Auf die Ziege gekommen

Unser Erlebnis klingt fast wie eine Szenerie aus einem lustigen Hollywood-Film.

Im Jahr 2018 ging es für uns in den ersten gemeinsamem Wanderurlaub in das wunderschöne Ultental in Südtirol. Völlig fasziniert und begeistert von der wunderschönen Landschaft, konnten wir jeden Tag tolle Wanderwege erkunden und genießen. Eine Wanderung führte uns hier hoch hinauf auf die „Gleckspitze“, ein 2957 m hoher Berg in den Ortler-Alpen. Wir starteten unten im Tal bei ca. 1800 m und waren insgesamt 18 Kilometer unterwegs. Auf dem Gipfel des Berges angekommen, konnten wir uns in das Gipfelbuch eintragen und für den Rückweg mit einem guten Vesper stärken.

Während dem Abstieg entdeckten wir aus einiger Entfernung einen jüngeren Mann, welcher mit einer Ziege auf dem Wegesrand stand und mit dieser wild umher gestikulierte. Unser Weg führte uns direkt an den beiden vorbei. Natürlich konnte ich meine Neugier nicht lassen und hatte nachgefasst, ob wir ihm behilflich sein können. Der junge Mann erklärte dann, dass die Ziege nach unten ins Tal gehöre und hatte bei uns freundlich nachgefasst, ob wir sie auf unserem Wege mitnehmen könnten. Im Tal selbst ist nämlich ihre Ziegenherde. Wir haben diese „Mission“ natürlich gerne an uns genommen und hatten es somit zur Aufgabe gemacht, die Ziege zu ihrer Herde zu führen. Anfangs recht problematisch und störrisch, hatte sich die Ziege nach einigen Minuten beruhigt und folgte uns ab diesem Zeitpunkt auf Schritt und Tritt. Der steinige und schmale Abstieg war recht schwierig und forderte eine gewisse Konzentration und Trittsicherheit.

Nach rund 3 Kilometern konnten wir allmählich die Herde aus der Ferne erkennen. Wir freuten uns sichtlich und hatten die Mission für uns so gut wie erledigt angesehen. Nach weiteren Schritten und Abstiegen war es dann endlich soweit: wir waren bei der Herde angekommen und hatten uns sehr darüber gefreut. Glücklich, dass die Ziege wieder bei ihrer Herde war, drehten wir uns also um und folgten dem Wanderweg weiter.

Es dauerte nicht einmal eine Minute, da konnten wir wieder die Glocke der Ziege wieder hören. Als wir uns umdrehten und „unsere“ Ziege wieder dicht hinter uns war, konnten wir es fast nicht glauben. Die Ziege hatte sich kein Stück für die Herde interessiert und hatte nun uns wohl als ihre neue Herde angesehen.
Wir versuchten alles mögliche, sie auszutricksen und ihre Aufmerksamkeit auf die anderen Ziegen zu lenken, aber leider blieben alle Anstrengungen erfolglos. So verfolgte sie uns also weiterhin und war nun plötzlich ein treuer Begleiter geworden.

Nach ca. 2 Kilometer passierten wir eine große Weidefläche, auf welcher Pferde grasten. Hier hatte es sich eine Familie mit ihren Kindern bei einer Vesperpause gemütlich gemacht. Die Kinder hatten unsere Ziege schon längst entdeckt und freuten sich über unsere tierische Begleitung. Ausgestattet mit Brot und Obst fingen diese dann an, die Ziege zu füttern. Wir waren uns sicher: das ist nun unsere Chance!

Wir entfernten uns also immer weiter von der Ziege und blickten immer wieder zurück, um zu beobachten, ob sie uns verfolgen würde oder nicht. Die Kinder hatten die Ziege mit ihrem Essen so verführt, dass wir für sie daraufhin scheinbar uninteressant waren. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge führten wir also unsere Wanderung fort, wohl wissend: der Ziege geht es gut.

Die besagte Ziegenherde

Nach einigen Kilometern talabwärts kehrten wir dann gemütlich in der Almwirtschaft ein. Wir ließen die Wanderung und das Erlebnis mit der Ziege Revue passieren und mussten immer wieder über diese außergewöhnliche Begegnung lachen. Eine gute halbe Stunde saßen wir also in der Wirtschaft, da hörten wir auf einmal wieder ein Glockengeläute. Wir scherzten noch „vielleicht ist es ja wieder unsere Ziege“. Wenige Minuten später war es klar: um die Ecke kam tatsächlich unsere Ziege gehuscht und hatte sogar die gesamte Ziegenherde im Schlepptau. Wir staunten nicht schlecht und konnten es kaum glauben.

Das lustige Ende dieser Geschichte: wir saßen zunächst noch einige Minuten gemütlich in der Almwirtschaft, die gesamte Ziegenherde versammelte sich vor dieser Alm. Nachdem wir unsere Getränke leer und die Rechnung beglichen hatten, ging es für uns daraufhin Richtung Parkplatz zu unserem Auto. Unsere Ziege verfolgte uns hier wieder Schritt für Schritt.

Am Auto angekommen, gab es für uns noch die Herausforderung die Autotüren zu öffnen, ohne das wir plötzlich eine Ziege mit an Bord haben. Während mein Freund die Beifahrertür rasch aufhielt, konnte ich hinein springen. Er rannte dann schnell um unser Auto herum und konnte so auch zügig auf der Fahrerseite einsteigen. Im Rückspiegel konnten wir dann einen letzten Blick auf „unsere“ Ziege werfen.

Rückblickend betrachtet klingt es selbst noch für uns wie aus einer Komödie, aber es ist alles wirklich so geschehen. Eine Urlaubsbegegnung, welche man nie vergisst! 

Der steile Abstieg zurück ins Tal

Tierisch vegan

Um jedem Shitstorm vorzugreifen: In diesem Beitrag geht es nicht um Ernährungsvorlieben (wobei ich mich schon frage, was sich hinter einem veganen Bio- Mineralwasser verbirgt…) und erst recht nicht darum, die verschiedenen Möglichkeiten/ Philosophien zu werten.

Dieser Beitrag soll ein bisschen Humor in schwierige Zeiten bringen und wurde von mir mit einem Augenzwinkern geschrieben.

Ich liebe die Momente, in denen sich beim Kochen eine Kartoffel in Piggeldy und Frederick verwandelt und man Hemmungen hat die „tierische“ Knolle für das Abendessen zu opfern. Die Natur hat Humor und zeigt uns diesen an unzähligen Orten, wir müssen nur hinschauen.

Gerade jetzt im Frühling gibt es viel Lustiges zu entdecken. Da verwandelt sich eine Mohnblume mit Ohren…

…nach kurzer Zeit in ein witziges Schnabeltier.

Viel Spaß beim Suchen, Finden und Schmunzeln.

Menschenskind

Alle fotografieren Kinder. Früher wanderten diese Fotos in Alben, um die Höhepunkte im Leben von Kindern zu dokumentieren. Heute verschwinden sie meistens auf Speicherkarten und werden rasch vergessen, weil es ja immer neue gibt. Vielleicht werden diese Speichermedien irgendwann mal wichtige Erbstücke. Als Teil der Straßenfotografie sind Kinder aber sehr anspruchsvoll. Es geht eben nicht einfach ums niedlich sein, oder bezaubernde Augenblicke. Es geht um die Welt von Kindern. Dafür braucht es mehr als eine passende Kamera…

Es geht um das Leben, wenn es um Kinder geht. Es geht um Spontanität, unverbaute Gefühle, Freiheit, Leichtigkeit …

Die Faszination entstammt dabei nicht nur dem Moment, sondern auch den eigenen inneren Bildern, unseren Erinnerungen an unsere Kindheitsmomente…

Deshalb berühren uns manche Fotos auch so sehr, weil wir uns selbst in ihnen spiegeln.

Kinder machen so wunderbar natürliche, seltsame, naheliegende Dinge, auf die wir Erwachsenen nicht mehr kommen…

Alle diese Fotos sind entweder schon vor Jahren und außerhalb Deutschlands entstanden oder werden mit Einwilligung der Eltern (und der Kinder) hier veröffentlicht.

Kinder brauchen fürsorgliche und rücksichtsvolle Fotografen!

Unterwegs im Nordschwarzwald 1

Wo soll man beginnen, wenn man über den Nordschwarzwald berichten möchte? Ich würde sagen, am Besten vor der eigenen Haustür.

Wenn man, wie Ich, das Glück hat, in einer der schönsten Ecken von Deutschland zu leben und gleichzeitig ein so schönes Hobby auszuüben wie die Fotografie, ist es einfach, tolle Plätze zu finden um schöne Fotos zu machen. Ich muss tatsächlich nur vor die Haustüre treten und bin schon mit wenigen Schritten im Wald.


Ich war schon als kleiner Knirps ein richtiges Waldkind. Als ich dann in den Schwarzwald zog, war es für mich fast wie nach Hause zu kommen.

Ich liebe den Wald, und zwar zu jeder Jahreszeit. Ich liebe das tiefe Grün der Bäume, den Duft im Frühjahr, wenn die Natur erwacht, den Gesang der Vögel und das Summen der Insekten, wenn das Jahr weiter voranschreitet, die Farben des Herbstes, die Stille und das Innehalten im Winter.

Dort in der Nähe von Loßburg kann man all das entdecken. Streift man durch die Wälder, findet man einsame Wege, kleine Wasserfälle und Bäche, die zum Verweilen einladen. Ich genieße es, dort mit meiner Kamera unterwegs zu sein.

Ein besonderes Fleckchen ist mit Sicherheit das Heimbachtal. In der Nähe von Betzweiler kann man Wanderungen durch die Heimbachaue unternehmen. Dort ist auch mein bevorzugtes Gebiet für meine Makroaufnahmen. Im Naturschutzgebiet sind allerlei Tiere und Insekten zu beobachten. Ein Traum für jeden Fotografen. Sogar der Eisvogel ist dort ansässig. Allerdings hatte ich noch nicht das Glück, ihn vor die Linse zu bekommen.

Bevor die Heimbachaue zum Naturschutzgebiet wurde, nutzte man die dort angelegten Teiche zur Fischzucht. Den damaligen Verantwortlichen der Gemeinde ist es zu verdanken, dass durch ihren Einsatz das ganze Gebiet renaturiert wurde und sich so wieder eine kleine Perle der Natur entwickeln konnte. Zum großen Glück für uns, wie Ich finde.

Folgt man dem Lauf des Baches weiter, kommt man nach einer gewissen Zeit in ein wildromantisches Tal. Dort bin ich gerne zum Fotografieren. Ich genieße die Ruhe an diesem Ort. Da hier fast nie jemand vorbeikommt, kann man sich nach Herzenslust fotografisch austoben oder einfach nur genießen und auftanken.

Ich mache meistens beides. Es hat schon was, außer dem Rauschen des Baches und dem Singen der Vögel nichts anderes zu hören. Wenn man dann die Augen schließt und seine Gedanken schweifen lässt, sich nur auf das Wesentliche konzentriert, ist das Erholung pur. Ihr merkt, ich komme gerade ins Schwärmen.

Dies war nun der erste Ausflug in den Nordschwarzwald. Ich hoffe, Euch hat es vor meiner Haustür gefallen. Doch so wunderschön es dort auch ist, hat der „Black Forest“ noch viele weitere Highlights zu bieten. Tiefe dunkle Wälder, mystische Plätze und vieles mehr. Das sind allerdings andere Geschichten, die ein anderes Mal erzählt werden.

In diesem Sinne. Bleibt neugierig und genießt die ersten Anzeichen des nahenden Frühlings.

sogesehen-Monatsfoto März

Was schreibt man über einen See, der eigentlich nicht existiert?

Im kleinen Dorf Eichen im Südwesten Deutschlands gibt es einen Parkplatz für Seebesucher, einen Seerundweg mit Ruhebänken und unzählige Wanderwege, welche zum See führen (sollen) – jedoch keinen See.

Ganz stimmt die Aussage natürlich nicht, der Eichener See ist sozusagen ein See in Teilzeit. Alle paar Jahre kommt er quasi über Nacht, bleibt ein paar Wochen und verabschiedet sich wieder. Seit ein paar Tagen ist er wieder da. Nach über zwei Jahren Abwesenheit ist dies für die Region natürlich eine Se(e)henswürdigkeit, über die sogar die lokale Presse berichtet.

Die Entstehung des Sees gibt bis zum heutigen Tage Rätsel auf. Mysteriöse Geschichten aus der Vergangenheit und eine sehr seltene Krebsart machen aus dem doch recht kleinen Seelein eine regionale Besonderheit und zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien, Spaziergänger, Fotografen und Zoologen.

Auch ich habe gestern Abend alles stehen und liegen lassen und bin mit Kamera und Stativ bepackt zum See gelaufen. Der Trubel vom Nachmittag war verschwunden und Ruhe kehrte ein.

Herzlich willkommen! Eiemer See.


In der Rubrik „Monatsfoto“ stellt reihum jede/r von uns ein besonderes Bild vor und erzählt die dazugehörige Geschichte. Für den jeweiligen Monat dient es als Titelmotiv auf der Startseite. Eine Übersicht über sämtliche bisherigen Monatsfotos ist hier zu finden.

Ostsee, die dritte (Jasmund)

Warnung: Der folgende Artikel enthält ziemlich viele Fotos von Wasser, Felsen / Steinen und Bäumen. Wer auch nur eines dieser Motive öde findet, möge unverzüglich auf den Zurück-Button klicken… Alle anderen sind herzlich eingeladen, mit mir einen kleinen visuellen Ausflug auf den Jasmund zu unternehmen!

Die Halbinsel Jasmund – wie auch der gleichnamige Nationalpark – ist Teil der wunderschönen Ostseeinsel Rügen ganz im Nordosten dieses unseres Landes. Der geneigte Leser (und die Leserin ebenfalls) wird sich jetzt am Kopf kratzen und fragen: Moment mal – Ostsee? War da nicht schon mal was?

Aber ja doch! Meine Begeisterung für jene Ecke Deutschlands ist so groß, dass dies hier nun schon mein dritter Artikel dazu ist – und damit habe ich noch immer nicht mein ganzes Pulver verschossen! (Wen es interessiert: hier sind die bisherigen Artikel Nummer eins und zwei zu finden.)

Es begab sich aber zu jener Zeit im Herbst 2019, dass ich von meinen Foto-Freunden aus Husum eingeladen wurde, zusammen mit ihnen ein langes Wochenende an der Ostsee zu verbringen. Die haben das schon öfter gemacht, und es wird und wird ihnen einfach nicht langweilig. Hier sieht man den hochkonzentrierten Steffen bei der Arbeit:

Vom Gespensterwald bei Nienhagen (westlich von Rostock, also nicht auf Rügen) habe ich ja schon geschwärmt. Und was kann ich jetzt sagen? Der Jasmund ist anders, aber auch sagenhaft schön und absolut vielfältig. Auch ganz ohne Fotoapparat könnte man dort eine tolle Zeit verbringen.

Aber warum sollte man…?

Sehr gut hat mir gefallen, dass es verschiedenste Landschaften auf ganz kleinem Raum gibt, und alle haben ihren ganz eigenen fotografischen Reiz. Ob man die Steilküste mit den berühmten (und nicht ungefährlichen!) Kreidefelsen mag, oder den Kiesstrand zur schaumigen Ostsee hin, oder natürlich die schier endlosen Buchenwälder auf der Hochfläche – hier ist für jede und jeden etwas dabei! Zumal man natürlich auch zu verschiedenen Tageszeiten ganz unterschiedliche Stimmungen erleben kann.

Am Tag unserer Anreise sind Steffen und ich ein erstes Mal runter an den Strand und haben das silbrige Licht in Szene zu setzen versucht. Davon stammen die ersten vier Aufnahmen hier.

Tags drauf sind wir dann in aller Herrgottsfrühe zu viert (Michael und Peter waren inzwischen zu uns gestoßen) aufgebrochen, um durch die Wälder zu stiefeln und den Morgen am Kieler Ufer (benannt nach dem gleichnamigen Bächlein) zu erleben. So ungewöhnlich war der Anblick von vier „schweren Jungs“ mit großen Rucksäcken und Stativen, dass wir noch am Wanderparkplatz im Wald von einer Polizeistreife angehalten und kontrolliert wurden. Das hätte uns fast um den Sonnenaufgang gebracht! Die haben Nerven…

Aber es ist noch mal alles gutgegangen.

Wie gesagt, die Küste und der Strand und das wunderbare Meer, das ist nur die eine Seite des Jasmunds. Eine Etage höher sieht die Welt ganz anders aus. Und obwohl ein Herbststurm kurz vor unserem Besuch einen beträchtlichen Teil des schönen Laubs von den Bäumen gefegt hatte, konnte man (lies: ich) sich einfach nicht sattsehen an den Buchen.

Und von wegen, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!

Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ich würde nur Pflanzen und Steine und Wasser aufnehmen, kommt jetzt ein Tier. Und ein hübsches noch dazu.

Der Herbst hat doch immer seinen Reiz.

Irgendwann zollt man aber den Tribut fürs frühe Aufstehen und die Polizeikontrolle. Dann wird ausgeruht, getrunken, gegessen und geschnackt.

Man beachte die gefährliche Neigung der Buchen am linken Rand. Hin und wieder bricht eben doch mal ein Stück ab. Dann möchte man nicht zu nah an der Kante gestanden haben. Steffen wurde auch nicht müde, uns immer und immer wieder zu ermahnen, dass wir genügend Abstand halten sollen. Erst recht im Bereich der berühmt-berüchtigten Wissower Klinken.

Aber selbst mit Sicherheitsabstand hat man noch das Gefühl, nah dran zu sein, ja mitten drin in dieser tollen Szenerie.

Einen Pfeil habe ich noch im Köcher: Einen Artikel wird es noch geben mit Fotos von der Ostsee, dann ist diese kleine „Tetralogie“ vollständig. Seid Ihr schon gespannt?

Malen mit Licht (Teil 1)

Lichtspuren in der Dunkelheit zu fotografieren, ähnelt Papiersterne schneiden zur Weihnachtszeit. Die Ausgangsbasis eher langweilig, das Resultat spektakulär. Dazwischen liegen unzählige Versuche und Misserfolge, um am Schluß überraschend tolle Ergebnisse zu bekommen. Ergebnisse, die man nur bedingt kontrollieren, geschweige denn wiederholen könnte.

Feuerwerksraketen, Autoscheinwerfer, Taschenlampen, Lichterketten… die Liste für den „Pinsel“ in der Lichtmalerei ist riesig.

Die Bilder für den ersten Teil der Serie „Malen mit Licht“ sind im badischen Schopfheim- Wiechs bei einem Scheibenfeuer entstanden; im alemannischen Raum auch Schiibefüür genannt. Dieses Feuer findet am Wochenende nach Fasnacht statt und soll den Winter und dessen böse Geister vertreiben.

Auch hier ist das Hilfsmittel eher unspektakulär.

Scheiben aus Buchenholz

Die Buchenscheiben werden an einem langen Stock befestigt, in die Glut gehalten und danach über einen „Holzstuhl“ geschlagen

Das Schlagen der Scheiben erfordert eine spezielle Technik und ist gar nicht so einfach. Groß und Klein stehen Schlange, um ihr Glück zu versuchen.

Geselligkeit bei Grillwurst und Bier. Vorne Hitze, hinten Kühle und über allem der Vollmond. Was will man mehr?

Die Stimmung ist fröhlich, der Geräuschpegel erstaunlich niedrig und die Atmosphäre einmalig.

Am Ende meines Fotoabends habe ich eine Fülle toller Langzeitbelichtungen. Wunderschöne Leuchtspuren von glühenden Scheiben, spektakuläre Funkenflüge und gespenstische Rauchschwaden am Nachthimmel.

Aber manchmal sind es gerade die ruhigen, auf den ersten Blick unspektakulären Fotos, die wie Gemälde wirken, Emotionen wecken und in Erinnerung bleiben.

Lust auf weitere kleine Geschichten zur Lichtmalerei? Dann viel Vergnügen bei und Malen mit Licht (Teil 2) und Malen mit Licht (Teil 3)

Die ersten Sonnenstrahlen

Jeder Tag ist einzigartig und einmalig. Kein Tag gleicht dem anderen. Seitdem ich mich mehr mit der Natur beschäftige und mit meiner Kamera viel unterwegs bin, nehme ich diese besonderen Momente des Tages noch mehr wahr und genieße hierbei jede Sekunde. Mir bereitet es die größte Freude an einem freien Tag früh aufzustehen – Kameraausrüstung, Kaffee und eine Kleinigkeit zum Frühstücken im Gepäck – um dann losziehen zu können und gespannt den Sonnenaufgang zu beobachten. Dies lässt sich natürlich am schönsten an einem ruhigen Ort genießen.

Ein ganz besonderer Start in den Tag ist hier beispielsweise die Teilnahme einer Sonnenaufgangswanderung auf den Hochblauen, ein 1164 Meter hoher Berg am Westrand des südlichen Schwarzwaldes. In einer schönen Sommernacht (gegen 3 Uhr) geht es von Badenweiler aus ca. 700 Höhenmeter hinauf durch den dunklen Wald, um auf dem Gipfel des Hochblauens mit einem unvergesslichen Sonnenaufgang belohnt zu werden. Mit jeder einzelnen Sekunde und jedem neuen Sonnenstrahl erwacht die Natur immer mehr um einen herum. Die Farben am Himmel gehen von einem dunklen Ton über in ein sanftes Rosa und schlussendlich in warme Farben aus Gelb/Orange. Im Zusammenhang mit dem saftigen Grün der Wiesen und Bäume darf man hier einen wunderschönen Augenblick genießen. Nach einer kleinen Stärkung und mit unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck geht es dann wieder talabwärts. Ein ganz besonderer Start in den Tag ganz nach meinem Geschmack.

Platz nehmen und den Ausblick genießen
Auf der linken Seite ist der Aussichtsberg des Schwarzwaldes „Belchen“ (1.414 m) zu sehen

Minimal

Wie viel muss auf einem Foto sein?

Manchmal entsteht das Vergnügen beim Betrachten gerade durch die Reduktion. Und mitunter entsteht der Minimalismus auch durch Zufall. Ein Möwenschwanz erzählt dann eine Geschichte, die ein ganzer Möwenschwarm nicht erzählen könnte.

Alle Quadrate dieses Beitrags sind Scans vom Kontaktabzug analoger Mittelformataufnahmen.

Nimmt man die richtige Perspektive ein, braucht es auch keine Retusche. Allein die Kontraste werden verstärkt, und schon wird ein kleines grafisches Kunstwerk daraus.

Industriebrache

Tatsächlich steht diese Treppe frei in der Landschaft. Alle anderen Teile des Gebäudes wurden abgerissen. Und so entsteht mit ein paar Belichtungskniffen ein eindrückliches grafisches Muster.

Venedig. Arsenale

Doch nicht immer muss etwas frei stehen. Manchmal zeigt sich einfach im Sucher „less is more“. Die Reduktion führt das Auge sofort zum wesentlichen der Aufnahme.

Der Schnitt bekommt – neben den Kontrasten – in solchen Minimals eine überragende Bedeutung. Die Reduktion des S/W trägt das Übrige dazu bei.

Aber nicht vergessen: Minimals bedeuten mitunter maximalen Aufwand.

Nebelwelten

Nebel. Was für ein banales Wort für eine Naturerscheinung, die es in sich hat. Er regt die Fantasie der Menschen an. Sie sehen mystische Wesen in den Schleiern. Er wird als Tor in andere Welten gesehen und strahlt seine eigene Magie aus. Geschichten ranken sich über ihn und es existieren allerlei lyrische Ergüsse, die sich mit diesem Naturereignis beschäftigen. Es gibt sogar Menschen, die sich vor ihm fürchten, in Sorge welch geheimnisvolle Wesen sich darin verbergen mögen. Doch was ist mit uns Fotografen? Hat er für uns auch eine besondere Bedeutung? Nun, lasst mich euch meine Sichtweise zeigen und entscheidet selbst.

Für mich persönlich hat Nebel seine ganz eigene Faszination. Ja seinen ganz eigenen Zauber. Ich finde es manchmal atemberaubend,wie sich das Licht im Nebel verändert. Es wird diffus, die Schleier werden fast durchscheinend und das Leuchten wird beinahe überirdisch. Manchmal liegt er wolkengleich über den Tälern und lässt sich von der Sonne bescheinen. Wieder ein anderes Mal ist er wie eine fahle Decke, die die Landschaft einhüllt und sie mit einer geheimnisvollen Stille umgibt. Dieses Besondere, das Licht und die daraus entstehende Stimmung versuche ich dann mit meiner Kamera zu bannen.

Ein anderes Wetterphänomen ist die Inversion, einfach ausgedrückt heisst das, im Tal sind die Luftmassen kälter als auf den Höhen. Dadurch sammelt sich unten der Nebel und über ihm scheint die Sonne. Dann, wenn also im Schwarzwald mal wieder Inversionswetterlage herrscht, kann ich mich kaum beherrschen und in meinem Auslösefinger juckt es verdächtig. Ich fahre also auf die Schwarzwaldhochstrasse im nördlichen Schwarzwald und ziehe mit der Kamera los. Wenn man zum Beispiel auf dem Schliffkopf, oder auf der Hornisgrinde, seinen Blick in Richtung Frankreich zu den Vogesen schweifen lässt, zeigt sich einem oft ein überwältigendes Bild. Das Rheintal liegt mit Nebel bedeckt vor einem und die Hügel des Schwarzwaldes schauen aus dem Dunst. Mal ganz wenig, nur die Gipfel, mal etwas mehr, dem Nebel eine Form gebend. Am Horizont zeigen sich die Vogesen und runden das Bild ab. Wenn nun die untergehende Sonne ihr Licht auf das Nebelmeer wirft, ist dieser Anblick einzigartig. Ich liebe es.

Hier in meiner Heimat Süddeutschland gibt es noch viele andere schöne und landschaftlich äußerst reizvolle Gegenden, die es zu besuchen lohnt. Auch dort hat man gute Chancen, den mystischen Nebel auf Foto zu verewigen. Eine dieser Gegenden ist die Schwäbische Alb. Hier war ich letztes Jahr am Eichfelsen. Dieser liegt oberhalb des Oberen Donautals und bietet bei fast jedem Wetter eine wahnsinns Aussicht. Ich war dort eine gute Stunde vor Sonnenaufgang und konnte schon mal die Stimmung genießen. Der Tag begann zu dämmern und im Tal bildeten sich einzelne Nebelschwaden. Das sah so schon mal nicht schlecht aus, doch was sich mir später bot war fantastisch. Kurz vor Sonnenaufgang bildete sich im Tal ein Nebelfluss. Ich hatte so etwas noch nie gesehen und war dementsprechend von den Socken. Mir fiel sofort der mystische Fluss Styx ein, der in der griechischen Mythologie seine Wurzeln hat, so, genau so stellte ich ihn mir vor. Jetzt fehlte nur noch Charon der Fährmann mit seiner Barke. Also das war genau mein Ding.

Ich schätze mich glücklich hier leben zu dürfen, um solch schöne Landschaften bestaunen zu können. Ob in Süddeutschland oder im Norden. Wenn man die Augen offen hält, findet man immer und überall etwas, wo es sich lohnt die Kamera auszupacken. Burgen, weite Täler, verwunschene Seen und Tümpel, tiefe Wälder und die Höhenzüge der Mittelgebirge. Wenn dann noch die Nebelschwaden über das Land ziehen und die Gegend in mystisches Licht tauchen, ist das für mich ein Highlight im Spiel der Natur. Dann juckt mich der Auslösefinger und meine Fantasie geht auf Reisen zu fernen magischen Orten, an denen die Grenzen zwischen den Welten verschwimmen.

In diesem Sinne, taucht ein in die Nebel und habt ne gute Zeit. Bleibt neugierig!