu hören und die Themen totzuschweigen, in der Hoffnung, mit einem dicken Wollpulli und ein paar zusätzlichen Teelichtern durch diesen ungewissen Winter zu kommen, so einfach ist es leider nicht.
Machen wir uns nichts vor: Die wenigsten von uns werden aus diesem Schlamassel unbeschadet herauskommen, weder finanziell noch psychisch, und auch die Politik wird nicht jedes der aufkommenden Probleme lösen können.
Aber frei nach Lothar Matthäus „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken“, bin ich zuversichtlich, dass mit je einer Prise Humor, Optimismus, Anpassungsfähigkeit, Verzicht, Zusammenhalt, Empathie und (Selbst)Mitgefühl jeder von uns sein Rezept für die kommenden Monate und vielleicht auch Jahre finden wird.
Jeder kennt es. Man ist auf der Suche, auf der Suche nach etwas Wichtigem oder lang Ersehntem. Oder nach etwas, das dringend gebraucht wird. Sei es der Autoschlüssel, den man irgendwo hingelegt hat und ums Verrecken (man möge mir den Kraftausdruck verzeihen) nicht finden kann, oder der Sinn des Lebens, der sich nicht ergründen lassen will oder oder oder. Alle haben schon mal was gesucht. Wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen halt.
Ja, auch Ich habe etwas gesucht, und zwar schon ziemlich lange. Nämlich ein ganz bestimmtes Fotomotiv, das ich vor einigen Jahren mal bei einem Freund auf dessen Onlineseite gesehen habe. So filigran, fast durchscheinend, zart wie Glas kam er mir vor, und ich habe sofort gewusst, den will ich auch vor die Linse kriegen.
Die Rede ist vom BSR. Kennt ihr nicht? Ok, vielleicht wenn ich erwähne, dass es ein Pilz ist? Auch nicht?
Na gut. Dann zeige ich ihn euch mal. Den Buchenschleimrübling (BSR).
Tolles Motiv, oder?
Aber ich greife voraus. Denn um zu diesem und den gleich folgenden Fotos zu kommen, musste ich ja meine Suche starten. Eine Suche, die mich quer durch den Schwarzwald führte und jeden Herbst zum Verzweifeln brachte. Jeden mir bekannten Winkel suchte ich ab, aber Fehlanzeige. Ich war am Boden zerstört. Sollte sich mein Traum von diesem speziellen Fotomotiv in Luft auflösen?
Nein, natürlich, bzw. zum Glück nicht. Besagter Fotokamerad, bei dem ich damals das Bild sah, hatte ein Einsehen und nahm mich mit auf eine tolle Tour, bei der uns einige richtig schöne Aufnahmen gelungen sind.
An diesem Tag waren wir also zu dritt auf Pilzpirsch. Es verprach schon nach einigen Metern im Wald vielversprechend zu werden. Pilze wie am Fließband. Fliegenpilze, Helmlinge und diverse andere, doch kein BSR. Aber eine Vielfalt, die uns alle ins Staunen versetzte. Die Kamera hatte einiges zu arbeiten, und wir natürlich auch.
Dann, endlich, war es soweit. An einem alten Buchenstamm schimmerte es gläsern aus dem Unterholz, wir hatten Unser, nein Mein langersehntes Model gefunden.
Ich war in meinem persönlichen Paradies. Ein Exemplar schöner als das andere. Zart schimmernd wie Perlmutt. Elfenbeinfarben oder durchscheinend wie ein glitzernder Wassertropfen auf einem regennassen Blatt. Herrlich. Fast schon wie im Rausch wurde der Auslöser betätigt. Die lange Suche hatte ein Ende und ich meine Fotos.
Es war ein gelungener Vormittag im Herbst, mit vielen tollen Eindrücken, warmer Herbstsonne, und sogar die Sichtung einer Wolfsfährte als Zugabe. Die stand zwar nicht mit auf dem Suchzettel, wurde aber dennoch gebührend bestaunt.
Ihr seht also, es lohnt sich auf die Suche zu gehen. Am besten ist es, wenn man Freunde dabei hat, die einen Plan haben WO man suchen soll. Ob das bei Autoschlüsseln wohl auch funktioniert? Wer weiß das schon.
In diesem Sinne: macht euch auf die Suche, und wenn auch nur nach der berühmten Stecknadel. Egal, das Ergebnis zählt. 🙂
Es folgen drei Episoden rund um einen meiner Lieblingsvögel, die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisea). Trotz des „paradiesischen“ wissenschaftlichen Namens fällt sie nicht durch besondere Buntheit oder ein extravagantes Federkleid auf. Was mich an ihr fasziniert, ist eher ihre Silhouette, ihre Art zu fliegen, und was man über ihre Lebensweise weiß. Und die Orte, an denen man sie antreffen und – oftmals aus der Nähe – beobachten kann, die sind in aller Regel auch besonders schön.
Seeschwalben sind mit Möwen verwandt und sehen ihnen auch einigermaßen ähnlich, jedenfalls bei oberflächlicher Betrachtung. Sie haben ein überwiegend weißes Gefieder und kurze Beine, und man trifft sie meistens an Gewässern an. Schaut man aber genauer hin und achtet darauf, wie sie fliegen und nach Nahrung jagen, werden doch ziemlich schnell die Unterschiede zu den Möwen deutlich. Seeschwalben sind nämlich sehr leicht gebaut und haben auffallend lange und spitze Flügel. (Weitere Infos im NABU-Steckbrief).
Episode 1: Farne Islands, Nordengland, Mai 2015
Wir haben uns extra (nach weiter Anfahrt) frühmorgens am Hafen von Seahouses in Northumberland eingefunden, um nur ja nicht das Boot hinüber zu den Inseln zu verpassen. Die Farne Islands sind berühmt für ihre Seevogelkolonien, vor allem natürlich die Papageitaucher. Aber zum Inventar gehören eben auch Seeschwalben. Und es ist nicht so, als müsse man lange nach ihnen suchen. Oder als brauchte man besondere Optik, um einen entfernten Blick auf sie zu erhaschen. Oh nein!
Steht man am Bootssteg für die kleine Fähre an, befindet man sich praktisch mitten in der Seeschwalbenkolonie. Und die finden das nicht witzig. Hüte und Mützen tragen die Leute auf dem Bild deshalb, weil das offiziell dringend empfohlen wird. Es sei denn, man möchte mit Schnabelhieben auf den Kopf traktiert und mit gezielt ausgebrachter Vogelkacke verziert werden. Man sieht sogleich: Es ist gefährlich dort! Aber das Risiko lohnt sich.
In der Brutsaison 2022 waren die Farne Islands übrigens für normale Besucher nicht zugänglich. Grund: Es grassierte dort (wie an vielen anderen Orten) die Vogelgrippe, die die Bestände der brütenden Seevögel drastisch dezimierte… 😦
Episode 2: Nordfriesland, Juni 2020
Das Eidersperrwerk in Nordfriesland ist ein interessanter Ort. Nicht gerade abgeschieden und einsam, aber doch spannend und stets einen Besuch wert. Und wenn man zur richtigen Jahreszeit dort ist, kann man auch hier die ganze Aktivität (und Aggressivität!) einer Vogelkolonie aus nächster Nähe miterleben. Umso begeisterter war ich, als mich meine Husumer Foto-Buddies Michael (aus unserem Blog-Team!) und Steffen im Sommer vor zwei Jahren dorthin mitnahmen.
Küstenseeschwalben (und andere) brüten nämlich auch hier, und man kann völlig auf Tuchfühlung mit ihnen gehen. Ihr akrobatischen Flugkünste finde ich immer wieder unglaublich schön und kann mich daran einfach nicht sattsehen.
Wer gerne Tiere fotografiert, kommt hier voll auf seine (oder ihre) Kosten. Man ist gut beraten, volle Akkus und leere Speicherkarten dabei zu haben – und nicht etwa umgekehrt… Ich hatte mir neben Porträtaufnahmen noch ein anderes fotografisches Vorhaben überlegt. Und zwar wollte ich versuchen, die Grazie dieser Vögel einzufangen, ihre geradezu ätherische Leichtigkeit in der Luft.
Ich muss gestehen: gar nicht so einfach. Und warum fliegen eigentlich alle von rechts nach links? Das lag an der Richtung des Windes, der immer vom Meer her blies. Die Seeschwalben fliegen verständlicherweise am liebsten gegen den Wind.
(Achtung, Werbung: Das Eidersperrwerk steht auf dem Programm einer vogelkundlichen Reise nach Nordfriesland, die ich Mitte Mai 2023 für Birdingtours leiten werde.)
Episode 3: Haapsalu, Estland, Mai 2022
Habe ich eigentlich schon von Estland geschwärmt? Vermutlich noch nicht genug, wenn überhaupt. Steffi hat kurz nach unserer Reise ins „Kaltland“ einen Artikel geschrieben, der schon einiges Lob enthält und auf den ich hier gern verweise. Sie und Martin waren meine Begleitung, als ich früh eines Morgens zur Kurpromenade von Haapsalu aufbrach. Unser Kalkül war: Dort sitzen und fliegen Seeschwalben umher, und vielleicht erwischen wir sie im (Gegen-)Licht der Morgensonne. Und siehe da: Unser Plan ging auf.
Es tut mir leid, aber ich kann mich an ihnen einfach nicht satt sehen!
Warum aber habe ich diesem Artikel eigentlich den seltsamen Titel „Grazile Killer“ gegeben? Das Adjektiv dürfte seine Berechtigung schon bewiesen haben. Jedenfalls hoffe ich doch sehr, dass meine Fotos wenigstens einen Bruchteil der Anmut zu vermitteln vermögen, die diese Vögel vor allem in der Luft demonstrieren. Aber „Killer“?
Ich will es mal so formulieren: Ich möchte kein kleiner Fisch sein und Küstenseeschwalben als Nachbarn haben…
Den Rest kann man sich irgendwie schon denken, oder? Genau.
Die Trefferquote, wenn die Küstenseeschwalben nach Fischen im Wasser stoßtauchen, scheint sensationell hoch zu sein. Kaum einmal tauchen sie aus dem Wasser auf, ohne dass ein kleiner silbriger Kollege in ihrem dolchartigen Schnabel zappelt. Diese Perfektion ist beeindruckend und irgendwie auch beängstigend. Aber sie tut meiner Begeisterung keinerlei Abbruch.
Im Moment sind sie alle unterwegs in die Antarktis (!), um dort das nächste halbe Jahr zu „überwintern“. Ich hoffe, sie kommen wohlbehalten wieder, und ich freue mich schon auf meine nächste Begegnung mit diesen phänomenalen Geschöpfen.
Wenn man in einer Region lebt, in der andere Urlaub machen, ist es nicht schwer eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu finden. In meinem Fall sind das zwei Dinge. Zum einen erkunde ich meine nähere und manchmal auch fernere Umgebung gerne zu Fuß, auf Neudeutsch heißt das wohl seit neuestem „Hiking“, und zum anderen fotografiere ich von Herzen gerne. Nun lassen sich diese beiden Hobbys ja ganz gut miteinander kombinieren, und was dann da als Ergebnis so beikommt, möchte ich euch hier gerne wieder einmal zeigen.
Lauschige Plätzchen kenne ich im Schwarzwald zur Genüge. Dennoch gibt es noch so viel Schönes und Spannendes zu endecken, wie z.B. im Frühjahr, als ich mit einem Fotokollegen rund um den Schliffkopf auf Tour war.
Wenn das Wollgras im Wind seinen seidenen Tanz aufführt und die zugewachsenen Wege einen ins Anderswo entführen, ist man versucht sich in fernere Regionen zu träumen, da der Anschein erweckt wird, man bewegt sich eher in Schottland in den Highlands anstatt im Schwarzwald.
Wenn die Wege Namen wie „Kaisersteigle“ haben und zu verwunschenen Hütten im Wald führen, in dessen Nachbarschaft dunkle Teiche die Heimat der Mummeln sind, kann man sich bei einer Rast in der Vorstellung ergehen, dass es im dunklen Wasser die sagenhaften Nixen gibt, die dort mit den Wassermännern leben und in der Hütte eine weise Waldfrau lebt, die fantastische Geschichten zu erzählen weiß. Allein die Vorstellung daran zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Mein Kollege möge mir meine überbordende Fantasie verzeihen.
Ein weiteres Highlight bei meinen Streifzügen dieses Jahr war der Besuch einer meiner Blogkollegen. Die liebe Jasmin, aka Heimatfotogräfin, hat ein Wochende bei uns verbracht. Neben guten Gesprächen und tollem Essen im urigen Gasthaus Waldgericht in Aach bei Freudenstadt ging es natürlich auch auf Fototour. Der Besuch der Heimbachaue, einem örtlichen Naturschutzgebiet, und danach der Sonnenuntergang auf dem Schliffkopfgipfel ging dem Besuch der Gertelbachwasserfälle am nächsten Tag voraus.
Im Naturschutzgebiet erfreute uns der Zaunkönig mit seinem fröhlichen Trällern, und später auf dem Schliffkopfgipfel durften wir die tolle Aussicht und das abendliche Licht des Sonnenuntergangs genießen. Tags darauf begeisterten uns die Gertelbachwasserfälle mit ihrem mystischen und intensiven Grün, dem klaren Wasser des Schwarzwaldes und dem intensiven Duft der Bäume. Was für ein tolles Wochenende, und was für ein netter Besuch.
Der Besuch Jasmins war schon ein paar Wochen her, und der Sommer zog ins Land mit seiner außergewöhnlichen Wärme und der Trockenheit. Abhilfe schaffte z.B. eine Wanderung durch das Flussbett der Murg. Die Felsen dort haben so fantastische Formen und Farben, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam. In einer mondbeschienenen Nacht konnten wir Fotografen die Kühle der höchsten Erhebung im Nordschwarzwald, der Hornisgrinde, genießen. Das Licht des Mondes hatte in dieser Nacht ein ganz besonderes, ja unvergessliches Leuchten.
Ob nun bei Wanderungen am Morgen, bei denen sich der Nebel über den Hängen zeigte, oder mit dem Teleobjektiv als Begleiter, wir hatten fast immer Gesellschaft. Mal war es ein Fuchs, der sich vorsichtig und doch neugierig näherte, dann wieder einer der vielen Schmetterlinge, die sich im Sonnenlicht wärmten.
Auch die Pflanzen kamen nicht zu kurz und wurden ausgiebig betrachtet und abgelichtet. Eine, die ich besonders bezaubernd finde, ist das Taubenkropf-Leimkraut – eine wunderschöne Blume, wie ich finde.
Ein besonderes Highlight war die Wanderung rund um den Badberg im Kaiserstuhl mit Sebastian und Steffi und kompetenter Begleitung . Quasi geballtes Fachwissen für Flora und Fauna. Ist zwar nicht der Nordschwarzwald, aber dennoch sehr erwähnenswert. Viele Insekten und Pflanzen konnte ich bestaunen. Doch es gab nicht nur was für die Augen. Nein, auch für die Ohren. In der Dämmerung begann das Weinhähnchen, eine Langfühlerschrecke, die im Kaiserstuhl heimisch ist, ihren Gesang. Ein Gesang, der mein Herz berührt, es ist außergewöhnlich beeindruckend und einfach wunderschön. Leider gab es einen Wermutstropfen, ich kann keine Fotos von diesem Tag zeigen, da meine SD-Karte abgeraucht ist. Aber solche Erlebnisse behält man dennoch im Herzen, auch ohne Fotos.
Nun ist es schon Herbst, und die Fotosaison hat ihren farblichen Höhepunkt. Ich bin begeistert von dieser Jahreszeit mit ihren Farben, Gerüchen und der leichten Ahnung des kommenden Winters. Die Nebel steigen wieder auf, und es wird dunkler und geheimnisvoller in den Wäldern. Jetzt zeigen sich auch die heimlichen Gesellen des Waldes. Die Pilze. In ihrer Mannigfaltigkeit sind sie ein begehrtes Ziel für Fotografen. Einfach tolle Motive, die abzulichten richtig viel Spaß macht.
Doch einer dieser Gesellen hat es mir besonders angetan. Einer, den ich schon ein paar Jahre gesucht habe, aber bei uns in der Ecke nirgends gefunden habe. Doch nun hatte ich Erfolg. Dank zweier lieber Fotofreunde konnte ich ihn ablichten, den BSR. Das ist aber Stoff für den nächsten Artikel. 🙂
In diesem Sinne schließe ich nun ab für heute. Lasst es euch gut gehen und genießt den Herbst mit seinen vielen Facetten.
Macht’s gut und bleibt neugierig.
PS. Wer mag kann mal hier reinschauen https://campingnerd.de/schwarzwald/ Netter Artikel von Marcel Eckert über seine Erfahrungen im Schwarzwald
Gespensterwald heißt dieser geheimnisvolle Ort in der Nähe von Rostock.
Der vorhergesagte Nebel würde diesem allseits längst bekannten Fotoziel den richtigen Look verleihen. Ein herbstliches Bild zum einläuten der nächsten Jahreszeit.
Es ist eine gute Stunde vor Sonnenaufgang. Der Wald versteht es, einen das Fürchten zu lehren. Das Licht der Stirnlampe wird im Wald – während des Spaziergangs an die Küste – auf beängstigende Weise geschluckt.
Hier ein Geräusch – dort ein Geräusch. Warten etwa die Gespenster schon auf besessene Fotografen? Keine weitere Menschenseele weit und breit. Ein mulmiges Gefühl erobert einen so langsam…
Dann kommt die Erlösung. Die Morgendämmerung lässt die Ostsee erahnen. Der Ort des Begehrens kommt näher; dort wo die Ostsee die Buchen und das Unterholz geformt hat.
Bizarr geformte, weit auseinander stehende flüchtende Buchen, dünnes bis kein Unterholz. Knorrige Bäume mit spärlichen Kronen. Dazu der Nebel. – Ob nur die Ostsee oder doch tatsächlich Gespenster, Fabelwesen oder Geister diesen Ort geprägt haben, das bleibt offen. Es ist jedoch dieser mystische Eindruck, der diesem Ort seinen Namen gibt.
Manchmal ist man draußen in der freien Natur unterwegs und kommt sich doch vor wie im Zoo. Die gängige Annahme, dass es einerseits Haustiere (lassen einen nah ran) und andererseits Wildtiere (rennen immer sofort weg) gibt, wird dann auf eine harte Probe gestellt. In der Fachsprache bezeichnet man dieses Phänomen als „Habituierung“: Das heißt nichts anderes, als dass sich freilebende Tiere an Menschen gewöhnt haben, sich durch unsere Anwesenheit nicht gestört fühlen und dementsprechend eine geringe Fluchtdistanz haben. Bei Tierfotograf/innen natürlich sehr begehrt! Aber auch wer einfach nur beobachten will, wird an einer solchen Begegnung viel Freude haben.
Im August dieses Jahres haben wir zu mehreren einen Kurzausflug in die Schweiz unternommen, genauer gesagt: zum Niederhorn oberhalb des Thuner Sees. Steffi hat hierüber bereits berichtet („Sommernebel“) und eine ganze Reihe atemberaubender Landschaftsaufnahmen gezeigt, sowie natürlich Bilder von schönen Menschen. Dazu muss gesagt werden: Landschaft und Menschen in allen Ehren, die sind wirklich toll da oben. Aber die eigentliche Attraktion am Niederhorn sind doch (zumindest in naturfotografisch affinen Kreisen) die Steinböcke.
Ich muss gestehen, dass ich bis dahin noch nie einen Steinbock gesehen hatte. Es hat sich einfach nie ergeben. Die kommen halt auch nicht flächendeckend in den Alpen vor. Aber getreu dem Motto „Lieber spät als nie“ sind wir an besagtem Sommerwochenende in dieses bekannte Gebiet mit Beobachtungsgarantie gefahren und waren voller Hoffnung.
Und siehe da: schon an Tag 1 wurden wir fündig.
Schöne Tiere, gar keine Frage. Und definitiv habituiert! Jedoch war der Nebel nicht nur hartnäckig, sondern er hat der Szenerie doch irgendwie auch einiges an Reiz genommen. Wir hatten alle das Gefühl: Da geht noch mehr! Zudem bestand diese kleine Gruppe ausschließlich aus Weibchen und Jungtieren, und wir hofften natürlich auf einen richtigen Bock mit imposantem Gehörn (dämlich, aber wahr). Also früh ins Bett und am nächsten Morgen vor dem ersten Hahnenschrei raus ins Gelände. Der Blick an den dunklen Himmel zeigt ein paar funkelnde Sterne… Los geht’s!
Die Landschaft ist wirklich absolut beeindruckend, daran besteht überhaupt kein Zweifel – erst recht natürlich an einem so wunderbaren Sommermorgen. Ich habe mich in dem Moment bei dem Gedanken ertappt: „Okay, selbst wenn heute überhaupt kein Tier meinen Weg kreuzen sollte, war es doch schon jetzt ein grandioser Tag und ein lohnender Ausflug.“
Aber es blieb nicht bei der Landschaft…
Die Wanderwege am Niederhorn sind zwar nicht schwierig zu begehen, aber die Abhänge sind doch recht steil, und man möchte lieber nicht stolpern oder gar fallen. Also habe ich (unausgeschlafen und schwer bepackt, wie man an so einem Morgen nun mal ist) vor allem konzentriert auf meine Füße und die nächsten ein, zwei Meter geschaut. Irgendwann dann aber doch aus dem Augenwinkel die Wahrnehmung einer Bewegung im Gras.
Ein Alpenschneehuhn! Und zwar nicht nur eines, sondern sogar gleich ein ganzer Schwung. Selten gesehen, noch nie fotografiert, und dieses hier aus vielleicht fünf Metern Entfernung – Euphorie! Mein hektisches Gepacke am Fotorucksack war aber wahrscheinlich doch ein bisschen zu viel für die Tiere, so dass sie sich gemächlich hangabwärts und aus meinem Blickfeld getrollt haben. Die wussten genau, dass ich ihnen dahin nicht folgen würde! Die waren also eher semi-habituiert. Aber das Adrenalin hatte mich endgültig wach gemacht, und ich war bereit für weitere Begegnungen der tierischen Art.
Die Artenvielfalt bei der Tierwelt des Niederhorns ist eher überschaubar, und das gilt auch für die Vögel. Aber diejenigen, die dort vorkommen, sind allesamt sehenswert und auch sehr spezialisiert an den alpinen Lebensraum. So auch die Alpendohle – nomen est omen! Schon längere Zeit hatten wir ihre Rufe gehört und auch mal in größerer Entfernung einen kleinen Schwarm gesehen. Es dauerte aber eine gewisse Zeit, bis sie auch mal näher kamen. Sehr schön anzusehen sind diese kleinen Rabenvögel! Gut unterscheidbar waren die Altvögel (mit gelbem Schnabel, der schön mit dem schwarzen Gefieder kontrastiert) und die Jungvögel (mit dunklem Schnabel, wie oben zu sehen). Öfters waren sie auch mal im Familientrupp unterwegs, wobei die (flüggen!) Jungvögel permanent um Futter bettelten. Man kann’s ja mal versuchen…
Dann, mit einem Mal, tauchte ein wirklich großer Schwarm von Alpendohlen auf. Ein spektakulärer Anblick in dieser zerklüfteten Berglandschaft über dem Nebelmeer!
Aber wo waren die Steinböcke? War das hier einer?
Weit weg, aber doch deutlich erkennbar: Nein, kein Steinbock, sondern eine Gämse. Und zwar beim morgendlichen Sonnenbad. Es sei ihr gegönnt.
Wir liefen weiter, inzwischen schon wieder zurück in Richtung unserer Unterkunft. Die Mägen knurrten immer lauter, und das Licht der Sonne schien immer greller. Das Ende unserer Frühexkursion rückte immer näher. Da, plötzlich, wieder eine huschende Bewegung vor uns auf dem Weg. Auch das ganz sicher kein Steinbock (viel zu klein!), aber dennoch Grund zu großer Begeisterung: ein weiterer Schwung Alpenschneehühner!
Gar nicht so einfach zu sehen, oder? Es waren drei oder vier erwachsene Tiere im Sommerkleid (im Winter haben sie ein fast rein weißes Gefieder), die in aller Seelenruhe im Bereich des Wanderwegs nach Futter suchten und sich dabei nicht nennenswert durch uns stören ließen.
Da war es wieder, dieses Zoo-Feeling. Man sieht „wilde Tiere“, aber sie lassen einen ausgesprochen nah rankommen und trollen sich dann in aller Seelenruhe. Das machte Lust auf mehr. Und das nächste Highlight wartete auch schon hinter der nächsten Wegbiegung:
Endlich noch einmal Steinböcke! Und sehr zutrauliche noch dazu. Zwar war auch hier kein Bock darunter, sondern wieder „nur“ Weibchen und Jungtiere. Aber die haben dafür ihren ganzen Charme, ihr Showtalent und ihren Sinn für beeindruckende Posen in die Waagschale geworfen. Wir waren wieder voller Begeisterung.
Wenn einem nur nicht immer diese dämlichen Touristen ins sorgsam komponierte Bild laufen würden…
Unser Fazit nach gut 24 Stunden am Niederhorn: insgesamt wenige Tiere, doch diese haben es in sich. Und auf der Zutraulichkeitsskala sind sie schön weit oben angesiedelt. Ein Folgebesuch ist Pflicht, allein schon für die Chance einer Begegnung mit dem König der Berge.
An einem Sommerwochenende 2023 soll es hingehen. Wer kommt mit?
Trüb ist es heute, hier an der normannischen Küste. Der Himmel ist grau, das Meer auch und es fällt leichter Nieselregen. Der Strand ist fast menschenleer, und viele Restaurants und Cafés haben ihre Saison bereits beendet. Ich schaue aufs Meer hinaus und genieße das Rauschen des Meeres und die Ruhe der Nachsaison. Mein Blick bleibt an einem roten Boot hängen, und ich beobachte, wie zwei Männer damit beschäftigt sind, dieses an Land zu holen.
Das ist hier, an der Alabasterküste der Normandie, nichts Ungewöhnliches. Aber da es ja sonst nicht viel zu gucken gibt, beobachte ich die beiden weiter. Während der eine das Boot sichert, läuft der andere mit einer gelben Kiste zurück ans Wasser und fängt an, Fische auszunehmen.
Das muß ich mir doch unbedingt genauer anschauen!
Leider bin ich der französischen Sprache nicht mächtig, und wie gerne würde ich ihn fragen, ob ich in fotografieren darf. Ich versuche es mit einem Lächeln, mache zögerlich ein erstes Foto und warte auf seine Reaktion – es kommt ein freundlicher Blick zurück und schon liegt seine Konzentration wieder voll auf der Arbeit.
Das mit der Ruhe ist nun auch vorbei, denn die Möwen haben „den Braten gerochen“ und stürzen sich mit Geschrei auf die ins Meer zurück geworfenen Innereien.
Aber nicht nur die Möwen werden vom fangfrischen Fisch angelockt, und so wechselt, schon gleich nach dem Säubern, der erste Fisch seinen Besitzer.
Für mich wird es nun Zeit, die Kamera einzupacken und die Leute in Ruhe zu lassen, denn ich möchte die Geduld und Freundlichkeit der Einheimischen nicht überstrapazieren. Zumal es nun Mittagszeit ist und mir der Magen knurrt. Gibt es Fisch? Bestimmt!
23. September 2022, Saint-Pierre-en-Port, Normandie, Frankreich
Die Szene: Eine Handvoll Männer steht herum auf einer Art Plattform, über ihnen der abendlich-blaue Himmel. Sie sind mehr oder weniger jung, mehr oder weniger sportlich, ja teilweise athletisch. Alle tragen Hemd und Jeans in einer Mischung aus coolem, ländlichem Chic und Arbeitskleidung.
Das Rätsel: Wer sind sie und was tun sie da? Tun sie überhaupt irgendetwas? Warten sie auf etwas Bestimmtes?
Sind es vielleicht Bauarbeiter? Eher nicht, denn sie tragen keinerlei Schutzkleidung. (Und dass ich mich mit dieser Thematik seit Village People bestens auskenne, habe ich hier im Detail dargelegt.) Was immer sie dort oben tun, geschieht jedenfalls eindeutig mit großer Konzentration und Ernsthaftigkeit, und es mutet irgendwie zeitlos an.
Also?
Hm, ich fürchte, so kommen wir nicht weiter. Treten wir also einen Schritt zurück und nehmen eine etwas weitere Perspektive ein.
Das Puzzle: Aha, die stehen auf dem Dach eines LKWs. Der parkt rückwärts zu einer Ansammlung von Menschen hin, und dann sind da noch diverse Absperrungen. Und eine Reihe stattlicher Palmen. Aber bei der Lösung unseres Rätsels hilft das alles nur bedingt weiter.
Es muss noch ein weiteres Bild her.
Das Puzzle setzt sich weiter Stück für Stück zusammen. Hier haben wir es also mit einer Art Volksfest zu tun. Darin scheinen Pferde eine gewisse Rolle zu spielen, und auf ihren Rücken Leute in schicken Hemden – etwa die gleichen wie bei den Kollegen auf dem LKW-Dach? Und diese massiven Absperrungen, sind die etwa zum Schutz vor den Gäulen? Wohl kaum.
Die Auflösung: Wir befinden uns im Örtchen Le Grau-du-Roi an der französischen Mittelmeerküste. Ein zentraler Akteur ist nicht auf den Bildern zu sehen, und zwar der Stier (taureau) bzw. die Stiere. Diese stehen im Zentrum der zehntägigen fête du Grau im September. Im Hinterland der Küste gibt es verschiedene Viehzucht-Betriebe (manade), die unter anderem die Camargue-typischen schwarzen Stiere halten. Die Beziehungen zur lokalen Kultur und den Traditionen sind vielfältig, und das spiegelt sich auch im Programm des örtlichen Festivals wider. Stiere werden in Transportern aus dem Umland in den Ort gebracht und dort entweder durch die Straßen und Gassen zur Arena hin getrieben (abrivado) oder aber, wie auf den oben gezeigten Bildern zu sehen), von der Arena wieder zurück auf die Weiden (bandido). Wobei es in der heutigen Praxis für die Stiere eigentlich heißt: raus aus dem engen, dunklen Transporter, in Panik durch die engen Straßen voller Menschen (meist hinter den Absperrgittern), rein in den nächsten Transporter, ständig angetrieben von den Jungs (und Mädels) hoch zu Pferde mit ihren langen, spitzen Stangen. (Das gesamte Festprogramm und einige Hintergrundinfos mitsamt Fotos sind hier zu finden.)
Die Reflexion: Ich sage es ganz offen, ich bin ziemlich zwiegespalten über diese ganze Angelegenheit – „tradition taurine“ hin oder her. Natürlich beeindrucken auch mich die archaisch anmutende Atmosphäre, die schnaubend-nervösen Pferde, die athletischen Reiterinnen und Reiter und dann der gedrungen-muskulöse Stier.
Und zugleich denke ich: Was soll das, was machen die da? Pferchen die Stiere in einen LKW ein, jagen sie einen nach dem anderen mit Stangen hinaus ins Freie (das machen die Jungs auf dem Dach), wo diese dann panisch losrennen etc. (s. oben). Und für wen das alles? Für die lokale Bevölkerung und die Bewahrung ihrer kulturellen Traditionen? (Als ob dieses Argument irgendetwas rechtfertigen würde.) Für mich als Touristen, damit ich in den Ort komme und meine paar Euros dort ausgebe? Oder gar für Blogautoren, damit sie den Namen Grau-du-Roi in die Welt hinaustragen?
Ich habe keine klare Haltung dazu, aber doch eine Tendenz. Und Ihr? Eine Protestaktion von Tierschützern habe ich übrigens nicht gesehen.
Ende Juni durfte ich meinen lieben Fotokollegen @horstmaier in seinem „fotografischen Territorium“ ;-), dem Nordschwarzwald, besuchen. Horst hatte mich nach knapp 1 ½ Stunden Autofahrt am späten Samstagvormittag bei sich zuhause sehr herzlich empfangen. Nach einer kleinen Hausführung und einer guten Tasse Kaffee ging es zunächst für einen kleinen Spaziergang mit seiner Hündin in das benachbarte Waldstück.
Horst hatte sich bereits im Vorfeld Gedanken gemacht, welche Highlights er mir in seiner Heimat gerne zeigen möchte. So sind wir nach dem Waldspaziergang in das Landschaftsnaturschutzgebiet Heimbachaue gefahren. Ein wunderschönes Gebiet und ich kann verstehen, lieber Horst, dass dies mit unter einer Deiner Lieblingsorte ist und Du oft zum Fotografieren dort bist. In der Heimbachaue sind Blässhühner, verschiedene Libellenarten, seltene sowie gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu sehen. Immer wieder sind wir stehen geblieben und beobachteten alle Tiere und Pflanzen um uns herum. Das Fischerhäusle im Naturschutzgebiet wirkt besonders idyllisch. Dort wird im Inneren des Hauses die Geschichte der Heimbachaue dokumentiert. Horst hatte mir während der Tour erzählt, dass er im Fischerhäusle schon einmal selbst seine Fotos ausstellen durfte.
Im Anschluss der Tour und zur Stärkung für unseren nächsten Programmpunkt am Abend ging es für uns, zusammen mit Horst seiner Frau, in das Gasthaus Waldgericht in Dornstetten. Wir haben dort gemütlich auf der Terrasse gesessen, uns dabei währenddessen viel zu erzählen gehabt und sehr gut gegessen.
Nach dem Essen ging es für uns zwei dann weiter Richtung Schwarzwaldhochstraße. Genauer gesagt zunächst zur Aussichtsplattform Schliffkopf. Der Himmel war zwar leider stellenweise mit Wolken verhangen, aber die Sonne konnte sich dennoch ab und zu durchringen und zauberte uns eine schöne Sonnenuntergangsstimmung mit Blick auf den wunderschönen Schwarzwald und in die Rheinebene. Von der Aussichtsplattform ging es kurze Zeit später weiter aufwärts zum Gipfel des Schliffkopfs. Ganz alleine waren wir dort jedoch nicht. Unterhalb des Gipfels, auf der angrenzenden Kuhweide, durften wir eine Zeit lang ein dutzend Kühe beim Grasen beobachten. Auf dem Rückweg zum Auto nahmen auch die Kühe plötzlich ihr Tempo auf und wir konnten kurz darauf den Bauern beobachten, wie er Futter für die Tiere vorbeigebracht hatte. Die Freude bei den Kühen war dementsprechend groß 🙂 Der erste erlebnisreiche Tag ging damit recht schnell zu Ende.
Bei der Aussichtsplattform SchliffkopfBlick in die RheinebeneGlücklicher Horst Zufriedene Kuh Kuhbegegnung SchwarzwaldblickSchöne Stimmung bei SonnenuntergangSchwarzwaldliebe
Für Sonntag hatte sich Horst ebenfalls eine schöne Unternehmung ausgedacht. Der Wecker klingelte bereits um 06.00 Uhr. Nach gut einer Stunde Fahrtzeit konnten wir das Ziel erreichen: Die Gertelbach-Wasserfälle im Bühlertal. Um die Wasserfälle in aller Ruhe fotografieren zu können und dabei möglichst wenig Wanderern zu begegnen, ist das frühe Aufstehen unbedingt notwendig und lohnt sich allemal. Für uns ging es über zahlreiche Brücken, Stege und vorbei an imposanten Felsformationen, dann stets bergauf zu den wilden Wasserfällen. In der frühen Morgenstunde war es dort noch recht kalt, aber in der Sommerhitze am Nachmittag bieten die Wasserfälle bestimmt eine willkommene Erfrischung.
Das intensive Grün entlang der Pfade und auch die Wasserfälle sind wirklich sehr beeindruckend. Wie ihr Euch bestimmt vorstellen könnt, waren wir sehr mit unseren Kameras beschäftigt und hatten daher nicht groß auf die Uhrzeit geachtet. Auch hier, lieber Horst, kann ich nun Deine Faszination für diesen Ort sehr gut nachempfinden.
Gertelbach Wasserfälle Horst bei der ArbeitIdylle pur Bei den Gertelbach WasserfällenWunderschönes Ambiente Traumhaft
Die Sonne wollte sich an diesem Tag leider nicht mehr blicken lassen. Da es nach einiger Zeit doch etwas frisch wurde, hatten wir uns für den Heimweg entschieden. Den Ausklang von unserem gemeinsamen Wochenende fanden wir dann bei Horst im Garten.
Gegen späten Nachmittag ging es für mich – mit unvergesslichen Eindrücken im Gepäck – dann wieder zurück Richtung Heimat. Danke lieber Horst, dass Du Dir die Zeit genommen und mir zwei Tage lang den Nordschwarzwald mit Deinen Lieblingsorten gezeigt hast. Es war eine tolle Zeit! Das Markgräflerland wartet bereits auf Dich 🙂
Ein Maimorgen am Stadtrand von Haapsalu im Nordwesten von Estland. Obwohl es noch früh am Tag ist, steht die Sonne bereits über dem Horizont. Die Ohrentaucher, für die ich eigentlich hergekommen bin, lassen sich nirgends blicken. Also fahre ich mit dem Mietwagen im Schritttempo weiter auf dem Asphaltsträßchen am Rande des Gewerbegebiets auf der Suche nach anderen Motiven. Es ist Sonntag, und ich bin als einziger zu dieser frühen Stunde unterwegs. Soll mir recht sein!
Gerade rolle ich aus der Sonne in den Halbschatten eines Gebäudes am Straßenrand, als ich im milden Gegenlicht mitten auf dem Asphalt einen kleinen Vogel erblicke. Nach einem kurzen Moment erkenne ich: ein Flussregenpfeifer, wie schön! Und noch dazu sehr nah. Also jetzt ganz sachte das Auto in einem günstigen Winkel angehalten, die Fensterscheibe heruntergelassen, die Kamera in Anschlag gebracht und schließlich ausgelöst. Einige Bilder sind bereits im Kasten, als ich kurz absetze und etwas umherschaue. Und siehe da: Ein Stück weiter sitzt ja noch einer! Ein Paar?
Ich habe kaum nachdenken können, wie sich wohl beide Vögel in eine Komposition einbauen lassen, da geht es auch schon los: Die beiden stürzen sich aufeinander und attackieren sich unglaublich schnell und aggressiv. Sie flattern, rennen, treten und hacken, als gehe es ums nackte Überleben. Die Straße wird plötzlich zur Kampfarena! Ich habe meine liebe Not, die Streithähne im Bildausschnitt zu halten und wage kaum zu atmen. Was für eine Szene! Schon nach wenigen Minuten ist das Spektakel vorbei und die Rivalen gehen ihrer Wege.
(Dieses Foto mitsamt Text wurde im diesjährigen August-Heft der Zeitschrift NaturFoto unter dem Titel „Duell auf der Straße“ in der Rubrik „Augenblick“ abgedruckt.)